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Die neue Welt · 1936-11-27 · Heft 612 (27.11.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 612 (27.11.1936)
Date
1936-11-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Wr. 612 vom 27, November 1936 DIE NEUE WELT Seite & 1 Nachspiel tum Pogrom in Przytik Nach dem Pogrom im polnischen Städtchen Przytik fand in Radom ein Prozeß gegen einige Pogromhelden und einige Juden statt, welch letztere beschuldigt wurden, die Notwehr überschritten zu haben. Die Urteile des Radomer Gerichtes lösten helle Empörung nicht nur bei Juden, sondern bei allen anständigen Elementen im Lande aus. Die Mörder wurden freigesprochen und die Juden, welche sich verteidigt hatten, zu vieljährigen Kerkerstrafen verurteilt. Jetzt findet unter allgemeiner Spannung der Berufungsprözeß vor dem Gerichte in Lublin statt. Es wird berichtet: Der jüdische Rechtsanwalt Fenigstein führte aua: Das Radomer Gericht, welches die vier Mörder des Ehepaares Minkowski freigesprochen hat, hat nicht einmal den Kindern des Ehepaares geglaubt, die die Mörder mit Bestimmtheit erkannt haben. In der Begründung wurde gesagt, die Kinder, die unter den Betten versteckt lagen, konnten die Mörder nicht sehen. Andererseits hat dasselbe Gericht festgestellt, daß die Eindringlinge die Kinder unter den Betten hervorzogen und sie unmenschlich mißhandelten, zwei Kinder wurden zu Krüppeln geschlagen. Da hatten doch die Kinder die Mörder ihrer Eltern sehen müssen. Der frühere Sejmdeputierte Adv. Hart gl aß analysierte die Begründung des Urteils. Hartglaß wies an Hand unbestrittener Tatsachen nach, daß der Pogrom in Przytik von langer Hand vorbereitet war. Zu den Mördern des Ehepaares Minkowski gehören Fronczkiewich, Kwietniewski und Iwanski. Das vergossene Blut heischt Sühne. Eine breite Welle von Judenverfolgung hat sich über Polen ergossen. Es darf nicht die gefährliche — auch für den Staat gefährliche Meinung entstehen, als ob Juden vogelfrei wären. Es folgte eine blutrünstige antisemitische Rede des Lodzer Advokaten Kowalski, der ein Gesetz förderte, welches die Polen zwingt, die Juden zu boykottieren, schließlich die vollständige Entrechtung der Juden, die „froh sein sollten, daß man sie in Polen als Gäste leben läßt". Die Ueberfätte auf Juden, erklärte er, haben erzieherischenWert für die polnische Jugend. Der nichtjüdische berühmte Advokat und Universitätsdekan Petruszewicz, führte aus, es sei falsch, die Unruhewelle, die durch Polen geht, als „polnisch - j ü d i s c h e n Kam p f" zu bezeichnen, die Juden seien doch keine Kampfpartei, man gebe ihnen ja nicht das Recht, sich zu verteidigen. Adv. Margolies wies den Widersinn nach, der darin besteht, daß man die jüdischen Kleinkramläden den landlosen polnischen Bauern übergeben will. Was werden die 8 Millionen landlosen Bauern mit den paar tausend jüdischen Kramläden anfangen? Die Behauptung, daß es den Polen besser gehen wird, wenn man die Juden aus dem Lande treibt, ist eine demagogische Phrase. Die Bauernfrage kanft nur durch gerechte Agrarreform gelöst werden. Die Juden sind keine Gäste in Polen, sondern angestammte Bürger, aber wären sie auch nur Gäste, so haben sie genug und übergenug für die ihnen gewährte Gastfreundschaft bezahlt. Sie haben in allen Befreiungskriegen für Polen gekämpft, haben Polens Handel und Industrie ausgebaut und zu Polens Kultur Unauslöschliches beigetragen. Anspruchsvolle Starkbärtige, Empfindliche, Eilige nehmen nur die sanft-scharfe Der Lemberger Advokat L. Landau, bekannt aus dem Steiger-Prozeß, erklärte, die Abschätzung des Wertes der Zeugenaussagen nach dem Glauben der Zeugen, wie dies das Gericht in Radom zu Wege gebracht hat, sei ein schlimmer Verstoß gegen das polnische Rechtsleben und die polnische Verfassung. Ein angesehener Bürger wie Friedmann wurde zu fünf Jahren Kerkers auf Grund der Aussagen eines 11jährigen Kindes verurteilt. Aus dem Urteil des Gerichts wird der Schluß gezogen, daß Juden die Christen überfallen haben; dies steht in stärkstem Widerspruch zu den Erhebungen der amtlichen Organe, Adv. Landau zitierte die antisemitischen Aufrufe der Nationaldemokraten, die den Pogrom in Przytik und andere Pogrome ausgelöst haben, und schloß: Wir kämpfen für die Wiederherstellung der Gleichheit und für Abschaffung des Messens mit zweierlei Maß. In seiner Replik bezeichnete der Staatsanwalt die Behauptung des Advokaten Boykowski, daß die Bauern sich in Notwehr befunden haben, als zynisch.'In Wahrheit, sagte er, haben die Bauern unschuldige Menschen barbarisch gepeinigt. CAFE WEGHUBER Hinter dem De Jeden Samstag, Sonntag Feiertag —; Kapelle u t seh Volkstheater ISY GEIGER Konziert / Tanz / Stimmungsmusik Beginn 8 Uhr abd$. Bürgerliche Preise Neue Verfolgungen in Deutschland Aus Berlin (J. T. A.): In weiten Kreisen der deutschen Juden herrscht tiefe Bestürzung, die durch eigenartige behördliche Verfügungen ausgelöst wurde. Mehrere Juden deutscher .Staatszugehöriglee i t, die im B, esitz gültiger deutscher Pässe sind, wurden am 23. November in das Berliner Gestapo-Hauptquartier gerufen, wo ihnen die Weisung gegeben wurde, das Reichsgebiet innerhalb von 24 Stunden zu verlassen; sollten . sie nach Ablauf dieser Frist noch auf Reichsgebiet angetroffen werden, so würden sie in Haft genommen werden. Ein Grund für diese Weisung wurde nicht angegeben. Die Mehrzahl der ausgewiesenen Juden sind Geschäftsleute. Sie erklärten, daß sie immöglich innerhalb 24 Stunden ihre Betriebe liquidieren können; auch könnten sie innerhalb dieser kurzen Frist sich keine Visa zur Einreise in andere Länder verschaffen. Die Gestapo-Beamten zeigten sich diesen Bitten gegenüber taub und drohten mit Haft. Unter den Ausgewiesenen war ein Jude, der nach Palästina gehen wollte, aber das Visum erst in drei Tagen erhalten konnte. Die Gestapo-Beamten aber drohten ihm, daß er, falls er nicht das Visum sofort erhält und das Reichsgebiet innerhalb 24 Stunden verläßt, unweigerlich der Haft verfalle. Der britische Generalkonsul erbarmte sich des Unglücklichen und gab ihm sofort das Visum, obwohl es nach Büroschluß war. Die durch diese Fälle bei den deutschen Juden ausgelöste Bestürzung gründet sich auf die Furcht, daß die Ausweisungen den Beginn einer neuen Aktion der Gestapo, sich der Juden im Wege administrativer Maßnahmen zu entledigen, signalisieren. Ea handelt sich bei keinem der Ausgewiesenen etwa um einen zurückgekehrten Emigranten, wohl aber hat der eine oder der andere gelegentlich einmal als Tourist oder Erholungsuchender im Ausland geweilt. Wie der Sonderberichterstatter weiter erfährt, haben die deutschen Behörden soeben mit einer gründlichen Prüfung der P a s s a g i e r 1 i s t e n bei Touristen-Agenturen . und Schiffahrtsgesellschaften — die in Deutschland arbeitenden ausländischen Gesellschaften eingeschlossen *w zu dem Zwecke, begonnen, dta Namen und Adressen aller jener Passagiere festzustellen, die im Laufe der Jahre als Touristen im Ausland weüten. Von den Büros dieser Gesellschaften wurden detaillierte Angaben über jeden einzelnen dieser Passagiere angefordert. OPERATIONS-LEIBBINDEN, Bauchmieder für Hängebauch, Magensenkungen usw. LASTEX-Schlüpfer und -Corselelts Institut Bständig1 Teinfaltstraße 1 Ecke Freyung 5 Maßkarten kostenlos! Wer finanziert die Studentenunruhen? — Die Regierung kündigt scharfe Abwehrmaßnahmen an Aus Budapest: Die andauernden antisemitischen Unruhen an den Budapester Hochschulen, die auch auf die Straße übertragen werden, hat der jüdische demokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Bela Fäbiän in einer an den Unterrichtsmin ister gerichteten Anfrage zur Sprache gebracht. Er betont, daß, während in früheren Jahren diese Demonstrationen durch sozialwirtschaftliche Motive der darbenden christlichen Studenten einigermaßen plausibel gemacht wurden, in diesem Jahre die Korporationen „Emaricana" und „Turul" ausdrücklich bestritten, irgend etwas mit den Unruhen zu tun zu haben. Es haben sich in der Tat fremde Elemente in die Reihen der Studentenschaft eingeschlichen und Leute überfallen und mißhandelt. Es sei ferner Tatsache, daß ein geheimer Geldgeber diese Kundgebungen finanziert, denn in Studentenführerkreisen ist offen zugegeben worden, daß es keinem Jugendführer einfallen würde, „aus eigener Tasche" derartige Dinge zu inszenieren. Tatsache ist, daß Tee mit Rum, Mittag- und Abendbrot, sowie Tagegelder für die Individuen bezahlt werden, die sich an den, Unruhen beteiligen. Er hofft, daß es der Regierung gelingen werde, die geheimen Geldgeber zu eruieren. „Jüdische Unternehmer! Denket an die jüdischen Arbeitslosen und fordert anläßlich der Wintersaison den Bedarf an Angestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen Verein f ü r u n t e n t g e 11J i c h e n A r b e i t s nach w e i s, Wien, I,, Kohlmessergasse 4, Tel. U-27-0-65, an.4< .HASARD' - GRACE MOORE örace Moore in einem leiztklassigen Nachtlokal — Grace Moore versteigert ihre letzten Habseligkeiten — Grace Moore als Trumpfkarte im Spiel des Schicksals — Grace Moore als bezaubernde Schauspielerin — Grace Moore als liebendes Weib — Grace Moore der unübertroffene Star im Glanzfilm der gigantischen Columbia- Produktion .HASARD' Premiere: 28. November im SCHWEDEN-KINO (KfetkekSftiegd Stolzes Judentum Fast in jedem Dorf von Kurdistan fand ich Juden» die ohne jeden Zusammenliang mit größeren Judengemeinden leben, sozial ziemlich tief stehen, aber stolz darauf sind, Nachkommen der nach Assyrien verbannten zehn Stämme Israels zu sein. Sie halten die religiöse Tradition Iwcli, es herrscht aber auch viel Aberglaube unter ihnen. Auf der Suche nach alten, ägyptischen Hand- Schriften in Kurdistan fand ich vor allem Manuskripte kabbalistischen Inhalts und Traumdeutungsbücher. In den Städten aber fand ich zählreiche Dokumente von in hebräischen Lettern geschriebener jüdischpersischer Literatur, Werke der persischen Klassiker in hebräischer Transskription, auch Uebersetzungen Shakespearescher Dramen und eine Geschichte des Zionismus, Prof. Walter Fi s c hel (Universität Jerusalem), Woife aus Holland „So wie wir als Nationalsozialisten das Recht der Italiener auf Baum anerkennen, tun wir dies auch bezüglich der Juden. Der Zionismus, der die Aufhebung der Einseitigkeit des jüdischen Charakters fördert, weil er die Juden wieder an den Grund und Boden und an eine eigene nationale Tradition bindet, ist eine Bewegung, welche die Sympathie Westeuropas verdient." Die holländische Monatsschrift „Nieuw Nederland" 1936. Au da im französischen Parlament „Wir sind hier doch alle Franzosen", rief Herriot dem erregten Haus zu. In die kurze Pause, die Herriot diesem pathetischen und ernsten Aufruf folgen ließ, ertönte von rechts eine bisher noch nicht identifizierte Stimme, die dem auf' der Tribüne stehenden L6on Blum zurief: ,&er da nicht!" Pariser Bericht, November 1936. „Heimische'' und „Zugereiste" In manchen Kreisen der Wiener jüdischen Bevölkerung wird häufig, manchmal in einer für die Kultusgemeinde wenig wohlwollenden Weise, darüber Klage geführt, daß bei den Zuwendungen der Kultus gemeinde die nach Wien zuständigen Petenten ungünstiger be. handelt werden als die fremdzuständigen oder staatenlosen Juden. Diese Annahme ist vollständig unrichtig. Zunäclist muß bemerkt werden, daß es wohl ganz gegen jüdisches Empfinden wäre, iqpnn die Kultusgemeinde eine unterschiedliche Behandlun g der Juden nach ihrer staatlichen Zugehörigkeit eintreten ließe und wenn sie etwa Juden, die seit Jahr« zehnten in Wien wohnen und denen die von ihnen angestrebte Zuständigkeit nach Oesterreich vorenthalten wurde, auch ihrerseits aus diesem Grunde ebenso die Hilfe verweigern würde, ivie dies von den öffentlichen Behörden geschieht. Noch widersinniger wäre eine schlechtere Behandlung von jüdischen Petenten, weil sie nach Oester* reich zuständig sind. Die diesbezüglichen Gerüchte lassen sich nur damit erklären, daß die nach Oesterreich zuständigen Parteien, die um eine Hilfe der Kultus gemeinde in irgend einer Form ansuchen, durch die betreffende Dienststelle der Kultus gemeinde auf die ihnen zustehenden Rechte hinsichtlich der Unterstützung dxirch die öffentliche Fürsorge (Staat, Land, Gemeinde) aufmerksam gemacht und aufgefordert werden, zunächst von dieser Hilfsmöglichkeit Gebrauch zu machen. Die Inanspruchnahme dieser Rechte, liegt gleicherweise im Interesse der Petenten wie der Kultus gemeinde. Aus dem Bericht der Isr. Kultusgemeinde Wien 1933—1936: Brot ohne Mehl, aus dem ganzen Roggenkorn hergestellt, daher mit 100%ig erhaltenem Nährsalz- und Vitamingehalt, das ist das gute Wiener Simonsbrot, Inii# ausländische Hausbesitzer verwalten ihre I WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei I Dr. MAIR PAIS | Wien lt Franz Joicfs»Kai 1, Tel. R.*1»5*30 H| mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm H Erstklassige Referenzen!

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