Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 606 (6.11.1936)
- Date
- 1936-11-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 606 ttofli 6. Ndvembe* 1936 DIE NEUE WELT Seite 5 Minorität, Parität« Majorität Von Dr. lt. Roseabltim (Tel-Aviv) Das Problem, das heute vor dem Zionismus steht, heißt: das Problem der 17 Pozent. Optimisten behaupten, daß heute bereits in Palästina 415.000 Juden wohnen, das heißt, däß wir ausschließlich Transjordaniens jetzt schon rund 34 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Laut dieser Rechnung fehlen uns nur noch 17 Prozent, damit wir aus dem Zustand der Minorität in unserem Land herauskommen, das heißt, wen der Begriff „Jüdisches Nationalheim" aufhören wird, ein mehr oder weniger theoretischer Begriff der modernen Staatslehre zu sein, ohne eine wirkliche Verankerung in der Realität des Lebens, wie dies heute teilweise noch der Fall ist. * Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß eine jüdische Mehrheit in Palästina heute der nicht unterdrückte Ruf der ganzen jüdischen Welt ist. Erst vor kurzem war es eine „gefährliche Streitfrage" bei den Zionismen selbst, ein Stein des Anstoßes, über den man bei den Kongressen systematisch und hartnäckig „zur Tagesordnung überzugehen" pflegt. Jetzt sind andere Zeiten gekommen. Die Frage ist jetzt von den Arabern und Engländern aufgerollt worden und wird bei den Verhandlungen mit der Königlichem .Kommission zweifellos an erster Spelle stehen. Sie ist nicht mehr von der Tagesordnung zu streichen. Andererseits ist die jüdische Lage in Europa so unerträglich geworden, daß ein „jüdisches Land" in vollem Sine~ des Wortes, ein Land für Millionen Bedrückte und Verfolgte, ohne die gewisse Achad- Haamschen „Ruchniut" (Geistigkeit) die letzte Hoffnung des untergehenden Volkes geworden ist. Unser Standpunkt ist klar: Wir kommen nach Palästina, um ein für allemal Schluß zu machen mit der Schmach des jüdischen Minderheitszustandes, der der; Quell unseres nationalen und menschlichen Martyriums ist. Wir kommen nicht nach Palästina, um die jüdischen Minderheiten der einzelnen Länder noch um eine zu vermehren. Die Forderung der Majorität ist jetzt mit stärkster Dynamik aktuell geworden. Sogar die zionistischen Exekutivemitglieder sind von diesem Gefühl erfaßt worden; '7 „Dawar" schreibt: Millionen Juden müssen und wollen nach Palästina kommen. Das beweist jedenfalls, daß auch der „Dawar" nicht mehr an eine jüdische Minorität - in- ^PaläätinÄ ' denktv-r ,7H;a?aT'e zu schreibt: „Es gehört eine große Portion Dreistigkeit^ dazu, von uns Juden zu verlangen, daß wir in Palä- stina in der Minorität bleiben sollen. Und —r last not least Dr. Chaim Weizmann, derselbe, der auf dem letzten Kongreß das Publikum gelehrt hat, daß ,von den Gesprächen bezüglich einer jüdischen Mehrder Polizei auf ein Minimum (12 Prozent), an dem Eisenbahndienst auf 8 Prozent herabzudrückeri. Auch ohne den Gesetzgebenden Rat haben sie sich so weit bewaffnet, daß sie einen sechsmonatigen Krieg mit der Regierung zu führen Vermochten. Man kann sich also leicht vorstellen, wie sehr der arabische Einfluß steigen würde, wenn die Führer der Räuberbanden als gleiche und legale Parlamentsabgeordnete auftreten ScHön dm Dienstag den 10. November beginnt die neue Klassenlotterie. Für den Verkauf geöffnet von 8 Uhr früh bis oUhr abends i5t das HAUPTTREPFERBANKHAU5 6CHELHAMHERÄ3CHATTERA Wien,1.Stefanspto.tz H Fil.l5.Hadikgos$460a könnten und täglich und stündlich in unsere Angelegenheiten dreinzureden hätten! . ■ ' Man soll sich nicht damit trösten, daß wir die Araber, wenn wir mit ihnen in einem mäßigen, brithschalomistischen Ton reden, beruhigen könnten. Eine Antwort darauf gibt Kemal al Din Ibrahim in „Great Britain" vom 1. Oktober 1936, worin er betont, daß in den,; Augen. der. Araber^lior&l Melchet£ Dizengoff, Jäbotinsky, Weizmann) uArö^ (!) und Bentwich (!!) die gleichen zionistischen Imperialisten mit den gleichen Absichten sind — die Araber-aus Palästina zu verjagen, Diese Erklärung paßt schlecht in die Spalten der „Jüdischen Rundschau" ,uhd des ,»Dawar'4 und Wird darum verschwiegen. m. Weiße Zähne *mmimmmmmammm*ammmkm machen jedes Antlitz ansprechend und schön. Zur Erlangung schöner weißer Zähne putze märt früh und abends die Zähne mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont - ^iahnpcfste. Schon nach kurzem Gebrauch erhalten die Zähne einen Wundervollen Elfenbeinglanz. Tube S. -.90. österr. Erzeugnis. Wer eine schäumende Zahnpaste liebt; verlange ausdrücklich Chlorodont schäumend. heit in Palästina kein Huhn um ein Ei mehr legen werde', dieser Dr. Weizmann erklärt jetzt Öffentlich in London und Amsterdam, daß mit 40 Prozent Juden die Welt einverstanden wäre, daß aber wir damit' nicht einverstanden sein können, weil wir in Palästina kein Minderheitsstatut akzeptieren können... Erst vor fünf Jahren hat Dr. Weizmann in Basel erklärt: .'Wir-erstreben Parität mit den Arabern, aber Parität heißt nicht gerade 50 zu 50; es gibt Umstände, wo ein .Verhältnis 40 zu 60 ebenfalls Parität bedeutet.' Und an noch eine Weizmann-Erklärung des Jahres 1831 sei erinnert: „Eine jüdische Mehrheit in Palästina ist gaflz und gar nicht die Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der jüdischen Zivilisation" jene Erklärung, welche Weizmann den Präsidentenstühl gekostk hat .... Es geht nicht um eine abstrakte Frage: Der Paritätsgedänke schließt in sich das Einverständnis mit dem Gesetzgebenden Rat und ein Gesetzgebender. Rat ist für uns jetzt ein gefährliches Hindernis .für die weitere Entwicklung des Zionismus. Ein Gesetzgebender Rat ist die Legalisierung des arabischen Widerstandes und die erste logische Folge des Paritätsprinzips: „jüdisch-arabisohe Gleichheit" in arabischem Sinn, ist nicht möglich, es sei denn, daß man den Arabern die effektive Kontrolle über die Mandatsregierung, das heißt, über unsere weitere Arbeit und über das jüdische Arbeitstempo übergibt. Was solch eine Perspektive für uns bei der heutigen Konstellation bedeutet, braucht nicht gesagt zu werden. Sogar ohne Bestehen eines Gesetzgebenden Rates waren die Ax*aber stark genug, den Jaffaer Hafen für sich zu okkupieren, den jüdischen Anteil an .; Für.die führenden' zionistischen Parteien gibt.es! jetzt zwei Wege:; 1. Noch einen Schritt auf dem Weg zum Judenstaatszionismus und von der Paritätsbasis zur Mehrheitsbasis überzugehen, was heute die Einheit der ganzen zionistischen Bewegung ermöglichen würde. Der; Wunsch, Palästina mit den restlichen 17 Prozent Juden aufzufüllen, erfüllt heute alle Juden ohne Unterschied der Partei. Natürlich ist der Zionismus keine bloße Zahlenfrage und 51 Prozent der Bevölkerung bedeuten noch keine Lösung der Judenfrage. Sie würden aber einen radikalen Umschwung in der arabisbhen und englischen Mentalität gegenüber der Realität der jüdischen Position in Palästina bringen, und das würde uns neue, bedeutende Arbeitshorizonte eröffnen; Bürgfrieden im Zionismus für die Verwirklichung des breiten politisch-prganisatorischeri Programms im Verlauf der nächsten Jahre. Oder 2. sich auf das „Paritäts-Prinzip" festzulegen, so wie' die Exekutive sich auf das „Minoritäts- Prinzip" festgelegt hat; das Aufbautempo zu verlangsamen, den Zionismus einer ernsten außenpolitischen Gefahr auszusetzen und gleichzeitig einen schweren Innerei) Kampf im zionistischen. Lager .selbst hervorzurufen, vielleicht gar einen schwereren, .als es der Kampf rings um die seinerzeitige „erweiterte Agency" war. Lernen wir aus fremden Fällen (in Oesterreich hat die innere Parteidiskussion bezüglich der zur Majorität fehlenden 200.000 Stimmen die Debattierer Von Wien nach ~ Prag gebracht!) und zwingen wir nicht der Bewegung eine bloße Diskussion auf, wo Handeln erforderlich ist und wo es einem unmittelbaren und gemeinsamen Ziel für das ganze Volk gilt. Vor dem Eintreffen der Kgh Kommission Aus London: Der Jerusalemer Korrespondent der „Time s" erfährt über die geplante Haltung der Araber gegenüber der Kgl. Kommission: Die Araber planen, mit Angriffen gegen das Mandat selbst vorzugehen und zu argumentieren, daß es zum Nachteil der arabischen Bevölkerung verwaltet wird. Ein einflußreicher arabischer Führer will vorschlagen, daß das Mandat durch einen Vertrag ersetzt werde, der auf Grund eines Uebereinkommens aller Teüe der Palästina-Bevölkerung mit Großbritannien nach Richtlinien geschlossen wird, die einerseits den natürlichen Rechten der Bevölkerung, andererseits den Grundsätzen des Völkerbundes Rechnung tragen. Obwohl der Oberste Arabische Ausschuß eifrig dabei ist, Pläne zu formulieren und die arabische Presse unermüdlich im Erfinden von Vorschlägen ist, herrscht in den arabischen Kreisen im Grunde genommen ein gewisser Skeptizismus in bezug auf den positiven Wert der Arbeiten der Kommission. Gegen das Mandat Aus Jerusalem: Die tiefen Meinungsverschiedenheiten innerhalb des arabischen Lagers. Uber die an die Kommission zu richtenden Forderungen konnten bisher nicht Überbrückt werden. Die radikalen Elemente bestehen darauf, daß die Abschaffung des Mandats und der B.alfour-Deklaration verlangt werde, während die gemäßigten.Kreise bloß einzelne Beschwerden mit der Forderung, diesen Zuständen abzuhelfen, unterbreiten wollen. Aua Jerusalem: In den Sonntagsausgaben der arabischen Zeitungen wird erneut die Forderung nach Einstellung der jüdischen Einwanderung erhoben. Die „A Difaa" erklärt, die Araber, würden nicht eher vor der Kgl. Kommission erscheinen, als bis die jüdische Einwanderung* eingestellt sei. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine angebliche Zusage des Kolonienministers Ormsby-Gore. Auch die. Tageszeitung „El Jamea el Islämia" verlangt Einstellung der Einwanderung, allgemeine Amnestie und Abschaffung der Ausnahmeverordnungen, noch vor dem Eintreffen der Kgl. Kommission, Als erster High«Commi'ssioner vor Kgl« Kommission Aus Jerusalem: Es wird mitgeteilt, daß unmittelbar nach dem Beginn "der Untersuchungen der Kgl. Kommission High Commissioner Sir Arthur Wauchope als erster Bekundungen vor der Kommission machen: wird. Der High Commissioner wird sich hierbei auf rein informative' Darlegungen beschränken und keinerlei Anregungen oder Empfehlungen vorbringen. Die jüdischen Vertreter werden einzeln angehört werden. Die Kgl. Kommission wird ferner Aussagen des englischen und des armenischen Patriarchen sowie anderer, hoher geistlicher Würdenträger über den Schutz der heiligen Stätten der Christenheit in Palästina entgegennehmen. (J. T. A.) Dr* Weizmann nach Palästina Aus London: Präsident Dr. Chaim Weizmann Wird sich nach einem kurzen Aufenthalt in der Schweiz am 14. November nach Palästina begeben, um Aussagen vor der Kgl. Kommission zu machen. Vertreter änderer jüdischer Gruppen werden von der Kommission gesondert angehört werden, jedoch in einheitlicher Weise zu den Problemen Stellung nehmen. (J. T. A.) Jüdische Handelsschule Buchhaltung, Korrespondenz, Rechnen, Uebungs« Kontor, 3 mal wöchentl. Je 2 Stund., 8—10habds. Wien II, Toborstr. 39 Telephon A-45-6-57 ' Zur Ernennung Rokadis Aus Tel-Aviv meldet die J. T. A.: In der hebräischen Presse wird die Ernennung Israel Rokachs zum Bürgermeister von Tel-Aviv, obwohl er als Kandidat des Zentrumsblocks gegenüber dem Kandidaten , der Linken, Mosche Chelouche, in der Minderheit blieb, scharf kritisiert. Die Arbeitertageszeitung ,;Dawar" führt im Leitartikel aus, die Ernennung RokaChs durch die Regierung sei ein Oktroi und bedeute ölnen Angriff auf die Autonomie von Tel-Aviv. Die Tageszeitung „Haarez" führt aus: Rökach erhält das Bürgermeisteramt von Gnaden der Regierung und gegen den Willen der Mehrheit des Stadtrates und der Bevölkerung. Es ist dies das erste Attentat auf die Autonomie von Tel- Aviv; es darf nicht ruhig hingenommen werden, Rokach muß die Ernennung,zurückweisen. Die Zeitung „Haboker" hingegen nimmt Partei für Rokach. Die englisch geschriebene ,,P a 1 e s t i n e Post" empfiehlt, die Ernennung Rokachs mit Rücksicht auf die gegenwärtige politische Lage hinzunehmen und alles zu vermeiden, was Zwistigkeiten hervorrufen könnte. Aus Kreisen der Regierung wird erklärt, daß die Ernennung Rokachs zum Bürgermeister durchaus zu Recht erfolgt sei; der High Commissioner habe auf Grund einer Order in Council das Recht* CAFE WEGHUBER Hinfer dem Deutschen Volkstheater Jeden Samstag, Sonntag Feiertag — Kapelle ISY GEIGER Konzert / Tanz / Stimmungsmusik Beginn 8 Uhr abdi. Bürgerliche Preise ]