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Die neue Welt · 1936-12-04 · Heft 614 (4.12.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 614 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite * DIE NEUE WELT Nr. 614 vom 4. Dezember 1936 Billige nnd bequeme Weihnachtssonderfahrt „„„■ POLIN und CZERNOWITZ Abfahrt: 22. D«XCmb«r 193« mit dor „Csftrnowitser Allgemein«!* Zeitung" - A«n»eldungen aunclil l«t I K h im Reisebüro ^^yn^M»bröeKa|^^otj«t«^^ Jewish Agency Mosche Shertok und Dr. Werner Senator und gaben eingehende Bekundungen zum politischen und wirtschaftlichen Problem der Jüdischen Einwanderung im Zusammenhang mit der "Aufnahmsfähigkeit des Landes für neue Einwanderung. tfr Drei Mitglieder der Königlichen Kommission besuchten am Freitag die jüdische Kolonie A t a r o t. bei Jerusalem. Sie ließen sich in längere Gespräche mit den Kolonisten ein, die ihnen über die' Schäden Aufschluß gaben, die die Kolonie infolge des arabischen Terrors erlitten hat. Die Kolonisten schilderten auch die Arbeit in der Kolonie. Das Gespräch kam dann auf die zionistische Bewegung und ihre Ziele. Der Besuch in Atarot hat auf die Kommissionsmitglieder einen tiefen Eindruck gemacht. Hauptfaktor* Jüdische Einwanderung Am Montag Vormittag begann der Leiter des Politischen Departements der Exekutive, Mosche S h e r t o k, seine Darlegungen vor der in öffentlicher Sitzung tagenden Königlichen Kommission. Er befaßte sich mit der Zusammenarbeit zwischen Jewish Agency und Palästina-Regierung. Er beklagte sich darüber, daß die Regierung nur kleine Möglichkeiten für eine jüdische Einwanderung gebe. In diesem Zusammenhang kritisierte Sherfok insbesondere die Art und Weise, in der die Einwanderungsschedule festgesetzt wird. Shertok legte dar, daß die Einwanderung den Hauptfaktor beim Aufbau Palästinas bildet. Er erörterte ausführlich die Bedeutung der jüdischen Einwanderung für die Erschließung und Entwicklung des gesamten Landes. Die nur geringen jüdischen Einwanderungsmöglichkeiten, die die Regierung gibt, hätten zu einer illegalen Einwanderung geführt. Mosche Shertok betonte, daß alle jüdischen ülegalen Einwanderer sich selbst erhalten können und auf öffentliche Hüfe nicht angewiesen seien. Aber sie schwebten dauernd in der Gefährt 'des7 Landes verwiesen zu werden. Sie können ihre Angehörigen, insbesondere Frauen und Kinder, nicht nach Palästina hrüberbringen. Seefeld Tirol Wintersport / heilklimatischer Höhenluft* kurort / schneesicher Pension Geschwister Scheer Jetzt Haus Waldruhe Direkt an See und Wald / Vorzügliche Küche / Streng 1VJ I Saison beginn Mitte Dezember Im Anschluß an die Ausführungen Shertoks über die illegale Einwanderung stellte der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, die Frage, ob Shertok als Vertreter der im Mandat anerkannten Körperschaft für den Palästina-Aufbau, die mit der Palästina- Regierung zusammen arbeitet, sich mit der illegalen jüdischen Einwanderung identifiziere. Mosche Shertok gab zur Antwort, daß die -Jewish Agency vor einer illegalen Einwanderung gewarnt habe, aber niemand habe sie dabei um Erlaubnis gefragt. Lord Peel fragte darauf, weshalb die Jewish Agency die Palästina-Regierung in der Bekämpfung der illegalen Einwanderung nicht unterstützt. Mosche Shertok erwiderte, daß dies zur Landesverweisung der Illegalen führen und zahlreiche Existenzen vernichten würde. Lord Peel war mit dieser Antwort nicht zufrieden und betonte, daß sie keine Antwort auf seine' Frage sei. Mosche Shertok: Ich bitte Sie, sich in die Lage der Jewish Agency zu versetzen. Lord Peel: Ich bitte, nicht solche Vergleiche zu ziehen. Ich verlange eine klare, unmittelbare Antwort, ob die Jewish Agency eine Politik einer illegalen Einwanderung gutheißt. Mosche Shertok: Ja. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen verteidigte Shertok den Grundsatz der Verwendung jüdischer Arbeitskraft in jüdischen Unternehmungen. Er stellte fest, daß die einwandernden jüdischen Arbeiter in neugeschaffene Wirtschaftspositionen einrücken und daß durch sie arabische Arbeiter nicht von ihren Arbeitsplätzen verdrängt werden. Die weitere Vernehmung Mosche Shertoks wurde auf Dienstag, den 1. Dezember, vertagt. Nach ihm spricht Dr. Werner Senator. Am Samstag hielt die Kommission wieder eine nichtöffentliche Sitzung ab. In ihrem Verlaufe gaben der Vizedirektor des Landwirtschaftsdepartements, Morris B e n n e 11, und der Leiter des Bewässerungsdepartements, Douglas Andrews, längere Erklärungen vor der Königlichen Kommission ab. RUNDSCHAU Unklarheit , Wir haben berichtet, daß die Zionistische Exekutive, um dem Bekenntnis zum Judenstaat auszuweichen, beschlossen hat, vor der von der englischen Regierung nach Jerusalem entsandten Untefsüchurigskommission zu erklären, daß das politische Endziel „Politische Parität" in Palästina sei, das heißt, absolut gleiche Machtverteilung zwischen Arabern und Juden. Durch die Aufstellung dieser aus der Verlegenheit geborenen Formel, die so.gut wie nichts besagt, ist eine Unklarheit geschaffen, die im Interesse des Zionismus sehr zu bedauern ist. Die in Palästina erscheinende hebräische Tageszeitung „Haboker" gibt die im Jischuw herrschende Unklarheit wieder und schreibt: „Der offizielle Text des Berichtes über die Sitzung des Kleinen Aktionskomitees hat Verwunderung hervorgerufen. Der jüdische Jischuw weiß jetzt ebenso wenig wier f rüh er, und die Atmosphäre ist durchaus nicht klarer geworden. Ebenso wie früher weiß man auch jetzt nicht, was man vor der Kgl. Kommission sagen wird und welches eigentlich die offizielle Stellung der Jewish Agency ist. Man hat nicht' nur nicht die' politische Formel veröffentlicht, die in der Sitzung der Exekutive einstimmig angenommen wurde. Man hat nicht einmal der Welt irgendeine Erklärung gegeben, um die Oeffentlichkeit zu beruhigen und die Verbreitung von Gerüchten zu verhüten." I KAFFEE PALACE VI, Mariahilferstr. 99 Tel. A-37-5-58, A-37 5 81 Empfiehlt seine eleganten großen Räumlichkeiten für Hochzeiten, Bar-Mizwoth, - Bankette usw.?u mäßiaen Preisen. Neue Leitung: I. LUSTBADER, Besitzer des Kaffee Westbahnhof. Die Redaktion des „Haboker" hat sich mit einer Reihe von Fragen an die Herren., Pinkas (Misrachi) und M. Großmann (Judenstaatspartei) gewandt, die an der Sitzung des Aktionskomitees teilgenommen haben. Ueber den Inhalt der politischen Formel verweigerten die Herren mit Rücksicht "auf ihre Schweigepflicht die Auskunft, ebenso lehnten sie die Beantwortung defr Frage ab, ob'man den zionistischen Parteien die Anweisung erteilt habe, sich 'gegen die "Parität' zu' wenden,, '/wenn 'diese'. Frage von •der Kgl. Kommission' gesteilt werden sollte.' Stimmenthaltung bei der Abstimmung über die politische Formel übten die Vertreter des Verbandes der Allgemeinen Zionisten Gruppe B und des Misrachi. Meir' Großmann gab seine Stimme gegen die Forme 1 ab. Auf die Frage, ob die Zusammensetzung der vor der Kgl. Kommission zu erscheinenden offiziellen jüdischen Delegation' bereits feststehe, antwortete Meir Großmann verneinend. Er erklärte, man wisse überhaupt nicht, wer außer Dr. Weizmahri vor der Kommission auftreten werde. Meir Großmann erklärte weiter: Ich habe demjenigen, was in der offiziellen Erklärung gesagt ist, nichts hinzuzufügen, denn die Sitzungen sind geheim. Aber ich muß sägen, daß die Erklärung n i c h t eine richtige Schilderung von dem gibt, was in der Sitzung geredet und beschlossen wurde. Hauptsächlich fehlen in der Erklärung Einzelheiten über Dinge, die man nicht zur Abstimmung gebracht hat, und diese sind praktisch wesentlich -wichtiger für die Zukunft Erez Israels als die politische Formel. Bezüglich der Erklärung, däß; die Linie der Exekutive in der Boden- 'frage e i n s t i m m i g, angenommen wurde, muß ich sagen, daß nach, meiner Ansicht dieser Beschluß nich.t du rch allgemeines Einverständn'is zustandegekommen ist. Pinkas äußerte sich: Die angenommene Formel befriedigt mich ebensov/enig wie. alle diejenigen,, die an die Verwirklichung der Hoffnung auf einen Juden staatglauben. „Mit dem heutigen Tage unter» sage ich endgültig ♦ ♦ «" . So lauten die ersten Worte des Erlasse des reichsdeutschen Ministers für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels, der ja schon bisher die freie- Kritik nicht zugelassen hatte und nunmehr jede Kritik der geistigen Werke der Deutschen untersagt. Uns würde das Diktat des Dr. Goebbels nicht weiter tangieren, zumal wir der Ansicht sind, daß sich jedes Volk nach seiner eigenen Fasson ausleben darf — würde nicht für die Entartung der Kritik in Deutschland wieder einmal das Judentum verantwortlich, gemacht werden. Das „Neue Wiener Tagblatt", das zum Kritikverbot des Dr. Goebbels Stellung nimmt (1. Dez, 1936) macht darauf aufmerksam, „daß jener musikalische Kritiker, der dem Kunstwerk Richard Wagners am gehässigsten gegenüberstand, Eduard Hanslick war, ein 4,Arier" reinsten Geblütes, und daß zu den stärksten künstlerischen Helfern des deutschen Musikheros die" Juden Porges und Levi gehörten." Solche Widersprüche gehören nun einmal zum hitleristischen Nationalsozialismus, und man muß sich damit abfinden. Würde nur ein wenig Klarheit und Objektivität dem Hakenkreuzlertum zur Seite stehen, so könnte es beispielsweise in Deutschland, das so viel Großes und Schöhes hervorgebracht hat, nicht von einem gewissen, Buch heißen:. „Selten einmal hat ein Buch so sehr Erfüllung aller Hoffnungen bedeutet/4 Dieses Buch hat den Träger des nationalen Büchpreises 1934/35 zum Autor und heißt „Das Schloß in Ungarn". Welcher Art die Hoffnungen waren, die da erfüllt worden sind, bezeugt nachstehende Probe (S. 121 und 122): (Der Verfasser schildert den Kampf des Romanhelden mit dem Haupt einer jüdischen (!) Banditenbande.) „... ich stieß blindwütig zu und drosselte mit aller Kraft, bis sich das Gesicht unter meinen Händen verfärbte, die Augen heraustraten' und der Mensch seinen Geist aufgab. Dann sprang ich auf und taumelte davon. Ein unbescnr'eiblich glückseliges Gefühl durchdrang mich. Alle Schwere war von mir genommen, ich war nicht einmal müde, obwohl kaum ein Glied meines Körpers noch meinem Willen gehorchte. Ich dachte: so muß einem Menschen zumute sein, der sein Lebenswerk hinter sich gebracht hat und nun auf dem Lande die wohlverdiente Rente verzehrt." Im Fall dieses Romans genügt eine ' B eschreiburig des Inhalts. Eine Kritik des Buches wäre eine verwegene Angelegenheit, zumal hier der Romanheld das Erdrosseln eines Juden als das Zuendebringen seines — Lebenswerkes betrachtet und nun auf dem Lande im Wohlbehagen des Blubo feeine wahrlich wohlverdiente Rente zu verzehren wünscht. I „Mit dem heutigen Tage", könnte beispielsweise ein Goebbels-Erlaß lauten, „befehle ich endgültig, daß mehr solcher Bücher produziert werden..."! Friedrich von Schiller wird gemaßregelt. Aus Weimar: Im Schiller-Hfcus zu Weimar lag bislang in pietätvoller Unberührtheit neben einem Band Plutarch und einem Band Shakespeare auf jgchillers Sc hreibtisch auch Moses Mendelssohn^'Philosophische Sc'livtf ten. Schiller hat'noch kurz vor seinem Tode bei diesen drei Männern jier Weisheit Trost und Seelenruhe gesucht, ohne freilich zu ahnen,' daß er 130 Jahre später bei einem Ga u I e i t e vj ■ \rö-ti Th ür ihg'en damit Aergernis erregen wird;;Man" hat es für angebracht gehalten, den Mendelssohn-Band ),ih Verwahrung zu nehmen", wobei man allerdings übersehen hat, daß das Buch Schillers Eigentum war, denn sein Name steht darin. Der Judenpunkt im deutsch« ö§terreidiH§chenFremdenverkehr Es gibt sonderbarerweise bei uns Menschen, [denen eine Erklärung des Präsidenten des Reichs- •fremdenverkehrsverbahdes Hermann ESs er (Berlin), leine Ueberraschung bereitet hat; eine, Erklärung, aus der hervorgeht, daß alle Aktionen und Abmachungen Hitler-Deutschlands nur den einen Zweck haben, der nationalsozialistischen Parteipolitik zu dienen.; Hermann Esser' gibt in . seinem Verbandsorgan;„Der •Fremdenverkehr" . eine Erklärung darüber ..ajb» :wie er sich die künftige Abwicklung des deutsch-österreichischen Reiseverkehrs nach der Beseitigung der bekannten Grenzsperre (11. Juli!) vorstellt. Er erklärt zunächst, daß sich dieser Reiseverkehr „nicht 'in jenen Formen abspielen kann und darf, wie jdies gewisse Kreise in,Oesterreich und in Unkenntnis |der. tatsächlichen Verhältnisse auch verschiedene Köpfe in Amtsstuben gern haben möchten", und fährt fort: . „Hotels und. Unternehmungen in Oesterreich, jdie Juden gehören und solchen Persönlichkeiten und Kreisen, die sich gegen die nationalsozialistische Bewegung besonders gehässig und aggressiv gezeigt; haben und noch zeigen, kommen für die wechsel- ■ seifigen Verkehrsbeziehungen grundsätzlich nicht, in . Frage." Richtig gedeutet, bedeutet diese Erklärung, daß : reichsdeutsche Reisende in Oesterreich nur mit Zirjkeln (Hotels, Cafes, Reisebüros, Autobusgesellschaf*. iten) in Berührung kommen dürfen, wo die nationalsozialistische Gesinnung mit offenen Armen aufgenommen wird — also nicht mit vaterländischen, i österreichisch-patriotischen, sondern mit nazistischen, I Juden sind natürlicherweise ausgeschlossen. Das j ist eine Selbstverständlichkeit. In der Fassung des; Herrn Esser allerdings sieht die Sache so aus, als ob die Existenz jüdischer Hoteliers, Cafetiers, Fuhrwerks- •besitzer usw. in Oesterreich ^den deutsch-österreichijsehen Reiseverkehr erschweren würde, weshalb es — nach der Meinung Hitler-Deutschlands — angezeigt wäre, die Juden prinzipiell vom Reiseverkehrsgeschäft jauszuschließen. j Das ist der Punkt, wo unsere Betrachtung einsetzt. Die österreichischen Amtsstuben werden jetzt; wissen, wie sie sich gegenüber der Praxis des von \ Deutschland gewünschten Reiseverkehrs zu verhalten

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