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Die neue Welt · 1936-12-01 · Heft 613 (1.12.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 613 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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813 vom 1 Dezember 1936 DIB NEUE WfXT Seit« 3 tinQddm^-liMäum „Königin von Saba" - 60 Jahre all! Sechzig Jahre also sind seit der Uraufführung von Goldmarks erstem und bedeutsamstem Opernwerk verflossen. Jung und blühend aber wirkt diese „Königin" trotz ihrer sechzig Jahre heute noch! Vor wenigen Wochen erst hat eine Neuinszenierung in der Wiener Staatsoper unter Leitung Carl Alwins dies bewiesen. Um so eindringlicher bewiesen, als manches, was seinerzeit den aktuellen Erfolg erzwang: diese beckenschlaggeschmückten Einzugsmärsche und Balletteinlagen, die effektbedachte Steigerung der Einzelstimmen zu kleineren und größeren Ensembles, mit A-cappella- Wirkungen am Höhepunkt, kurz, aller äußerer Prunk dieser Musik heute matter wirken. Um so tiefer leuchtet ihr innerer Glanz, das Magische großer Zeiten und Vorzeiten, das zwischen den Tönen hier, heute deutlicher als je, fühlbar wird. Erfährt doch Goldmarks Musik erst heute, lange nach des Meisters Tod, ihre letzte äußere Krönung: Arturo T o s c a n i n i bringt Goldmark — gewissen Zeitströmungen zu Trotz — fast demonstrativ immer wieder zur Aufführung. Er hat eben erst in den philharmonischen Konzerten, in Wien und Budapest Goldmarks „Ländliche Hochzeit" gespielt. Er hat in New York und anderwärts das Violinkonzert und die übrigen Orchesterwerke immer wieder aufgeführt. Karl Goldmark, keine Riesensonne, aber ein Stern echten Scheines am Musikhimmel, wird in der Geschichte der Tonkunst bestehen bleiben. Unter fremder Firma €o!umEbu§ wird „entlarvt" Die Entdecker Amerika.» Ludendorffs Halbmonatszeitschrlft „Am heiligen Quell deutscher Kraft" kündigt eine neue Publikation aus der Feder eines Mitarbeiters an, in der auf 56 Seiten „Enthüllungen" über den Zusammenbruch einer „Geschichtsfälschung" gemacht werden sollen. In der Publikation soll der Beweis geführt werden, daß Columbus Amerika nicht entdeckt habe, sondern lediglich das Werkzeug Roms gewesen sei. Die Hypothese von Columbus' jüdischer Abstammung Seit einer Reihe von Jahren ist auf Grund von Aktenstücken aus Pontevedra (Galicia), in denen der Name Colon mit einigen in der Familie des Columbus nachweisbaren Zunamen auftritt, die spanische und jüdische Herkunft des Columbus behauptet worden. Um den neuen Fund mit den bisher bekannten Nachrichten aus Genua in Einklang zu bringen, nimmt man eine Auswanderung der Familie nach Italien an. Dieser Hypothese stehen die ernsthaften spanischen Forscher ablehnend gegenüber. Der inzwischen verstorbene große spanische Schriftsteller und Historiker Vlasco Ibanez (Nobelpreisträger) setzte sich aber für die Hypothese ein und führte hiebet zur Begründung an, daß fast die gesamte spanische städtische Intelligenz sowie der Adel infolge der Vermischung mit den Marranen jüdisches Blut in den Adern haben. Er, Ibanez, nehme dies auch von sich als gewiß an. Der Name Colon kommt übrigens bei Juden und Christen in allen Gegenden Spaniens vor. Die für Columbus' jüdisohe Abstammung angeführten Argumente sind äußerst dürftiger Natur. Seine etwaigen inneren Beziehungen zum Judentum sind kaum ernsthaft untersucht worden. VERBAND DER JUDENSTAATSZIONISTEN I Juden mm* Taumten! Besorgen Sie eich rech'zeltiK Hatten zu unserer um 8, Dez«mb«r 1936 =§ um nalb 9 Uhr abends Im Gartensaal des Arbelt«rh»lme», X, Luen- §f =§ burgorstraOe 8-10, stattfindenden s 1 MAKKABAERFEIER J §= verbunden mit großer Festakademie. Mitwirkend: Oberkantor loset M Feuer (JiddischeLieder), losef Baar «Radio Wien),Eugen Hoff- § g mann u. a. Karten zum Preise von S 1.— im Vorverkauf: Cafe" j§ fs Drill, X. Uxenourgerstraße und bei allen Funktionären §= Oer deutsche Nationalsozialismus verschmäht kein Mittel, um seine Ideen im Ausland zu verbreiten. Er paßt seine Methoden unbedenklich jedem Milieu an, auch wenn er dabei in groteöke Widersprüche gerät. Zu Hause verflucht er alles, was „semitisch" ist, aber im Orient arbeitet er Hand in Hand mit den semitischen Arabern. Zu Hause agiert er als Retter vor der „gelben" Gefahr, draußen schließt er hicht nur politische, sondern auch „weltanschauliche" Bündnisse mit Japanerii und Chinesen. Und wenn es gar gilt, den Judenhaß, den er nun einmal als Grundpfeiler seines ideologischen Gebäudes ansieht, im Auslande zu propagieren, verschmäht er keine Maske. In Oesterreich hat der Nationalsozialismus, welcher zu Hause einen Vernichtungskampf gegen Rom führt, zu diesem Zwecke die katholische Maske vorgebunden. Es ist ihm gelungen, Personen und Presseorgane, die als Exponenten des Katholizismus gelten, in den Dienst seiner Judenpropaganda zu bringen. Unter katholischem Firmenschild wird eine antisemitische Verhetzung betrieben, die mit den dem Katholizismus sonst fremden Begriffen von „Blut, Rasse und Boden" arbeitet und durch Giftigkeit ersetzt* was in Deutschland an Brutalitat geleistet wird. Damit wird vorerst erreicht, daß die in Oesterreich verbotene nationalsozialistische Propaganda, soweit sie die Judenfrage betrifft, vor dem Eingriff der Behörden gewahrt wird. Man arbeitet ja nicht nazistisch, sondern katholisch. Dann aber ist man in die bequeme Lage versetzt, jede Erwiderung von jüdischer Seite als „Angriff auf den Katholizismus" und unerlaubte „Einmischung in katholische Angelegenheiten" abzutun. flVOBElrUJlNTER für Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadibahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Ein in dieser Hinsicht typischer Fall ist das Hervortreten des Bischofs Hudal. Dieser Träger einer hohen katholischen Würde hatte in der Wiener „Reichspost" einen Artikel veröffentlicht, in welchem der Nationalsozialismus als im Grunde christliche Bewegung und das schlechte Verhältnis zwischen Nationalsozialismus und den österreichischen Katholiken als Produkt jüdischer Verhetzung dargestellt wird. Soweit im. Nationalsozialismus dem Christentum ' feindliche Grundsätze vorhanden sind, wurden sie von — unter jüdischem Einfluß stehenden — liberalistischen und marxistischen Elementen, welche sich in den Nationalsozialismus eingeschlichen haben, hineingeschmuggelt. Diese Meinungen hat Bischof Hudal in dem angeführten Artikel und in einem dazu erschienenen Buche „Die Grundlagen des Nationalsozialismus" vertreten. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß diese Argumentation von antisemitischem Gift durchtränkt ist und an Gefährlichkeit hinter keiner Erfindung der Hakenkreuzler zurücksteht. Daß dagegen von jüdischer Seite in entschiedenster Form Stellung genommen wurde, ist wohl selbstverständlich. Selbstverständlich ist auch, daß sich die Juden gegen eine derartige Verwendung des katholischen Firmenschildes im Kampfe gegen sie wehrten. Was aber trat ein? Sofort, hieß es: Freche Angriffe der Juden auf einen Bischof, Einmischung der Juden in katholische Angelegenheiten, in das Verhältnis eines katholischen Kirchenfürsten zu seinen Glauibensbrüdern usw. Die Juden können und werden es sich nicht nehmen lassen, berechtigte Notwehr zu betreiben; auch wenn hohe Würdenträger die Angreifer sind. Sie werden es sich nicht nehmen lassen, nationalsozialistische Verfälschungen, auch wenn sie unter christlichem Deckmantel betrieben werden, als solche zu bezeichnen. Wie berechtigt die zuerst von jüdischer Seite her gemachte Feststellung war, daß die antisemitischen Auslassungen des Bischof Hudal nicht zu Nutz und Frommen des Katholizismus, sondern zu Nutz und Frommen der Hakenkreuzlerei erfolgten, wird nun von berufenster Seite bestätigt: von höchsten katholischen Stellen. Der römische Korrespondent der „Baseler Nächrichten" meldet: „Kardinal Fau 1 h a b er hat einen Abgesandten eigens nach Rom geschickt, um beim Vatikan gegen das jüngste Buch des Rektors der Anima, des Bischofs Hudal, zu protestieren, das unter dem Titel „Die Grundlagen des Nationalsozialismus" kürzlich in einem Leipziger Verlag erschienen ist. Dr. Faulhaber ließ in Rom mitteilen, der deutsche Episkopat empfindet dieses Buch als einen Dolchstoß in dep Rücken und es sei unerhört, daß ein Autor, der die reichsdeutschen Verhältnisse nicht kenne — Hudal ist Slowene aus der österreichischen Steiermark —, zu solchen Fragen und in solcher Art das Wort ergreife. Der Leitgedanke Hudals ist, daß die Christentumsfeindschaft des Nationalsoziaiismus nur gewissen Unterführern anzukreiden sei, die sich vom Marxismus oder Liberalismus in die Partei eingeschlichen hätten. Der Nationalsozialismus sei von der Vorsehung dazu be* stimmt, das Bollwerk Europas gegen den Bolschewismus zu Sein und er sei eine Rückbesinnung auf die Blut- und Schicksalsgemeinschaft der Deutschen." Auch der Fürsterzbischof von Salzburg, Doktor W a i t z, hatte wiederholt Gelegenheit genommen, vom Der kleine Chevalier HIRCHA im Dezemberprogramm mit 3 BilmoreHes — Frauen- Schönheit und Höchstleistung! Ase veras — 4fache „Hohe Schule" £ WONACH ER Herebgesetite Eintrittspreise! katholischen Standpunkte aus gegen die Agitation Bischof Hudals Stellung zu nehmen und hat jetzt in der Salzburger „Kirchenzeitung" folgende Erklärung abgegeben: „Die österreichischen Bischöfe haben sich vor längerer Zeit über Angelegenheiten, die in Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Bewegung stehen, vom rein kirchlichen Standpunkt ausgesprochen und im Bewußtsein der Pflichten, die ihnen durch das kirchliche Lehramt auferlegt werden, entsprechende Weisungen an ihre Diözesanen gerichtet. Wenn von anderer Seite in Zeitungsartikeln und Büchern eine von ihren Weisungen verschiedene Ansicht vertreten wird, so kann dies auf die Bischöfe und ihre Erklärungen keinen Einfluß ausüben, besonders dann nicht, wenn ausdrücklich erklärt wird, daß darin eine Privatansicht vorgetragen wird, die von keiner kirchlichen Autorität veranlaßt worden ist oder gedeckt wird." Diese Feststellungen sind gewiß nicht erfolgt, um die Juden vor Bischof Hudal in Schutz zu nehmen. Wohl aber haben die Juden ein Recht, auf sie zu verweisen, wenn es darum geht, nationalsozialistische, antisemitische Propaganda zu enthüllen, wenn sie in erborgtem katholischem oder sonstigem Gewände ihr Wesen treibt. Verb* der Judenstaafsziomsfen Oesterreichs Ueber „Zionismus und Assimilation" sprechen: Dienstag, den 1. Dezember, X., Herndlgasse 23: Ing. Eugen Buchbinder. — XVHI., Semperstraße 19: David Neben zahl. Mittwoch, den 2. Dezember, XX., Staudingergasse 16: Leitungssitzung. Donnerstag, den 8. Dezember, XX.» Staudingergasse 16: Professor Aron Schwertfinger, Fritz Richter. — IL, ErlafStraße 5: David Nebenzahl. Beginn sämtlicher Versammlungen halb 9 Uhr abends. Frauengruppe Debora h. Mittwoch, den 2. Dezember, 8 Uhr abends, im Heim, H., Erlafstraße 5. Vortragszyklus Josef Frankel: „Geschichte des Zionismus." Verband der Judenstaatszionisten Dienstag den I. Dezember, *,9 Uhr abends, im Heime, XVIII, SerapeiBtraße 19 (Im Hole) Vortrag David Nebenzahi Thema: Zionismus-Assimilation aaste willkommen! Eine notwendige Mahnung Im Züricher „Isr. Familienblatt" schreibt ein Schweizer jüdischer Künstler: „Das .dritte Reich' darf für sich den traurigen Ruhm beanspruchen, auch auf dem Gebiete der Musik die irrsinnige und haßgetränkte Rassenpolitik zu einem ausschlaggebenden Machtfaktor erhoben zu haben. Auf das Los, das die brutale .rassische Gesetzgebung1 auch für die jüdischen Musiker zeitigt, sei nochmals hingewiesen. Den kunstpolitischen Methoden des neuen Regimes In Deutschland sind viele jüdische Musiker, die In anständiger und verantwortungsbewußter Weise ihrem Berufe nachgingen — hervorragende Dirigenten, Instrumentalisten und Komponisten — zum Opfer gefallen. Ein Großteil, in alle Welt verstreut, kämpft bis zur Stunde um eine bescheidene Existenzbasis, viele befinden sich am Rande der Verzweiflung. Wie verhalten sich nun die führenden P e rsbnliohkeiten des deutschen Musiklebens zu diesem Vernichtungskampf gegen die Juden? Die maßgebendsten Musiker, wie Richard Strauß, Furtwängler, Piltzner, Kuappertsbusch, Peter Baabe, Fritz Stein usw., haben sich von Anbeginn der mörderischen antisemitischen Herrschaft bedingungslos zur Verfügung gestellt. Keine einzige Proteststimme ist laut geworden. Sie tragen somit auch die ganze Schwere der Verantwortung für alle Gemeinhelten, die im Dritten Reich begangen werden. In Anbetracht der ungeheuerlichen Gegebenheiten In Deutschland wirken sämtliche Erklärungen einzelner Künstler, die docij

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