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Die neue Welt · 1936-11-13 · Heft 608 (13.11.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 608 (13.11.1936)
Date
1936-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 608 vom 13. November 1936 DIE NEUE WELT Seite 3 1 Vertretung des Irak geschehen iät, kann der jüdische Geist der Lüge und Verleumdung wohl kaum gebrandmarkt werden!" Will das Blatt vielleicht behaupten, daß auch die Nachrichten über die Schandtaten der arabischen Banditen in Palästina, über die Morde, Brandstiftungen, Baumfrevel zu der „von den Juden geübten Greuelpropaganda" gehören? So einfach liegen die Dinge nicht. Wer eine Berliner Meldung, die sich aufs Judentum bezieht, anerkennend wiedergibt und diese Meldung gar noch mit dem Titel „Der Geist der Lüge" versieht, gerät in den Verdacht, daß um ihn selbst der Geist der Lüge schwebt. Also Vorsicht! „Das dümmste Volk der Well ♦ ♦ ♦" Im Münchener Bürgerbräukeller wurde schon viel geredet: von Tisch zu Tisch und auch vom Podium zu den Gästen, welche sich dort bei Würstchen und Bockbier bekanntlich sehr wohl fühlen. Auch politisch ist dieses Lokal nicht unbelastet. Im Alkoholdunst tagten hier zahllose Versammlungen und — wie die Geschichtsschreiber der nationalsozialistischen Bewegung erzählen — fanden hier auch die wichtigsten Sitzungen der „alten Kämpfer" der N. S. D. A. P. statt. Von hier gingen auch die ersteh Pogromparolen der deutschen Hakenkreuzler in die Welt. Darum war es historisch und geographisch begründet, daß Adolf Hitler im Bürgerbräukeller den Jahrestag seines so glorreichen Putsches (vom November 1923) feierte. Die Rede, die er hielt, wäre für uns kein Anlaß zu einer Betrachtung, hätte er nicht auch bei dieser Gelegenheit von uns Juden gesprochen. Bisher ging die nationalsozialistische These dahin, daß die Juden wegen ihrer unheimlichen Intelligenz und Klugheit (die bis ins allerletzte Raffinement ausgeartet sei) es vermochten, die Welt zu korrumpieren, zu unterwerfen, zu unterjochen. Das jüdische Volk sei wegen seiner intellektuellen und spirituellen Fähigkeiten zu fürchten. Welch schreckliche Tragödie, wenn sich 65 Millionen Deutsche gegen 500.000 Juden, wenn sich 1700 Millionen Menschen gegen 15 Millionen Juden (die klügste und tüchtigste Rasse der Welt!) zu hüten haben! Wären die Juden dumm, unintelligent, geistig unterwertig, dann hätte die hakenkreuzlerische Parole vom verderblichen' Einfluß des geistig raffinierten Judentums keinen, Sinn. „Der Jud' ist superklug, hütet r. euch vor ihm": das war bisher der Warnuiigsruf der " nationalsozialistischen Heroen. Und plötzlich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel oder wie ein Apfelmost aus dem. Bürgerbräukeller ff^ rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht —, die These vom dümmsten Volk d,er Welt! Wie soll man das verstehen? Folgendermaßen: In seiner Gedenkrede an den Novemberputsch sagte der deutsche Reichskanzler: „Ich war immer der Ueberzeugung,„daß es dumme, intelligente und sehr intelligente Völker gibt. Das deutsche Volk halte, ich für sehr intelligent; Und ich habe immer das Judentum für das dümmste Volk der Welt gehalten ,,." Sonderbare Konstellation! Das sehr. Intelligente deutsche Volk muß vor dem dümmsten Volk der Welt geschütsit werden! Wir wollen uns bei dieser . originellen völkerpsychologischen Betrachtung nicht länger aufhalten, sondern sie dorthin legen, wohin ähnliche Aussprüche der heutigen deutschen Führerschaft gehören— ad acta. Ihre Widerlegung wird täglich von der Geschichte besorgt. * In dem. ausgegebenen Text der Hitlerschen Radiorede fehlt der Passus, der sich auf das „dümmste Volk der Welt" bezieht; die anderen Völker mögen das nicht erfahren und weiter in dem Wahn leben, daß die Juden gescheit sind, während die Untertanen Hitlers jetzt endlich wissen, daß man sich nicht vor den Klügsten, sondern vor den Dümmsten in acht nehmen muß... An die Judenstaatler! Es hat keiner besonderen Aufforderung bedurft, um euch an die Pflicht zu ernster Arbeit zu erinnern. In gewohnter Weise habt ihr all eure Kräfte in den Dienst der zionistischen Sache gestellt und durch eure patriotische Hingabe wesentlich zum Erfolg der „Zionistischen Laste" im Kultuswahlkampfe beigetragen. Alle Zionisten Oesterreichs wissen eure Leistungen in dieser vom politischen Gegner mit den verwerflichsten Mitteln geführten Kampagne zu würdigen. Ihr habt als Judenstaatler im Geiste Theodor Herzls, unseres Lehrmeisters und Fühirers, für die Ehre des jüdischen Namens gearbeitet, L>afür sei euch der Dank ausgesprochen. Besonderer Dank gebührt der Judenstaatsjugend, dem „B a r a k", den Frauen und Mädchen der „Deborah", unseren Studenten, unseren Vertrauensmännern in den Bezirken und unseren Mitgliedern in der österreichischen Provinz. Die Männer und Frauen und die Jugend des Verbandes der Judenstaatszionteten Oesterreichs haben in schwerer Stunde vorbildlich gearbeitet. Dafür danken wir ihnen freudig und stoJz, Für die Leitung des Verbandes der Judenstaatszionisten.:, RQbfict Sfcrifilter* Verband der Judewstaalixionistcn?v Samstag, d. 14. November 1«t6, im Festsaale des Hotti „Continental", Wien II, Tabprstraße4 Gesellsdiaftsabend mit Akademie uuTanz Es wirken ffliti tritt Örünbaum, Eugen Hoffmann. Otto Crosse Das heitere «FlgarO'Quartetf Conference: Ossf Lettiii Erstklassige Jaxx Karten ä S 1.50 in allen Sektionen und bei den Funktionären Wer hat in Wien zionistisch gewählt? Wenn eine Diskussion darum geführt wird, welche Schichten der jüdischen Bevölkerung zionistisch und jüdischnational orientiert sind, und welche antizionistisch und assimilatorisch, so' hört man in allen Ländern von Seiten der Assimilation folgendes Argument: Zionistisch eingestellt sind jene Elemente, welchen die „Bodenständigkeit" und die feste berufliche Gliederung fehlt, die Ostjuden, die Zugereisten, die Luftmenschen, die Ausländer. Was eingewurzelt, beruflich reell fundiert ist, Akademiker, solide Kaufleute, alle, welche etwas zu verlieren haben, wollen von der Idee eines jüdischen Volkes und vom Zionismus nichts wissen. ^IJilrJA'jmUlWWMtMBHM Empfindliche erlöst die blitzschnelle, glatte, scharf-scharfe Von dieser Argumentation hat die „Union österreichischer Juden", die Vertreterin des assimilatorisch und antizionistisch eingestellten Wiener Judentums, im soeben durchgeführten Wahlkampfe um die Wiener Judengemeinde nicht nur reichlichen, sondern ausschließlichen Gebrauch gemacht, und hat, um das Maß jüdischen Selbsthasses voll zu machen, noch hinzugefügt: Zionistisch wählen solche Juden, die keine guten Oesterreicher, wenig patriotisch und als Staatsbürger nicht voll zu nehmen sind. Um diese von antizionistischer Seite erhobenen Behauptungen auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, soll hier das Wahlergebnis auf Grund amtlicher Zahlen nach einer bestimmten Richtung hin geprüft werden. Vorweg sei genommen, daß der Zionismus keine Unterscheidung zwischen „bodenständigen" und „zugereisten", und zwischen „westlichen" und „östlichen" Juden macht, und den Wert seines Anhanges an 5. Bezirk (Margareten): Abgegeben wurden ins* gesamt 773 Stimmen. Hievon 334 unionistische und 439 zionistische. Es haben also 5 6 Prozent zionistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 0,64 Prozent, bei den Zionisten 48 Prozent. 6. Bezirk (Mariahilf): Abgegeben wurden insgesamt 1514 Stimmen. Hievon 546 unionistische tm$ 968 zionistische. Es haben also 6 4,5 Prozent zionistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 0,57 Prozent, bei den; Zionisten 90 Prozent. 7. Bezirk (Neubau): Insgesamt wurden 1783 Stimmen abgegeben. Hievon 667 unionistische und 1116 zionistische. Es haben also 65 Prozent zionistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 26 Prozent, bei den Zionisten 91 Prozent. 8. Bezirk (Josefstadt): Insgesamt wurden abgegeben 1218 Stimmen. Hievon 419 unionistische und 789 zionistische. Es haben also 6 5,5 Prozent zionistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 3,7 Prozent, bei den Zionisten 50 Prozent. 9. Bezirk (Aisergrund): Insgesamt wurden abgegeben 3781 Stimmen. Hievon 1430 unionistische und 2351. zionistische. Es haben also 63 Prozent zionistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Zionisten 50 Prozent. Hier haben die Unionisten 22,5 Prozent verloren. 12. Bezirk (Meidling): Insgesamt wurden 423 Stimmen abgegeben. . Hievon 128 unnionistische und 295 zionistische. Also haben 70 Prozent zionistisch gewählt. CAFE WEGHUBER □m Hinter dem De Jeden Samstag, Sonntag Feiertag — Kapelle ufschen Volksfheater ISY GEIGER Konzert / Tanz / Stimmungsmusik Beginn 8 Uhr abds. Bürgerliche Preise _.—,-•-& t; dessen Treue zum jüdischen' Volke, nicht aber an der Lage seines Geburtsortes und der Dauer seines Aufenthaltes in irgendeinem Lande mißt. Wenn in der nachfolgenden Zusammenstellung und Auswahl auf die Herkunft, Länge des Aufenthaltes und Art des Berufes Bezug genommen wird, so geschieht dies eben nur, um der „Union", auf ihrem Weg folgend, nachzuweisen, daß ihre Behauptungen nicht nur unjüdisch, sondern völlig aus der Luft gegriffen sind. * Wie haben die Juden in den sogenannten „westlichen", „bodenständigen", „gutbürgerlichen" und „intelligenten" Bezirken Wiens gewählt? Um diese Frage zu beantworten, werden in nachstehender Aufstellung die „östlichen" und „überfremdeten" Stadtteile ausgeschaltet und nur die Bezirke, weiche in der Einbildung der „Union" als antizionistische Parade- Bezirke dastehen, behandelt. 1. Bezirk (Innere Stadt): Abgegeben wurden insgesamt 2374 Stimmen. Hievon 1143 unionistische und 1230 zionistische. Somit haben 54 Prozent zionistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 21 Prozent, bei den Zionisten 74 Prozent. 3. Bezirk (Landstraße): Abgegeben wurden insgesamt 2608 Stimmen. Hievon 956 unionistische und 1652 zionistische. Es haben also 64 Prozent zionistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 0,77 Prozent, bei den Zionisten 64 Prozent. 4. Bezirk (Wieden): Abgegeben wurden insgesamt 1003 Stimmen. Hievon 392 unionistische und 611 zionistische. Es haben also 61 Prozent zionistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionj&ten % Prozent, bei den Zionistett ftT Ewaeufe ] Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 15,5 Prozent, bei den Zionisten 57 Prozent. 13. Bezirk (Hietzing): Insgesamt wurden ab-' gegeben 963 Stimmen. Hievon 328 unionistische und zionistische. Also haben 61 Prozent zionistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 3,5 Prozent, bei den Zionisten 89,5 Prozent. 18. Bezirk (Währing): Insgesamt wurden abgegeben 1045 Stimmen. Hievon 448 unionistische und 597 zionistische. Also haben 59 Prozent zio* nistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der: Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 33 Prozent, bei der* Zionisten 43 Prozent. 19. Bezirk (Döbling): Insgesamt wurden 1016. Stimmen abgegeben. Hievon 397 unionistische und 619 zionistische. Also haben 61 Prozent zio« nistisch gewählt. Der Zuwachs an Stimmen gegenüber der Wahl 1932 beträgt bei den Unionisten 0,4 Prozent, bei den Zionisten 53 Prozent. Zusammenfassend: In den vorgenannten 12 Bezirken wurden insgesamt 18.474 Stimmen ab- In-u« ausländische Hausbesitzer verwalten ihre | WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei 1 Dr. MAIR PAIS Ü Wien I, Frqni-Jo»gf>.Kai 1, Tgl. R-21-5-30 H Erstklassige Referenzen! iiiiiiiiiiiiiiiiii

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