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Die neue Welt · 1936-11-13 · Heft 608 (13.11.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 608 (13.11.1936)
Date
1936-11-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2 Biß Nmm mvs Nr, 608 vom 13. November 1936 Grolle Kundgebunfl de* „Zionistischen Liste" Montag* den 16. November 1986,^9 Uhr abends, findet im HOTEL „CONTINENTAL", Wien II, Taborttr. 4, anläßlich des Stegen bei den Kutttis« gemeindewahlen eine grolle ftuncfgabung der „Zionistischen llit*** statt. 1§ sprechen: Staatsrat Dr, Desfder Fr Jedmann, Präsident der Kultusgemeinde; Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionist. Landesverbandes lUr Oesterreich; Oberbaurat Irig. Robert Stricker, Vizepräsident der Kultusgemeinde; Dr. Leopold Plaschkes: Siegfried Graubart; Dr. Mendel Bosenberg. Zionisteh, sogar zionistische Führer, die es nicht über sich bringen können, das Wort „Judenstaat" auszusprechen und sich, wie der Agudist Dr, Breuer, in phantastische Kombinationen einlassen. Der Plan Dr. Breuers ist untauglich. Er würde, in die Tat umgesetzt, nicht das Geringste zur Lösung der Judenfrage beitragen, im Gegenteil, er würde den vielen Ghettis in Europa ein neues und schrecklicheres in Asien hinzufügen. Und doch ist der Artikel Doktor Breuers sehr begrüßenswert, denn er legt Zeugnis für die große Wandlung ab, die sich im Verhältnis der „Agudah" zum Zionismus und zum nationalen Aufbauwerk in Palästina vollzogen hat. Die Organisation der nichtzionistischen Orthodoxie, die „Agudah", war durch Jahrzehnte unversöhnlicher Feind des Zionismus. Sie betrachtete und bekämpfte ihn als einen frevelhaften Eingriff in die göttliche Vorsehung, und das zionistische Aufbauwerk, welches jüdische Menschen und jüdisches Kapital nach Palästina bringt, als sündigen Vorstoß gegen den Glauben an den Messias, der allein das jüdische Volk in sein Land bringen werde. Von diesem Grundgedanken ausgehend, hat dann die Agudah den Zionismus auf allen Fronten bekämpft, Sie hat sich nicht damit begnügt, ihn vom religiösen Standpunkte aus zu befehden, sie ist auch politisch und gesellschaftlich gegen ihn ins Feld gezogen und ist dabei in eine widernatürliche Koalition mit der entj u d e n d e n A s s i m i 1 a t i o n geraten. Die nicht-' zionistische Orthodoxie stritt überall Seite an Seite mit der reformiöt&chW Assimilation gegen die Zionisten. Die Zeit, da sich die Agudah vom Zionismus und vom : jüdischen Nationalheini abschloß, isV' 'Vorüber. Und wie sehr sie überwunden ist, zeigt der Artikel des prominenten Agüdisten Dr. Breuer. .. „An dem auch heute völlig lebendigen Zusammenhangdes . j ü d i s c hyj n- -V o 1 k e s mit dem Heiligen Lande kann schlechterdings nicht gezweifelt werden, Die Möglichkeit der Gründung eines umfassenden Volksdaseins ist n u r im Heiligen Lande gegeben — auf Einwände r u n g und Bodene r w e r.b. kann das jüdische Volk nie h t .verzichten. Einwanderung und Bodenerwsrb. sind nach den Gesetzen der Thora heilige Pflicht. Ein -wirkliches Volksdasein ist -o h n e »i e . undenkbar. Beide. aber führen, wenn unverkümmert fortgesetzt, zur jüdischen Majorität im Heiligen Lande. ..." Das ist nichts anderes als Bekenntnis zum Zionismus. Nur das Wort Zionismus fehlt, aber der ideologische Inhalt des Zionismus ist in diesen Sätzen wiedergegeben. Vom zionistischen Standpunkte betrachtet, ist die Agudah ganz, ganz anders geworden. An Gegensätzlichkeiten zwischen Agudisten und Zionisten wird es auch in Hinkunft nicht fehlen. Aber es wird nicht mehr ein brudermörderischer, zerfleischander Kampf sein wie früher. In trauriger Zeit eine sehr, sehr erfreuliche Feststellung. r. st. Mifal bi'zaron uwitachon Im Rahmen einer Pressekonferenz gab Kurt Blumenfeld, Direktor des Keren Hajessod (Jerusalem), eine Darstellung der politischen Lage des Zionismus im Zusammenhang mit der zusammengebrochenen Araberrevolte. Die Ausführungen Blumenfelds gipfelten in der These, daß die jüdische Wirtschaft den ein halbes Jahr dauernden Boykott erstaunlich gut überstanden habe und sogar zur Schaffung neuer wichtiger Wirtschaftspositionen schreiten konnte. Der Ausbau des Landungsplatzes in Tel- Aviv, die Errichtung eines jüdischen Polizei- und Wachtdienstes u. a. sind Leistungen von großer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Es handelt sich darum, die Uebergangszeit bis zur normalen Funktion aller Wirtschaftselemente zu überwinden. Die Aktion, welche dem Fonds „Mifal b i z aroi) uwitachon" (Aktion für Festigung und Sicherheit) dient, soll innerhalb kurzer Zeit rund 300.000 Pfund aufbringen. Die finanzielle Stützung ist für die kommenden politischen Verhandlungen im Anschluß an die Liquidierung der Unruhen äußerst wichtig. Eine Reihe führender zionistischer Peinlichkeiten ist für diese Aktion tätig. Man hofft, den notwendigen Betrag ohne größere Schwierigkeit aufzubringen. Die Ausführungen Kurt Humenfelds trugen durchaus optimistischen Charakter, RUNDSCHAU Entlarvte Pogromhetze in Ungarn wird eine Propaganda, unter dem Schlag Wort eines „Kampfe« gegen den BöjUic;hewismus<! geführt» als gäbe es so etwas wie eine bolschewistische Gefahr, der die staatliche Exekutive nicht gewachsen sei Klebezettel und Plakate Warnen. Ein geheimnisvolles Gehaben. Was soll es? ffiin Plakat in den Straßen, der ungarischen Haupt Stadt gibt eine Aufklärung. Der „Pester Lloyd" schreibt hiezu: „Das Plakat ruft zum Kampfe gegen die Bolsche wiken, Massenmörder und Brandstüter am und seinen Vordergrund nimmt der unverkennbare Kopf eines Ghetto Juden fein. Diese Zeichnung ist ein abstoßendes Beispiel der Geschmacklosigkeit und Verlogenheit. Die typisch jüdi sehen Züge des Männerkopfes, die verträumte Stirn, dio dunklen Augen, die charakteristische Nase erwecken ganz andere Vorstellungen, als die von Blutvergießen und Mordbrennerei. Nur die Unnatürlich gebleckten Zähne und der im Hintergrund stehende Galgen ergänzen den Gesamteindruck in dem Si^ne, daß jener Judentyp einen Henker und Mörder darstellen will. o - PTIKER RUDOLF HAAS & COMP. WIEN II, PRÄTE(3STRASSE 32 S PE ZI ALI ST.. FU R , B R-ML E N O PT1 K . Das alberne Märchen,-daß alle Juden Bolschewiken und alle-Bolschewiken Juden seien,; >#rd also hier im Bilde verbreitet. Das Ziel ist einfach. Der ganze „antibolsehewistische Kampf" entlarvt seine währen Ziele. Die Stimmung,, die man erwecken will, gilt weder Moskau noch Madrid..Sie ist eine ganz einfache Pogromstimmung; zu der man nur einen Vorwaiwl sucht. Man kann erwachsenen Menschen die Dummheit nicht einreden,-daß in Spanien, wo seit vierhundert Jahren keine Juden leben, ausgerechnet die Juden die Greuel des Bürgerkrieges heraufbeschworen haben. Und, selbst wenn es unter den, bolschewistischen Emissären, die jetzt das unglückliche Land in sei« Verderben stürzen, Jutfeh gibt, kann-man die primitive Annahme, daß diese Juden den Anarchismus und Kommunismus, also alte spanische Massenbewegungen^: die ganz ohne Juden groß geworden sind, am GeWissert haben, nur als ein-Airimenm^ n i"£ fl.hat man Von hundert Jähren (ganz genau 1835)-lürchen;!imr< Klöster eingeäschert, als es keine Moskauer Emissäre auf der iberischen Halbinsel gab. Da sind Massenleidehschaften . am Werk, die man mit demagogischen Phrasen, nicht erklären kann.-„ Aber die spanischen Anarchisten und Kommunisten' sind weit, und die Juden sind nahV jetzt Sieht n^nV 'ifl^ß [gewisse Kreise — bei weitem nicht alle Organisatoren der.' ahtibölschewistischen Bewegung, unter denen 'es vielmehr viele wohlmeinende und aufrichtige Männer gibt, die tatsächlich nur den Bolschewismus bekämpfen wollen — unter dem Vorwand des Antibolschewismus eine ganz ge-v wöhnliche Pogromhetze entfalten, Sie haben sich durch ihr neuestes Plakat entlarvt. Sie geben selbst an, auf welche Weise, sie die gesellschaftliche Ordnung, den Bürgerfrieden . und das Privateigentum schützen wollen. Zur Aufdeckung ihrer wahren Ziele reicht das vollkommen' hin.'* Die Darstellung des im gewiß nicht bolschewistischen Ungarn erscheinenden Blattes läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Die spanischen B'O'l"' s c h e wi k e n sind weit und die Juden sind nah! Scheinbar ist aber auch Linz weit und weiß nicht, wasin der Welt vorgeht. Denn sonst hätte der Landesführer und Landeshauptmann Oberösterreichs Dr. G1 e i ß n e r gelegentlich eines Appells nicht dieselbe Betrachtung angestellt wie das Budapester Plakat. Die „Linzer Tagespost" vom 2. November berichtet.nämlich: „Einer Schilderung der Zustände in jenen europäischen Ländern, in denen Krieg und Nachkriegszeit die Staatsautorität erschütterten, stellte er (Dr. Gleißner) den' ständisch-sozialen Aufbau Oesterreichs, das weder ein Gau VIII noch eine Dependanceder Moskauer. Juden sein wolle, gegenüber," Eine, falsohe Behauptung, noch so oft wiederholt, kann nicht zur Wahrheit werden. Oder wird hier mit dem Erfahrungssatz gearbeitet, daß immer „etwas hängen" bleibt? Enttäuschte Kinobesucher Als Sich im Jahre 1933 in Deutschland das Hitlertum etablierte, schieden sich plötzlich auch die Filmschauspieler in Arier und Nichtarier. Die Arier avancierten zu „Volksgenossen", die Nichtarier wurden zu Untermenschen degradiert. Zu diesen Untermenschen wurde nun auch Fräulein Fanny Silberspitz gezählt, die unter dem Namen Franziska Gaäl populär geworden, ist — dank dem fürsorglichen Wohlwollen eines „nichtariBchen" Publikums, welches das Budapester Judenmädel zu einem seiner Lieblinge erkor, insbesondere nach der emphatischen Erklärung, daß sie, Franziska Gaäl, ihrer jetzt so geschmähten Volksgemeinschaft die Treue bewahren werde. Nun wird bekannt, daß die von den nichtarischen. Produzenten und Kinobesuchern verhätschelte Gaäl zum, Christentum Ubergetreten ist, U. zW. aus „geschäftlichen Ofünden". Dies hatte, wie aus Budapest gemeldet wird, den Effekt, daß die bereits fällige Premiere ihres neuen Filme »»Fräulein Liiy" für einige Zeit verschoben wurde, dar eine negative Haltung der Budapester judenschaft gegenüber diesem Film zti erwarten Sei. Franziska Gaäl ist nach Hollywood gereist, wo das Manöver» seinen angestammten Glauben zu verlassen, weder beliebt noch gebräuchlich ist. Die „geschäftlichen Gründe" der Taufe erscheinen also nicht sehr stichhaltig. Vielmehr scheint Frau Gaäl an jenem Assimilationspunkt angelangt zu sein, Wo das Bedürfnis entsteht,, alle Brtikken zur volkllcheh und religiösen Vergangenheit hinter sich abzubrechen. Nützen wird diese Methode nicht viel. Vorläufig trägt der jüdische Filmproduzent und Filmverleiher den Schaden, den finanziellen; den moralischen trägt die Schichte von Israeliten, die schon in die Hände klatscht, wenn sie erfährt, daß der oder jener Künstler „noch immer" Jude ist. ^Erwachen" und „Verrecken" Wie leicht erklärbar, fehlen den „Wiener Neuesten Nachrichten" die Voraussetzungen für eine objektive Beurteilung der Wiener Kultuswahlen, zunächst wohl schon ^aus Mangel an informativem Material. Nichtsdesto- | weniger hat dieses betont nationale Organ eine Betrachtung über die Kultuswahlen veröffentlicht; eine Betrach- tung, die bezeugt, daß ein Fehlschluß vorliegt, der korrigiert zu werden verdient. Das Blatt schreibt: „Lehrreich ist ...» daß die gleichen Juden, die seit Jahren jede Regung des Nationalgefühls in der arabischen Bevölkerung mit Hohn verfolgen und nach dem Staatsanwalt rufen, wenn vom Volksbewußtsein die Rede ist, von ehrvergessenen Männern sprechen und darunter die Juden verstehen, die nicht für die Liste der nationalbewußten Juden, für die .Zionistische Liste', stimmten." NurSwoboda tl AUTOMAT Oefen, Ksmine XVIII, Jörgerstraßa 10 (Ecke Therssieng.) Öftenichtoemme i'(V, Lothrlngerstraße Nr.! 2 (bei Schwarzenbergplatz)., ^, Verkaufsstel.en: XXI, Brünnerstrafle Nr. 40, und IV, Große Neugasie 8 ,. rWas die „Wiener Neuesten Nachrichten" schreiben, ist mehr als Uebertreibung, ist pure Erfindung. Denn ein Mißverständnis kann hier nicht obwalten. Keinerlei Juden,, am wenigsten die zionistisch gesinnten Juden, haben jemals das Nationalgefühl anderer verhöhnt oder, gar — welcher Irrsinn.! — nach dem Staatsanwalt gerufen. Die Juden, als unterdrücktes, nach .nationaler Geschlossenheit sich sehnendes Volk, habert überaus viel Verständnis für nationales Bewußtsein und nationales Erwachen. Das, was sie .insbesondere bei ge-i wissen Deutschen als. beschämend, .ja sträflich empfinden, ist nicht das erwachende Nationalgefühl, sondern dessen B e g 1 e i t e r s c he, i n u n g e n; höchst traurige und schändliche Erscheinungen, nämlich die Versuche, ein anderes Volk (das jüdische) zu diffamieren und au entrechten. Das jüdische Volk steht im•< Kampf gegen eine Welt von Haß, Mordlust, Lüge, Verleumdung, Vernlchtuhgssucht. Es will leben und schaffen. Es will sich sein: Heim, sein Nationalheim bauen. Und eben dieses Volk, wird gerade von jenem Volk (bzw. von dessen Führertum) am meisten bedroht, das für. sich das Recht auf arteigenes Leben beansprucht, Es « gäbe keine bessere Lösung., aller weltpolitischen Fragen als durch Anerkennung der nationalen Rechte, aller Völker. Deutschland behauptet, von sich, daß es. erwacht ist. Sei's drum! Es ist-nicht*, unsere Sache, , das zu bestätigen oder zu bestreiten oder zu bekritteln. „Wir gestatten uns aber die Feststellung, daß „Deutschland erwachen" kann, ohne daß deswegen „Juda verrecken'* muß.. Der Geist der Lüge Das „Salzburger Volksblatt" läßt sich aus Berlin unterm 4. November melden, daß „seit drei Jahren das internationale Judentum seine Hauptaufgabe in der Inszenierung einer wüsten Hetz- und Greuelpropaganda sehe". Solch eine Meldung gerade aus Berlin, dem Zentrum der für die Welt bestimmten hakenkreuzlerischen Lügenpropaganda, muß Verdacht erwecken. Sie bezieht sich — zufällig gerade — auf die Vorgänge im Irak, über die man ob der widersprechenden Nachrichten nur unklar unterrichtet ist. Jedenfalls ist bekannt, daß die jüdischen wie die christlichen Kreise im revolutionären Irak bezüglich ihrer Zukunft besorgt sind. Die* Blätter melden Morde, Plünderungen, Ueberfälle. Die irakische Gesandtschaft in Berlin dementiert diese Meldungen; sie tut etwas, was stets Diplomaten tun, wenn ungünstige Nachrichten über den yon ihnen vertretenen Staat verbreitet werden. Dieses Dementi veranlaßt das; „Salzhurger Vdlksbjatt".zu der Bemerkung; „Deutlicher, als es hier durch die diplomatische

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