Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 610 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' Seite A MB 8TfDt£r3 WELT Nr. 61Ö Vöffi 20. NöVgfiiber 163« 3 x BERGHAHIL L i RAgeMSTEI^^ HIMMELPFORTG. 6 KÖLLNERHOFGASSE 1 Reinseiden- Herrenhemden« beste Paßform nur 9 '80 Neue Sorten Herrenhemden, Pyjama u. Dressings für den Herbst bereits lagernd. In Preis und Reichhaltigkeit unübertroffen gen worden, in die geschlossenen, monopolisierten Gebiete der palästinensischen Wirtschaft einzudringen. Die Juden haben sich als zu jeder Arbeit geeignet erwiesen, zu der schwersten und ärgsten. Sie haben sehr rasch neue Positionen besetzt. * Zu der Reihe von seit Jahren jüdischerseits betriebenen Berufen, wie Landwirtschaft, Bauindustrie, Metallindustrie, Straßenreinigung, Elektrotechnik, Kellnerwesen, sind neue Berufszweige hinzugekommen, welche tausenden Juden eine Existenz bieten. Unsere jungen Leute aus Osteuropa haben sich als sehr tüchtig erwiesen. Es gibt keinen zu schweren Beruf für sie! Wenn es erforderlich ist, fahren sie trotz der arabischen Schießereien ins Gebirge, und bringen Steine. Handelt es sich um das Ausladen von Schiffen, wo man stundenlang bis zu den Hüften im Wasser stehen muß, tun sie es, als wären ihre Väter ihr Leben lang Hafenarbeiter und Lastträger gewesen. Die Engländer, welche auf die Juden stets mit einer gewissen Skepsis blickten, mußten zugeben, daß die jüdischen Hafenarbeiter ihren „job" (Dienst) ausgezeichnet ausfüllen. Dazu behandeln sie die Waren mit größerer Vorsicht als die Araber, welche die Säcke, unbarmherzig in die Barken werfen. Von den 3000 jüdischen Hilfspolizisten, welche man während der Unruhen eingestellt hat, wird wahrscheinlich ein großer Teil in der. regulären Polizei verbleiben. Auch diesen verhältnismäßig neuen jüdischen Beruf haben unsere Leute rasch erlernt. Man kann sie natürlich nicht mit den englischen Polizisten vergleichen, aber sie haben bewiesen! daß sie ihrer' Aufgabe gewachsen sind, mit Waffen umgehen können und ihre Pflicht hundertprozentig erfüllen. Polizeidienst in Palästina ist ein sehr schwerer Beruf, mit ernster Todesgefahr verbunden. TV t Der arabische Händler ■— es' gab' ihrer tatisfcnde0 — ist aus den Straßen von Tel-Aviv, verschwunden; mit ihm zugleich auch die schmutzige arabische Droschke. Man sieht auf den Straßen auch die arabischen Kamele mit Sand und Steinen nicht: mehr. Juden haben all das übernommen. Hauptsächlich sind es- Jemeniten, turkmenische und kaukasische Juden,, welche jetzt gute Geschäfte mit. Gjrtinzeug,>.».Qbst, Fischen/ Eiern machen. Viele kleine Läden mit Lebensmitteln haben sich geöffnet ~ mit der Devise von Tozeret Haarez. Wiederum sind die Fundamente für hunderte jüdische Existenzen gelegt worden, für Familien, die in den schmutzigen Gassen von Jaffa herumgelungert sind. Eine große Zahl von Juden hat sich daran erinnert, daß sie ein Stückchen Boden besitzt. Jetzt schicken sie ihre. Tomaten und Gurken und Melonen in die Stadt. . Es gibt hier heute kein Gebiet des wirtschaftlichen Lebens, in welchem Juden nicht beschäftigt wären. Man vergesse nicht: das Land erzeugt bereits mehr als 1500 Artikel — von der Rasierklinge bis zum Autochassis, vom Strumpfhalter bis zu elektrischen Maschinen. 4000 Unternehmungen. 30.000 Facharbeiter. 50 Millionen Dollar investiertes Kapital. Und die ganze Arbeit wird mit jüdischen Händen geleistet, mit denselben Händen, die früher in der Bibel ge-' blättert haben, von denselben Juden, die einst in den abgestorbenen polnischen Städtchen gehungert haben. Welch gewaltiger Umformungs-, Umschichtungsprozeß! Eine grundlegende Aenderung des ökonomischen Aufbaues des jüdischen Organismus! Eine Renaissance der jüdischen Muskeln, der Arbeitskraft, der Fachkenntnis! Diese ökonomische Revolution bringt natürlich eine Aenderung der psychologischen Einstellung der Juden zur Arbeit als der achtunggebietenden Grundlage der Existenz mit sich. Und das ist zweifellos die größte Errungenschaft des jüdischen Palästina. Nicht das Predigen brachte das zustande. Nicht der Ruf zum nationalen Dienst und zur Aufopferung. Der Druck der Wirklichkeit und der Instinkt der Selbsterhaltung haben den krummen Rücken gerade gemacht und die bleichen, hageren Finger gestählt. Ein Prozeß der Normalisierung. Der Weg zu einem wirklichen nationalen Heim geht, wie es scheint, vor allem über die ökonomische Selbständigkeit des Jischuws und über die jüdische Arbeit auf allen Gebieten. Die letzten Monate haben das wiederum bestätigt. Ak dU \)vwuh&1 4S1 Sichern Sie sich das heitere Chanukka-Stück 10 Das Lied vom Licht (von Autor der ..Grenze") im Jüdischen Kulturtheater w,«i«u Verb« d« Judenstaatszionisten Oesterreichs Die Sprechstunden finden im Sekretariat, I., Werdertorgasse 12/4, Möntag bis Donnerstag von 19 bis 20 Uhr statt. Telephon; U-23-8-31. , Versammlungskalender: Dienstag, den 24. November, 8 Uhr abends, im Heim, X., Herndlgasse 2 3, Versammlung. Thema: „Der Sinn der Kü 11 u s wähl e n. Die Auswirkungen des zionistischen Wahlsieges." Referent: Ober bau rat R. Stricker. Dienstag, den 24. November, 8 Uhr abends, im Heim, XVIIi., Semperstraße 19, Versammlung. Thema: „DefSinn der Kultus wählen. Die Auswirkungen des zionistischen Wählsieges." Referent: Dr. S. Wolf. Mittwoch, den 25. November, 8 Uhr abends, im Hotel Stefanie, IL, Taborstraße, große Versammlung. Thema: Der Sinn der Kultuswahlen. Die Auswirkungen des zionistischen Wahlsieges." Referent: Oberbaurat Robert Stricker, Fritz Richter, Dr. Salomon Wolf, Donnerstag, den 26. November, 8 Uhr abends, im Heim, XV., Schanzstraße 32,. Versammlung. Thema: „Der SinnderKultuswahlen. Die Auswirkungen des zionistischen Wahlsieges." Referenten: Josef Fränkel, Fritz Richter. Donnerstag, den 26. November, 8 Uhr abends, im Heim, XX., S tau dinge rgas se 2 2, Versammlung. Thema: „Der Sinn.der Kultuswahlen, D i e*Au swirkungen des zionistiachen.Wahlsieges." Referent: Dr. Salomon Wolf. Donherstag, den 26. November, 8 Uhr abends, im Heim, P rat er, Erlafstraße 5, Versammlung. Thema: „Der Sinn der Kultuswah 1 en." Referent: Oberbaurat Robert Stricker. * Der Verband der Judenstaatszionisten gratuliert seinem Leitungsmitglied Herrn Kasiel Glasberg und Gemahlin zur Geburt einer Töiähter. . Sektion Prater, II., Erlafstraße 5, gratuliert ihrem gesdh. Obmannstellvertreter. Herrn Kasiel Glasberg und Gemahlin zur Geburt eines Töchterchens. — Freitag, den 20. d., 8 Uhr abends, in Heim, Erlafstraße 5, findet ein Oneg Schab bat mit interessantem Vortrag statt. Kasiel Ciasberg w Frau geben hocherfreut die Geburt einer ToJlter bekannt:;V: Wien, im Kislew 5697 Au§ HBfIer^Deuf§diland Vernichtung der jüdischen Unternehmungen Aus Berlin: Auf Schloß Vogelsang begann am 14. November eine Beratung der Nazigauleiter und höheren Parteibeamten zwecks Beratung des Arbeitsplanes für die nächsten Monate. Hauptredner sind die Reichsminister Goering, Frick, Rust und Alfred Rosenberg vorgemerkt. Die Konferenz wird bis zum 20. November dauern. Wie die J. T.-A. erfährt, bildeten rassische und jüdische Fragen bereits zu Beginn der Konferenz den Gegenstand eingehender Debatten. Der Reichsärzteführer Dr. Wagner forderte, daß nicht allein jüdischen A e r z t e n verboten werden sqllc, „Volksgenossen" zu behandeln, sondern daß nur jene Acrztc, die mit der NSDAP, verbunden sind, die ärztliche Praxis sollen ausüben dürfen. Die automatische Anwendung der Nürnberger Gesetze sei nicht genug. Eine zweite, in Weimar tagende Konferenz hat die Eliminierung der Juden aus der deutschen Wirtschaft zum Gegenstand. Es handelt sich um den Reichskongreß der „Wirtschaftsprüfer". Nicht mehr durch spezielle antijüdische Verordnungen, sondern durch „Wirtschaftsprüfung" soll den jüdischen Handels- und Industriebetrieben der „gesetzliche" Boden für ihre Arbeit entzogen werden. Die Instruktionen an die Wirtschaftsprüfer gab der Nazi-Gauleiter für Thüringen S a u c k e 1, der mit Behagen darlegte, wie er, Sauckel, es anstellte, um die von der jüdischen Familie Slmson geleiteten Suhler Werke, eine der größten Waffenschmieden Deutschlands, in den staatlichen Besitz Überzuführen und die jüdischen Inhaber zu enteignen. Jetzt tragen diese Werke den stolzen Namen „Gustloff- Stiftung". Bei dieser Arbelt Haben ihm, Sauckel, die staatlichen Prüfer viel geholfen. Es sei nun Sache der auf dem Kongreß versammelten Wirtschaftsprüfer, nach gleichem Muster durch ihre Arbeit die „letzten Ueberreste jüdischer Korruption" aus Deutschlands Wirtschaftssystem auszumerzen. Die auf dem Kongreß versammelten mehreren tausend Wirtschaftsprüfer brachten Sauckel eine stürmische Ovation dar. Im Verlauf der Aussprache wurde mit einer gewissen Schadenfreude darauf hingewiesen, daß der Reichswirtschaftsminister Schacht persönlich die Verordnung Uber den Ausschluß von Juden aus der Funktion der Wirtschaftsprüfer zeichnete. Wie die nationalsozialistische Presse mitteilt, werden die „Prüfungen" jüdischer Betriebe im Sinne der Weisungen Sauckels noch vor Weihnachten beginiien. Zuerst werden die jüdischen Textil- und Konfekt lonsfirmen an die Reihe kommen, da die Bekleidungsindustrie * heute für Deutschland fast von der gleichen Wichtigkeit sei wie die Nahrungsmittelindustrie, aus der die Juden bereits ausgeschaltet sind. Die Qestapo setzt Zionisten ab Die Einmischungen der Gestapo In die Inneren Verhältnisse der Berliner Jüdischen Gemeinde häufen sieht Nachdem sich alle Parteien der Gemeinde auf eine Einheitsliste für die am 20. November stattfindenden Repräsentantenwahlen geeinigt hatten, um einen Wahlkampf in dieser schweren Zelt zu vermeiden, Heß sieb die Gestapo die Liste der 41 Repräsentanten, die 20 Namen von Religlöft-Liberalen und 20 Natten von Zionisten, sowie den Namert eines JudlSCh-KOttsemtiven enthält, vorlegen und strich aus der zionistischen Hälft« eine Reihe prominenter Namen mit der BegiÜndung, e» seien „radikale" Personen. Unter den „verbotenen" zionistischen Persönlichkeiten sind zu nennen: der Vorsitzende der Berliner Zionistischen Organisation Dr. Benno Cohn, der Direktor der „Paltreu" (Ausschuß für Transfer Deutschland-Palästina) Dr. Ernst Marcus, der Leiter des Palästina-Amtes und frühere Landgerichtsrat Dr. Artur Rau, der Leiter des Kereh Hajessod für Deutschland Dr. Michael Traub und der Leiter de* Zentralamtes für Jüdisch«* soziale Fürsorge Dr. Georg Lubinski. Alle diese Namen mußten durch andere ersetzt werden. ......... „In zwölfter Stunde" Ein Vortrag labotinskys in Wien Es war das erstemal, daß Vladimir J a b otinsky nach der Gründung der Neuzionistischen Organisation vor einem Wiener Publikum sprach. Darum galt ein besonderes Interesse dem scheinbar stets aktuellen Thema der Judenbefreiung, mag man es mit dem Wort „In zwölfter Stunde" oder anderswie bezeichnen. Jahrhunderte stehen wir Juden vor der Frage, für welches Schicksal wir uns entscheiden sollen — soweit überhaupt menschlicher Wille schicksalhafte Entscheidungen zu dirigieren vermag —, niemals aber waren die Möglichkeiten einer grundlegenden Wendung — so meint Jabotinsky — so sichtbar und so sehr herausfordernd und so sehr appellierend an das Führertum der zionistischen Politik, beziehungsweise des jüdischen Volkes, daß es für verantwortungsvolle Männer unverzeihlich wäre, diesen Augenblick nicht zu nützen. Jabotinsky begründete seine These mit der Aenderung der Machtverhältnisse bei allen Faktoren, mit denen man bei der zionistischen Lösung der Judenfrage zu rechnen habe: bei England, das seine Position im östlichen Mittelmeer, im Vorderen Orient, am Roten; Meer; nicht mehr als unangreifbar ansehen könne; beim Aräbertum,' dessen Nationalgefühl ein nicht zu unterschätzendes Wachstum zeige; beim jüdischen Volk, dessen unermeßliche Not die dringendste Abhilfe fordert, und sich darum als Recht in weitestem Maße, als Recht auf Palästina manifestieren könne. Nur die Berufung auf dieses Naturrecht eines Volkes könne vor England, vor den Völkern, vor dem arabischen Dogma des unantastbaren palästinensischen Besitzes Eindruck machen und uns die Kolonisierung Palästinas durch unsere dazu bereiten j Massen ermöglichen. I Man muß. sich, führte Jabotinsky aus, über die! Mittel klar werden, die zur Nützung des Augenblicks notwendig sind. Die Leisetreterei der Allgemeinen Zionisten,. die Phrasen von der Parität, werden nichts nützen. Es gilt, ein Maximalprogramm — als erste Stufe des Herzl-Zionismus — aufzustellen, das alte Maximalprogramm des Revisionismus, nämlich jüdische Majorität in Erez Israel zu beiden Seiten des Jordans, kurzum' Judenstaat. Um diese Situation zu erreichen; muß man das Tempo der Immigration in der Weise beschleunigen, daß in absehbarer Zeit unter Mitwirkung der Mandatarmacht — auf Grund eines Zehnjahrplans — jährlich ungefähr 150.000 Juden in Palästina angesiedelt werden. Heute noch, in zwölfter Stunde, muß man der britischen Großmacht, solange sie dazu bereit und fähig ist, solch ein Programm für absehbare Zeit, vorlegen. (Bei dieser Gelegenheit wies Jabotinsky die ihm in der polnischen Presse unterstellte Absicht zurück, Polen sozusagen von den Juden zu befreien, was nur durch die absichtliche falsche Deutung des Begriffs „Evakuierung'' möglich gewesen sei.) Als drittes Element bezeichnete Jabotinsky das Streben nach Verbündeten in Sachen der Emigration und Kolonisation, da, wie eingangs ausgeführt, die Machtverhältnisse im Vorderen Osten sich geändert haben und Großbritanniens Mentalität nicht immer mit den zionistischen Aspirationen konform gehe. Schließlich klang aus Jabotinskys Mund der Ruf nach einer wirk? liehen Einheit und Einigkeit, die nur durch eine zionistische Massenbewegung im Rahmen einer jüdischen Nationalversammlung verwirklicht werden könne. Jabotinsky kündigte die Veröffentlichung des Zehnjahrplans für den Anfang des kommenden Jahres an und verwies auf die Ideale des Revisionismus, der allein die Lösung der Judenfrage im großzionistischen Sihne bringen könne. Ein Kulatirvotffraq über Palästina Der t Ringr der Alt-Herrenverbände der zionistischen Verbindungen veranstaltet am 36. November, 8 Uhr abends, im Großen Saal des Ingenieur- und Architektenvereines eine Wiederholung des Vortrages „Palästina 1936 — ein Kulturberieht" von Üniver« sitätsprofessor Dr. Msix Visier. Die restlichen Karten sind bei der JUdischeu Kulturstelle, I„ Kai 8, täglich außer Samstag und Sonntag» erhältlich.