Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 614 (4.12.1936)
- Date
- 1936-12-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen % Ptekmq, den 4* Bttembi* l»36 M 614 v*!>♦ Tvv vom Verleger versendet », -*edie par rMlteor" ^6/» REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francä 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, üniversitätsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag —— - ...... Ein Aufruf der Christen Während der arabische Terror in Palästina wütete, Meuchelmörder jüdische Greise niederstachen, Bomben in jüdische Kindergärten warfen und jüdische Krankenschwestern erschossen, setzte in Europa eine Agitation ein, welche dahin zielte, die christliche Welt für die Sache der arabischen Terroristen und gegen das jüdische Aufbauwerk in Palästina zu gewinnen. Christliche Zeitungen druckten Briefe und Erklärungen „arabischer Christen" ab, in welchen um Unterstützung der arabischen Revolte und Schutz des orientalischen Christentums vor jüdischer Gewalt gebeten wurde. So brachten auch in Wien zwei katholische Zeitungen, die „Reichspost" und die „Schönere Zukunft", einen „flammenden Aufruf" der „arabischen Christen des Heiligen Landes" an die ganze Welt, in welchem es heißt: „Die britische Mandatsregierung unterstützt die Errichtung eines jüdischen Nationalstaates in Palästina ... In unglaublichen Massen kommen die jüdischen Einwanderer mit radikal-kommunistischen Ideen ins Land der Bibel ... . Ist es nun verwunderlich, daß ein friedfertiges Volk in den friedlichen'Streik getreten ist____Wir bitten daher innigst unsere christlichen Schwestern und Brüder um Unterstützung . . ." Wer die Verhältnisse in Palästina kennt, muß über die Verlogenheit dieser Verbindung. von Kommunismus mit Zionismus und dem, .arabischen Aufstand, mit dem Christentum staunen'. Tatsache ist, daß Agitoren Moskaus den Aufstand. geg&n ' die. Juden schüren und leiten und daß die blutige Bewegung,, welche vom höchsten mohammedanischen Priester — dem Groß-Mufti — angezettelt wurde, zumindest so stark antichristlichen wie antijüdischen Charakter trägt. Gerade jetzt sind folgende Meldungen eingelangt: Aus Jerusalem: Die kommunistische Partei in Palästina hat sich über Weisung aus Moskau an den radikalen Flügel des Arabischen Obersten Komitees, u. a. an Fakhri Nashashibi, Hassan Sidky Dajani und Izzat Darwaza, mit dem Vorschlag gewandt, gemeinsame Maßnahmen zu ergreifen, um die antijüdische und antibritische Bewegung im Lande zu stärken. Aus Jaffa: Unter den arabischen Kaufleuten ist eine Bewegung entstanden, die den Zweck verfolgt, einen wirtschaftlichen Boykott christlicher Araber durchzuführen. In der Nähe der Geschäfte, die christlichen Arabern gehören, halten sich mohammedanische Jugendliche auf, welche die Mohammedaner auffordern, nicht bei Christen zu kaufen. (Palcor.) Aus London: Im Unterhause forderte Mr. Gallacher, der einzige kommunistische Abgeordnete, im Zuge seines seit Monaten gegen den Zionismus geführten Kampfes, die sofortige Zurückziehung der englischen Truppen aus Palästina. Er berief sich darauf, daß infolge des Eingreifens der vier arabischen Könige Ruhe im Lande herrsche und verlangte Rechenschaft wegen der Toten und Verwundeten infolge des „barbarischen" Vorgehens der Truppen. Abgeordneter Wedgwood behandelte das sympathische Interesse, welches der Kommunist Gallacher für die Einmischung der arabischen Herrscher in die Palästina-Angelegenheiten bekundet, mit Ironie und fragte, ob Palästina zur Zeit von dem Obersten Arabischen Ausschuß oder von den \\er arabischen^Könlgen oder vom High Commissioner oder von General Dill regiert werde. Wie man aus all diesen Nachrichten ersieht, arbeiten Kommunisten und arabische Aufständische Hand in Hand und die antichristliche Einstellung der Rebellen wird immer klarer. Aber in christlichen Zeitun-: gen in Europa erscheinen „flammende Aufrufe", in welchen von mohammedanischen „Brüdern" gesprochen und gegen den Kommunismus der Zionisten protestiert wird. Die nächste Ausgabe unseres Blattes £| uscUtitoi als CUtuvuUa-Vlummw am Mittwoch, den 9. Dezember, in vergrößertem Umfang I Vor der kgl. Kommission Ueber Landwirtschaft und Erziehung. Aus Jerusalem wircl gemeldet: Bei der am 27. November abgehaltenen öffentlichen Sitzung gaben der. Leiter der Regierungsabteilung für Land- und Forstwirtschaft, Morley T. D a w e, und der Leiter der Abteüung für Erziehungswesen, Humphrey E. Bowman, Auskünfte aus ihrem Fachgebiet. Infolge Erkrankung von Lord Peel führte diesmal Sir Horace Rumbold den Vorsitz. Der Leiter der Landwirtschaftsabteilung* ging insbesondere auf die Probleme der Zitruskultur (Orangenbau) in Palästina ein. Er erklärte, daß 7,5 Dunam Zitrusboden i.als Ex iStenzgrundläge ausreichend seien •. und dem Werte von 100 Dunam sachgemäß bearbeiteten Getreidebodens entsprächen. Morley T. Dawe führte weiter aus, der Juden gehörende Plantagenboden sei 153.000 Dunam, der Plantagenboden der Araber 147.000 Dunam. Die Gesamternte des palästinensischen Plantagenbodens, wenn er voll ertragfähig sein wird, werde 25 Millionen Kisten Zitrusfrüchte betragen. Ueber die Grenzen der Erweiterung des Zitrusanbaues und die Absatzmöglichkeiten befragt, erklärte Direktor Däwe, der Absatz von 25 Mülionen Kisten würde ziemlich schwierig sein, sei Jedoch n g Li e h. .Die Regierung. erwäge Mäßnahmen , zur V er b e s s e r u n g d e s Exports. DaWe berührte hiebei das Problem der Vorzugszölle für Palästina-Orangen in England und gab der Ansicht Ausdruck, daß Palästina in das Zollsystem des Empire eingeschlossen werden sollte. gebraucht, mit Gar a n 11 e, billigst Rechenmaschinen Fritz Igel, III, Radetzkystraße 7 Telephon:. U-19-4-95 Dawe gab noch bekannt, daß auf 475.000 Dunam Boden Olivenkultur gepflegt wird. Er teüte mit, daß im staatlichen landwirtschaftlichen Rat Juden, Araber und Regierungsbeamte harmonisch zusammenarbeiten; leider konnte eine Reihe Pläne seines Departements zur Verbesserung der Landwirtschaft in Palästina infolge Ausbruchs der Unruhen nicht verwirklicht werden. Auf die Frage wegen der Möglichkeit einer besseren landwirtschaftlichen Ausnützung des Bodens im Distrikt Beer Scheba erwiderte Dawe, dies hänge von dem Erfolg der jetzt versuchten Wasserbohrungen ab. Die Regierung prüfe die Möglichkeit industrieller Verwertung der Apfelsinen. Wieviel Zitrusboden noch verfügbar sei, könne er, so sagte er zum Schluß, nicht angeben. Nun sollte die für das Land äußerst wichtige Frage der Aufforstung zur Behandlung kommen. Der Vorsitzende, Sir Horace.Rumbold, erklärte, aber,, er wolle damit warten, bis Lord Peel wieder, gesund sei und den Vorsitz übernehmen könne. Die Regierung leistet fast nichts für das jüdische Erziehungswesen Direktor Humphrey E. Bowman gab einen Ueberblick über das palästinensische Erziehungswesen, wobei er zugeben mußte, daß die Regierung für das jüdische Erziehungswesen sehr wenig leistet. Der Beitrag der Regierung macht nur einen sehr kleinen Teil des jüdischen Schulbudgets aus. Die Arbeit der jüdischen Volksschulen erziele sehr gute Erfolge. Professor Reginald C o p e 1 a n d fragte, was die Palästina-Regierung tue, um -eine Annäherung zwischen jüdischen und arabischen Sc hu 1k i n d e r n herbeizuführen? Mr. Bowman antwortete, es werde von der Regierung in dieser Rieh« Billige und flQDI C" Cakvl zu dtn Weihnacht!, baqueme ||UKDI9 "railll I e 1 e r I a 9 e n nach P0LEN»BERLIN Abfahrt: 22. Dezember 1936 Anmeldungen: Poll). ReiSQbttrO „ORBIS" I. Kärntnerstraße 41, R-at-5-78 Oesterreichisches Verkehrsbiiro l. Friedriehstraße 7. B.97-500, 0. Graben 20, U-S9?a?3S tung nichts unternommen, einerseits wegen des Widerstandes der nichtjüdischen Eltern und andererseits mit Rücksicht auf den Religionsunterschied. Nur von Missionären und einigen anderen Personen werde der Versuch gemacht, die Jugend der beiden Völker einander näherzubringen. Professor Copeland fragte, warum in den Regierungsschulen Palästinas nichtHebräischge- 1 e h r t w e r d e, das doch die offizielle -Sprache Palästinas sei. Mr; Bowman: Eine der offiziellen;Sprachein.-. Auf die Frage Professor Copelands, warum den arabischen Kindern nicht Hebräisch beigebracht wird, wo doch in den, hebräischen Schulen Arabisch gelehrt wird, erwiderte Bowman, er gebe zu, daß dies nicht in der Ordnühg sei. Sir Reginald Copeland machte darauf aufmerksam, daß die Regierung nur 5 Prozent des Palästina- Budgets für Schulzwecke ausgibt; dies sei ein zu geringer Verhältnissatz und lasse sich auch nicht durch den Hinweis auf die großen Ausgaben für öffentliche Sicherheit rechtfertigen. Bowman stimmte auch dieser Ansicht bei und bemerkte, daß der Regierungszuschuß für das Schulwesen des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) in einem gewissen Verhältnis zu den Ausgaben für das arabische Schulwesen stehe, wenn man die Zahl der Schulkinder der beiden Gemeinschaften in Betracht ziehe. Auf Fragen über das höhere Schulwesen gab Mr. Bowman schließlich bekannt, daß es in Palästina nur die Hebräische Universität in Jerusalem gibt, die 600 bis 700 Studenten die Möglichkeit des Studiums im Lande selbst bietet, während 700 bis 800 jüdische junge Leute aus Palästina im Ausland, hauptsächlich in England, studieren. Die Regierung sorge für die Erhaltung von sieben arabischen Studen« 'ten an der Universität Beirut. Jüdische Regierungsstipendien gibt es nicht. Den Unterschied des jüdischen und des arabischen Bildungsniveaus kennzeichnete Direktor Bowman durch die Feststellung, daß die jüdischen Kinder z u v^'.I (tn 100 P r o z e n t die Schule besuchen, während dies nur bei 28 Prozent der arabischen Kinder zutrifft. Shertok und Senator sagen aus Entgegen der Annahme, daß Präsident Doktor Chaim Weizmann in der öffentlichen Sitzung der Königlichen Kommission am Montag, den 30. November, spezielle Erklärungen zur Frage der Einwanderung geben wird, erschienen am Montag in öffentlicher Sitzung die Mitglieder der Exekutive der KOHLE KOKS ANTHRACIT BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 Inhaber Dr. Richard Bäsch