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Die neue Welt · 1936-12-01 · Heft 613 (1.12.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 613 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DDB NEUE WELY Nr. 613 vom i. De2e»ber 193$ g Billige und ■ bequeme Hl I v» ■ |'j fo',? I * < s r 'S 6 i I!"! i ' i i i 11 4I im :i| -flp ">{■* l( S'illf % 11"» j i| Sit f. 1 i? < l^i I 'i|«> ';'!. r; - tl t i'ii; i * •"<! 1 $u];' "•tfK * (n1-^ X <t 'f . i Weihnachtssonderfahrt „„» I POLEN an« CZERNOWITZ Abfahrt: 22. D«l«mb<r 193« mit der „Cicirnowitzer Altgcmainen 2<*itufl§" Anmeldungen o u 11 t r . i t I i i «r im Keltebufo HarUnbru<ke", I. ftotentttrmfttf. M, R-M-JH»,«} sehe Volk einen Beitrag zur Lösung der Judenffage machen wollte. Was damals darunter verstanden wurde, war ein jüdischer Staat; was die BaJfour-Deklarntion versprach, war eine nationale Heimstätte, was bedeute, daß die Juden dort als Volk auf Grund von Recht und nicht von (Duldung leben sollten. Die Balfour-Deklaration enthält auch einen zweiten Teil; wir sind einverstanden damit, daß dieser zweite Teil von der Royal Commission in breitestem Sinne interpretiert wird, und daß sie ihr Urteil darüber abgeben soll, ob dieser zweite Teil durchgeführt worden ist. Wir kamen nicht um dieses zweiten Teiles willen nach Palästina, aber wir sind glücklich und darauf stolz, daß unser Wiederaufbauwerk durchgeführt wurde, nicht nur, ohne den Arabern zu schaden, sondern indem es ihnen Vorteile brachte. Dr. Weizmann wies auf die Vergrößerung der jüdischen Bevölkerung hin und bestritt, daß alles gute Land in den Besitz der Juden übergegangen sei. Es hat sich vielmehr in den meisten Fällen um schlechten Boden gehandelt, der durch jüdische Arbeit verbessert wurde, und zwar unter den größten Schwierigkeiten, die in mühevoller Kolonisationsarbeit überwunden werden mußten. Verlrag mit Feisal Dr. Weizmann behauptete, der arabische Nationalismus sei als bewußte Einheit aus dem Kriege hervorgegangen. Er betrachtet Palästina als ein arabisches Land, während schon Lord Miln e r Palästina das traditionelle Land der Juden genannt habe. Er selbst habe in vollem Einvernehmen mit dem Emir Feisal gestanden, den er auf Anregung Lord Allenbys kennen lernte und mit dem ihn lebenslängliche Freundschaft verband. So kam es dazu, daß während der Friedenskonferenz ein Vertrag zwischen ihm und dem Emir Feisal geschlossen wurde, der Von ' Colonel Lawrence als Dolmetscher entworfen wurde. Dr. Weizmann versicherte, daß die Juden bereit seien, der Kommission bei der Lösung der dornigen Probleme, mit denen sie befaßt ist, zu helfen; es sei jedoch unvorstellbar, daß es den Juden jemals verwehrt sein sollte, frei nach P.alästina-einzuwandern, soweit es die Absorptionsfähigkeit des Landes zuläßt. Aus dem Kriege seien die Araber mit drei Königreichen hervorgegangen; die Juden hätten nur das kleine Palästina bekommen, in dem sich ihr Schicksal zu erfüllen hat, Im Mittelalter habe es arabisch-jüdische Zusammenarbeit gegeben; er hoffe noch immer, daß eine solche Zusammenarbeit aufs neue stattfinden kann. Zur Zeit der Balfour-Deklaration und noch fünf Jahre später wurde Transjordanien als Teil Palästinas betrachtet. Es sei daher hart für die Juden, wenn sie, nachdem man Palästina gespalten hat, jetzt hören müßten, daß sie in diesem kleinen Land Ueberfüllung verursachen. Es könne jedoch durch intensive Entwicklung des Bodens noch sehr beträchtlicher weiterer Lebensraum in . Palästina geschaffen werden. Versagen der PaIästina*Regierung Abschließend erklärte Dr. Weizmann, daß die jüdischen Beschwerden der Kommission in einem konstruktiven Geiste unterbreitet werden. Ihre Hauptbeschwerde sei das Versagen der Regierung, die eine positive, auf die Entwicklung des Nationalen Heims und des Landes als Ganzes abzielende Politik nicht ergriffen habe. Schließlich setzte Dr. Weizmann die Gründe auseinander, die die Juden bestimmt haben, der vorgeschlagenen Einsetzung eines Legislative Council zu widersprechen, wobei er hinzufügte, daß er gewisse Aussichten für die Lösung dieses Problems sehe. Dr. Weizmann, der fast zweieinhalb Stunden sprach, wurde nur durch wenige Fragen unterbrochen. Seine Ausführungen wurden mit größter Aufmerksamkeit angehört. Er betonte, daß er nur eine allgemeine Darstellung der jüdischen Sache gebe, während Einzelfragen von den Sachverständigen vorgetragen werden würden, und wies auf das umfangreiche gedruckte Material hin, das der Kommission seitens der Jewish Agency vorgelegt werde. Wie die J. T. A. meldet, haben die Ausführungen Dr, Weizmanns vor der Kommission außerordentlichen Eindruck gemacht. Donnerstag, den 26. November, setzte Weizmann seine Darlegungen in nichtöffentlicher Sitzung fort. Als Vertreter der Agudas Jisroel werden Oberrabbiner Duschinsky, Rabbi Blau und Dr. J. Breuer aussagen. * Palcor meldet, daß t>r. Weltmann in geschlossener Sitzung vor der Rommission ebenfalls Uber $t/a Stunden ausgesagt hat. Aus seinen ersten Ausführungen darf der Schluß gezogen werden, daß er nun die fundamentalen Ursachen der Unruhen und die Stellungnahme der Palästina-Verwaltung behandelte. Ferner wird angenommen, daß Dr. Weizmann die Beschwerden der finden darlegte. Kgl. Kommission vor Weihnachten In London Aus Jerusal e m: Am Freitag, den 27. November, hielt die Kgl. Kommission wieder eine öffentliche Sitzung ab. Pressemeldungen ist zu entnehmen, daß die Kommission beabsichtigt, noch vor Weihnachten nach London zurückzukehren. (J. T. AJ)_ Palä§tinaiPolitik im Unterhaus Aus London wird gemeldet: Die vor kurzem in der amerikanischen Presse aufgetauchte Meldung, es sei von der Palästina-Regierung ein Plan auagearbeitet worden, demzufolge die Einwanderung nach Palästina in Zukunft so geregelt werden soll, daß ein bestimmtes zahlenmäßiges Verhältnis zwischen Juden und Arabern gewahrt bleibt, ist durch die Antwort, die Kolonienminister Ormsby-Gore im Unterhaus auf eine entsprechende Anfrage des Abgeordneten Captain Cazalet gab, offiziell dementiert worden. In der gleichen Sitzung wurden auch andere Anfragen über Palästina vom Kolonienminister beantwortet. Auf eine diesbezügliche Anfrage des CaptainCazalet antwortete Minister Ormsb y * G o r e: Es ist von der Regierung kein Plan zur Vorlage an die Kgl. Kommission entworfen worden. Auf eine Frage des Abgeordneten Wedgwood, ob gewährleistet sei, daß es sich bei diesen Aussagen um Bekundungen über Tatsachen handle, nicht aber um die Vorlage eigener Pläne, von denen man hoffe, daß die Kommission sie annehmen werde, antwortete der Kolonienminister: Die Kgl. Kommission ist von der Regierung völlig unabhängig und berechtigt, jedermann, der vor ihr erscheint, über jegliches zu befragen, und die Betreffenden sind mehr oder minder verpflichtet, zu antworten. Sie haben volle Freiheit, im eigenen Namen zu antworten. Auf eine Frage von Sir,A. M. Samuel stellte der kolonienminister im Anschluß hieran fest: Ich war in diesem Hause sorgfältigst darauf bedacht, keinerlei Meinungsäußerung über die künftige Politik der Regierung zu tun. Colonel Wedgwood fragte den Kolonienminister, ob er versuchen wolle, festzustellen, in welchem Maß der Aufstand in Palästina von den arabischen Königreichen und europäischen Staaten unterstützt und gefördert wurde, und ob im besonderen das Vertragsverhältnis Englands zum Irak ein derartiges Vorgehen dieses Staates verbiete oder nicht. Der Kolonienminister: Ich habe meiner Antwort vom 3. November nichts hinzuzufügen. (Der Kolonienminister hatte erklärt, die Palästina-Regierung habe alle Anstrengungen gemacht, um die Quellen festzu-: stellen, aus denen die Aufständischen mit Geld und Waffen versorgt wurden.) Was die Frage betrifft, ob unser Vertragsverhältnis zum Irak ein derartiges Vorgehen dieses Staates verbiete oder nicht, ao enthält der Anglo- Irakische Vertrag das Einverständnis beider vertragschließenden Parteien darüber,, keine Haltung einzunehmen, die für die andere Seite Schwierigkeiten bereiten könnte. Colonel Wedgwood: Ist es dem Minister bekannt, daß die Vertreter des Irak und, wie ich glaube, auch anderer arabischer Staaten sich zur Zeit in Jerusalem befinden, um den Arabern bei den Vorbereitungen zur Vertretung ihrer Sache zu helfen und einen Zwang auf die britische Regierung auszuüben? Kolonienminister Ormsby-Gore: Nein. (J. T. A.) 1254 jüdische Einwanderer in Palästina im Oktober Aus Jerusalem: Nach offiziellen Mitteilungen sind im Oktober d. J. 1254 Juden nach Palästina eingewandert, unter ihnen 106 Kapitalisten mit einem Mindestkapital von je 1000 Pfund und 105 Verwandte von im Lande Ansässlgen. (J. T. A.) Repräsentative Makkabäerfeier des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich, seiner Bezirkssektionen und der WIZO GROSSER KONZERTHAUSSAAL, Dienstag. 8. Dezember 1936, prliise 8 Uhr «binds Proaramm*Dr' Alfred Werner: Prolog / Sprecher: Jehuda Ehrenkranz / Lichterzünden: Oberkantor * ' Gerson M a r g o 1 i e s / Der verstärkte Chor des Seitenstetten-Tempels; Dirigent Kurt F u q h sgelb / Festrede: Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich / Kammersänger Igo Guttinann, am Klavier Robert Walter Spitz / Professor Joachim Stutschewsky (Cello), am Klavier Robert Walter Spitz / Jehuda Ehrenkranz, Rezitation / Kammersänger Alexander Klpnis (Staatsoper), am Klavier Robert Walter Spitz / „Ein Volk -— ein Land", Sprechchor von Joachim Prinz; Ausführende: Die Mitglieder des jüdischen Kulturtheaters und drei Jugendsprechchöre. Am Doppelklavier Lily Riegler und Gideon May / Festarrangement: Jüdische Kulturstelle, I., K&i 3. Die Vorgänge in Polen Der Pogrom in Wittta Atta W11 n a: 0k letzten pogromartigeu Ausschreitungen In Wilna, die sich an die Aktion der nationaldemokratischen Studehten auf Schaffung von „Ghettott&nken" für jüdische Hochschüler anschlössen, haben die jüdische Bevölkerung In einen Zustand tiefster Erregung und Trauer versetzt. Viele Juden, unter ihnen Greise, Frauen und Kinder, wurden erheblich verletzt, so daß das Haus der Jüdischen Gemeinde In ein Hospital zur Aufnahme der Verlöteten umgewandelt werden mußte. Unter den Verletzten gibt es zahlreiche angesehene Juden, so u. a. den bekannten Zionlsten Kobrlnskl, Leib Lamm, Sehlomo M1 n k e s, Josua Winkes, Leo Buch, Mosens AbramoWlc«, den bekannten Journalisten Halberstadt, EliaM1 che 1 son, Israel Jaf f e, Isaak Meitzer, Abraham Baszewskl, J. Qitcrman, Die Polizei befahl den jüdischen Geschäftsleuten, die Geschäfte geschlossen zu halten, bis die Ruhe wieder eingetreten ist. Auch die jüdischen Theater, Restaurants und Kaffeehäuser Sind geschlossen. Der infolge der Ereignisse erkrankte Senator Rabbiner Rubinstein von Wilna sandte Depeschen mit einer Schilderung der Ereignisse an den Ministerrat und an den jüdischen Parlamentsklub. Eine Abordnung der jüdischen Studentenschaft Übergab dem Rektor Professor Jakowieki ein 500 Unterschriften tragendes Memorandum, in welchem erklärt wird, die jüdischen Studenten werden sich als gleichberechtigte Bürger Polens niemals dareinfinden, auf Ghetto-Bänke gedrängt zu werden. Der Rektor erwiderte, falls die jüdischen Studenten nicht' Mäßigung zeigen, könnten folgende Eventualitäten eintreten: 1. Er, der Rektor, trete zurück und es komme ein Nationaldemokrat an seine Stelle, der die Ghetto-Bänke als ein Deflnitivum einführt; 2. es beginnen neue Einschreibungen an der Universität, die noch strenger sein werden als die früheren; 3. die Regierung schließt die Universität auf die Dauer. Die Lage in Warschau Aus Warschau (J. T. A.): Die Warschauer Universität ist weiterhin von einigen hundert nationalistischen Studenten besetzt. Polizeiabeüungen halten Wache bei der Universität und den anderen Warschauer Hochschulgebäuden. Da die nationalistischen Studenten trotz des Ultimatums des Rektors die Besetzung des Universitätsgebäudes aufrechterhielten, begann die Polizei in den Abendstunden mit der Räumung desselben. Der Rektor der Universität veröffentlichte eine Kundmachung, in welcher mitgeteilt wird, daß auf Grund einer Anordnung des Unterrichtsministers die Universität zeitweise gesperrt wird und die Studenten, welche das Universitätsgebäude okkupiert haben, aller akademischen Rechte verlustig gehen. Die .Sper.rung der Universität \$rd voraussichtlich Neueinschreibungen zur Folge haben. Im Verlauf der Nacht zu Donnerstag, 26. November, hat die Polizei die Säle der Warschauer Universität geräumt, die bisher von nationalistischen Studenten, besetzt waren. Im letzten Augenblick yor der Räumung befanden sich dotr, noch 150 Studenten. In der Handelshochschule Wawelberg, die ihr Entstehen einem jüdischen Stifter verdankt, wurden die jüdischen Studenten von ihren christlichen Kollegen während des Unterrichts überfallen, barbarisch geschlagen Und aus dem Gebäude hinausgeworfen. Keine einzige der Warschauer Hochschulen i9t gegenwärtig im Betrieb. Antisemitische Studenlenexzesse in Krakau Aus Krakau: An allen Fakultäten der Krakauer Universität kam es zu schweren antjjüdischen Exzessen, als die jüdischen Studenten sich weigerten, „Ghetto- B ä n k e" einzunehmen. Zahlreiche jüdische Studenten im physikalischen, im chemischen und im mathematischen Institut wurden niedergeschlagen und verletzt. Auch eiiüge jüdische Studentinnen würden barbarisch mißhandelt. An der juridischen Fakultät wurde der einzige zu der Vorlesung erschienene jüdische Student ein Stockwerk tief hinuntergeschmisseii, er blieb stark blutend und bewußtlos liegen. Eine Abordnung der jüdischen Studentenschaft intervenierte beim Rektor. An der Krakauer Universität haben die nationalistischen Hochschüler als Zeichen der Solidarität mit den Warschauer Studenten eine 24stündige Besetzung der Universitätsgebäude proklamiert. Der Rektor hat daraufhin die Vorlesungen auf unbestimmte Zeit eingestellt. Eine Solidaritätskundgebung und 24stündige Besetzung der Universität wurden auch in Posen vorgenommen. Zu den Hochschul-Unruhen Auf einer Sitzung des Beirates für Erziehungswesen beim Unterrichtsministerium, die unter dem Vorsitz des Unterrichtsministers Szwientoslawski statfand, verlas Senator Oberrabbiner Prof. Schorr, der Mitglied des Beirates ist, eine Erklärung, in der die Hochschulunruhen verurteilt werden. Der Unterrichtsminister wird aufgefordert, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um einen normalen Verlauf des Studiensemesters zu aichern und die Autonomie der Universitäten mit ihrer Freiheit des Unterrichts und des Studiums zu erhalten. Sitzung der Warschauer Repräsentanz aufgelöst Eine Sitzung der Repräsentanteuversammlung der Warschauer Jüdischen Gemeinde, die einberufen worden war, um das Präsidium der Versammlung zu wählen, ist von dem anwesenden Aufslchtsbeamten der Regierung aufgelöst worden. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde der Agudist Trokenh e 1 m gewählt. Nach Vornahme dieser Wahl wollte die Versammlung entsprechend vorliegenden Anträgen zu dem Urteil des Lubliner Gerichts und zu den Unruhen in Wilna Stellung nehmen. Dies wurde von dem Aufslohtsbearatcn mit der Begründung nicht zugelassen, daß die entsprechenden Anträge nicht auf der Tagesordnung stehen. Er erklärte die Versammlung für aufgelöst. Koscherfleischversorgung Einer Abordnung des Zentralverbandes der jüdischen Kaufmannschaft wurde bei der Besprechung mit den zuständigen Stellen im Landwirtschaftsministerium erklärt, daß zu den Ausführiuigsbestlmmungen. für das neue Schlachtungsgesetz demnächst Instruktionen veröffentlicht werden würden, die eine weitherzige Aua« legung der betreffenden Bestimmungen ermögücheöi f *' f

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