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Die neue Welt · 1936-11-17 · Heft 609 (17.11.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 609 (17.11.1936)
Date
1936-11-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Ö09 vom 17. November 1936 DIE NEUE WELT Seite 3 Reiches bei seiner Behandlung der Judenfrage zu verschärfen... Palästina ist letzten Endes ein Problem des Reiches, das unter GeSichtspunkten des Reiches behandelt werden muß." Das Blatt vergißt, zu bemerken, daß Palästina ein Problem der Mandats Verpflichtungen und des Völkerbundes ist und daß Polen — zumindest im Rahmen von Genf — das Recht hat, in Dingen der Palästina-Einwanderung zu intervenieren. So einfach wie „Great Britain and the East" meint, liegen die Dinge nicht. Es ist Sache der zionistischen Politik, die Interessen der jüdischen Wanderung nach Palästina mit dem gehörigen, rechtlichen Nachdruck zu vertreten. Nicht, daß Polen seine Juden loswerden will, sondern daß wir ein jüdisches Palästina schaffen wollen, gibt uns die Wege der Arbeit an, 65 holländische belehrte protestieren Aus Amsterdam (J. T. A.): Im Verlag W. Kohlhammer in Stuttgart erschien eine 58 Seiten starke Broschüre, die eine Bibliographie der Werke jüdischer Juristen enthält. Zweck dieser Veröffentlichung ist es, die deutschen Studenten zu warnen, für ihre Dissertationsarbeiten die aufgezählten Werke zu vetwenden. Auch eine Reihe holländischer Juristen wird in dem Buche angeführt, so u. a. der verstorbene Staatsrat und Nobelpreisträger Dr. T. M. C. Asser, der verstorbene Justizminister Dr. M. Godfroi, der verstorbene berühmte Dichter und Jurist Dr. Jacob Israel de Haan, der verstorbene Staatsrat Dr. D. Josephus Jitta, die Rechtsgelehrten Professor Dr. J. Oppenheim, Prof. Dr. D. Simons, Prof. Dr. L. de Harthog, Dr. A. A. de Pinte und Dr. J. Hamburger. Die Schrift rief in den Kreisen der holländischen Hochschuljuristen beträchtliches Befremden hervor. 65 holländische Universitätsprofessoren und hervorragende Juristen haben an die deutsche Reichsregierung einen Protest gerichtet, in dem sie sich gegen diese Art von wissenschaftlichem Boykott wenden. In dem Protest wird darauf hingewiesen, daß nicht nur im Interesse der objektiven Wahrheit der Wissenschaft, sondern auch im Interesse der allgemeinen Kultur die erwähnte Publikation ein bedenkliches Symptom ist. Gleichzeitig werden in einem Aufruf die holländischen Studenten darauf hingewiesen, wohin die Ausartungen des deutschen Nazismus führen. Die luden in Irland Aus Dublin (J. T. A.): In Anwesenheit des Bürgermeisters von Dublin, Byrne, des Oberrabbiners von Irland, Dr. I. Herzog, und Vertreter der jüdischen und nichtjüdischen Behörden wurde in Dublin ein mit den modernsten technischen Einrichtungen ausgestattetes Schächthaus der dortigen Jüdischen Gemeinde eröffnet. Oberrabbiner Dr. Herzog hielt eine Ansprache, in der er betonte, daß die Juden im Freistaat Irland keinerlei Schwierigkeiten begegnen und durch besondere Gesetze, die vom irischen Parlament angenommen wurden, geschützt sind. Nur der Mangel eines eigenen Schächthauses, das die Versorgung der jüdischen Bevölkerung mit rituell geschächtetem Fleisch sichergestellt, sei seit Jahren peinlich empfunden worden. Durch das jetzt errichtete mustergültige Schächthaus werde ein dringendes Bedürfnis der jüdischen Bevölkerung befriedigt. Hunderte von Fachleuten, unter ihnen höchste Autoritäten auf psychologischem, anatomischem und hygienischem Gebiet hätten wiederholt erklärt, daß die jüdische Methode des Schlachtens die humanste sei. Bürgermeister Byrne gab der Hoffnung Ausdruck,, daß das gute Einvernehmen zwischen der jüdischen und der irischen Bevölkerung der Stadt immer fortbestehen werde. Der katholische Priester R. Brisc o e erklärte, die heutige Feier beweise, daß das irische Volk unter eigener Herrschaft nicht das Vertrauen derjenigen enttäuscht hat, die immer wußten, daß ein freies Irland tolerant und gerecht sein werde. Die „Irish Times" bemerkt zu diesen Reden, man könne sich darüber freuen, daß es in dem Freistaat keinenJudenhaß gebe. Irland nehme die Juden offen und, ohne viel Aufhebens davon zu machen, als loyale Bürger auf. Die luden in Paraguay Aua Paris (J. T. A.): Die Regierung von Paraguay hat einig« Hundert in der Hauptstadt Asuncion lebende jüdische Einwanderer vor die Alternative gestellt, entweder als Landarbeiter sich in das Landesinnere zu begeben oder das Land Uberhaupt zu verlassen. Die Emigrationsgesellschaft Hicem entsandte einen Sonderdelegierten nach Asuncion, der bei der Regierung zugunsten der jüdischen Einwanderer intervenierte und es zunächst durchsetzte, daß die erwähnte Verordnung zurückgezogen wurde. Der Delegierte setzt die Verhandlungen mit den Behörden über die Zukunft der Einwanderer fort. Vladimir Jabotlnsky in Wien. Der Präsident der Neuzionisfcischen Organisation Vladimir Jabotinsky ist zu einer vom 14. bis 18. dauernden Führertagung in Wien eingetroffen und wird Mittwoch, den 18. November, 8 Uhr abends im Großen Konzerthaussaal einen Vortrag unter dem Titel „In zwölfter Stunde" halten. Der Vortrag wird einen Zehnjahrsplan für Palästina, einen Bericht über die Verhandlungen mit Außenminister Oberst Beck und Ministerpräsident SladkowBky, einen Evakuterungsplan usw. enthalten. — Zur Führertagung sind Delegierte aus fast allen Ländern Europas, sowie aus Amerika und Palästina eingetroffen» AUS PA! Die KqL Kommission in Jerusalem eingetroffen Aus Jerusalem: Die Mitglieder der britischen Kgl. Kommission sind am 11. November unter Führung von Lord Peel in Jerusalem eingetroffen und haben im Hotel King David Wohnung genommen. Die Ankunft der Kgl. Kommission hat den Jischuw veranlaßt, alle Kräfte zu gemeinsamer Wahrung der jüdischen Interessen zusammenzufassen. Eine Konferenz aller großen jüdischen Verbände und Institutionen Palästinas ist am Dienstag zusammengetreten, um Uber ein gemeinsames Vorgehen in den Fragen, die die Kgl. Kommission beschäftigen werden, zu beraten. Der Oberste Arabische Ausschuß hat beschlossen, sti+ort nach dem Eintreffen der Kgl. Kommission eine Abordnung zur Kgl. Kommission zu entsenden und dieser die Gründe darzulegen, die den Ausschuß bewogen haben, die Zusammenarbeit mit der Kommission zu verweigern. Obwohl große Teile der militärischen Verstärkungen von Palästina zurückgezogen wurden, verbleiben dort doch noch etwa 15.0 00 Mann für die ganze Zeit der Arbeit der Kgl. Kommission. Die Truppen werden demnächst Winterquartiere beziehen. * In einer Sonderausgabe der „Palestine Gazette" ist eine Verordnung veröffentlicht worden, durch die der Kgl. Kommission richterliche Befugnisse eingeräumt werden, indem ihr das Recht zugestanden wird, Zevigen unter Strafandrohung vorzuladen. * Bei Beginn der sachlichen Arbeiten der Kommission die nicht öffentlich sein werden, wird als erster der High Commissioner Sir Arthur Wauchope Erklärungen über die Gesamtlage abgeben; diese werden sodann durch die Leiter der einzelnen Departements im speziellen ergänzt werden. flVÖBEL-UMNTER für Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 be' Lerchen'elderstraße Telephon' A-21-5-31 Von den „Parteien" werden zunächst die Mitglieder der Zionistischen Exekutive, die gemäß dem Mandate als die Repräsentanz des Weltjudentums anzusehen ist, gehört werden. Es werden dann die Einvernahmen der Führer des Waad Leumi, der Agudas Jisroel und anderer den Jischuw repräsentierenden Organisationen und Institutionen erfolgen. Die von der Zionistischen Exekutive eingesetzte Kommission zur Vorbereitung des Materials für die Kgl. Kommission hat ihre Arbeiten beendet und eine Reihe Memoranden hergestellt, die alle Seiten des Palästina-Problems behandeln. Die Me- Es wird erwartet, daß auch Repräsentanten der christlichen Gemeinschaft in Palästina Erklärungen vor der Kommission abgeben werden. Was die Haltung moranden wurden der Kgl. Kommission überreicht, der arabischen Führer anbetrifft, die den Boykott der Kommission-proklamiert haben, so hegt man keinen Zweifel, daß die arabischen Beschwerden gegen die britische Administration in der einen oder der anderen Form der Kommission unterbreitet werden würden. (J.T.A.) PalästinaffWsrfsdhaff Der palästinensische Industriellenverband hat die Verhandlungen über die Bildung von Kartellen abgeschlossen. Bisher ist ein Kartell der Textilfabriken und der Nahrungsmittelbetriebe errichtet worden; in Vorbereitung befindet sich ein Kartell der Erzeuger pharmazeutischer Produkte. Die Kartelle werden ihren Mitgliedern feste Preise und abgegrenzte Absatzgebiete bestimmen. In den obenerwähnten Industriegebieten gibt.es keine Outsider, sämtliche in Frage kommenden palästinensischen Fabriken sind kartelliert. * In der Haifa Bay wurde die neue Fenster- und Spiegelglasfabrik (Palestine Plate Glass & Paint Works, Shepherd Tobias & Co.) eröffnet. Die Fabrik wurde mit den modernsten Maschinenanlagen ausgestattet. Sie rechnet mit dem Absatz ihrer Produkte nicht nur in Palästina, sondern auch in Syrien und anderen Ländern des Nahen Ostens. Laut den Angaben, die das Statistische Regierungsbüro in seinem Bulletin veröffentlicht, sind in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres in Jerusalem, Tel-Aviv, Haifa und Jaffa Baubewilligungen für eine Fläche von 571.000 Quadratmeter erteilt worden, In demselben Zeitraum des vergangenen Jahres betrafen die Baubewilligungen eine Fläche von 902.000 Quadratmeter. In Tel-Aviv betrug die bewilligte Baufläche 121.000 Quadratmeter (im vergangenen Jahr 327.000 Quadratmeter), in Jaffa 55.000 (im vergangenen Jahr 66.000) Quadratmeter, in Jerusalem 100.000 (im vergangenen Jahr 124.000) Quadratmeter und in Haifa 126.000 (im vergangenen Jahr 285.000) Quadratmeter. Die Zahl der1 Telephon ans chlüss e in Palästina ist vom 1. Jänner bis zum 1. September 1936 von 7530 auf 8166 gestiegen. Davon entfielen auf Jerusalem 2132, auf Haifa 1878, auf Tel-Aviv und Jaffa 2903 und auf die übrigen Städte 1258 Anschlüsse. * Die Milchproduktion in Palästina ist infolge mangelhafter Fütterung des Milchviehs in der Zeit der Unruhen stark gesunken, Die Tel-Aviver» Nieder- JtSTINA lassung der Konsumgenossenschaft „T'nuwa" bringt bedeutend weniger Butter zum Verkauf als früher und verliert dadurch einen Teil des mit großer Mühe eroberten Marktes. e Der von der Regierung festgestellte Großhandelsindex für die Preise landwirtschaftlicher Produkte weist für September 1936 gegenüber demselben Monat des Vorjahres eine Steigerung von 5,7 Prozent auf. Die Preise für Getreide und Fleisch sind um 9,6 Prozent, die für Früchte und andere Lebensmittel um 8,7 Prozent gestiegen. Dagegen sind die Preise anderer Produkte durchschnitlich um 1 Prozent gefallen. * $ Zwischen Aegypten und Palästina ist ein Handelsvertrag geschlossen worden. Das Abkommen sieht Ermäßigungen der Zölle und Eisenbahntarife vor und bezweckt die allgemeine Hebung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Aegypten und Palästina mit Hilfe der genannten und anderer Mittel. Da3 Abkommen ist Augustl937gültig und wird dann auf unbestimmte Zeit erneuert, wobei jedem der vertragschließenden Teile ein dreimonatiges Kündigungsrecht zusteht. Schwere anfijüdisdie Ausschreitungen in Polen Aus Lodz: In Lodz kam es vor dem Gebäude der Zuckerfabrik des Jossei Berkowicz zu einem folgenschweren Vorfall. Zwei Huligans, von denen einer militärische Kleidung trug, schlugen am Fabriksgebäude die Fensterscheiben aus. Als einige Juden aus der Nachbarschaft sich der Huligans erwehren wollten, gaben diese aus Revolvern mehrere Schüsse ab, durch die der 43jährige Berkowicz am Bauch, der 19jährige Mosche Weissand am Kopf, der 30jährige Israel Wendel am Bauch und der 19jährige Mendel Rubinstein an mehreren Stellen des Körpers lebensgefährlich verletzt wurden. Der 43jährige Berkowicz und Wendel erlagen sofort im Krankenhaus ihren Verletzungen. Weissand ringt mit dem Tode. Einzig Mendel Rubinstein wird wahrscheinlich mit dem Leben davonkommen. Die beiden Getöteten hinterlassen Frau und Kinder. Ihre Bestattung gestaltete sich zu einer großen Trauerkundgebung der Lodzer Judenheit. Einigen jüdischen jungen Leuten gelang es, die Mörder, die flüchteten, doch zu stellen. Bei einem von ihnen, dem 18jährigen Taddeusz Szaniewski, wurde eine Legitimation der national demokratischen Partei gefunden. An anderen Stellen von Lodz wurden bei judenfeindlichen Ausschreitungen die Juden Chenczinski, Krakowski und Michalewicz rchwer verletzt. Im Eisenbahnzug zwischen R z e s z o w und T a rnow überfielen Huligans jüdische Passagiere und fügten ihnen erhebliche Verletzungen zu. In Wilna dauern die antijüdischen Ausschreitungen der Studenten fort. Mehrere Verletzte jüdische Passanten wurden ins Hospital gebracht. Ein Kulfurvorfrag über Palästina Der Ring der Alt-Herrenverbände der zionistischen Verbindungen veranstaltet am 26. November, 8 Uhr abends, im Großen Saal des Ingenieur- und Architektenvereines eine Wiederholung des Vortrages „Palästina 1986 — ein Kulturbericht" von Universitätsprofessor Dr. Max E i s 1 e r. Die restlichen Karten sind bei der Jüdischen Kulturstelle, I., Kai 3, täglich außer Samstag und Sonntag, erhältlich. Reichsverband jüdischer Legitünisten Oesterreichs. Der Reichsverband jüdischer Legitimisten Oesterreichs veranstaltet aus Anlaß des 24. Geburtstages Seiner Majestät Kaiser Ottos am Donnerstag, dem 19. November d. J., um 5.30 Uhr, im Gemeindetempel, I., Seitenstettengasse 2, einen Festgottesdienst. Rechtzeitiges Erscheinen erforderlich, da die Saaltüren 10 Minuten vor Beginn geschlossen werden. Bundeskulturrat Prof« Dr* Frankfurter Anläßlich des 80. Geburtstages des Bundeskulturrates Prof. Dr. Frankfurter überreichte Minister Pernter dem Jubilar persönlich das ihm vom Bundespräsidenten Miklas verliehene Komturkreuz des österreichischen Verdienstordens mit dem Bande. Eine Abordnung unter der Führung des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften Hofrat Redlich, ferner eine Deputation der Israelitischen Kultusgemeinde mit Präsident Di*. Friedmann und Amtsdirektor Dr. Löwenherz an der Spitze und eine Reihe anderer Deputationen beglückwünschten den Jubilar. Vom Bürgermeister Schmitz, dem Rektor der Wiener Universität, dem gewesenen Bundespräsidenten Dr. Hainisch und hervorragenden Persönlichkeiten Oesterreichs sind Glückwunschtelegramme eingelangt. Die Professoren der Deutschen und der Tschechischen Universität in Prag sandten gemeinsam eine lateinische Adresse. Jüdische Künsfler§piele II., Praterstraße 34. Im Volksstück „A Herz, wos bengt" hat das Ensemble mit David Seidermann und Chana Lerner an der Spitze ein neues Genre geschaffen: ein Mittelding zwischen Schauspiel und Volksstück, das durch die reiche musikalische Untermalung ausgezeichnete Wirkung erzielt. Mittwoch, den 18., geht als Werbevorstellung die Operette „Der Radiosänger" in Szene. Mr Freitag, den 20. d., wird als Erstaufführung das lu&Cige Stück; „Motel Pantoffel" mit Seidermann, Lerner, Glücks* mann, Gorlitzkä, Nachbar u. a. vorbereitet.

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