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Die neue Welt · 1936-11-20 · Heft 610 (20.11.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 610 (20.11.1936)
Date
1936-11-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2 Mfj JfEtTE WELT Nr. 610 vom' 20. November '1936 ^SHabetiftet, Stufjtoerftopfte^ effcn mit Vorteil m feit $ä$tj«tteft Beiäjtte 1 Stmotlöbrdt in bünnett 6(|nitien mit Stiftet nnb I ©cöinfeit. deicht öerbautid), aufl!ri<& betifat. 6t|t I brquem: SimonSbiot-S^nittenpad^m Slänfllöt I Sa allen guten getnfofäanbl.u. $a<fe«ien ju fttfatt. I ^SimonSbrotfobri! 2Btfn»$dgran 55. fägl. tytfimlj schichte erzwungen. Was alle Reden und alle PresSekämpfe nicht imstande waren, das verfnöchte die Tragödie der letzten Jahre zwangsläufig hervorzurufen. Denn dazwischen liegt die Katastrophe von 1933, zwischen damals und heute liegt die unsägliche-Steigerung der jüdischen Not ins Unerträgliche in fast allen Ländern der Öaluth, zwischen damals und heute liegt eine Masseneinwanderung, die sogar weit jene Bahlen überholte, die einst als Forderung der Opposition für utopisch und lächerlich erklärt wurden, liegt endlich der schwere Kampf in Erez Israel selbst, der mit erschreckender Deutlichkeit Selbst den Starrköpfigsten überzeugte, daß die Sicherung unserer nationalen Existenz eben doch nicht von jener symbolischen Kuh abhängt, deren Milchertrag wichtiger sein sollte, als alle Fragen der Politik,. sondern daß unsere nationale Existenz steht und fällt — mit der Schaffung und Erreichung der politischen Voraus-, Setzungen. Judenstaat, Mehrheit, Selbstschutz, Transjordanien. Kolonisationsregime, politische Offensive,; Zionismus als internationales Problem — waren das nicht vor kurzer Zeit noch alles „nebulose Illusionen'* einer proklamatorischen Opposition? Es ist gut, das Gedächtnis der Zionisten zu stärken und daran zu erinnern. Es ist gut, in dieser Zeit davon zu sprechen, daß das heute keine nebulosen Illusionen mehr sind, sondern Forderungen, klare, eindeutige, leidenschaftlich gewollte Forderungen des Volkes in seiner Gesamtheit. Die Frage, was das jüdische Volk in Palästina wül, wird heute jedes jüdische Kind eindeutig be: antworten: Juden Staat. Es gab eine solche Zeit nach dem großen Krieg, wo wir alle glaubten, es sei wirklich .eine neue Aer^,, angebrochen. Eine neue Zeit, in der „Staat" als souveräner Begriff im Schwinden begriffen sei und an seine Stelle das kollektive „Weltgewissen" anzutreten sich anschicke, verkörpert im Völkerbund und. in der Schiedsgerichtsbarkeit, verkörpert im freiwüligen Verzicht auf ausschließliche Staatssouveränität, zugunsten der Freiheit und Gleichheit allein Menschen, Rassen, Völker und Religionen. Es gab eine solche Zeit,; da, man glaubte, daß an Stelle des übersteigerten Nationalismus der kollektive Kulturwille einer; geeinigten Menschheit treten werde. Es gab eine solche; Zeit, da man überzeugt war, daß der Krieg und die I Waffen museumsreif geworden seien und nur' noch die Arbeit am Fortschritt der Menschheit in einer friedenswilligen Gesellschaft gleichberechtigter. Völker und Rassen das alleinige Ziel geworden sei. Es war die historische Tragödie der: zionistischen Idee, daß in diese Zeit ihre Erfüllung fiel.: Diese Zeit ist vorüber. Wie ein schöner, aber leider allzu kurzer Traum, verrauscht und nur in den Köpfen taubstummer und blinder Zionisten sind diese Sehnsuchtsträume noch hängen geblieben — nicht zu unserem Nutzen! Wieder ist Nationalismus Trumpf, wieder ist Haß und Feindschaft in einer waffenstarrenden Welt tagtäglicher Gesang einer toll gewordenen Menschheit, die vor dem Staatsbegriff auf dem Bauche liegt und über alle Religionen und über alle Gottgläubigkeit den Staat als Götzen gesetzt hat, vor dem alles in Anbetung zu versinken habe. Wehe dem Volk, das nicht versteht, in diesem: wilden Konzert auch seine Stimme weithin hörbar zu machen. Proklamation ist heute Inhalt und tägliche Verkündung in allen Zentren nationaler Politik. Zielsetzung das Um und Auf jeder politischen Deklaration. Das ist kein Zufall. Die Welt ist von. neuem ins Schwanken geraten, alles fließt, alles sucht neue Bidungen, Anschlüsse, Kristallisationen des nationalen Willens. Es ist müßig, darüber zu streiten, ob das gut sei oder böse, lächerlich, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob die goldenen Zeiten des Liberalismus wiederkehren oder nicht, Zeitvergeudung, darüber nachzudenken, ob der übersteigerte Nationalismus unserer Zeit in einem Kriege münden werde oder ob der Friede gerettet werden kann. . Wir haben die Ideen der menschlichen Gerechtigkeit nicht erst im Jahre 1918 erkannt und zu Papier gebracht — seit zwei Jahrtausenden sind sie Inhalt und gelebtes Leben unserer Kultur, Philosophie und Religion. Wir haben es daher nicht nötig, mit großen Worten unseren Willen zu bekunden, in Erez Israel diese unsere Ideale zu verwirklichen. Weil das Selbstverständlichkeiten sind. Aber wir müssen in dieser Zeit mit überlauter Stimme u»ser unveräußerliches Recht vertreten. Millionen unserer Brüder leben unter ujjertrfcgv liehen Bedingungen. Unterdrückt, geschlagen, verachtet, außer jedem Recht gestellt, in unsäglicher materieller Not —r was sind alle Worte, gegen die nackten Tatschen dieser jüdischen Welttragödie? Ihre Hoffnung, ihr einziger Glaube — ist Zion! Ein Zion, das ihnen gehört, ein Zion, das ihre Erde ist, ihre Aufgabe, ihre Bestimmung, ihre Existenz, ihr Leben! Die Sprecher dieses Volkes vor der ..Königlichen Kommission" haben die Akten hinzulegen, die Bände, die von jüdischer Not erzählen, die Bildfei4' des Elends, des Grauens, der Verzweiflung und der Hoffnungslosigkeit. Und dann sollen sie sagen, offen, ehrlich, klar, eindeutig, was dieses Volk in seiner Gesamtheit will: Seihe volle, souveräne, freie, wohlerworbene und berechtig te s taatli o Ire Selbständigkeit!. . Dieses Fleckchen Erde, dieser verschwmdende Bunkt im Meer des arabischen Großlandbesitzes gehört uns, ganz uns, ungeteilt Uns und wir wollen nicht ein Quentchen davon vermissen. **it*e,Mariahiir WIEN Vi, MARIAHlLFERSTRASSE 89a TELEPHON B.27-2-35, B-29-4-69, B.22-3-31 empfiehlt seine eleganten großen Räum.llchic e i t e n für Hochzeiten, Bar-Mizwöth, Bankette usw. NEU RENOVIERTE SPIELSÄLE! .„Politische Parität" zwischen Jude n". u n d A r a b. e r n i jst e i n e P hi ra s e ohne in halt. Wenn danach gefragt wird, was wir tiftüir gedenken, wenn wir die Mehrheit geworden sein werden, dann laßt uns auf die zweitausendjährige jüdische Vergangenheit hinweisen. Das Volk., das unterdrückt, gequält, entrechtet und verfolgt wurde, wie keines iri der Geschichte der Menschheit, das hat aus sich heraus, ohne papierene Versprechungen und gedruckte Verträge ein überfeines Empfinden dafür, was gerecht, ist Und was..böse. E s i.st un s n ic h t g e geben, herrschen zu wollen übereineMinder- , heit, Unrecht zu tun an anderen Men- Sehen — keiner von uns will es — keiner vonunSkannes, weil seine Seele, das Ge-! dächtnis seiner A h n e n, iih^?,- daran hindert. Aber — wir wollen die Freiheit, so wie alle andern, nicht besser und nicht schlechter. Wir wollen selbst entscheiden über unser Schicksal und nicht mehr entscheiden lassen. Wir wollen Subjekt der Ge- \ s c h ich te; werden, und aufhören, ihr .ewiges-Objekt; zu sein,, der Prügelknabe für alle kranken Instinkte ' einer kranken Menschheit. Wir wollen ein souveränes Volk in einem { souveränen Staate, werden. Das Endziel des jüdi-? sehen Volkes in Erez Israel ist der Judenstaat. ' Wer den Willen des jüdischen Volkes vor der König- , liehen Kommission zu vertreten hat, wer dort die Wahrheit zu sagen hat, der kann und darf nur dieses \ sagen. ■ . \ Es ist die letzte Gelegenheit, dieser Wahrheit' die '. Realität zu schaffen. MITTLERER KONZERTHAUS SAAL Dienstag, 24. November 1936, 8 Uhr abends Einziger Rezitationsabend Je hu Ja 'ffktenlcranz Neu«* Programm „Tod und Liebe* I. Teil: Plato, Desmoulins, Peraz, Waldinger II. Teil: Kafka, Mörike, Altenberg, Jacobson, Cep III. Teil:Zola, Auernhelmer,Altenberg,TscHechow KARTEN von S 1,- aufwärts bei R. Lanyl, I, KärntnerstraBe Nr. 44; JOd. Kulturstelle, I, Franz-Josefs-Kai 3; K.-Z. Gronner, I, Graben 28 Sie machen sbWs leidil So oft Gott den Montag gibt, erscheint im „Wi ener Montag blat t", dem katholischen, Organ, etwas, das die Herzen der Leser höher schlagen, deren Leidenschaft heißer lodern lassen soll,; also etwas Antisemitisches. Das geschieht; redaktionstechnisch auf folgende Weise: Ein paar, „jüdisch klingende" Namen, die an ein moralisch, beziehungsweise kriminell belastendes Vorkommnis' geknüpft sind, werden derart herausgestellt, daß der Eindruck entsteht, die Juden und nur diese würden; dem eben angeführten Laster (des Betruges, Schwindeins, Fälschens Usw.) frönen. Oder" besser ge-( sagt: diese Laster, wie Betrügen, Schwindeln, Fäl-, sehen usw., seien ausschließlich jüdisch. Vor ihnen müsse die nichtjüdische Menschheit bewahrt werden. Fehlen innerhalb einer Woche solche „jüdische" Vorkommnisse, dann muß etwas anderes herhalten: zum, Beispiel Anmeldung neuer Gewerbe oder Häuserkauf oder Verletzung der Gewerbeordnung durch „jüdisch klingende" Firmen. Woher das „Wiener Montagblatt" das Talent hat, stets den Nagel auf den Kopf zu treffen, wissen wir nicht. Jedenfalls würde das philologisch so sehr geschulte Blatt erstaunt sein, zu hören, daß die das Deutschtum in der Tschechoslowakei vertretenden Minister Cech, Spina und Zajicek heißen. Aber das nur nebenbei... In seiner Ausgabe vom 16; November erzählt das Blatt (unter dem geistreichen Titel „Fremde Kl&üge")* daß auf die Anzeige einzelner Zünfte „jüdisch klingende" Firmen, die angeführt werden, wegen Uebertretungen der Gewerbeordnung, wegen mangelhafter Geschäftsbezeichnüng und ähnlicher Vergehen bestraft wurden. Dem Gesetz ist also Ge* nüge getan. Das Blatt erzählt weiter, daß Träger „jüdisch klingender" Namen eine Reihe von Wiener Häusern gekauft haben. Wer die früheren Besitzer dieser Häuser waren und wie denn der Wiener Häusermarkt belebt werden soll, wenn nicht durch Kauf und Verkauf, darüber sagt das Blatt nichts. Schließlich bringt das Blatt eine Liste von Neueintragungen ii> Erwerbsteuerkätaster, ebeiiialls „.födisch klingende" Namen anführtmd, insgesamt; 30 in «iner Woche.* Dreißig Juden haben also in einer Woche die Aufgabe unternommen, Erwerbsteuer zu entrichten, Menschen Beschäftigung zu geben usw. Und da* wird diesen mutigen Leuten verübelt, weil sie „jüdisch klingende" Namen haben. Wieviel diese neuen Firmen zur €Jeschäftsbelebung beitragen, welche Spenden sie für den Josefstisch, für die Winterhilfe usw. leisten — darüber' schweigt das noble ,;Wiener Montagblatt". Aber in einer Sache ist das Blatt mit dem jüdischen Geist zufrieden. Es schreibt nämlich (auf derselben Seite, die den Artikel „Fremde Klänge" beherbergt) über die" in Amerika jetzt grassierende österreichische Trachtenmode, die Vorliebe für die österreichische Dirndltracht: „Einen kräftigen Ansporn erhielt diese Mode durch die Aufführungen des „Weißen R ö s s e 1" in New York, das sich auch drüben als ganz großer Schlager erweist." Der Ansporn stammt von den Herren Kadelburg, Blümenthai ..und Hans Müller, den Autoren des „Weißen Rössel". Allerdings verschweigt das Blatt hier die „jüdisch klingenden" Namen.., liegen Antisemitismus — nicht gegen I Faschismus. Aus London wird uns berichtet: In der letzten Sitzung des Board öf Deputies "of British Jews (Verband der Juderigemeinden Großbritanniens) kündigte der Präsident Nevilie Laski eine Reorganisierung der Koordinations-Kommission zur Abw eh r judenfeinlicher A n griffe in England an. Den Vorsitz in der Koordinations-Kommissiön übernimmt Präsident Laski selbst. Ihm u.h«v av-r' werden der frühere Abgeordnete Bärnett Janner ' und P. Horowitz als Vizepräsidenten zur Seite stehen. In die Kommission werden Vertreter der ...jüdischen, gesellschaftlichenVereinigungen >, und u^der,,- ehemaligen;-/Kriegsteilnehmer sowie, eine Reihe von Fachleuten aufgenommen. Ein Mitglied der Kommission wird die Organisierung von Kundgebungen in Sälen und unter -freient Himmel übernehmen. Präsident Laski betonte, daß die Vereinheitlichung aller Bemühungen auf diesem Gebiet unter Aufsicht des Board eine wesentliche Vorbedingung erfolgreicher Arbeit sei. Er verurteilte aufs schärfste die unberufene Bildung von Komitees, die, ohne Auftrag, störend in eine Arbeit eingreifen, die von einer der Gesamtheit verantwortlichen Körperschaft getragen werden muß. Solche in letzter Zeit gegründete Organisationen, die sich durch ihren Namen einen repräsentativen Charakter anmaßen, brächten Verwirrung in die Oeffentlichkeit. Verantwortungsbewußte Personen müßten sich daher fernhalten. Die öffentlichen Kundgebungen c h r'i.s 11 i c h e r Kirchen und Organisationen, in denen die Sympathien für'die Juden und die Ablehnung 'des Judenhasses zum Ausdruck kommen, seien von der jüdischen Gemeinschaft mit tiefer seelischer Genugtuung aufgenommen worden. 1 Iri der Aussprache wurde ebenfalls die' Tätigkeit selbsternannter jüdischer Körperschaften in der Abwehrarbeit einmütig verurteilt, in diesem Zusammenhang wurde auch dargelegt, warum der Board die Zusammenarbeit mit dem'sogenannten „People's Council" ablehnt. Dieser habe sich den Kampf gegen Faschismus und Antisemitismus zum Ziel gesetzt. Die jüdische Gemeinschaft, die jedoch als solche keine politische Körporschaft ist, lasse sich aber in einen Kampf gegen den Paschismus nicht hineinziehen. Unter faschistischem Regime, leben in: Italien 50.000 Juden in Sicherheit und freundschaftlichem Verhältnis zu ihren Mitbürgern. Die Bindungen des „People's Council", an linksstehende Kreise machtenes dem Board of Deputies als jüdischer Gesamtvertretung gleichfalls unmöglich, . mit ihm zusammenzuarbeiten. Die Abwehr des Judenhasses müsse schließlich unter dem Aspekt der Gesamt^ judenheit Englands und nicht bloß unter dem. des East End Londons, welches stark unter dem Einfluß der Arbeiterpartei steht, erfolgen. Anerkennung für Dr« Kamonka Der bekannte . Maimonides-Forscher Dr. Armand Kaminka hat vor einiger Zeit im Verlag „Dvir" in Tel-Aviv ein rekonstruiertes hebräisches Buch aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert herausgegeben, das dem Papst Pius XI. vom Verfasser eingesandt wurde. Nun erhielt Dr. Karaihka einen,Brie.f von der Vatikanischen Kommission in Rom mit; der Mitteilung^ daß Papst Pius XI. (selbst, ein Kenner der hebräischen Literatur) den rekonstruierten Text des Apokryphen« buch es erhalten habe und dem Verfasser seinen Glück* wünsch und seinen Segen hiefür sende,

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