Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 612 (27.11.1936)
- Date
- 1936-11-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« t Mf MfltITH« tDWtft VMJU aMuVtu WJUl/JL Nr. 612 vom 27. Növemner lbd6 I' ■B'BMS Weihnacftissonderfahrt i ■MLH and CZERNOWITZ I Abfahrt: 24. B««*mber 193a mit der ■ .♦«»•rnowtixer Allgemeinen leltung" - I ■ Anmeldungen auttcn ■ « < A irti Kme&uto ■ f^j^^^Jj^^^^^JJJSSa^SÜS^^ÄS^ Antrag der Exekutive konnte unter solchen Umständen, nur die Linke und ein Teil der A-Gruppe sprachen sich für ihn aus, keine Majorität finden. Das bedeutet aber nicht, daß die Gefahr eines eventuellen Paritätsbeschlusses gänzlich vorüber ist Die Zionistische Exekutive wird wahrscheinlich versuchen, ihren Standpunkt auf anderem Wege durchzusetzen. Sie wartet die Ajikunft Dr. Weizmanns in Palästina ab, um mit seiner Hilfe die von ihm geprägte Paritätsformel durchzusetzen. Angesichts dieser Gefahr hat die Leitung der Judenstaatspartei beschlossen, den Standpunkt der Partei und die möglichen Konsequenzen eines Paritätsbeschlusses der Oeffentlichkeit bekanntzugeben. Am 11. d. M. hat das Exekutivmitglied der Judenstaatspartei, Richard Lichtheim, in einer Massenversammlung in T e 1 - A v i v einen zweistündigen Vortrag über das wahre Wesen der 'politischen Parität in Palästina gehalten. Er führte aus, daß das Mandat keine Parität kenne, da es einerseits nationale« Rechte des gesamten jüdischen Volkes aufPalästina, andererseits aber bürgerliche und religiöse Ansprüche der nichtjüdischen Bevölkerungsteile in Palästina postuliert. Sowohl juristisch als politisch bedeute deswegen die Paritätsformel eine grundsätzliche Aenderung des Palästina-Mandats zu unseren u n g u n s t e n, und das wird zweifelsohne die Königliche Kommission veranlassen, noch weitere Schritte auf dem Wege der Mandatsrevision zu machen. Aber auch praktisch bedeute die Parilätsformel gar keine Lösung der vorhandenen politischen Schwierigkeiten, denn sie sei eine überaus nebelhafte Formel, die keineswegs zur Klärung der vorhandenen Gegensätze beitragen könne. Meine man darunter die jüdisch-arabische Parität im Bodenbesitz, das heißt daß die Juden an Stelle ihrer 8 Prozent des gesamten palästinensischen Bodenbesitzes 50 Prozent bekämen, so werden wir wahrscheinlich nichts dagegen einzuwenden haben, es sei aber zweifelhaft, ob die Araber sich damit einverstanden erklären werden. Dieselbe Situation würde sich ergeben, wenn die Paritätsf ormel den Juden 50 Prozent der B e a m i e n s t e 11 e n in der palästinensischen Administration einräumen würde;auch würden sich die Araber wahrscheinlich mit einer derartigen Lösung nicht zufrieden geben. Andererseits würden sich die Juden dagegen einsetzen, falls man mit Hilfe der Paritatsformel die Hälfte der ihnen im Lande gehörenden Konzessionen an die Araber abgeben würde. Das bedeutet, daß es keine Zauberformel ist, die die Schwierigkeiten beiseite schiebt, sondern eine Formel, die die jüdischen Rechte vermindert und außerdem zu den existierenden Schwierigkeiten und Gegensätze neue hinzufügt. Auch die neuerdachte Formel , glicht beherrschen und nicht beherrscht sein" ist eine leere Phrase, ohne jeglichen Inhalt, denn jemand muß doch im Xande herrschen, wen es also weder der Jude noch der Araber sein sollte, so müßte es logischerweise der Engländer sein. Es läuft also praktisch auf die Fortsetzung des gegenwärtigen Zustandes hinaus, was ebenfalls keine Lösung der politischen Gegensätze bedeutet Zusammenfassend warnte Herr Lichtheim entschieden vor den einerseits gefährlichen, andererseits nutzlosen und inhaltslosen politischen Aspirationen der Zionistischen Leitung und plädierte für eine Politik der konseq u e n tenVerteidigung unserer Rechte, für die Bildung einer jüdischen Majorität in diesem Lande bei Wahrung der arabischen bürgerlichen und religiösen Rechte und für die Einschließung Palästinas als jüdisches Dominium in das Britische Imperium. Ein Artikel des Exekutivmitglieds Dr. H. Rosenblum über „Minorität, Majorität Parität" ist ebenfalls in der jüdischen Presse erschienen. Im Artikel wird die ablehnende Haltung der leitenden Instanzen der Judenstaatspartei zu jeder Textierung der Paritätsformel dargelegt und der schärfste Kampf für den Fall angedroht, daß dieser Weg von der Zionistischen Leitung betreten werden sollte. Sonntag-Nachmittag freihalten! für die lustige Gesellschaft bei den Schauspielern des Kulturtheatets Im Hot«! de Franc«, Wien I, Scho tenting 3 (%5 Uhr Beginn). Für wirklich amüsante Vorträge und'Tanz bei kleiner, aber erstklassiger Jazzkapelle, zahlen Sie einschließlich Trinkgeld und sogar Konsignation nur S Schöne weiße Zähne üben eine starke Anziehungskraft aus. Sie sind der schönste natürliche Schmuck, $s ist so leicht, schöne weiße Zähne zu haben, wenn man morgens' und abends die bekannte Qualitäts-Zahnpaste Chlorodont benutzt. Wählen Sie Chlorodont, »chäumehd oder nichtfichäizmend, nach Ihrem persönlichen Geschmack, Letzte Nadiridit Parit&Utotmet angenommen Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Die Politische Kommission des Zionistischen Aktions* Komitees, das sogenannte „Kleine A.-K.", hielt soeben ihre letzte Sitzung in der vor einigen Wochen begonnenen und mehrmals unterbrochenen Session im Beisein des Präsidenten Chaim Weiamann ab. Ben Gurion unterbreitete die von der Exekutive ausgearbeitete politische Formel, die sodann von Doktor Weizmann erläutert wurde. Die von der Exekutive vorgeschlagene Paritätsformel wurde gegen die Stimme des Vertreters der Judenstaatspartei angenommen. Für die Formel stimmten alle Linken und alle Allgemeinen Zlonisten der Gruppe A. Der Misrachi und die B.-Zionisten (zusammen vier) enthielten sich der Abstimmung. Optiker Rudolf Haas & comp, wien ii, pr ate »strasse 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK Judenstaaftler und die Kg!« Kommission Boykottbeschluß wird aufgehoben Das Zentralbüro der Judenstaatspartei (Tel-Aviv) meldet: In Anbetracht der in den leitenden zionistischen Körperschaften zutage getretenen defaitistisehen Stimmungen hatte das Exekutivkomitee der Weltleitung der Judenstaatspartei eine dringende politische Beratung einberufen, an der auch Vertreter des palästinensischen Zentralkomitees teilgenommen haben. Herr Großmanh referierte in dieser Sitzung über die politische Situation und legte die Frage vor, ob das Exekutivkomitee nicht seinen Beschluß über die Boykottierung der Königlichen Kommission widerrufen sollte. Nach einer eingehenden Diskussion, an der die Herren Licht he im, Dr. Rose n b 1 u m und die meisten Mitglieder des Zentralkomitees teilgenommen haben,, wurde einstimmig " .-'-°'« •-' "■ -4-f ->~~ flwfc«yjjr«*■•'',»i")B??v;Ä»J'if ^•A.'.-'^..%,.t/v>-n-'?-*' festgestellt, daß im Laufe des letzten Monats sichdie politische Lage derartig geändert habe, daß-eine Beschlußänderung notwendig erscheine. Vor allem haben die Gruppe-B der Allgemeinen Zionisten und der Misrachi, welche noch vor sechs Wochen im A.-K. ihre Nichtbeteiligung an der Königlichen Kommission angekündigt' hatten,1 jetzt ihren Beschluß geändert, und sich, auf den; Standpunkt gestellt, . daß angesichts der Gewährung von Zertifikaten die Zionistische Organisation zur Königlichen Kommission gehen müsse. Zufolge dieser Frontänderung würde ein Boykott seitens der Judenstaatspartei, welche nur einen kleinen Teil der Zionistischen Organisation darstellt, wenig Eindruck machen. Andererseits hat sich die Gefahr der defaitistisfeheh Vertretung unserer Interessen vor der Königlichen Kommission durch die offizielle zionistische Delegation viel größer erwiesen, als anfangs angenommen werden konnte. Es ginge daher gegen die Interessen des Zionismus; wenn .wir,. nachdem die ..Paritätstendenzen der Leitung .klar zutage getreten sind, ihr die alleinige Vertretung der zionistischen Bewegung vor der Königlichen Kommission überließen und die Königliche Kommission über die wahren Gefühle der jüdischen Massen im unklaren ließen und beiseite stünden. Unter diesen Umständen ist der einzig mögliche Schritt, mit dem wir gegen die neugeschaffene Situation reagieren können, das Erscheinen einer Delegation der Judenstaatspartei vor der Königlichen Kommission, um ihr das Judenstaatsprogramm und die Wünsche der zionistischen Massen klar vor Augen zuführen. In diesem Sinne wurde auch ein Beschluß gefaßt. Zur Beschlußänderung hat schließlich auch die Stellungsänderung der arabischen Front gegenüber der Königlichen Kommission, die vorige Woche bekannt wurde, beigetragen. Das Exekutivkomitee war nicht der Ansicht, daß es Sinn hätte, den arabischen Boykott durch einen tedlweisen jüdischen Boykott zu stärken. Das Exekutivkomitee hat sich in dieser Frage auch mit seinen auswärtigen E.-K.- Mitgliedern in Verbindung gesetzt und die Zustimmung der überwiegenden Majorität zur Beschluß- | änderung erhalten, so daß der neue Beschluß auf Beschickung der Königliehen Kommission vom Exekutivkomitee mit fünf Stimmen gegen eine gefaßt werden konnte. Araber und Königliche Kommission Aus Jerusalem (Palcor): Die große arabische, nationalistische Zeitung „Alif-Ba". die in Damaskus erscheint, wendet sich heftig gegen den Beschluß des öber«ten Arabischen Rates, die Kgl. Kommission zu boykottieren, und schreibt: „Wir halten diesen Beschluß fUr unlogisch und inkonsequent. Im Anschluß an die Ankunft der Kommission haben doch die Araber Palästinas ihren Streik abgebrochen und die Unruhen eingestellt, und beute proklamiert man einen Boykott gegen die Kommission, bevor man noch genat» den Charakter ihrer Tätigkeit kennt. Warum geschieht dies alles? Wegen der Erklärung des Kolonialministers. Wir. können dies nicht verstehen. Möglicherweise haben die Araber Palästinas einen Grund hierzu, aber wie dem auch sei, man darf nicht zulassen, daß die Kommission ihre Tätigkeit durchführt und abreist, ohne die Beschwerden der Araber gehört zu haben." Wem soll England vertrauen? Den Arabern oder den Juden? Die dem Kolönienministerium nahestehende Zeitschrift „Great Britain and the East" veröffentlicht unter der Ueberschrift „Wurzeln des1 Palästina-Problems" einen Artikel, in welchem die Forderung erhoben wird, daß bei der Lösung dieses Problems in erster Reihe die britischen Reich sinteressen, und ganz besonders die strategischen Interessen Englands im Auge behalten werden sollen. Ist es nicht richtig, zu sagen — schreibt die Zeitung —, daß Großbritannien sich in Palästina ih erster Reihe zu strategischen Zwecken befindet? Die besondere Lage des Heiligen Landes, insbesondere seine Lage zum Suez- Kanal, kann nie vergessen werden, während man von arabischem Nationalismus oder von jüdischem Nationalismus, oder von mohammedanischen Riten, von christlichen oder jüdischen Riten spricht Das Britische; Reich sendet nicht >aus gefühlsmäßigen Gründen tausende" Mann nach Palästina. <" ■-• , Das ist aber nur der Rahmen des Problems.;^Nimmt,nia^; .geben ,an,; so mußvman fragen, wie .sie gewahrt i werden können. Hier kommen wir zu dem-Ke^rn;. Es , gibt zwei entgegengesetzte ideologische, Richtungen. Die eine sagt, daß wir zwar alles tun sollen, um die | Freundschaft der längs der Reichsstraße nach dem Osten lebenden nicht jüdischen Vö 1 k:e r zu gewinnen und zu erhalten, daß es aber eine gebieterische Notwendigkeit für uns ist, in Palästina eine Bevölkerung zu haben, die in ihrer Existenz und Sicherheit dauernd vom Britischen Reich abhängt Eine solche Bevölkerung kann diesen Argumenten gemäß nur von den Juden gestellt werden; denn wer könne sagen, ob nicht einmal die in. dieser Angelegenheit in Betracht kommenden Nichtjuden eine antibritische Haltung einnehmen würden. Die andere Richtung stellt eine doppelte Behauptung auf: erstens, daß arabische Freundschaft und Kooperation mit England eine Bedingung sine qua non für die Auf rech terhaltung des Einflusses und des Prestiges Englands im Osten ist, und zweitens, daß es zwecklos sei, von den juden in Palästina, die aus allen Teilen der Welt zusammengekommen sind, und hauptsächlich aus solchen Teilen, die England keine Treue schuldig sind, eine solche Freundschaft zu erwarten. Das ist, unyerhüllt dargestellt, das. Düenüna. Dem Bericht der Königlichen Kommission sieht fast die ganze Welt mit Spannung entgegen: das Britische Reich, die Welt des Islam, die Welt der Judenheit und viele andere. Es ist eine schicksalsschwere Zeit für das Heilige Land. Wenige Beobachter zweifeln daran, daß im nächsten Jahr'die Unruhen wieder a u 8 b r e c h e n werden, wenn nicht treffende Vorschläge gemacht werden. Und zu den Zweiflern gehören 'bestimmt nicht' die englischen Militärbehörden in Palästina. Laßt uns darum gerade denken und alle unsere Karten ohne Leidenschaft oder Schwäche auf den Tisch legen. Das englische Volk wird kein unehrliches Spiel oder irgendeinen Trumpf in dem Stoß dulden. Sicheii unseren Jischuw (ür olle Zukunft I Opfert und Werbet für den <^%^»^^%^^i%^^^><^^%>^^%^<%^^<%, Juden der Galuth! Niffal bizzaron!