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Die neue Welt · 1936-11-27 · Heft 612 (27.11.1936) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 612 (27.11.1936)
Date
1936-11-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 612 vom 27. November 1936 AUS ALLER WELT Vor dem Proseft frankfurter Aus Bern: Der Prozeß gegen David F r a n kf urter vor dem Gericht in Chur beginnt Mittwoch, am 9. Dezember, und soll drei Tage dauern. Die Anklage lautet auf vorbedachten Mord. Das Kantonsgericht ist in seiner Mehrheit konservativ-katholisch, die Minderheit ist freisinnig. Präsident ist" der Freisinnige Dr. Anton Rudolf Ganzonl, Vizepräsident der Konservative Regierungsrat Dr. J. Viel!, Mitglieder sind G. B. Nievia aus Roveredo; Oberst Gartmann aus St. Moritz; Dr. Peter Sonder aus Salux; Staatsanwalt ist der Konservative Dr. Darms. Vertreter der Witwe Gustloffs ist der Frontist Dr. Werner Ursprung aus Zurzbach. Der Nazist Dr. Grimm, Essen, ist einstweilen der deutsche Rechtsberater der Frau Gustloff und wird im Prozeß nur als Fachmann für etwaige besondere deutsche Rechtsfragen mitwirken. Ueber die Zulassung Grimms als conseiller technique wird das Kantonsgericht noch zu entscheiden haben. Daa in Zürich erscheinende „Israelitische Wochenblatt" schreibt: „Die Taktik der Deutschen geht offenbar dahin, im Prozeß beweisen zu wollen, daß die Juden angeblich soviel Unrecht in Deutschland getan? hätten — auf kulturbolschewistischem Gebiet, daß die neudeutschen Grausamkeiten Abwehrmaßnahmen zur Rettung der europäischen Kultur seien... Und da schließlich ein schweizerischer Anwalt doch immerhin, selbst wenn er, wie Ursprung, Frontist ist, nicht schneidig genug erscheint, soll Dr. Grimm aus Essen helfen. Außerdem hat der Eher-Verlag sich nicht mit der Dierwege-Broschüre begnügt, sondern läßt gerade noch eine wissenschaftlich getarnte Schrift drucken, die unter dem Titel „Die Juden in Deutschland" erscheint und in „seriöser" Form die Kreise außerhalb des Dritten Reiches über die Juden aufklären soll; ein Teil der Auflage ist für Chur bestimmt; im übrigen auch für die Weltpresse. Denn auch in der Bedienung der Weltpresse hat Göbbels bereits vorgesorgt und einen Spezialdienst für den Prozeß geschaffen." „Bliatgegebene" Physik Aus Berlin: An. die Tagung . der Forschungsabteilung Judenfrage des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland richtete Geheimrat Prof. Dr. Lenard folgende Adresse: „Die Erkenntnis des jüdischen Einflusses sei in der Tat eine Frage der Geschichte des alten und des neuen Deutschlands, denn die Naturwissenschaft habe sich bei uns durch Jahrhunderte von Kepler bis Bimsen ganz ohne wesentlichen Judeneinfluß fruchtbar entwickelt. Erst in neuerer Zeit sei der Juden einfluß anfangs zögernd, dann aber in der Verfallszeit Wilhelms II. und der Nachkriegszeit stürmisch und herrschend zum Vorschein gekommen. Sein Zeichen sei die Unfruchtbarkeit, die den Juden anhaftet. Die Jüdengeister wußten das selbst. Sie suchten daher Ergebnisse arischen Geistes an sich zu nehmen und durch Verflechtung mit ihren unfruchtbaren „Theorien" als die besondere durch seinen Schlußteil, der Wolfsohns wahlverwandtem Chopin gewidmet war. # Hilde Ruth Somer, das Wunderkind am Klavier, entpuppte sich in ihrem jüngsten Wiener Konzert im Großen Musikvttreinssaal als außergewöhnliches Talent, wie es nur in weiten Zeitabständen hervorgebracht wird. Der pianistische Zauber, um den so viele Klaviervirtuosen jahrzehntelang werben, die undefinierbare Gabe der Einwirkung auf das Publikum — diesem jungen, anmutigen, bescheidenen Geschöpf sind sie von der Natur verliehen worden. Ein schweres, großes, in die Tiefe und Breite gehendes Programm absolvierte H. R. Somer — hier ist das Wort am Platz — aus dem Handgelenk. Id. Aus Tokio wird uns geschrieben: Im größten Konzertsaal debütierte der in Oesterreich geborene jüdische Dirigent Josef Rosenstock mit dem neuen japanischen Symphonieorchester, das unter seiner Leitung zu bravourösen Leistungen emporwuchs. Der Abend stand im Zeichen Beethovens: „Eroica", Vierte Symphonie, Dritte „Leonoren"-Oouvertüre. Das Dämonische in Beethovens Musik verstand der Dirigent in ganzem Ausmaß hervorzuholen. Kontrastierungen in den Toneffekten, Herausarbeitüng des Melodischen, klassische Gestaltung aller Themen — das alles bezeugte Rosenstocks große Meisterschaft. Der Erfolg ist um so höher einzuschätzen, als es sich um einen Dirigenten handelt, der innerhalb Deutschlands nur im Rahmen der Jüdischen Kulturbünde tätig war und nrn in Japan, das kulturell von Deutschland beeinflußt wird, gleich nach dem ersten Konzert zum führenden Dirigenten aufgerückt ist. Die bedeutende Zeitschrift in Tokio „The Japan Advertiser" hebt in einem langen Aufsatz die Bedeutung Rosenstocks für Japans Musikleben hervor. ihrigen hinzustellen. Und wenn nun — wie in der genannten deutschen Verfallszeit — außerdem noch Deutschland jüdisch. eingestellt war, so war es nur ein Zeichen allgemeinen Judensieges auf Erden, daß fast der Reihe nach Juden und jüdisch eingestellte Geister Nobelpreise für Physik erhielten. Höchstleistungen von Lebewesen seien in jeder Beziehung nur unter unverfälschter Auswirkung eigenen blutgegebenen Geistes möglich. Wichtig sei die Beachtung des tatsächlich an den meisten Hochschulen noch starken fremdgeistigen Einflusses in der grundlegenden Naturwissenschaft, der Physik. Er wirke bis in alle Schulen und so auf die Jugend." Ueber den Unterschied zwischen arischer und jüdischer Naturauffassung sagt Prof. Lenard: „Der Arier wünsche mit Ernst wahres Wissen von der Natur. Der Judengeist spiele Naturwissenschaft. Und er rechne auf ebensolche Einstellung der durch seine eigenen Werke schon verwirrten Mehrheit der Empfänger seiner Geistesprodukte. Er wolle nicht Einsicht in Naturgeheimnisse erringen, sondern er wolle Menschengeltung und Massensuggestion mittels unverständlicher Dinge, die möglichst bis in alle Schulen kommen sollten." BUCHHALTER in allen Systemen absolut bilanzsicher, selb* ständiger Korrespondent, perfekter Stenotypist, im Klage- und Exekutionswesen versiert, langjährige Zeugnisse, erstklassige Referenzen, sucht Beschäftigung, auch Stundenbuchhaltungen. Unter „Unermüdlich" Goebbels klärt die Offiziere auf Aus Berlin: Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet, daß Reichsminister Dr. Göbbels am 20. November vor den Offizieren und den Beamten des Reichskriegsministeriums sprach und sie über Grundsätze und Taktik der politischen Propaganda aufklärte. Ihm sekundierte der Reichskriegsminister Generalfeldmannschall von Blomberg, der die enge Verbundenheit zwischen Partei und Wehrmacht betonte. Der Oberbefehlshaber des Heeres und der Kriegsmarine, sowie der Generalstabschef wohnten dem Vortrag bei. Aus den Berichten der Parteizeitungen geht hervor, daß Göbbels auf die Wichtigkeit der rassistischen und antijüdischen Propaganda in Verbindung mit dem Auftreten deutscher Offiziere im Auslände hinwies. . An Interessenten wird DIE NEUE WELT probeweise einen Monat lang gratis versendet. Bekanntgabe von Adressen an die Adm. d. Bl. Ausschreitungen — Todesopfer Aus W i 1 n a: Im Verlauf einer judenfeindlichen Kundgebung sind am Sonntag 2 0 Juden in Wilna verwundet worden. Der 69jährige jüdische Arzt Baruch wurde infolge der Aufregungen vom Schlag gerührt und starb. Die Kundgebungen begannen am Morgen mit einem Aufmarsch der Schulkinder. Ihnen folgten die Angehörigen der verschiedenen nationaldemokratischen Organisationen und zum Schluß die Mütter der streikenden Studenten. Die Nationaldemokraten gingen bald zu Gewalttätigkeiten über, drangen in die jüdischen Stadtviertel ein, zertrümmerten Fenster und mißhandelten zahlreiche jüdische Passanten barbarisch. Drei Juden' wurden schwerverletzt ins Hospital eingeliefert. Die Unruhen wurden verschärft, als eine Delegation von Müttern der streikenden Studenten aus Warschau zurückkehrte und mitteilte, daß der Unterrichtsminister die Forderung nach Einführung von „Ghetto-Bänken" abgelehnt und den Müttern geraten habe, ihre Söhne zum sofortigen Abbruch des Streiks zu veranlassen. In Krakau kam es am Montag an der Universität zu antisemitischen Kundgebungen und Ausschreitungen seitens der nationalistischen Hochschüler der Medizinischen Fakultät. In einem Dorf bei Kielce wurde während eines antijüdischen Exzesses der Kaufmann Schlomo Hersch Kirszenbaum barbarisch mißhandelt. Am Montag früh erlag Kirszenbaum seinen Verletzungen. Er hinterläßt eine Frau und sieben unversorgte Kinder. Verband der Oesferreidier in TekAviv Aus Tel-Aviv: Vorige Woche fand die Generalversammlung der Hitachduth Olej Austria in Tel-Aviv statt, bei welcher ein neuer Ausschuß gewählt wurde, und zwar wurden gewählt zum Präsidenten Herr Julius Flaschner, zu Vizepräsidenten die Herren Dr. B e r n a y und Karl Weiß, der auch die Agenden des Kassiers übernahm, die Herren Dr. Smotricz, Schur und Lustig (Kulturreferat und Veranstaltungen), Frau Dr. Barsl (Fürsorgereferat), Dr. Eckstein (Stellenvermittlung und Beratungsstelle), Dr. Glücklich (Sekretär). Herr Ing. J. Ornate In, der durch mehrere Jahre die Vereinigung leitete, wurde zum Ehrenpräsidenten gewählt. Die regelmäßigen Zuaamm^nk^afte. > der Vereinigung finden jeden Dienstag!»'»"M......t............................MMMMMMi; SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale; IX.. Berggasse 19. Tel. A-17-5-99 u. A-16-9-34 Lielerant für Heilanstalten JWgj'miflew für iti^-Ftelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. £ Kultusgemeinde Wien Auto*ust«llung kostenlos :: IX., Berggatse 15 ✓ XVIII., Währlngerstr. 97 f 1MMMMI...........M............♦...........«.......tt abend im Cafe* P a r n e ß, Allenbystraße 2, statt. Sprech« stunden täglich von 11 bis 12 Uhr vormittags im Sekre* tariat, Lilienblumstraße 48. Die Vereinigung ladet alle aus Oesterreich! nach Palästina kommenden Zionisten ein, im Sekre«* tariate der Vereinigung vorzusprechen, deren Hauptauf•» gäbe es ist, die Einordnung der Neueinwanderer aus Oester« reich in den Jischuw zu erleichtern. Die Hitachduth Olej Austria stellt sich zur Erledigung von Anfragen jeder Art und zu Interventionen gerne zur Verfügung. (Anschrift: Tel-Aviv, P. O. B. 601.) Orandungsversammlung des palästfnensi» sehen §ymphonie*Ordieslers Aus Jerusalem (Palcor): In Tel-Aviv fand die Gründungsversammlung der Gesellschaft} für ein palästinensisches symphonisches Orchester statt, An der Versammlung nahmen auch 42 Mitglieder dea Orchesters teil, die sich bereits in Palästina befinden« sowie die beiden Dirigenten Walter Sternberg undi Michael Taube. Die Versammlung tagte im großen Konzertsaal auf dem Gelände der Levante-Messe in Tel-Aviv. Der] Saal, der jetzt gründlich renoviert und für Konzerte her«» gerichtet worden ist, macht den besten Eindruck. Neben; dem großen Saal befinden sich zwei weitere kleinere, in denen die Orchesterproben stattfinden werden. Die Versammlung wurde von dem Verwaltungs« direktor der Gesellschaft, Herrn Lewartow, eröffnet* der die Musiker begrüßte und auf die große Bedeutung des Orchesters gerade in diesen Tagen nach den blutigen Ereignissen, die über den Jischuw ge« kommen sind, hinwies. Das Symphonieorchester wird, wie Herr Lewartow betonte, einen weiteren Beweis für; den starken Willen des jüdischen Volke?,'' Palästina aufzubauen, darstellen, genau so wie der Tel« Aviver Hafen, den man durch die Saalfenster siehi, die. große schöpferische Kraft des jüdischen Volkes' beweist« Herr Lewartow berichtete der Versammlung übei) die Vorbereitungsarbeit, die bisher geleistet wurde, ühä über, .die, großen. Anstrengungen, die von Broniatara H über man bei der Durchführung des Planes ge« macht worden sind. Die- Versammlung sandte an Bronislaw Hubermaö das folgende Begrüßungstelegramm: „Die Teilnehmen der Gründungsversammlung des palästinensischen Syrn-i phonie-Orchesters grüßen den Meister und Gründer mit} dem Gefühl tiefen Respekts und wahrhafter Freude beim; Beginn seiner Tätigkeit." Nahariah ist Dorf geworden Die Siedlung Nahariah am Mittelmeer, die einen ans Märchenhafte grenzenden Aufschwung nimmt, wurde am 20. Oktober 1936 nebst den Siedlungen Kibbuz, Haschomer Hazair bei Tiberias und Kinereth bei Tiberias von der Regierung als selbständiges Dorf an-i erkannt. Auskünfte über Ansiedlungsm,öglichkeiten äü Nahariah erteilt Red. Jakob Josefsberg,. Wien, I., Hotel de France. „Pojaz" Die neue jüdische Kleinkunstbühne „Pojaz'" im Maw morsaal des Caf6 National, II., Taborstraße 18,1 hat mit ihrem ersten Programm durchschlagenden Erfolg. Lied, Sketsch, Musik, Witz, Bühnenbild fügen sich zu einem originellen Rahmen zu« sammen. Der „Pojaz" lacht in der jüdischen Gasse! Eine Reihe trefflicher Künstler sorgt für Abwechslung i Hilde Dulitzkaja, Chana Perl, Lucle Delburg, Artur Noff, M. Herschkowics, J. Krumholz, I. S. Rosen« bach. Die reizenden Bühnenbilder stammen von D. Szafrenko, E. Engel konferenciert. Am Flügel brillieren Gideon May und; Lily Riegler. — Eintritt inklusive Konsumation 2 Schilling; Wahrlich, ein billiges Vergnügen! KINO-PROGRAMME KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Telephon K-24-2-16 - Vorstellungen: 4,%*,Vt8,%io Frani!hot Tone' Jo8'Ph c»»«l»i Evana SCH'AFFER VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 deginn; ttö, V>8, Wo STAFA, VII Paul Muni als Louis Pasteur Mari ahilferstraBe 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: 5, 7, 9 Ulli in englischer Originalfassung in Erbfeind der Menschheit voTivPARK sie und der IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn; *, VtB, 'A10 William Powell, Carola Lombard

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