Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 614 (4.12.1936)
- Date
- 1936-12-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite $ DIB NEUE WELT Nr. 614 vom 4. Dezember 1936 » ' ......• xBEMMAlM, I.: ^M^2mmmm HINMELPFOjmB KÖLLNERHOFQASSE 1 Große Auswahl und Kinder-Wfische, Weiß, waren, Bettwäsche, Strick- und Strumpfwaren usw. usw. In Höfren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kleine Preise gen). Schließlich versteht es sich von selbst, daß die .Wirtschafts- und Finanzreferenten der Jewish Agency und des Waad Leumi das Recht zur Teilnahme an allen Sitzungen des Wirtschaftsrates haben müssen, mindestens mit beratender Stimme. Als Vorbild für den Aufbau könnte etwa der hervorragend bewährte Wirtschaftsrat der Tschechoslowakei dienen. Drei Gruppen würden zu bilden sein: 1. Die Vertretung des selbständigen Unternehmertums, und zwar, was für das jüdische Palästina besonders wichtig ist, einschließlich der Genossenschaftsbetriebe, in folgender Gliederung: Landwirtschaft, Hausbesitz, Handwerk, Industrie, Detailhandell, Großhandel, Bankwesen, Versicherung, Spedition und Lagerhausbetrieb, Schiffahrt, Autobus-, Taxi- und Lastautobetrieb, Gastwirtschaf ts^ und Vergnügungsgewerbe; 2. die Vertretung der Arbeitnehmer unter Heranziehung sämtlicher gewerkschaftlichen Richtungen; 3. die Vertretung der freien Berufe (Rechtsanwälte, Aerzte, Ingenieure, Architekten, Künstler, Schriftsteller, Journalisten, Lehrer — soweit nicht schon im Rahmen der Arbeitnehmervertretung vertreten) und der Konsumenten (Hausfrauen — wobei an die „Wizo" zu denken ist). Ob man jeder dieser drei Gruppen dieselbe Mandatszahl zuweisen oder eine Abstufung vornehmen soll (in der Tschechoslowakei haben die erste und die zweite Gruppe je 60, die dritte 30 Mitglieder), ist keine so schwierige Frage, wie es auf den ersten Blick scheint. Da der Wirtschaftsrat keine gesetzgebenden Befugnisse besitzen, also weder in die Kompetenzen des Zionistenkongresses, noch in die der Palästina-Regierung eingreifen, sondern hauptsächlich mit Empfehlungen, Gutachten und Anregungen und auch gegebenenfalls mit Warnungen und Protesten hervortreten wird, so wird sich auch ein passender Abstimmungsmodus finden lassen. Allgemeine Plenarbestimmungen werden nur dann zulässig sein, wenn sie keine Majorisierung einer Gruppe mit sich bringen. Daher wird jede Gruppe das Recht haben, eine Abstimmung innerhalb der Gruppen zu fordern. Da es sich nicht um Parteipolitik, sondern um sachliche Klärung wirtschaftspolitischer Ansichten handelt, so kann es absolut nicht schaden, wenn in Spezialfragen die drei Gruppen zu drei verschiedenen Gutachten gelangen, oder auch, wenn einmal von elfter Beschlußfassung gänzlich abgesehen wird, falls dem Präsidium die Angelegenheit durch äie Aussprache genügend geklärt erscheint. Wir haben dabei, gerade nach den Ereignissen der letzten Monate, die uns alle wieder zu fester Volksgemeinschaft zusammenschweißten, das entschiedene Vertrauen, daß in den wirklichen Lebensfragen des Jischuws der oberste Wirtschaftsrat immer zu einem einmütigen Beschluß kommen wird — einmütig nicht im Sinne buchstäblicher Einstimmigkeit, sondern in dem Sinne, daß sich innerhalb jeder der drei Gruppen eine Mehrheit dafür gefunden hat. Ein besonderes Maß von Arbeit wird auf die Ausschüsse entfallen, während die Tagungen des Plenums sich nur den wichtigsten Fragen widmen sollen. Die Bausteine des Obersten jüdischen Wirtschaftsrates für Palästina stehen heute schon bereit. Die Arbeiter und Angestellten, die freien Berufe, die Hausfrauen haben im jüdischen Palästina durchwegs ihre exakt arbeitenden Verbände. Was das Unternehmertum betrifft, so ist an die ebenfalls schon bewährten Organisationen der Farmer, der Hausbesitzer, der Handwerker, der Industriellen, der Detaillisten, der Hoteliers, der Kinobesitzer, der Autobuskooperativen und an die erst unlängst errichtete Organisation unserer jungen Schifffahrtsgesellschaften zu erinnern. Nur in den Kreisen des Großhandels, des Bank- und Versicherungsgewerbes läßt der organisatorische Zustand noch etwas zu wünschen übrig. Einen Ersatz dafür gewährt allerdings die Tatsache, daß gerade diese Branchen zu den hauptsächlichsten Trägern unserer jüdischen Handelskammern — eine in Tel-Aviv, eine in Haifa und nimmehr wohl auch bald eine in Jerusalem — gehören. Es wird daher für die Praxis außerordentlich wichtig sein, gerade auch die Handelskammern als Mitwirkende beim Aufbau des Obersten Wirtschaftsrates heranzuziehen. Vor allem würden sich Distriktswirtschaftsräte an die Handelskammern anlehnen lassen. Keiner besonderen Mühe wird es bedürfen, all die hier erwähnten Fach- und Berufsorganisationen zur Nominierung ihrer Delegierten für den Obersten Wirtschaftsrat aufzufordern. Ein jeder, der hierzulande Bescheid weiß, kann im allgemeinen schon jetzt die Namen der Persönlichkeiten voraussagen, an die der Ruf ergehen wird. Eine glanzvolle Liste käme dabei zusammen. Die Jewish Agency könnte ihrerseits ihr Ernennungsrecht für nicht interessenmäßig gebundene Ratsmitglieder dazu benützen, um verschiedene jüdische Wirtachafts- und Finanzkapazitäten von Weltruf sogar an unser Aufbauwerk zu binden. Die Hauptsache ist, daß man so rasch als möglich zur praktischen Arbeit komr t. In diesem £kmmex werden nicht mehr viel Palästinenser nach Europa fahren, und es findet ja auch kein Zionistenkongreß statt. Also werden wir wohl ziemlich all die Leute, die wir dazu brauchen, im Lande behalten und auf sie jederzeit rechnen können. Es ist dann in erster Linie nötig, daß man Mandatszahl und Mandatsverteilung zunächst provisorisch regelt, die Verbände und Handelskammern zur Nominierung der Delegierten veranlaßt und ohne äußeren Prunk rasch die Eröffnungssession einberuft, um die Ausschüsse zu ernennen und ihnen, mit strenger Fristsetzung, den Arbeitsstoff zuzuteilen, der bis zur zweiten Zusammenkunft des Plenums bewältigt sein muß. Woraus aber wird dieser Arbeitsstoff zu bestehen haben? Erstens aus einer Reihe von wirtschaftspolitischen Forderungen an die Mandatarmacht, um den ungestörten Fortgang unserer friedlichen Einwanderung und Aufbauarbeit nach allen Seiten zu sichern; zweitens aus einem Appell an den Jischuw, daß er auch weiterhin die in den letzten Wochen so wunderbar erneuerte Soldarität bewahren und die nationale Arbeit und den Konsum ihrer Produkte fördern möge; drittens aus einem Appell an das Judentum der Diaspora zur verstärkten Mitarbeit an unseren wirtschaftlichen und finanziellen Aufgaben. Um die Forderungen an die Regierung, den Appell an den Jischuw, den Appell an die Diaspora plastisch herauszuarbeiten, wird viel Mühe um Erkenntnis im Detail notwendig sein, von den Problemen der Lehrlingsausbildung im Handwerk bis zur Absatzregelung im Orangenexport, vom landwirtschaftlichen Hypothekarkredit bis zur Abwehr des japanischen Dumpings — um nur ein paar bunt gewählte Beispiele zu nennen. Der Oberste jüdische Wirtschaftsrat für Palästina wird unser Selbstvertrauen, unseren Lebenswillen, unsere unbeugsame Zuversicht verkörpern. Die jüdische Palästina-Wirtschaft hat vor den kritischen Blicken der ganzen Welt eine harte Prüfung überstanden. Man hat draußen Respekt vor uns bekommen. Wir glauben, daß dies der richtige Augenblick ist, um in unserem Wirtschaftsleben den ersten Schritt zu eigenen konstitutionellen Formen zu unternehmen. Vom amerikanischen Judentum Aus New Yor'k wird gemeldet: Im Astoria-Hotel in New York wurde am Sonntag die große Palästina -Konferenz des amerikanisch e n J u d en tu m s eröffnet, die zu der Untersuchung der Kgl. Kommission in Palästina Stellung nehmen soll. An der Konferenz nehmen hunderte Delegierte sämtlicher Organisationen teil, die dem National Council for Palestine angeschlossen sind. Auf der Konferenz sollen Resolutionen angenommen werden, in denen die Judenheit Amerikas ihren Willen zur Fortführung des Aufbauwerkes bekundet und die Richtlinien für die weitere Arbeit festlegt. * Auf der 12. Jahreskonferenz des Campaign der jüdischen Gewerkschaften Amerikas wurde beschlossen, die diesjährige Quote für die Unterstützung der Palästina-Arbeit der Histadruth mit 100.000 Dollar festzusetzen. Die Konferenz sprach ihre Solidarität mit dem Jischuw aus, forderte, daß die jüdische Einwanderung nicht eingeschränkt werde, und dankte den Arbeiterorganisationen Englands und Amerikas für die Unter-' Stützung der palästinensischen Arbeiterschaft in schwerer Zeit. * Auf der in New York eröffneten Konferenz der jüdischen Gewerkschaften hielt der Bürgermeister von New York, Fiorello LaGuardia, eine Ansprache, in der er seinen herzlichen Gefühlen für die jüdische Bevölkerung Ausdruck gab und gegen die Judenverfoigun, g e n in verschiedenen Teilen der Welt scharf Stellung nahm. Bürgermeister LaGuardia sprach auch mit großer Anerkennung von den Leistungen der Juden in Palästina. Es entstehe in diesem Lande ein neues Leben, das vielen Juden Niederlassungs- und Arbeitsmöglichkeiten bieten werde. Weiß- oder Schwarzbrot? Das Gesündeste und Beste ist das dunkle, würzige Wiener Simonsbrot. Mit Butter, Honig oder Käse unübertrefflich an Wohlgeschmack und Genußwert. E Toscamiri in Palästina Aus Tel-Aviv wird gemeldet: Die Orchesterproben des Huberman-Orchesters verlaufen erfolgversprechend. Es hat sich gezeigt, daß der Klang der Streichinstrumente dem der bedeutendsten Orchester vergleichbar ist und auch die Bläser von besonderer Qualität sind. Die Konzerte unter der Leitung Arturo Toscaninis sind wie folgt festgelegt: Tel-Aviv 26. Dezember, Jerusalem 30. Dezember, Haifa 31. Dezember. — Die zweite Abonnement-Serie der Konzerte wird unter der Leitung W. Steinbergs vom 17. bis 21. Jänner unter Mitwirkung des Geigers Adolf Busch (des berühmten reichsdeutschen Künstlers) stattfinden. Adolf Busch wird als' Solist zunächst das Violinkonzert von Beethoven spielen. Von den Judenstaat@zioni$ten Vortragskalend er Ueber „Parität oder Judonstaat" sprechen: Mittwoch, den 9. d., im Biallk-Heim, VII., Kaiser- Straße 80, Oberbaurat Robert S t r i c k o r, Dr. Sal. Wolf. Donnerstag, den 10. d., XX., Staudingergasse 16, Theodor G r u b n e r, Fanny Katz. — XV., Schanzstraße 32, Aron Schwertfinger, Dr. Lucio Offner. Beginn sämtlicher Vorträge halb 9 TJlir abends. * FrauengruppeDeborah. Mittwoch, den 9.d., halb 9 Uhr abends, im Heim, II., Erlafstraße 5. Vortragszyklus Josef Frankel: Geschichte des Zionismus. — Am 15. d. beginnen die Turnkurse für Frauen und Kinder. Anmeldungen und Auskünfte täglich im Heim, IL, Erlafstraße 5. — Am 20. Kinder-Chanuka-Feier in der Restauration Lustig, II., Venedigerau. Sektion XIV / XV, Schanzstraße 8 2. Sonntag, den 6. d., um 3 Uhr nachm., Generalversammlnng. Erscheinen der Mitglieder Pflicht! Makkabäer -Feiern. Sektion X: Am 8. d., im Gartensaal des Arbeiterheims, X., Laxenburgerstraße 8/10. —Sektion XX: Am 15. d. um 8 Uhr abends im Heim, XX., Staudingergasse 16. Reichhaltiges Programm. Sektion .Trater, II., Erlafstraße, 5., Freitag, 4. d., halb 9 Uhr abends, Oneg-Schabbat. Redner: M. S Brafmann. — Am 12. d. im Heim Chanukkafeier. Festredner: Rabbiner Dr. M. Patron. Lichterzünden und Gesang: Oberkantor Feuer.. Gäste willkommen. Judenstaatsjugend. HeT>rüischkurse: Montag., von 8 b;s 10 Uhr abends, IL, Erlafstraße 5; Mittwoch von halb 9 bis halb 11 Uhr abends, IL, Untere Augartenstraße 3. Kursleiter: Rabbiner Dr:« Zwi Schächter. — Mittwoch von halb 7 bis 8 Uhr abends, VII., Halbgasse 1. Kursleiter: M. S. Brafmann. — Englisch für mäßig Vorgeschrittene: Montag von halb 10 bis halb 11 Uhr abends im Heim, IL, Untere Augartenstraße 38. Kursleiter: Ch. Immergut. Aus Amerika Aus New York wird uns berichtet: Nach den Sommerferien, die durch die Euröpareisen mehrerer Leitungsmitglleder der Judenstaatspartei der Vereinigten Staaten bedingt waren, wurde mit einem Propagandameeting in Brooklyn am 31. Oktober die Arbeit wieder aufgenommen. Dieses Meeting hatte einen guten Erfolg. Noch größer war der Erfolg der am Sonntag, den 8. November, abgehaltenen Versammlung in New York. Diese Versammlung, die unter dem Vorsitz des Professors Tschernovitz vor sich ging, hatte als Redner die Herren Professor Solomon Liptzin und Dr. R e i s i n. Professor Liptzin sprach über seine Reiseeindrücke in Europa und Erez Israel und erntete großen Beifall. Insbesondere als er zum Schluß die Notwendigkeit der Schaffung eines Judenstaates in Erez Israel begründete. Dr. Reisin sprach über den Jüdischen Weltkongreß in Genf. Nach den beiden Rednern gab es eine sehr angeregte Debatte und am Schluß wurde das Programm der Judenstaatspartei verlesen. Er erfolgten zahlreiche Beitritte. Demnächst finden Propagandameetings in vielen größeren Städten statt. Die Judenstaatspartei in New York plant eine große Chanukka-Feier und ist zu erwarten, wenn die Aktivität der Judenstaatler anhält, daß es ihnen bald gelingen wird, im jüdischen Leben Amerikas eine große Rolle zu spielen. t. g. Aus Belgien Aus Antwerpen: Eine große Aktivität ist in den letzten Wochen seit der Ankunft von Rabbiner Dr. I. Z. Kann er (Wien) eingetreten. Dr. Kanner hat auf breiter Basis die Organisation und Propaganda der Partei begonnen. In der kurzen Zeit hat sich die Zahl der organisierten Mitglieder verdoppelt. Im Brith Ha« kanaim hat Dr. Kanner einen Rednerkurs eingeführt. Am 29. v. M. fand in Liege eine große Versammlung statt, in welcher Dr. Kanner über „Zionismus am Scheideweg" sprach. Die Versammlung war zahlreich besucht und waren viele Neuanmeldungen zu verzeichnen. Repräsentative Makkabäerfeier des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich, seiner Bezirkssektionen und der WIZO GROSSER KONZERTHAUSSAAL, Dienstag, 8. Dezember 1936. präzise 8 Uhr abends Proaramm• Dr< Alfre<3 Werner: Prolog / Sprecher: Jehuda Ehrenkranz / Lichterzünden: Oberkantor 8 Gerson Margo 1 ies / Der verstärkte Chor des Seitenstetten-Tempels; Dirigent Kurt Fuchsgelb / Festrede; Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich / Kammersänger Igo Guttmann, am Klavier Robert Walter Spitz / Professor Joachim Stutschewaky (Cello), am Klavier Robert Walter Spitz / Jehuda Ehrenkranz, Rezitation / Kammersänger Alexander Kipnis (Staatsoper), am Klavier Robert Walter Spitz / „Ein Volk —- ein Land", Sprechchor von Joachim Prinz; Ausführende: Die Mitglieder des jüdischen Kulturtheaters und drei Jugendsprechchöre. Am Doppelklavier Lily Riegler und Gideon May / Festarrangement: Jüdische Kulturstelle, I., Kai 3.