Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 610 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 610 vom 20. Novaiiftbei: 193ß AUS PALÄSTINA Die Kgl. Kommission besucht Tel-Aviv Aus Jerusalem: Die Mitglieder der Kgl. Kommission unter Führung Lord Peels besuchten am Freitag Tel-Aviv und Jaffa und begaben sich von dort nach Petach Tikwa und Tel Mond. Ueber Ramalla kehrte die Kommission nach Jerusalem zurück. Das palästinensische Rabbinat begrüßte die Kgl. Kommission in einer öffentlichen Erklärung, in der es heißt, die Kommission weile im Heiligen Lande, wo England die Verpflichtung übernommen hat, dem jüdischen Volk zu helfen, seine Heimat aufzubauen. Unterschrieben ist die Erklärung vom sephardischen Landesrabbiner Jacob Meir und den Rabbinern Frank und Weber. Die arabische Presse Aus Jerusalem (J. T. A.): Zahlreiche Artikel in der arabischen Presse sind der Politik der „Non¬ Cooperation" (Nicht-Zusammenarbeit) gegenüber der Kgl. Kommission gewidmet. „El Liwaa" zieht eine Parallele zwischen Italien und England. Während die italienische Regierung ungeheure Anstrengungen macht, um sich den Arabern zu nähern, sich mit ihnen anzufreunden und mit ihnen eine Vereinbarung auf der Grundlage gegenseitigen Nutzens zu treffen, sehen wir, daß England alle möglichen Mittel ersinnt, um seine Beziehungen zu den Arabern abzubrechen und leichtsinnigerweise mit ihnen in einer Art zu verfahren, die sie zur Verzweiflung treibt. Die Araber würden sich keinesfalls einer „Politik des Raubes und des Betruges" unterwerfen. Sie haben jetzt nur die eine Hoffnung, daß die Kgl. Kommission das Unrecht wieder gutmachen werde, das die englische Regierung an den Arabern begangen habe, und daß. sie beschließen werde, die jüdische Einwanderung einzustellen. Werde sie dies nicht tun, dann werde sie unverrichteter Dinge zurückkehren, denn sie werde niemanden im Lande finden, der ihr glauben oder helfen sollte. Palästina sei ein Spielball gewesen, jetzt aber sei es zu flammendem Feuer geworden, mit-, dem man nicht spielen könne. In ähnlichem Sinne sind die Artikel in den übrigen arabischen Zeitungen gehalten. * Das Organ der arabischen Unabhängigkeitspartei „Ä Difaa" entwickelt den Plan eines arabischen Wirt- . Schaftsboykotts gegen die Juden in der Weise, daß im Verlauf von vier Jahren 2 0 0.000 Juden sich gezwungen sehen sollen, aus Palästina auszuwandern. Die Zeitung erklärt, falls die Araber den Boykott restlos durchführen, könne dieser „Vierjahresplan" ohne Schwierigkeiten verwirklicht werden. Die Realisierung der Boykottaktion müßte eine wirtschaftliche Körperschaft mit 60.000 Pfund Kapital in die Hand nehmen. Waudiope vor der Kql* Kommission Aus Jerusalem: Die Kgl;'Kommission hat nach einer kurzen Ueberlandreise am 16. November ihre erste nichtöffentliche Sitzung abgehalten. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope erschien vor der Kommission, um Aussagen über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu machen und Fragen über die Ursachen der nationalen und anderen Gegensätze in Palästina zu beantworten. Die Vernehmung des High Commissioner nahm zwei Stunden in Anspruch. Bisher unbestätigten Meldungen zufolge soll - der High Commissioner demnächst einen Urlaub antreten und sich nach London begeben. (J. T. A.) Die fünfte Division verläßt Palästina. Aus London: Kriegaminister Duff Cooper erklärte im Unterhause, daß aus Palästina die dorthin., anläßlich der letzten Unruhen entsandte f ü nf t e eng-; Iis che Division abberufen werden wird. Die weitere Zurückberufung des britischen Militärs aus Palästina wird von der Entwicklung der Situation abhängig gemacht werden. (J. T. A.) Was der Mufti will Aus London: „Daily Telegraph" veröffentlicht ein Interview seines Jerusalemer Korrespondenten mit dem Großmufti Ha j Amin el Hus seini, in dem dieser, erklärt, die Araber würden nur zufriedengestellt sein, wenn der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung" Palästinas so wie im Jahr« 1918 wieder sieben bis zehn Prozent betragen würde. Auf die Frage, unter welchen Bedingungen die Araber den Boykott der Kgl. Kommission aufgeben und zur Zusammenarbeit mit ihr bereit sein würden, antwortet der Mufti, die Verweigerung der Mitarbeit sei darauf zurückzuführen, daß England keine aufrichtigen Absichten hege. Die jüdische Einwanderung hätte .eingestellt und die Entscheidung über die Einwanderung der Kgl. Kommission überlassen werden sollen. Die Einwanderung sei die Hauptursache für alle Aufstände und Unruhen. Als der Interviewer weiter fragte, ob die Araber es ablehnen würden, sich dem Beschluß der Kommission, Zeugen unter Strafandrohung vorzuladen, zu fügen, antwortete der Mufti: Jeder Araber wird wissen, was seine nationale Pflicht ist. Liegt es nicht in der Macht des Obersten Arabischen Ausschusses, lautete die nächste Frage, den Verkauf arabischen Bodens an Juden zu verhindern? Der Mufti antwortete: Durch die jüdischen Methoden werden manche Großgrundbesitzer und habgierige Personen in die Versuchung gebracht, zu verkaufen! aber es ist die Pflicht der Regierung, unsere nationalen Rechte gegen solche Einzelpersonen zu schützen und den Verkauf von Boden an Fremde zu verbieten. Der Mufti erklärte weiter, er wolle darauf auf. jaerksam machen, daß von den Juden ei» Druck auf-.die.' englisch© Regierung ausgeübt wird. Dadurch werde der Ruf Englands und sein Prestige schwer geschädigt. Es sei noch Zeit, diesen Ruf und dieses Prestige zu retten. Die Araber sind entschlossen, nicht auf ihre Rechte und nationale Integrität zugunsten der Juden zu verzichten. Sie können eine solche Erniedrigung nicht hinnehmen. Palästina ist historisch und blutsmäßig ein arabisches Land. Es wird von 70 Millionen Arabern und 400 Millionen Mohammedanern unterstützt, zu denen England enge Verbindungen aufrechterhält. Darum ist es äußerst wichtig, daß das englische Volk die Wahl treffe zwischen der Freundschaft dieser Hunderte von Millionen Und der Fortsetzung einer Palästina-Politik, die abnormal ist und deren letztes Ziel es ist, die Juden und ihre Kapitalisten zufriedenzustellen. (J.T. A.) „Falastin" und die Pläne der polnischen Regierung Aus Jerusalem: Die arabische Zeitung „Falastin" beschäftigt sich mit den in London abgehaltenen Besprechungen zwischen dem englischen Außenminister Eden und dem polnischen Außenminister Beck bezüglich verstärkter jüdischer Auswanderung von Polen nach Palästina. Die Zeitung bemerkt dazu, daß Polen die Juden loszuwerden wünscht, die das Land ausbeuten und versklaven, doch ebensowenig wollen die Araber sich von den Juden ausbeuten lassen. Der arabische Kampf gegen die Einwanderung muß daher fortgesetzt werden. flVO'BEIrU/lNTER für Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 be) Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Der Streit um das Bürgermeisteramt , in Tel Aviv Aus Tel-Aviv: In einer Sitzung des Stadtrates von Tel-Aviv erklärte der von der Regierung gegen den Willen der Majorität (acht waren gegen ihn, sieben für ihn) ernannte Bürgermeister Ii o k a c h, er sei zur Zusammenarbeit mit allen Parteien bereit. Wenn jedoch eine Zusammenarbeit unmöglich sei, würden neue Wahlen ausgeschrieben werden. Rokach bestritt, daß er bei der Regierung um seine Ernennung nachgesucht habe. Die Linken beantragten, daß Rokach von allen seinen Aemtern zurücktreten solle. Nach einer stürmischen Aussprache wurde mit acht Stimmen der Linken gegen sieben Stimmen des Zentrumblocks dem Bürgermeister Rokach das Mißtrauen ausgesprochen. Englische Unterstützung für Araber! Aus Jerusalem (Palcor.): Aus einer Meldung in. der arabischen Zeitung „Al-Liwa" geht hervor, daß eine Gruppe pro-arabisch eingestellter englischer Aristokraten, u. a. Lord Winterton, Lord Lloyd und Lord Beäverbrook, beabsichtigen, mit einem Kapital von 250.000 Pfund eine Bank unter dem Namen „Pan« Arab Corporation" zu gründen. Gemäß den Statuten dieses Unternehmens' sollen sich Juden daran nicht beteiligen dürfen. Jüdische Arbeit Aus Tel-Aviv: Auf einer" Sitzung des Landwirt-* schaftsrates der „Histadruth" wurde 'im einleitenden Re ferat festgestellt, daß 8 00 0 jüdische und 15 0 0 ara bische Arbeiter gegenwärtig in den jüdischen Pflanzungssiedlungen Beschäftigung-finden. Seit Ausbruch der Unruhen hat sich die Zahl der in den Plantagen he schäftigten Juden um 4000 erhöht; die Mehrzahl der jüdischen Arbeiter in den Siedlungen haben außer ihrer Tagesarbeit auch Wachtdienst. Während der Dauer des arabischen Streikes ist die jüdische Gemüsebaufläche um das Dreifache vergrößert worden; die Milchproduktion der Siedlungen hat ausgereicht, um den gesamten Jischuw mit Milch zu versorgen. Vor Beginn der Verhandlungen wurde der 'dreiunddreißig; landwirtachaftUchei* Arbeit ter' gedacht, die in den Ujnruhen den Tod gefunden haben. Oer Strand von Herzlia Aus Jerusalem ((J. T. A.)i Die Kolonie Herzlia hat beschlossen, den zu ihrem Gebiet gehörenden Strand nach dem Vorbild von S e e k u r o r t e n auszugestalten, Die Lage in Haifa Aus Tel-Aviv: Die Tageszeitung „Dawar" stellt in einem Bericht über die Arbeit-im Hafen von Haifa fest, daß die dortige" Lage völlig normal ist. Vom 20. Oktober bis zum 1. November sind im Hafen von Haifa 16.500 t Güter ausgeladen worden. 180 Waggon Ware lagern zur Zeit dort. Was den Zitrusexport betrifft, so können In dieser Saison 5 bis 6 Millionen Kisten über Haifa verladen werden. Unter den 7 0 0 T r ä g e r n, die mit besonderer Erlaubnis der Hafenverwaltung im Hafen von Haifa arbeiten, befinden sich insgesamt 22 palästinensische Araber und etwa 100 Aegypter, alle übrig'en sind Hauranier. (Aus dem Hauran ist ein Großteil der Banditen, welche durch Mord und Brandstiftung Palästina terrorisierten, ins Land gekommen.) ■■ Dagegen gibt - es unter ihnen keinen einzigen Juden und es werden keine aufgenommen, obwohl die Arbeit stark darunter leidet, daß die Juden unter keinen Umständen ..die Träger aus dem Hauran in Anspruch nehmen wollen. i Vorlesung Jehiida Ehrenkrans Jehuda Ehrenkranz weilt nach längerer Abwesenheit) wieder In Wien, wo er am 24. November im Mittleren iftrazer^ haussaal einen Abend mit vollständig* neuem Programm gibt* Unter dem Titel „T od n n d Liebe" erscheinen in einem weit« gespannten Bahmen diese ewigen Mcnschhcltserlebnlsse auf die mannigfachste Weise gestaltet. Vier Menschen vor dem Tode, vi« „Sterbende" bilden das Thema des ersten Teiles des Abendsi Sokrates in Piatos Dialog, Camllle Desmoullng, Pflicht* getreu der „Marathonläufer" (Ernst Waldinger), ekstatisch' la Gesang sterbend der Kabbala-Jiinger bei J. I. Perer. Des zweite Teil betitelt sich „Liebende" (Kafka, Peter Alten« berg, Jens Peter Jacobson, Jan fiep). „Heiteres VonXileb'4 und Tod" nennt sich der dritte Teil* in, dem in satuisoh« grotesker Welse das Lachen triumphiert. Ehrenkranz wird nach einer umfangreichen CuropälselieÄ Tournee Im Frühjahr 1936 wieder an seinen ständigen WofcnslnS Palästina (Haifa) zurückkehren. Eröffnung einer jüdischen Kleinkunst* bühne „Pojaz" in der Taborstraße Freitag, den 20. November, 9 Uhr ahends, im Marmorsaal des Cafe" National, H., Taborstraße Ii die Eröffnung der neugegründeten Kleinkunatl „Pojaz" statt. Zu den Mitwirkenden gehören Hild^ Dulitzkaja, Chana Perl, Lucie De Iburg, Hoff, Markus Herschkowicz, Jankel Krumholi I. Segal-Rosenbach. Bühnenbild:. Szafreoki Am Flügel: Gideon May und Lily Riegler«, Conti rence: Erwin Engel. ' . Zur Darbietung gelangen Sketches^ yemenitischfi Lieder, inszenierte jüdische Volkslieder. Eintritt inklusive Konsumation 2 Schilling, Soni|i tag und Feiertag nachmittags (3^4 Hhr)J U50 SchflltaA SSM Filme der Woche [(Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes)] ' Oesterreich: Fräulein Lilli — Silhouetten^ ■ England: Wie es euch gefällt. Frankreich: Helene. — Taraß Bulba. Amerika: Mr. Deeds — Schwester Florencej *-* Peter Ibbetson — Der König der Frauen —; Der kleiaiji Rebell — Der chinesische Spürhund — Küß nicht im KirioJ — Der kleine Lord — Der Mann, der Wunder wirkt© -* Kampf um die Barbee-Farm — Der letzte Gangster Die Matrosen kommen! — China-Gold — Keine Gnad$ — Die Wunderbar — Wir drei — Dein Leben gehört min — Meuterei auf der Bounty — Ein schwerer Junge Erbfeind der Menschheit — Die Wüstenlegion Show Boat— Eifersucht — Der letzte Mohikaner, Filme unter Arierparagraph Allotria — Friesennot — Verräter---Stenka Basini — Nur du, Maria (Gigll-Film) — Schlußakkord i— Schate ten der Vergangenheit — Seine Tochter ist der Peter —• Manja Walewska — Seine offizielle Frau — Mädchen in Weiß — Standschütze B^uggler — Schloß in Flandern, — Servus Wien — Glückskinder (Ufa) — Fahr' ma, Euer Gnaden — Das Mädchen Irene — Frauenparadies —- Die Stunde der Versuchung. KINO*PROGRAMME KREUZ-KINO 1, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 »■»a™«" Vorstellungen: *,%.,»».%» f™* c,l",l■' mt" e""* SCHÄFFER Vi, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 tfeginn: %*, Va6, Ys8, ftlO in englischer Orlginalfassunfl STAFA, VII Mari ahllf erstraBe 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: 5, 7, 9 Uhr Sie und der Kammerdiener William Powell, Carola Lombard VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: 4, %d, m, 'Aio Sie und der Kammerdiener William Powell, Carola Lombard