Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 614 (4.12.1936)
- Date
- 1936-12-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIB NEUE WELT Nr. 614 vom 4. Dezember ^,036 Erstes lief if isches Uolksllederpotpourrl Diese Platte enthält die schönsten jiddischen Volkslieder, gespielt von den Sid Kay's Fellows unter Leitung von 5. Petruschka, Gesang: Ferris Gondosch. Die Bearbeitung und Instrumentierung dieses Potpourris ist einzigartig. Inhalt: 1. Oifn Pripetschck. / 2. Bei mein Rebbn is gewen a Geneive. / 3. Amol is gewen a Masse. / 4. Wenn der Rebbe lacht. / 5. Amul is gewen a klein Jiddele. / 6. A Briefele der Mammes. / 7. Hot Haschern Jisborach arupgeschikt a Hintele. / 8. Fragt die Welt a alte Kasche. / 9. As der Rebbe Abbimelech. Da» Emek-Lied, alle neupalästinensischen Horra's erhalten Sie nur durch Musikhaus EXCELSIOR, Wien, I., Franz-Josefs-Kai 15. C'roßes Lager von neuesten Schlagerplatten, Radioapparaten zu billigsten Preisen. Aus aller Well Die Generalverammlung der Warschauer A d voka t enkamm e r hat mit etwa 1000 gegen 400 Stimmen den von den Nationaldemokraten eingebrachten Antrag auf Einführung des Arierparagraphen abgelehnt. Dem Antrag zufolge sollten in Zukunft nur noch Advokaten zur Berufsausübung zugelassen werden, die bis drei Generationen zurück nichtjüdische Abstammung nachweisen. Ein ähnlicher Antrag wurde . von der Advokatenkammer in Krakau abgelehnt, sodann ein Antrag Dr. Feldblums angenommen, der sich dagegen wendet, daß Konflikte in die Advokatenkammer hineingetragen werden. * In der Sowjetrepublik Uzbekstan leben 25.000 Juden. Ihre soziale Struktur hat sich seit der Revolution radikal geändert. Früher befaßten sie sich nur mit Kleinhandel und Handwerk. Vor zehn Jahren begann Ozet, die Juden von Uzbekstan mit der Landwirtschaft vertraut zu machen. Heute sind 600 Familien mit 3000 Seelen, also 12 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung, in der Landwirtschaft tätig. Sie sind in 15 Kolchosen organisiert, von denen sich elf mit Baumwollkultur, der Rest mit Geflügel- und Schafzucht befassen. Die jüdischen Kolchosen gehören zu den fortgeschrittensten In Uzbekstan. Von der restlichen jüdischen Bevölkerung sind 23 Prozent Arbeiter, 21 Prozent Handwerker, 34 Prozent Angestellte, 8 Prozent in anderen Berufen tätig. Es bestehen ein Schulnetz, zwei Zeitungen und eine Literatur von 460 Büchern mit insgesamt 828.000 Exemplaren in der Sprache der Juden von Uzbekstan. * Der Jüdische Parlamentsklub in Warschau wird an. läßlich der Wiederaufnahme der Sitzungen des polnischen Sejm am Dienstag die antisemitischen Studentenunruhen der letzten Zeit zum Gegenstand einer Anfrage machen und versuchen, eine eingehende Erörterung der Vorgänge an den Hochschulen herbeizuführen. Vom Jüdischen Weltkongreß Die Stellung der englischen Juden Der britische Landesverband für den Jüdischen Weltkongreß hielt unter dem Vorsitz von Rev. Perlzweig in London eine Beratung ab, welcher Delegierte vieler englisch-jüdischer Organisationen beiwohnten. Es wurde eine Botschaft des am Erscheinen verhinderten bekannten Parlamentariers Colonel Josiah Wedgwood verlesen, in der dieser der Kongreß-Idee seine volle Sympathie ausspricht. D. Jochelman und, in Vertretung der religiösen Organisationen, Stadtrat M. H. Da vi es sprachen die Hoffnung aus, daß die offiziellen Vertreter der englischen Judenheit, die sich heute noch fernhalten, in Zukunft helfen werden, die Bewegung des Jüdischen Weltkongresses zu einem vollen Erfolg zu führen. Mit allen gegen drei Stimmen wurde eine von Dr. Baru und P. Horowitz unterbreitete Resolution angenommen, in der dem Jüdischen Weltkongreß die volle Unterstützung in seiner Arbeit zur Erhaltung und Wiederherstellung jüdischer Menschen- und Bürgerrechte und zur wirtschaftlichen Rehabilitierung der jüdischen Massen zugesagt wird. Die auf England entfallende Quote von 1500 Pfund als Beitrag zur Erhaltung des Kongreßbudgets wurde bestätigt. Der Vorsitzende Rev. Perlzweig führte in seiner Eröffnungsansprache aus: Wir sind zusammengetreten, um unseren Glauben an den Jüdischen Weltkongreß als das die Einheit des Judentums schmiedende Instrument neu zu bestätigen; dies angesichts der Bedrohung der jüdischen Bürgerrechte, ja sogar des Rechtes auf Leben und Arbeit. Es wäre ein Wunder gewesen, hätte schon der. Erste Jüdische Weltkongreß die Vereinigung aller einander bekämpfenden jüdischen Gruppen gebracht, immerhin waren auf dem Kongreß etwa 7 M i 1* Honen Juden repräsentiert. Der Kongreß war die repräsentativste jüdische Versammlung seit Beginn der Zerstreuung bis auf den heutigen Tag. Wir werden unsere Basis immer mehr verbreitern, bis wir jene Einheit der jüdischen Ziele vollbracht haben werden, deren wir heute so dringend bedürfen. Der Kongreß hat auch in der Palästina-Frage eine deutlich vernehmbare Sprache gesprochen. Heute blicken die jüdischen Massen überall in der Welt auf England mit Sorge und Hoffnung. Wir glauben, daß England den an es vom Jüdischen Weltkongreß gerichteten Appell, das Mandat über PalästIna furchtlos und gerecht zu erfüllen, beherzigen wirO, , Wir Juden stehen heute auch in England einer a n t if semitischen Bewegung gegenüber, die in ihren Zielen ebenso grausam, in ihren Methoden ebenso skrupellos ist, wie die schwärzeste kontinentale Röaktiön. Wir werden ihr zu begegnen wissen und vertrauen däbei auf Englands großes moralisches Erbe. Aber die Gefahr hat uns die Augen darüber geöffnet, daß wir englische Juden mit dem gesamten jüdischen Volk ein gemeinsames Schicksal haben. Ende einer jüdischen Gründung Aus Prag wird uns berichtet: Vor einigen Jahrzehnten haben Juden die Prager Deutsch-akademische Lese- und Redehalle gegründet und mit riesigen Geldmitteln zu einem mächtigen Bollwerk des Deutschtums in Böhmen ausgebaut. Sie haben dadurch den Haß der Tschechen auf das Judentum gelenkt. Daß die jüdischen Führer der Lese- und Redehalle auch den jüdischen Nationalismus und Zionismus aufs heftigste bekämpften, war selbstverständlich. Jetzt haben die Henlein-Leute, die Hakenk r e u z 1 e r, welche auf Kommando massenhaft der früher als „verjudet" verschrienen Halle beitraten, die jüdischen Hausherren hinausgeworfen und sich des Vereines und seines Vermögens bemächtigt. Nun werden die wenigen Juden, die noch in den Ausschüssen der Halle verblieben, hinausgeworfen. Als Zahler von Mitgliedsbeiträgen duldet man noch Juden (Ja, es gibt noch solche Juden!), aber aus der Leitung werden sie radikal entfernt. Der Student St., Jude und Sohn eines Universitätsprofessors, wurde nicht länger im Ausschuß geduldet. Man stänkerte ihn so lange als „Kommunisten" an, bis er selbst ein Schiedsgericht gegen sich beantragte, das natürlich schlecht aus¬ Aufdeckung der Geldquellen der arabischen Revolte von Haracc B. Samuel, London Das Judentum in zwölfter Stunde von Vladimir Jabetimky Zusammenbruch des Kleinzionismus «In dekumantatisditr Na«hw«Ii und vieles andere lesen sie |\iA llaÜAn11 Jüdische im Dezemberdoppelheft 9«ft#IC HOIIUII 1 Revue, bei Kolporteuren erhältlich oder direkt von der Verwaltung, Wien XX, WexstraBe 14, zu beziehen. fiel. Er mußte aus dem Ausschuß austreten. Der BUcherwart Löbl, eines der beiden jüdischen Ausschußmitglleder, der für die ausgehende Post verantwortlich ist, öffnete für Nazi stellen in Deutschland bestimmte Briefe, in denen, wie mitgeteilt, über die J u d e npolitik der Lese- und Redehalle Ausführungen gemacht wurden. L. unterbreitete die Briefe dem Ausschuld der Alten Herren, u. a. Prof. Starkenstein, Doktor Jaroschy und Prof. Mainz. Die Briefe wurden Photographien und dann von L. dem Ausschuß überreicht. Zuerst wurde L. der Brieffälschung beschuldigt; man stellte die gewissen kompromittierenden Stellen in Abrede. Als dann die Photographien der Briefe vorgelegt wurden, war ein Leugnen unmöglich, es wurde gegen L. lediglich ein Disziplinarverfahren angestrengt, weil er sich mit den Alten Herren beraten hatte. Er wurde schuldig befunden und ausgeschlossen. Als er statutengemäß die schriftliche Begründung des Schiedsapruches forderte, verkündete der Vorsitzende: „Die Begründung des Urteils ist so kompliziert, daß die schriftliche Ausfertigung unmöglich ist." — Das ist das Ende einer der vielen deutschnationalen Gründungen der Juden in Böhmen. Aus der Schule geschwatzt Aus Köln: Der „Westdeutsche Beobachter" wendet sich gegen eine Veröffentlichung der „Kölnischen Illustrierten Zeitung", die in einer Reportage über das Leben, der Kinder in Frankreich eine Auszeichnungs 1 iste des Lycee Moliere veröffentlicht hat, durch die, wie der „Westdeutsche Beobachter" bemerkt, „der erstaunte Leser zur Kenntnis nimmt, daß von den 41 angeführen Namen ausgezeichneter Schüler immerhin einige 20 von echt jüdischem Klang sind". Der „Westdeutsche Beobachter" sagt hierzu weiter: „Namen, wie Blumenfeld, Feigenberg, Klang, Meyer-Oulif, Bloch, Morgen und Bernstein, mögen das belegen. Wir beneiden .die französische Jugend und ihre Schulen nicht um den Zuwachs dieser fraglichen Intelligenz, auf deren Früchte für die Allgemeinheit man vergeblich warten wird. Wir wundern uns auch nicht, bei einem Schulsystem, das dem typisch jüdischen Streben nach intellektuellem Glanz entgegenkommt, Namen, wie sie oben angeführt, in der vordersten Reihe der ,Auserwählten* zu finden." Der „Westdeutsche Beobachter" spricht von einem schweren Mißgriff der „Kölnischen Illustrierten Zeitung", die „sich anscheinend berufen fühlt, durch eine leichtfertige Herausstellung dieser Namen das Märchen von der jüdischen Geistes Vorherrschaft erneut aufzutischen, was die Säuberung deutscher Schulen von jüdischen Elementen in ein zweifelhaftes Licht rücken könnte". Nazitext für „Judas Makkabäus" Aus Frankfurt a. M.: Der Schriftsteller Hermann Burte hat auf Anregung der NS-Kultusgemeinde zur Musik des Händeischen Oratoriums „Judas Makkabäus" einen neuen/ die nationalsozialistischen Kämpfer verherrlichenden Text geschrieben. Er ist den Gefallenen des Weltkrieges gewidmet und trägt den Titel „Held uad Krißdfia«5»«rlc", Die Lage In Danxlg Aus Dan zig (J. T. A.): Die Danziger Nationalsozialisten haben in den letzten Tagen die Propaganda für Boykott der Juden erheblich verschärft. Die kleinen Landwirte und Arbeiter werden durch Terrormittel daran gehindert, bei Juden zu kaufen oder Juden etwas zu verkaufen. Den Arbeitern, Minderbeschäftigten und Arbeitslosen, wird gedroht, daß man ihnen die Winterhilfe entziehen wird, falls sie bei Juden kaufen. In den Schulen übernahmen die Lehrer die Aufgabe, den Kindern das Betreten jüdischer Geschäfte wie überhaupt jeden Verkehr mit Juden zu verbieten. Die polnischen Bürger in Danzig haben die Möglichkeit, sich wegen Unterdrückung an das polnische Generalsekretariat in Danzig zu wenden; die Danziger Juden hingegen sind vollkommen hilflos, weil der Oberkommissar des Völkerbundes, L e s t e r, unter den heute herrschenden Bedingungen nicht das Geringste für sie tun kann. Zuchthaus ♦ ♦ ♦ Aus Berlin: Die Kölner Große Strafkammer verhandelte gegen einen 31jährigen Arier, der seit 1934 Beziehungen zu einer Jüdin unterhielt und diese auch nach Erlaß der Nürnberger Gesetze nicht abgebrochen hatte. Das Urteil lautete, dem Antrag des Staatsanwaltes entsprechend, auf eine Zuchthausstrafe von zweieinhalb Jahren. Außerdem wurden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Die wegen Begünstigung mitangeklagte Jüdin wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. — Einen 56jährigen Juden verurteilte (laut „Volksgemeinschaft", Heidelberg, vom 20. November) die Große Strafkammer des Landgerichts Landau wegen Vergehens gegen das Blutschutzgesetz zu eineinhalb Jahren Zuchthaus. Aus Südamerika Aus London: Die „Royal Mail Lines" haben alle Passagebüros und Agenten dahin instruiert, daß Paraguay die Einwanderung von Juden ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit und Klasse gesperrt hat. Das Einwanderungsverbot gelte sogar für diejenigen, die im Besitz des Visums sind und die Reise bereits angetreten haben. In Paraguay machen sich deutsche nazistische Einflüsse immer mehr bemerkbar. Aus Berlin: Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil, der sich auf einer Reise durch Südamerika befindet, teilt der „C. V.-Zeitüng" aus Rio de Janeiro mit, daß bisher keinerlei Aenderungen in der Praxis der brasilianischen Einwanderungsbehörden und auch keine Vorschläge zur Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen vorliegen. Bis in die letzten Tage seien Einwanderer aus Deutschland dort eingetroffen und unbeanstandet an Land ge-< lassen worden. Aus Sudafrika Johannisburg (J. T. A.): Der Jahreskongreß der, „Nationalen Partei von Transvaal" beschloß* Juden aus der Partei auszuschließen. Der Parteiführer Dr. Mal an erklärte öffentlich, wenn Juden als Einwanderer das Land betreten, so gehen sie ein Risiko ein; denn es besteht keine Garantie dafür, daß diese Einwanderer nicht früh«r oder später des Landes verwiesen werden. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Oesterreich: Fräulein Lilli — Silhouetten. England: Wie es euch gefällt.— Rembrandt. Amerika: Der König der Frauen — Der kleine Rebell — Der letzte Gangster — Die Matrosen kommen! — Die Wunderbar — Wir drei — Dein Leben gehört mir — Meuterei auf der Bounty — Erbfeind der Menschheit — Die Wüstenlegion — Show Boat — Eifersucht — Der letzte Mohikaner — Karriere — Hasärd — Revolver oder Roulette — Ehe ohne Hochzeit. Filme unter Arierparagraph Schlußakkord — Schatten der Vergangenheit — Seine Tochter ist der Peter — Manja IWalewska — Seine offizielle Frau — Mädchen in Weiß — Standschütze Bruggler — Schloß in Flandern — Servus Wien — Glückskinder (Ufa) — Fahr'n na, Euer Gnaden — Das Mädchen Blumen aus Nizza — Kontoschuwka — Annemarie — Wo die Lerche singt. KINO-PROGRAMME KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 Vorstellungen: k, %8, v*io MacMurray, Jean Barker ti SCHKFFER VI, Marlahilferstraße 37 Telephon B-20-203 deginn: 'M, Vit, tt8, %10 Karrlere Joan Crawford, Franchot Ton«, Robert Taylor STAFA, VII Marl ahiIf erstraDe 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: 8, 7, 9 Ulli VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn; h, %6, %t, ttlft Rembrandt Charles Laughton, Else L jkftr Rembrandt Charles Langhton, Else Lanoester