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Die neue Welt · 1936-12-04 · Heft 614 (4.12.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 614 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 614 vom 4. Dezember 1936 DIE NEUE WEKT Seite 3 haben, bzw. ob hier das Abkommen vom 11. Juli sinngemäß interpretiert erscheint. Wir schrieben in unserer Ausgabe vom 14. Juli über dieses Abkommen: „Wir dürfen nicht vergessen, daß das Abkommen von zwei Staaten getroffen wurde, von dem der eine, Deutschland, die Juden diffamiert und entrechtet. Deswegen haben wir das Recht, die Auswirkungen des Befriedungspaktes mit Besorgnis zu betrachten." Neunzehn Wochen sind seither vergangen. Die antisemitische Presse Deutschlands liegt in tausenden Exemplaren in Oesterreich auf, geeignet, auf die heimische Presse gleicher Couleur „erzieherisch" zu wirken. Die Folgen sind bereits zu verspüren. Die ö'sterreichischerseits angestrebte Befriedung zeigt sich vorerst in einer intensiveren antijüdischen Hetze. Und die „Reichspost" bezeichnet in ihrer noblen Zurückhaltung die Auslassungen des Herrn Esser, der das Abkommen vom 11. Juli Lügen straft, als „anachronistiche Entgleisung". Man muß sich wirklich fragen, wer hier anachronistisch entgleist ist: Herr Hermann Esser oder die „Reichspost"? . WotkmfdefU Der tragische Irrtum Ueberwiegend hielt die westliche jüdische und nichtjüdische Welt die „Judenfrage" im Prinzip durch Gewährung der Gleichberechtigung und Fortschreiten der Assimilation für gelöst. Sogar manche Wortführer des Zionismus betrachteten die rechtliche Position der Weltjudenheit als stabil. Selbst ein so hervorragender Kenner der Soziologie des Judentums, wie Ruppin, hatte die Auffassung vertreten, daß Gefahren für die Emanzipation nicht zu befürchten seien. Das Schicksal der Juden im Deutschland des Nationalsozialismus hat die Unrichtigkeit dieser These erwiesen. Dr. K. Stillschweig, „Die Juden Osteuropas in den Minderheitsverträgen", 1936. luden in den Staatsdienst! Die Vision unserer Renaissance, wie sie in Tel- Aviv und auch im Emek ihren Ausdruck fand, hat den palästinensischen Juden zu einem Robinson Crusoe gemacht. In Reaktion auf das Leben unter Fremden in der Diaspora wollten wir hier alles allein und selbst machen. Weil wir uns aber nicht auf einer einsamen Insel befinden, so konnten wir nicht ungestraft die britische und arabische Umgebung vergessen und den ganzen Staatsapparat Palästinas vernachlässigen. Wir träumten davon, wis innerhalb ' der Schale der Kolonialverwaltung unser eigenes System zu errichten. %md dieser Schale nicht zu bedürfen. Die Schale aber wuchs, it?td jetzt droht sie, sich um uns zu schließen. Jetzt erst sehen wir, daß wir uns in eine Art Ghetto eingeschlossen haben. Es ist ein Ghetto der schöpferischen Pionierarbeit, es ist ein politisches Ghetto, das von anderen bewacht und verwaltet wird. Unter uns muß eine Bewegung erstehen, die die Kräfte aufruft und erzieht, die für alle die vielfältigen Zweige des Staatsdienstes nötig sind. Zeitschrift „Pinkes" (Tel-Aviv, Nov. 1936). Ka"*e,Mariahiir WIEN VI, MARIAHILFERSTRASSE 89a TELEPHON ß-27-2-35, B-29-4-69, B-22-3-31 empfiehlt seine eleganten großen Räumlichkeiten für Hochzeiten, Bar-Mizwoth, Bankette usw. NEU RENOVIERTE SPIELSÄLE! Das bequeme Mittel Ueber Oesterreich ist ein Judenhaß hereingebrochen, derwie eine Flut nicht so sehr das äußere Leben der Juden als das innere Sein der Christen bedroht. Daß Politiker sich des Antisemitismus als eines bequemen Mittels bedienen, um ihre Anhängerschaft bei der Stange zu halten, nimmt bald nicht mehr wunder. Furchtbarer ist es schon, wenn ein Priester sein Amt mißbraucht, wenn er Predigten, die zu Ehren Mariens, der ,Mutter der schönen Liebe", bestimmt sind, dazu benützt, um, wie gesagt wurde, die „jüdische Fratze" zu entlarven. J. Oesterreicher („Die Erfüllung", 1936). Die Erkenntnis des jüdischen Problems Die Juden sind eine Herrenrasse, die — anders als ein anderes Gastvolk, die Zigeuner — grundsätzlich Herrenposten zu besetzen anstreben und auch wirklich besetzen, aber infolge ihrer Minderzahl regelmäßig nur solche Herrenstellen besetzen können, die das Wirtsvolk verschmäht. Dieser Satz ist grundlegend für die Erkenntnis des jüdischen Problems keineswegs nur in Deutschland, sondern in jedem Lande, in dem eine nennenswerte Anzahl von Juden existiert. Das Wort ,JRasse" steht hier, zur Verständigung mit dem Leser, an Stelle von „Rassenspielart". A. von Miller: „Deutsche und Juden", 1936. Großer nationalsozialistischer Sieg Die bisher am allgemeinen Unterricht in den Volksschulen Bambergs beteiligt gewesenen 37 Kinder von Juden sind jetzt in eine eigene Schule überführt worden, die in einem Nebenraum der Synagoge eingerichtet wurde. Hier werden die jüdischen Kinder von einem jüdischen Lehrer unterrichtet. Die Bamberger Volksschulen sind damit frei von Judenkindern. »Mach* Mgwnejöe, Zeitung1', Nov, 1936, Das britische Militärkommando von Kairo nadi Jerusalem verlegt Aus Jerusalem: Das Zentralkommando der britischen Truppen ii» Nahen Osten wird nun nach dem Abschluß des englisch-ägyptischen Vertrages von Kairo nach Jerusalem verlegt werden. Das Kommando wird den offiziellen Titel „Britisches Zentral-Militärkommando für den Suez-Kanal in Jerusalem" führen. Die britischen Militäreinheiten werden die Bezeichnung „Britische Truppen in Palästina und am Suez-Kanal" 3tatt der bisherigen Bezeichnung „Britische Armee in Aegypten" tragen. 15.000 Pfund für notleidende Fellachen in Transjordanien Aus Jerusalem: Wie die J. T. A. erfährt, hat die Palästina-Regierung der Regierung von Transjordanien ein Darlehen von 15.000 Pfund zur Unterstützung notleidender Fellachen gewährt. jQ^ISrfllW BÜCH REö/ß.' :G«&.?8gE& ffiÜß&s. l«VOT Ein oberster jüdischer Wirtschaftsrat für Palistina! Von Dr. J. Adler (Tel-Aviv) Der vorliegende Aufsatz stammt aus der Feder unseres palästinensischen Korrespondenten, der ganz unerwartet inmitten fruchtbarer schriftstellerischer und organisatorischer Arbeit gestorben ist. Dr. Jakob Adler stammte aus Deutschland, wo er sich seit seiner Jugendzeit zionistisch betätigte. Vor einigen Jahren übersiedelte er nach Palästina, um seine Erfahrungen auf dem Gebiet des Handels und der Industrie dem jüdischen Lande zur Verfügung zu stellen. Zahlreiche Arbeiten Dr. Jakob Adlers wurden in der „Neuen Welt" veröffentlicht. Sie zeichneten sich durch Gediegenheit, Sachkenntnis und kritisches Talent aus. Noch vom Krankenlager übersandte uns der unermüdliche Publizist den Beitrag „Ein oberster jüdischer Wirtschaftsrat für Palästina", durch dessen Abdruck wir das Andenken unseres hochgeschätzten Mitarbeiters ehren. Seit langer Zeit liegen Beschlüsse des Zionistenkongresses und des Zionistischen Aktionskomitees vor, die auf die Errichtung eines obersten jüdischen Wirt Schafts rat es für Palästina hinzielen. Weshalb das Projekt; bisher nicht verwirklicht wurde, wird jedem Kenner der Wirtschaftsverhältnisse unseres Landes wohl ziemlich klar sein.- Die Jewish Agency selbst ist nicht imstande, allein von sich aus eine derartige Organisation ins Leben zu rufen — neben allen sonstigen Gründen schon darum nicht, weil eine Vertretungskörperschaft, die als Sprachrohr und Vertrauensträger der Wirtschaftskeise fungieren soll, nicht gut von obenher ernannt werden kann, sondern ihren Auftrag von den zu vertretenden Wirtschaftsgruppen selbst empfangen muß. Auch der Waad Leumi, den heute vor allem national-kulturelle Aufgaben beschäftigen, konnte nicht als Initiator des obersten Wirtschaftsrates herangezogen werden. Und die Wirtschaft selbst? In den Zeiten der „Prosperity" lag ihr an diesen organisatorischen und wirtschaftspolitischen Problemen wenig. Ihr genügten die vorhandenen Fachverbände und Handelskammern ohne eine oberste Zusammenfassung. Was vornehmlich die Wahrung der wirtschaftlichen Interessen gegenüber der Mandatarmacht betraf, so gab man sich damit zufrieden, daß in der besonders einflußreichen f ©eifrige Arbeiter \ Igrauen, «tterböfe, .Sutfertrcmfe, hartleibige effen im eigenen SntereffebaS bunfle, aromat. GfatOltSbrot* ©e()r bequem: ©tmonä&rotyätfcfjen in (Stanniol. 3n allen guten geinfoftljanblungen unb öielen SBätfereien 5U Ijaben. 2)a8 erfte 93rot in l)tjgtemfdjer öerpaäung. V^imonSbrotfabtit Söien-ßagran 55. 2ägl. Sßofttierf.^ Jerusalemer gemischten Handelskammer neben Engländern und Arabern auch Juden saßen und daß ebenso eine jüdische Vertretung innerhalb der offiziellen Wirtschaftsbeiräte der Regierung (Beiräte für Landwirtschaft, Gartenbau, Viehzucht, landwirtschaftliche Absatz- und Marktfragen, Zitruswirtschaft, Städtebau, Straßenwesen, Eisenbahnwesen, Hafenwesen, Handel und Industrie) bestand. Das schien für alle praktischen Bedürfnisse des wirtschaftspolitischen Geltungsdranges zu genügen. Jene Sachlage gehört, wie man heute wohl ohne ernstlichen Widerspruch konstatieren darf, nunmehr der Vergangenheit an. All die Organe der jüdisch-arabischen Kooperation in Wirtschaftsfragen sind einstweilen aktionsunfähig geworden. Aus der Jerusalemer Handelskammer sind die arabischen Mitglieder ausgetreten, und es ist auch kaum zu vermuten, daß sich reguläre Arbeitssitzungen der vorhin erwähnten offiziellen Wirtschaftsbeiräte in absehbarer Frist wieder werden zustandebringen lassen. Bei diesem Zustand kann es für uns jedoch, keinesfalls ßgin Bewenden haben, Ganz ohne Zweifel wird die Palästina-Regie, rung in nächster Zeit wirtschafts- und verkehrspolitische Entscheidungen von höchster Tragweite fällen müssen, die der Rekonvaleszenz des Landes nach den jetzigen Unruhen dienen sollen, und es ist dringend zu verlangen, daß hiebe! nicht nur die Regierenden, sondern auch die Regierten zu Worte kommen, für ihre Interessen plädieren und ihren sachkundigen Rat gewähren. Die — nicht von uns verschuldete und daher auch nicht von uns zu verantwortende — Tatsache, daß die national gemischten Wirtschaftsvertretungen vorläufig außer Funktion getreten sind, darf nicht dazu führen, daß die Wirtschaft überhaupt ungehört bleibt, wenn demnächst fundamentale Probleme der Handelspolitik (Reziprozität im Außenhandel), der Bodenpolitik (Zukunft der Staatsboden; Wassergesetz), der Verkehrspolitik (Ausbau des Tel-Aviver Hafens; Straßenbau; Eisenbahn-Reorganisation), der Finanzpolitik (Ersatz der Unruheschäden!): aufgerollt werden. Unsere Sache ist es, so. rasch wie möglich eine zentrale Repräsentanz des jüdi'seifen Wirtschaftssektors auf die Beine zu stellen. So rasch wie möglich muß ein oberster jüdischer Wirtschaftsrat organisiert sein, und nach .unserer.....,Ueberzeugung _. ,wird sich das umso eher durchführen Eissen, als bereits wichtige Fundamente vorbanden sind. _ Als Einberüfer des jüdischen Wirtschaftsparlaments für Palästina wird, um an die schon erwähnten alten Beschlüsse hier wieder anzuknüpfen, wohl am besten die Jewish Agency fungieren, schon aus dem Grunde, um dem Wirtschaftsrat ein möglichst hohes autoritatives Gewicht zu verleihen. Dabei müßte sich jedoch die Aufgabe der Jewish Agency darauf begrenzen, die Mandateverteilung zwischen den einzelnen Fachgruppen zu regeln und diejenigen Mitglieder des Wirtschaftsrates zu ernennen, welche nicht als Interessenvertreter in den Wirtschaftsrat eintreten sollen, sondern gemäß rein persönlicher Qualifikation (wissenschaftliche Fachleute). Außerdem würde die Jewish Agency das administrative und wissenschaftliche Sekretariat des Wirtschaftsrates zu organisieren haben (durch entsprechende Anpassung ihrer schon vorhandenen Einrichtun- Die Neue Welt Probenummern vier Wochen gratis 1 In einer Zeit, wo die Judenfrage in der ganzen Welt aufgerollt wird und in Palästina ein neues jüdisches Land entsteht, ist es wichtig, über alle Ereignisse des jüdischen Lebens informiert zu sein. „Die Neue We 11", ein unabhängiges Organ, das ausschließlich den Interessen der jüdischen Gemeinschaft dient, erfüllt diese wichtige Aufgabe. Verlangen Sie die Gratis-Zusendung der „Neuen Welt", welche zweimal wöchentlich erscheint, einen Monat hindurch gratis! Es erwachsen Ihnen keinerlei Verpflichtungen daraus. Nach einem Monat der Prüfung entscheiden Sie sich, ob Sie ständiger Bezieher des Blattes werden wollen. Bezugspreis für ein Vierteljahr 4 Schilling. ■nu< ausländische Hausbesitzer verwalten ihre 1 WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei 1 Dr. M AIR PAIS Wien I, Franz «Josefs* Kai 1, Tel. R-21-5-30 Erstklassige Ref e r e nzen

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