Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 610 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. ffito vom 2ö. MovemBer 1Ö36 - —ä. » uMdi üi ii ihgy ä*^* DH5 NEÜt? WELT rieite 7 Fausi AI Kaukdji Der FUhter des Aiifstatides In Palästina Der jetsst beendete blutige Araberaufstand in Palästina begann mit regellosen terroristischen Aktionen kleiner Banden. Ein Wendepunkt ergab weh, als Fausi AI Kaukdji in Palästina eintraf und die Leitung des Aufstandes übernahm. fiaukdji und seine Vergangenheit Kaukdjf ist vierzig Jähre alt. Er stammt aus Tripöli in Syrien und diente während des Weltkrieges im türkischen Heere. In den Jahren 1925/26 nahm er aktiven Anteil am ürusenatifstand iin£ wurde von der französischen Regierung zum Tode verurteilt. Es gelang ihm, nach Hedjas zu entkommen. Auch dort verhielt sich der Abenteurer nicht, ruhig, sondern wurde in einen der Aufstände gegen König I b n - S a u d verwickelt, entkam jedoch wieder mit knapper Not nach Irak. In B a g d a d verbrachte er die letzten Jahre als Lehrer an der dortigen Militärschule, an der er Unterricht über die. Kunst des F r e i sc h är 1 e r k r ie g e s erteilte. Bevor er nach Palästina zog, nahm er von der Militärschule in Bagdad sechs Monate Urlaub. Nach seiner Ankunft in Palästina begann er, den arabischen Banden einen 'organisierten, militärischen Charakter zu geben. Er teilte die Terroristen in acht Banden auf und bestimmte für jede von ihnen ein besonderes Gebiet für ihre terroristische Tätigkeit. An die Spitze jeder Bande stellte er einen Führer, der unter seinem direkten Befehl stand. Einen dieser Führer, Farhi-Abdul-Hadi, setzte er zu seinem Stellvertreter ein. Farhi-Abdul-Hadi war vor der türkischen Zeit der Ataman einer Räuberbande und wurde nach dem Weltkriege wegen E rmordung seines Vetters zu achtzehn Jahren Gefängnis verurteilt. Unter den übrigen Bandenführern befand sich auch ein in Konkurs geratener arabischer Händler, Abdul-Rachim, aus einem Dorfe, bei „Tul-Karem. Neben den Einzelbanden sammelte Kaukdji um sich allein zirka 400 Terroristen als Garde, von denen ein großer Teil aus dem Irak und aus Syrien stammte, oder Beduinen aus Transjordariien waren. Diese Bande bildete Kaukdjis Leibgarde und den Kern der Terroristenbanden. Ihre l^tgliederwaren, streng militärisch organisiert und besonders uniformiert. Die Garde Kaukdjis war außer mit Gewehren Und Revolvern auch mit acht Maschinengewehren bewaffnet. Diese wurden von den Geldern gekauft, die für die Terroristen in Syrien gesammelt wurden. Die. Leibgarde benützte Dum- Dum -Geschosse. Die erforderlichen Nahrungsmittel pflegten die Banden benachbarten arabischen Dörfern zu konfiszieren. Dorfbewohner, die sich weigerten, etwas1 zu geben, wurden streng bestraft, in vielen Fällen mit dem Tod. Kürz vor dem Ende des arabischen Streiks beginnen die Terroristen größere Vorräte von Nahrungsmitteln in den Bergen zu sammeln. Im Anschluß än! diese Verproviantierungsaktion erließ Kaukdji eine besondere „Verordnung" (Nr. 4/36) an die arabischen Dörfer in der Gegend von Tul-Karem. In dieser Verordnung heißt es, daß, wenn die Bewohner die verlangten Nahrungsmittel nicht im guten gäben, man sie mit Gewalt nehmen würde. Der oberste Lagerverwalter und Kassierer Kaukdjis war ein gewisser Taba, ein Beamter des Obersten Mohammedanischen Rates, an dessen Spitze der Mufti steht. Anfang Oktober fuhr Kaukdji nach Damaskus und bestellte dort durch Vermittlung des deutschen Konsuls für die arabischen Banden Palästinas Waffen, Munition .und Handgranaten. Gleichzeitig fuhr einer seiner Beauftragten nach Beirut und brachte von dort einen Dynamitt r ä n s p o r t nach Palästina. Bevor Kaukdji nach Palästina kam, führten die Bänden eine völlig anarchistische Terroraktion, griffendas. Militär, die Polizei, Autobusse, die Eisenbahn, und jüdische Kolonien an, und zwar stets aus dem Hinterhalte. Kaukdji hatte beschlossen, dieses System aufzugeben und wollte zu offenen, konzentrierten Angriffen übergehen. Diesen Gedanken versuchte er zweimal durch Angriffe auf englische, Militärtrupps . — einmal bei dem Dorfe Botha, das zweitemal bei dem Dorfe Dschaba, beide in der Nähe von Sichom durchzuführen. Er erlitt jedoch beide Male eine schwere Niederlage, und hatte sehr große Verluste. Nach dieser Erfahrung gab Kaukdji seine ehrgeizigen Pläne auf, und die Banden wandten sich wieder ihrer früheren Taktik der Angriffe auf das englische Militär aus dem Hinterhalte und auf die jüdischen Kolonien im Schutze der Nacht, wobei sie bei ernsterem Widerstand flohen, zu. Inzwischen aber ging das Militär von der Defensive zur Offensive über, verfolgte die Banden und griff sie an und zwang Kaukdji dazu, seine Tätigkeit stark einzuschränken. Nachdem der arabische Streik beendet war, erhielten die Führer der Banden den Befehl, die Terrorakte einzustellen. Die palästinensischen Terroristen, deren Namen der Regierung nicht bekannt Waren, kehrten in ihre Dörfer zurück. Bei Kaukdji verblieben nur die Ausländer und die Palästinenser, die in ihre Dörfer nicht zurückkonnten, weil sie als Bandenmitglieder registriert waren. Diese „nicht-demobilisierten" Terroristen hielten sich weiter in den Bergen ..jf, in der Absicht, die Ergebnisse der Tätigkeit der Royal Commission abzuwarten. Inzwischen verschlechterte sich jedoch die Situation der Terroristen, weil die arabischen Dörfer aufhörten, ihnen Lebensmittel zur Verfügung zu stellen. Die Terroristen begannen, die Dörfer zu überfallen und zu . rauben. Darauf versammelte sich in Tul-Karem eine Gruppe arabischer Führer, die die Hilfsaktion für die Banden leiteten, zu einer Beratung und beschlossen, Kaukdji vorzuschlagen, daß er zusammen mit den „nicht-demobilisierten" Terroristen Palästina verlasse und nach Transjordanien ziehe, weil die weitere Anwesenheit bewaffneter Banden im Lande zu Zusammenstößen mit der Polizei und mit dem Militär führen müsse und dies eine schlechte Wirkung auf die politische Situation, die nach dem Streik entstanden sei, ausüben müsse. Nach diesem Vorschlag sollte sich Kaukdji mit seinen Leuten huEglon an der Grenze von Palästina niederlassen, wo man — wie in ganz Transjordanien — ungehindert Waffen tragen darf und keine Verfolgungen seitens der Regierung drohen. Die Nähe der palästinensischen Grenze würde es den Terroristen ermöglichen, ins Land zurückzukehren, wenn die Lage es erfordern sollte. Dieser Plan wurde Kaukdji vorgelegt, und er stimmte ihm zu. Am 21. Oktober verließen die Terroristen in voller Ausrüstung, geführt von Kaukdji, ihr Lager in den Bergen zwischen Sichom und Tul-Karem und begannen den Marsch nach Transjordanien: Im Distrikt Jonih stießen sie auf einen stärkeren Trupp englischen Militärs, das in Kenntnisi der Bewegungen der Terroristen war, sie von allen Seiten umzingelte und ihnen den Weg zum Jordan versperrt hatte. Die ersten, die den Terroristen entgegenkamen, waren palästinensische Grenzposten. Sie schössen aber nur in die Luft. Bald darauf zeigte sich das englische Militär, und es brach ein Kampf aus. Drei Terroristen wurden getötet und einige verwundet. Die angegriffenen Banden versuchten, sich zurückzuziehen. Das Militär verfolgte sie jedoch und kreiste sie immer enger ein. So vergingen zwei Nächte und ein Tag, und schließlich fanden die Terroristen keinen Ausweg. Ihre Lage war sehr gefährlich. Plötzlich aber öffnete sich der Ring, du*. iviint«r begann in der Richtung auf das Dorf Samaria im Distrikte von Beisan zurückzuweichen und öffnete 30 den Terroristen den Weg zum Jordan. Die überraschten Terroristen setzten sich sofort in Bewegung, dauernd begleitet von Massen bewaffneter Araber der Umgegend, die von allen Seiten herbeiströmten. Erst nachdem Kaukdji mit seinen Banden heil über den Jordan gekommen war, begannen die Massen den Rückzug, wobei sie es vermieden, mit dem Militär zusammenzutreffen. Hiebei half ihnen ein arabischer Regierungsbeamter aus Beisan, der den Zurückkehrenden angab, welchen Weg sie zu nehmen hätten, um nicht den Regierungstruppen in die Hände zu fallen. Ferner ist charakteristisch, daß sowohl das Militär als auch die Polizei im ganzen Gebiete untätig zusahen, wie die Araber mit Waffen den umzingelten Terroristen zu Hilfe kamen und später ungestört in ihre Dörfer zurückkehrten. (Palcor.) Ein Gesdtafosviefffte!! an PüatfaiiHa Aus Jerusalem: In der jüdischen Kolonie N a t a n i a. die in der Scharomebene etwa gleichweit entfernt von.Haifa und von Tel-Aviv liegt, ist der Grundstein zu einem Geschäftsviertel gelegt worden.. Dieses neue Werk wird von der vor einem. Monat mit einem Kapital von .25.000 Pfund gegründeten „Nathania Commercial Centre Ltd." durchgeführt. Die Finanzierung der Bauarbeiten wurde ermöglicht durch ein Abkommen der ..Gesellschaft mit der London er .Versicheriingsg e s e 11 s c h a f -t „S u n". Die Baukosten für das jetzt in Angriff genommene erste Gebäude betragen lü.000 Pfund. Es wird zehn moderne Läden und dreißig Büroräume in de» oberen Stockwerken enthalten. Die Baukosten. für. sämtliche^ Gebäude, die innerhalb von drei Jahren fertiggestellt werden sollen, sind mit über 100.000 Pfund verr anschlagt. 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