Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 612 (27.11.1936)
- Date
- 1936-11-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20Groschep Freitag/ den 27* November 1*36 Vniversmtsv i* V* b» b* weitaus vom Verleger versendet „Journal expedie par ttMIteuf DIE NEUEWELT R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljahrig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Eumänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa-30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.*-; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX,Universitätsstr,8,7el.A-20-2-78 - Erscheint Diensten?tr.Freitag Rft.r. „ORBir-Sonderfahrt nach POLEN^BERLIN Abfahrt: 22. Dezember 1936 Anmeldungen: Poln. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstrane 41, R-21-5.78 Oesterreichisches Verkehrsbüro I. Friedriehstraße 7, B.27-soo( i. Graben 20, u-a9.o-3S Urteile i'nt polnischen ronuProzeß Pogrc Aus Warschau (J. T. A.): Das Berufungsgericht in Lublin hat das Urteil im Berufungsverfahren wegen der bekannten Vorfälle in Przytik am Dienstag Abend gesprochen. Das Gericht hat die harten Strafen, die das Kreisgericht in Radom gegen die jüdischen Hauptangeklagten am 26. Juni gefällt hat, bestätigt. Die Strafen aller übrigen jüdischen Angeklagten wurden wesentlich erhöht. } Die in Radom freigesprochenen vier nichtjüdischen Angek 1 a g't en, die des:Mordes an dem Ehepaar Minkowski beschuldigt wurden, wurden zu Gefängnisstrafen verurteüt. ' Die auf ächT"'^ä'Ii're^.erk-er''-l'a.u-.', tende Straf e gegen den^ jüdischen Haupt- angeklagten Schalora Jechiel Lesko bleibt bestehen, ebenso die über Elieser Kirszenzweig verhängte Kerkerstraf e von s e c h s J a h r e n. Die Strafe für Jizchak Friedman, der in erster Instanz zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ist auf fünf einhalb Jahre erhöht worden. Es wurden, weiters erhöht die Strafen für Abraham Haberberg von zehn Monaten auf anderthalb Jahre, für Elieser Feldberg von zehn Monaten auf anderthalb Jahre, für Jizchak Banda von acht Monaten auf zwei Jahre, für Leib Lenga von acht Monaten auf anderthalb Jahre. Saul Krengel, der vom Kreisgericht in Radom sechs Monate Gefängnis erhalten hatte, wurde zu einem Jähr Gefängnis verurteilt. Die weiteren jüdischen Angeklagten Moses Ferszt, Raphael Honig und Leib Zeide, die in Radom sechs Monate Gefängnis erhalten hatten, bekamen jetzt zehn Monate Gefängnis. Die des Mordes an. dem jüdischen Ehepaar .Minkowski beschuldigten vier nichtjüdischen Angeklagten Antony Fronczkiewicz, Stanislaw Fronczkiewicz, Gustaw Iwonski und Franciczek Kwietnewski, die in Radom freigesprochen wurden, erhielten je eineinhalb Jahre Gefängnis. Die jüdische Bevölkerung Polens hatte dem Urteil mit größter Spannung entgegegengesehen. Man hatte nach den eindrucksvollen Plädoyers der Verteidiger der jüdischen Angeklagten gehofft, daß der Urteilsspruch des Radomer Gerichts, das unverhüllt mit zweierlei Maß gemessen hat, abgeändert' werden würde. Das vom Gericht in . Lublin um 5 Uhr nachmtitags verkündete Urteil hat auf die jüdische Bevölkerung einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Auch in Warschau und im übrigen Polen ist die Erregung unter den Juden über -dieses^ Urteil ungeheuer. . . ifllllllllllllflllttlllllllllllltlflfllllllM S^e^^dU^iMctUi^c ' dec Jsc. lUfäusgetneiHik! n Parität" ist keine zionistische Lösung Die Stellung der Judenstaatszionisten „Draußen in den Couloirs bekennt ihr euch alle zum Judenstaat. Draußen seid ihr alle Judenstaatszionisten. Hier im Saale, wenn es um ein öffentliches Bekenntnis geht, hört euer Mut auf. Wenn man euch zur Rede stellt, dann sagt ihr: ,Wir werden vom Judenstaat nicht sprechen, aber wir werden ihn uns nehmen.' Vertraut doch nicht so sehr auf die Dummheit der anderen. Dir könnt dabei über eure eigene Dummheit straucheln..." „Wollt ihr euch zum Judenstaat bekennen oder nicht? Wehe euch und wehe dem Zionismus, wenn ihr diese Frage verneinen oder mit Stillschweigen beantworten werdet!" Robert Stricker auf dem Luzerner Zionistenkongreß 1935. Die von del^nglischeil. Regierung nach ,. Palästina entsandte „Königliche Kommission'' soll; die . Ursachen des arabisch-jüdischen Konfliktes ergründen und Mittel zur Lösung finden. Sie wird notgedrungen an die Führer der beiden Streitteüe die Frage richten, welchem Bndzier sie zustreben. Die Araber haben •bereits die Antwort erteüt: Palästina muß.nur.ar.a- .bisch.es Land sein. Daher Annullierung der B a 1four-Deklaration und Einstellung, der jüdischen Einwanderung.- Wie wird die . jüdische Antwort lauten? Jahrelang bemühte sich die offizielle zionistische Leitung unter Führung Professor Weizmanns der , Frage nach dem Endziel auszuweichen, . und wiederholt hat der Zionistenkongreß die Forderung der judenstaatlerischen Opposition nach klarer Beantwortung der Endzielfrage abgelehnt. Ja, man hat dieses Ausweichen zum Um und Auf zionistischer Staatsweisheit gemacht. An den Judenstaat denken, ist noch erlaubt. Aber von ihm sprechen? Nein! Der Judenstaat muß entstehen, ohne daß es die anderen merken. Als der Sprecher der Judenstaatszionisten auf dem letzten Kongreß in Luzern, erklärte, daß in diesem Falle die Spekulation auf die Blindheit und Dummheit der anderen das allerdümmste sei, rief ihn der Vorsitzende zur Ordnung. Nun ist, leider nur unter äußerem Zwange und sehr spät, die zionistische Staatsweisheit des Verschweigens zu Ende gekommen. Man kann nicht schweigen, denn die Königliche Kommission wird fragen, welchem Endziel die Zionisten zustreben., Da die Königliche Kommission kein Zionistenkongreß ist, auf welchem eine zu Angst und Schweigen gedrillte Majorität die Fragenden niederstimmen kann, wird man antworten müssen. Und jetzt geht es seit Monaten darum, wie man antworten soll. Die Minderheit der Judenstaatler beharrt nach wie vor darauf, daß die einzig mögliche Antwort lautet: . Judenstaat. Die zionistische Leitung aber wül aufs neue versuchen, der so lange gemiedenen Wahrheit auszuweichen und hat eine neue Formel geprägt: Poli- | t i s c h e P a r i t ä t! Das heißt: ob nun die Juden öder KOHLE KOKS ANTHRACIT»«f BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL« U*47'5*40 Inhaber Dr. Richard Bäsch die Araber im Lande Majorität sein werden, ist der politische Besitzstand gleichmäßig zu verteüen. Ein zur Hälfte arabisch und jüdisch besetztes Parlament, ebensoviele arabische wie jüdische Beamte, Konzessionen je zur Hälfte den Arabern und Juden, die Armee halb arabisch, halb jüdisch usw. usw. bis in alle Ewigkeit. Das ist eine von qualvoller Verlegenheit und Mutlosigkeit diktierte und daher ganz mißratene Formel. Die Spekulation, die mit ihr verbunden ist, macht sie nicht um ein Jota besser. Die Vertreter der „Politischen Parität" behaupten nämlich, daß die Araber bestimmt ablehnen und die Juden dann als die Friedenswüligen und Opferbereiten im günstigsten Lichte dastehen werden, vor der Königlichen Kpmmission, ^vqr» <^ vor der ganzen Welt; Die Araber werden „Nein" sagen. In dieser Beziehung stimmt die Spekulation sicherlich. Aber, sonst nicht. Das Anbot" wird auch auf englischer Seite als unernst und unaufrichtig eingeschätzt werden und die Stellung der Juden wird hiedurch eine Verschlechterung erfahren. Ihr Wert als Partner wird sinken. Theodor Herzl ist mit der Forderung nach einem Judenstaate, als einziger Lösung der Judenfrage, vqr die Welt getreten, und alle moralischen und politischen Erfolge, welche der Zionismus erzielt hat, sind auf dieses klare Bekenntnis zurückzuführen. Das versteht die Welt! Sie begreift, daß die Juden für sich fordern, was alle anderen Völker haben, einen Fleck Erde, wo sie Hausherren sind und ihr Geschick selbst bestimmen können. Für eine „politische Parität", für eine erkünstelte, verkniffene Formel will sie nie Ver- ^etro-^Ä/ßy/7-MAyer GAIA-SAISON ständnis aufbringen. Deshalb kämpfen die Juden« staatszionisten dafür, daß sich die Vertreter des Zionismus vor der Königlichen* Kommission frank und frei zum Judenstaat bekennen sollen, Unser Korrespondent berichtet aus Jerusalem: In Jerusalem haben im Laufe der letzten Wochen mehrere Sitzungen des Zionistischen Aktionskomitees (A. C.) stattgefunden, welche« sich mit dem von Ben Gurion vertretenen Antrage der Zionistischen Exekutive beschäftigte, vor der Königlichen Kommission die „Politische Parität" als Vorschlag der Zionisten vorzubringen. Der Vertreter der Judenstaatspartei Meir Groß mann bekämpfte den Antrag und sprach dem A. C. das Recht zu einer Verzichtleistung auf die Grundprinzipien des Zionismus ab. Ihm pfliohteten der Misrachi, die Gruppe der allgemeinen Zionisten und .auch ein Vertreter der A'Gruppe bei. Der