Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-11-06 · Heft 606 (6.11.1936) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 606 (6.11.1936)
Date
1936-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712231--6127-2719837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite« DIE NEUE WELT Ntf. 606 vom 6. November 1936 BERGMANN, 1 RABENSTEIQ3^^ HIMMELPFORTQ. S KÖLLNcRHOFGASSE 1 Reinseiden- A>8° i Herrenhemden, beste Paßform nur y Neue SortQnHerrenhemden.PyJamau.DressIngs fUr den Herbst bereits lagernd. In Preis und Reichhaltigkeit unübertroffen zu gehen. Die Eltern der Kinder entsandten eine Abordnung an das staatliche Kuratorium, um Abhilfe zu erbitten. Prof. Alexander Reichmann, der Mathematiker der Warschauer Universität, veröffentlicht eine Erklärung, in der er Professoren und liberal gesinnte Studenten dazu aufruft, sich den bestialischen Attacken der Nationaldemokraten gegen die jüdischen Studenten entgegenzustellen. Dabei* richtet Prof« Reichmann heftige Anklagen gegen die Regierung, der er vorwirft, nicht die Pogromagitation, sondern umgekehrt die Antipogromagltation der liberalen Jugend zu unterdrücken. In den Städten Zambrow und Szniadowo kam es während des letzten Markttages zu antijüdischen Unruhen. An zahlreichen jüdischen Läden und Wohnungen wurden die Fenster eingeschlagen, mehrere Juden wurden erheblich verletzt. Waren wurden zum Teil Vernichtet, zum Teil geraubt. (J. T. A.) Offizielle Worte Aus Warschau: Im Zusammenhang mit dem antijüdischen Terror an den polnischen Hochschulen und den andauernden antijüdischen Ausschreitungen auf dem Ilachen Land in Polen übergab der polnische Botschafter in Washington, Graf Josef P o t o c k i, der Jüdischen Telegraphen-Agentur eine Erklärung, in der versichert wird, daß die Regierung in Warschau unablässig bestrebt ist, den antijüdischen Boykott und die Agitation gegen die Juden zu unterdrücken. Der Botschafter fügte hinzu: Das jüdische Problem in Polen ist akut und drängt einer Lösung entgegen. Schon die hohe Zahl der Juden in Polen erfordert ernste Aufmerksamkeit für dieses spezLelle Judenproblem sowie Anstrengungen zu seiner Lösung. Eine ausgesprochene Feindseligkeit gegen die Juden gibt es in Polen nicht, aber in einigen chauvinistischen Kreisen herrscht die Tendenz vor, die jüdische Gleichberechtigung zu mißachten. Phantastische Pläne Aus Berlin: „Allgemeine Zeitung des Judentums" meldet, daß die polnische Regierung inoffiziell dem Völkerbund vorgeschlagen hat, seinen. Einfluß zugunsten. einer Kolonisierung von etwa 200.006 Juden aus Polen und anderen . osteuropäischen Ländern auf der Insel Zypern geltend zu machen. Von anderer Seite wurde diese Meldung bisher nicht bestätigt. Um die jüdische Auswanderung aus Polen nach Palästina Aus Warschau: Wie die Polnische Telegraphen- Agentur (P.A. T.) aus London berichtet, h it der dortige polnische Botschafter Graf Rae x y ri s k i am 2. November eine Unterredung mit dem Unterstaatssekretär für Aeußeres Sir Robert Vansittart Über Fragen der jüdischen Auswanderung aus Po 1 en nach Palästina gehabt. Der Botschafter schlug vor, daß die bisher noch nicht festgesetzte Einwanderungsquote für Polen nicht niedriger gehalten werden solle als in den früheren Jahren. (J. T. A.) Antijüdische Legenden in Spanien Aus'Paris: Die Pariser demokratische Zeitung „Droit de Vivre" druckt aus der Zeitung. „ABC" in Sevilla den Text einer kürzlich von General Queipo de L1 a n o im Sender Sevilla gehaltenen Ansprache, die folgende Stelle enthält: „In Asturien besetzten unsere Truppen mehrere Juden gehörende Häuser und fanden dort große Mengen Dynamit (!), sowie in hebräischer Sprache (!) gedrucktes bolschewistisches Propagandamaterial. Es ist zu bedauern, daß man sich bei uns in den letzten Jahren so wenig mit der jüdischen Frage beschäftigt hat. Frei- Alle Vervielfältigungen tat Firmen und Vereine* Vervielfältigungsapparate, neu und gebraucht (QeJegenneitskäufe stets lagernd), sämtliche Zubehöre. WltrofSky. Wien II, . BembrandtstraPe 36. Telephon A-4V7-63_ lieh ist die Zahl der Juden in Spanien nicht so hoch wie in Deutschland, aber an Frechheit und Habgier stehen sie den anderen nicht nach. Indem wir nun die Judenfrage ernsthaft auf die Tagesordnung setzen, machen wir die Nachlässigkeit der philosemltischen Linksregierungen wieder gut. Ich bin sicher, daß wir auf diese Weise dem Bündnis unserer Semiten mit der internationalen bolschewistischen Judenheit, die Leib und Seele jedes Kulturvolkes zu vergiften droht, in mehr als einer Hinsicht auf den Grund kommen werden." * Schon der oberflächliche und nichtinformierte Leser wird unschwer erkennen, daß es sich um böswillige Erfindungen des Rebellengenerals handelt. Das, was hier von „Dynamit und Propagandamaterial in hebräischer Sprache" erzählt wird, stammt aus der nationalsozialistischen Küche des Herrn Goebbels — ein Rezept, das gegen die Juden zur Zeit fast Uberall angewendet wird. Trotz der Lächerlichkeit dieser Lügen ist die Gefahr vorhanden, daß sie da und dort geglaubt werden. Hans Kelsen — Theodor Lesslng Aus Prag: Nachdem in den Räumen der Deutschen Lese- und Redehalle eine Haussuchung durchgeführt worden war, folgten gestern auch bei anderen Studentenvereinigungen Durchsuchungen, so bei den „Barden", in den beiden deutschen Studentenheimen und bei kleineren Vereinigungen. Die Polizei interessierte sich insbesondere für die Schrifttypen der Schreibmaschinen, da Prof. Kelsen einen Drohbrief erhalten hat, in dem ihm das Schicksal Prof. L e s 81 n g s vorausr ,/ gesagt wird. Der Brj*i £st mit „Heil Hitler" und einem Hakenkreuz unterccich'iet. Bisher wurde ein Student in Polizeigewahrsam ge/.ommen. Schriftsachverständige vergleichen jetzt die Sqhrift des Briefes mit den Schriftproben von den /Schreibmaschinen. Aus HifIer*Deuf§diIaitd Todesstrafe für „Rassensdiande" Aus London: Die englischen Zeitungen geben eine Rede Julius Streichers wieder, die dieser am Sonntag in Bielefeld hielt und in der er erklärte, die Judengesetze hätten sich als nicht ausreichend erwiesen, man werde nicht davor zurückschrecken, auf Rassenschande auch die Todessträfe zu verhängen; entsprechende Entwürfe seien bereits in Ausarbeitung. (J. T. A.) Das Blutsdiufzgeselz Aus Berlin: Laut „Trierischer Landeszeitung" hatten sich vor dem Schöffengericht Trier, das in Kirf (Kreis Saar bürg) tagte, fünf Juden wegen Vergehens gegen das Oesetz zum Schutze des deutschen Blutes zu verantworten. Der eine der Angeklagten Ist sechzig Jahre alt, die vier anderen alle über siebzig Jahre. Sie hatten von Ende vorigen Jahres bis Juni dieses Jahres eine achtunddreißigjährige Frau und deren vier- ■IVO'BEHIJ'NTER für Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 zehnjährige Tochter Samstag abends zum Feuermachen, zum Unterhalten des Feuers und zu sonstigen Hausarbeiten herangezogen. Der sechzig Jahre alte Angeklagte erhielt eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen, die übrigen vier wurden zu Geldstrafen von je BM. 200 verurteilt. (J. T. A.) Die „Verjudung Berlins" Aus Berlin: Der Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, Dr. Büchner, macht Angaben über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Bevölkerung in Berlin. Bei der letzten Volkszählung von 1933 wurden in Berlin insgesamt 161.000 G1 au b en s j u d e n festgestellt. Sie bildeten 3,8 Prozent der Gesamteinwohnerschaft. Die „starke Verjudung Berlins" sei nicht auf die natürliche Eigenvermehrung der'Juden zurückzuführen — die Geburtenziffer der Berliner Juden liege im Gegenteil seit langem unter dem Durchschnitt ganz Berlins —, eon- Wählerversammlungelt Samstag, den 7* November 1916, 8 Uhr abends 1. Hotel Post, I„ Fleischmarkt 5. Es sprechen die Herren Dr. Oskar ftrttnbaum, Kultusvorsteher, und Dr. Leopold P1 a s o h k e s, Kultusvorsteher. 2. Hotel Continental, II., Taborstraße 4. Es sprechen die Herren Staatsrat Dr. Dcsidcr Friedmann und Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich. 3. Hotel Stephanie, II., Taborstraße 10. Es sprechen die Herren Dr. Isidor Kl ab er, Kultusvorsteher, und Oberbaurat Ing. Robert Stricker. 4. Restaurant „Zum Eadfahrer", Ausstellungsstraße. Es sprechen die Herren Fritz Richter und Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde. 5. C a f 6 L o v r a n a* ni., Löwengasse. Es sprechen Frau Dr. Henni Liechtenstein und Herr Dr. Otto Llfczis. 6. Terrassen-Restauration, V., Margaretenplatz 4. Es sprechen die Herren Dr. Srul Oster er und Siegfried Graubärt. 7. Gewerksohaftshaus, VI., Stumpergasse, Nr. 60. Es sprechen die Herren Ing. Eugen Buchbinder und Kultusvorsteher Dr. I. H. Körner. 8. Bialik-Heim, VII., Kaiserstraße 30. Es sprechen die Herren Adolf Weißhut und Kultusvorsteher Dr. Leopold Plaschkes. ». Handelsmüscum, IX., Berggasse 16. Es sprechenkdle Herren Dr. Ell Strauß, Dr. Oskar Grünbaum und Dr. Salomon Wolf. 10. Rosensäle, X., Favoritenstraße 80. Es sprechen die Herren Dr. Paul Berger und Dr. Julius Mann'he im. 11. Restauration „Weißer Engel", XDX, Am Platz 4. Es sprechen die Herren Dr. Moritz Harnik und Prof. Dr. Leo M e n c z e r und Kultusvorsteher Dr. Michael Steinberg. 12. Marlensäle, Sechshauserstraße 62. Revue „Titel Nebensache". Einleitende Worte spricht Dr. A. Groß. IS. Agudas Jeschurun, XX., Gaußplatz 4. Es sprechen die Herren.Dr. Mendel Rosenberg und Rabbiner Dr. Zwi Kann er. 14. Gastho fM o s e r, XX., Dresdnerstraße 51. Es sprechen die Herren Dr. Ost er er und Alfred Wcißhüt. Orig. engl.- und franz. Stoffe kauft man am besten im \i Salzgries' 5 H«rbrt-Hauh«K«n (Drf Daman und Heiren I Zeitgemäß billig I dern auf die Zuwanderung a.uadem Reich und vor allem aus den Ostataaten. Im zweiten Halbjahr 1934 seien immer noch annähernd 4000 Juden nach Berlin zugezogen. Vom 1. August 1.935 ab führt das Statistische Amt der Stadt Berlin nach' der Mitteilung von Dr. Büchner eine laufende Statistik der zur und fortziehenden Juden durch. Es wurde dabei festgestellt, daß seit 1. August 1935 bis Ende Juli 1936 4500 Juden mehr aus Berlin fortgezogen als zugewandert sind. Dies bedeutet eine monatliche Abnahme von 375 Glaubensjuden. Nach den Berechnungen des Berliner Statistischen Amtes dürften den 150.000 Glaubensjuden etwa 40.000 nicht der mosaischen Religion angehörige Rasse Volljuden und sechzigtausend Mischlinge gegenüberstehen. Es würden sich also für Berlin insgesamt 250.000 Judenstämmlinge (190.000 .Rassevolljuden und 60,000 Mischlinge) ergeben. (J- T" A,) ■ Palästina im Verfleidigungssyslem des Britischen Reiches In einem Artikel über Probleme, diö dem englischen Parlament in seiner neuen Session gestellt sind, erörtert „Scrutator" in der „Sunday Times" die Bedeutung Palästinas für die Sicherung des Weges nach Indien. Es sei noch nicht allgemein erkannt, daß seit dem Abschluß des Vertrages mit , Aegypten die Frage der Sicherheit dieses Weges in erhöhtem Maße von Palästina abhängig geworden ist. Es stehe dort mehr auf dem Spiel als der Kampf zwischen Juden und Arabern. Palästina werde mehr und mehr dfen Platz Aegyptens in dem britischen Verteidigungssystem übernehmen. Daher sei es von höchster Wichtigkeit, daß Palästina nicht nur gedeihe und hoch entwickelt sei, sondern auch von einer Bevölkerung bewohnt werde, die an ihrem Boden hängt und bereit sei, ihn bis zum letzten Tropfen Blut zu verteidigen. Ein vorwiegend arabisches Palästina werde diese Probe nicht bestehen — wohl aber ein jüdisches Palästina. Das Ideal wäre gewiß ein Zusammenschluß der beiden Volksstämme zu einer palästinensischen Nationalität. Keineswegs aber werde die Mandatarmacht der Sache dadurch gerecht werden, daß sie bloß den Schiedsrichter spielt und zwischen* den rivalisierenden Volksstämmen das Gleichgewicht hält. Die Freude an schönen weißen Zähnen ist oft größer als die Sorge, um jhre Gesunderhaltung. Erhalten Sie sich beides: Schöne und gesunde Zähne,, indem Sie , morgens und abends die .bekannte 'Qüsjitäts-Zähnpasta Chlorodorit benutzen. Wählen Sie C H1 p r o d o n t schäumend oder nichtschäumend nach Ihrem persönlichen Geschmack. . Im Interesse der Wahrheit Wir erhalten folgende Zuschrift: Die Leitung' des Misrachi-Jugendbundes fühlt sich Bemüssigt, hiemit festzustellen, daß sie gemäß dem Abkommen des Misrachi-Landesverbandes mit der „Zionistischen Liste" (Listenführer: Staatsrat Dr. Desider Frie d mann) geschlossen hinter der zionistischen Einheitsfront steht und alle Anstrengungen macht, um dieser Liste zu einem grandiosen Wahlsiege zu verhelfen. Jeder Versuch,. in diesem Zusammenhang Gerüchte oder Falschmeldungen zu. verbreiten, entspringt einer böswilligen Phantasie und ist ausschließlich darauf berechnet, das Ansehen der Misrachi-Jugend In Oesterreich vor der Oeffentlichkeit herabzusetzen. •Mi s.r a c h i - J ug e n d b u n d. Wien, II., Praterstraße 60. "aNe*,Mariahiir WIEN VI, M A RIAH i LFERS TR ÄSSE 89a N E U R E N 0 V I E R T! TELEPHON B-27-2-35, B-29*4«69, 0-22-3-37 empfiehlt seine eleganten großen R ä u m 1 i c ru keiten für Hochzeiten, Bar-Mizwoth, Bankette usw. Der „JUdtech-Kulturelle .Elternbund", Wien, X.i Seitenstettengässe s2, als Herausgeber der Zeitschrift „Jüdische Jugend"'erklärt, mit der zu den Kultuswahlen angemeldeten Liste „Jüdische J ü g e n d" (Listenführer: Mälkiel Grünwald) in keinem wie immer gearteten Zusammenhang zu stehen. Verband der Iüdekistaats*fonisten Der Verband und die Bezirksgruppe Pratcr gratulieren herzliohst ihrem Parteirats, und Ausschußmitglied Herrn Jakob Paß weg zu seiner Vermählung mit Fräulein Malvine Grcismänn (Wr. Neustadt). Der Verband gratuliert Frl. Gina Hill mann zu ihrer Vermählung mit Herrn Leo Lithauer aufs herz-* lichste. * Samstag, den 14. November, im Festsaale des Hotel Continental Gesellschaftsabend mit Akademie und Tanz. Es wirken mit: Fritz GÜnbaum, Eugen Hoffmann, Lilly Majus, ,Otto Grosse. Conference: Ossi Lewin. Regiebeitrag S 1.50. Erstklassige Jazz. Der Verband gratuliert seinem Mitglied Frl. Gina Hill mann zu ihrer Vermählung mit Herrn Leon Lithauer aufs herzlichste. OFFEN BACH-SAAL IV, Treitlsfraße 3 Donnerstag, 12.November 1936, 8 Uhf abefcds Vortrag Kurt ilum«nf«ld, Jeruialem „Schicksal und Qestaltunf Eine Rede über das Judentum unserer Tage Karton von S 1.- bis S 5.— Kartanvoivarkauf i KonzertkaBsa Dr. Arthur Hohenberg, 1, Operngebftude. R.27-2-11, Buchhandlung R. Löwjt.l, Wollzelle 6. R«2Ö 4-53, Buer Handlung Rieh. Lanyl, I, K»rntner»traße 44, B 26-3-83, Bucheratube M. Rath, II, *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.