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Die neue Welt · 1936-11-06 · Heft 606 (6.11.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 606 (6.11.1936)
Date
1936-11-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 606 vom 6. November 1Ö36 DIE NEUE WELT Seite 3 WacJteHSftie^ei Das neue Persien Religiöser Fanatismus -~ vor dem Regime des neuen Schah weit verbreitet — ist die seltenste Erscheinung im heutigen Iran geworden. Wie weit die Säkularisierung des öffentlichen Lebens bereits fortgeschritten ist, zeigt sich auch darin, daß in dem Paß eines Persers die religiöse Zugehörigkeit überhaupt nicht mehr registriert wird und jeder, ob Moslem, Jude, Christ oder Zoroaster, nur „Iranischer Staatsbürger" ist. Prof. W. Fischel, Jerusalem. Der echte Dixengoff Wenn euch mein Andenken teuer ist, so spendet freudig und bereitwillig, sichert die Existenz und die Zukunft des Jüdischen Museums Tel-Aviv — dann werde ich in Frieden in meinem Grab inmitten meines Volkes ruhen, hier in dieser teuren Stadt, die der Inhalt meines Lebens war. Aus Meir Dizengoffs Testament 1936. Ein denkwürdiges lubiläum Ich bin überzeugt davon, daß eine sehr starke Mannschaft die weite Reise nach Tokio zur Olympiade antreten wird. 1940 sind es gerade 2100 Jahre, daß Juda Makkabi starb. Wir wollen sein Ahdenken durch unsere erstmalige Beteiligung an den modernen olympischen Spielen ehren. Der Sekretär des paläst. Olympiateams, Nov. 1936. Unmittelbare Arbeit Das große Ideal (heißt: Schaffung des neuen jüdischen Menschen auf Thorabasis, des natur- und gottnahen, des schöpferischen, des harmonischen, des tat- und lebensfrohen — durch Wiederverknüpfung mit dem Boden, durch Wiederhinführung an die unmittelbare Arbeit am Stoffe der Welt. Dr. Nathan Birnbaum „Rufe" 1936. Europa macht Schule » Die Mufti-Partei steht im Begriff, die arabische Jugend in faschistischen Gruppen zu organisieren, die militärisch aufgebaut und von Jemal Husseini angeführt werden sollen. Die Gruppen werden den Namen „Eiserne Garde" erhalten. Pascor.-Meldung (Jerusalem). Inzwischen anders geworden Die faschistische Bewegung in England hat — offiziell — gar nicht von Anbeginn sich mit der Judenfrage befaßt. Es hieß zwar im Parteiprogramm, daß besondere Maßnahmen gegen Bernde ergriffen werden sollten; aber man durfte annehmen, daß darunter Ausländer im technischen Sinne zu verstehen seien: alle, die nicht auf britischem Boden geboren. Man wußte aucjh, daß die 1933 verstorbene Gattin des Parteiführers, Lady Cynthia Mosley, die Enkelin eines bekannten reichen Juden war, und Sir Oswald Mosley selbst, das Haupt der Bewegung, hatte mehrfach versichert, daß er nicht anti-. semitisch sei und daß die Juden unter dem Faschismus nicht verfolgt würden. Das ist aber inzwischen anders geworden. C. C. Aaronsfeld (Leeds, England). Prof. Löwi — Ehrenmitglied der Grazer Kultusgemeinde Der Vorstand der jüdischen kultusgemeinde Graz hat in einer Festsitzung einstimmig beschlossen, de,n neuen Nobelpreisträger, Prof. Dr. Otto Löwi, zum Ehrenmitglied der Grazer Kultusgemeinde zu ernennen. Vom holländischen Judentum Königin Wilhelmine ernannte den jüdischen Recbtsgelehrten Dr. H. H. Bp a s, seit 20 Jahren Richter am Amsterdamer Distriktsgericht, zum Obersten Richter am Amsterdamer. Berufungsgericht. *■ ' Die Abwertung des holländischen Guldens hat zu einer Belebung der Industrie geführt, die sieh auch In der von Juden geschaffenen Diamantenindustrie, in der auch heute noch zum großen Teil jüdische Arbeiter beschäftigt sind, auswirkt. Nach einer mehrjährigen OPERATIONS-LEIBBINDEN. Bauchmieder fUr Hängebauch, Magensenkungen usw. fc ASTEX-Schlüpfer und -Corselelts Institut BstlndlgkSVH^i Maßkarten kostenlos! . schweren Depression geht die Arbeitslosigkeit im Diamantengewerbe jetzt stark zurück. Die gebesserte Lage in diesem Industriezweig ist von großer Bedeutung für die finanzielle Situation der Amsterdamer jüdischen Gemein de. w Königin Wilhelmine und Kronprinzessin Juliane spendeten beträchtliche Summen für die Jüdische Wohlfahrtsgeseilschaft in Rotterdam, die in diesen Tagen das 25jährige Jubiläum ihres Bestandes begeht. * Das Polizeigericht im Haag verurteilte ein Mitglied der N. S. B. (von Mussort geführte holländische Nazi- Bewegung) zu sechs Monaten Gefängnis sowie zu einer . Geldstrafe von 60 holl. Gulden, weil er an der Spitze einer Nazi-Bande den Laden des aus Deutschland emigrierten Juden Leon Katz in einer Hauptstraße in Leiden angegriffen, das Schaufenster zertrümmert und die in des Ablage befin^ttohen Waren öt»rk beschäftigt hatte, KOHLE KoKS ANTHRACIT BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 Inhaber Dr. Richard Bäsch Albert Einstein schreibt: „Ich bin ein Nationaljude. Ich sehe die jüdische Nation als eine Tatsache an und ich meine» daß jeder Jude zur Entschließung in jüdischen Fragen auf dieser Basis gelangen sollte. Das ist ein Haupt« grund für meinen Anschluß an die zionistische Bewegung. Für mich ist Zionismus nicht nur Kolonisation. Die jüdische Nation ist etwas Lebendiges und muß überall, in der Diaspora und in Palästina entwickelt werden. Die jüdische Nation in der Di'aspora zu verneinen Ist ein beklagenswertes Beginnen . . . *n^mu**i**0m$0*»mtßi*4*y*m*dm****m jßäuke ilotk wki sefo" Ein Brief Thomas Manns Der in der Emigration lebende deutsche Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann sandte an die von Manfred Georg redigierte, im Nekudah-Verlag (Mukacevo) erscheinende „Jüdische Revue" das folgende Schreiben: „Küßnacht-Zürich, den 5. Oktober 1936. Sehr geehrter Herr, für die Uebersendung der interessanten Hefte Ihrer .Jüdischen Revue' sage ich besten Dank. Ich habe an der kritischen Umsicht, dem geistigen ^2£*S**S!*U 91 (an der ii' Bei mdrfjer \ti)t tum brüten 9)UU her SMatonenhauüttreffe* Uv maffenlottetie ßetoomteit würbe. — Sie^ung U klaffe foott »äfften SienStag, ben 10. OTouemBev» «efteHen ©ic itoä) heute 3&re Äfaffenlofe per ^oftfarte. Shffafchalter. toon 8 Uhr frity bis 6 Übt abenbg geöffnet. Setefoit 11=21*5*45 (Serie. SCUe« lauftJUaffeitlöfe Bei her ,,®lüiJ ftelle (Stein", SSien, I. «öihhltitßefftc. 21, «tt ber uftet» »ttttfe", gUmlcttt I.,ftärnttterftr. 347 IL, $a&orfhr;20 Vi./äKiirtabUferfir. 105 / X., %a\>ozitenftt. 101 <«ö*£Ä Million.«****' Reichtum, dem hohen literarischen Niveau dieser Blätter meine Freude gehabt. Auf Ihre Frage .Warum braucht das jüdische Volk nicht zu verzweifeln?" lassen Sie mich in Kürze antworten. Mein privates Verhältnis, zum Judentum ist. durch die Tatsache bestimmt, daß ich Zeit meines Lebens unter den Juden meine bestett Freunde und meine ärgsten Feinde gehabt, woraus persönlich-stimmungsmäßig folgt, daß ich am liebsten weder Gutes noch Böses von diesem Geblüt sage. Es gibt zu verschiedene Juden, als daß ich mich einen Philosemiten nennen möchte. Der deutsche Antisemitismus aber, als Produkt und Zubehör eines rassischen Pöbel-Mythus, ist mir in der Seele zuwider und verächtlich. Er ist der Not-Aristokratismus kleiner, sehr kleiner Läute. ,Ich bin zwar nichts — aber ich bin kein Jude', darauf läuft es hinaus. Nicht ,liberalistische' Allefweltsphilanthropie, sondern das einfachste religiöse Gefühl hat mich von jeher gehindert, diesem Unwesen das geringste Zugeständnis zu machen. Wir sind alle vom gleichen : Stöff und vom gleichen Geiste auch; einer Erscheinungsform des Menschentiims, noch dazu einer, die zu den Grundlagen Unserer abendländischen Gesittung soviel beigetragen hat, wie die jüdische, das Lebensrecht abstreiten wollen, ist Gottvergessenheit. Es ist außerdem lächerlich; denn nicht auf Lebensrecht kommt es an, sondern auf Lebenskraft — und darfehlt es den Juden'1 nicht. ,Sie sind', sagt Goethe* w.däsvbeharrliehste Volle' der. Erde,, sie sind, sie waren, sie werden sein, um den Namen Jehovah durch die Zeiten zu verherrlichen.' Und was Goethe über die Deutschen sagte: sie könnten nicht zugrunde gehen, denn ihre geschichtliche Aufgabe und Sendung sei hoch nicht erfüllt, genau dies gilt auch für die Juden, deren Schicksal und Stellung in der Welt ja dem deutschen Lose so verwandt sind, daß schon daraus sich ein gut Teil des deutschen Antisemitismus erklart. \ ' l\ Ich bin ' überzeugt, daß jüdischer Diesseits- Energie ein bedeutender Anteil am Ausbau der neuen, im Werden begriffenen sozialen Welt vorbehalten ist. Diese Art hat die Klugheit und Leidenserfahrenheit ihres alten Blutes, seine Geistigkeit und Zähigkeit, sji'e; ist nich ^umzubringen. Sie hat ^manchen Sturm durch-, gestanden, und , man kann .unbesorgt sein, daß sie auch die Unbilden überleben wird, uhfer denen sie gegenwärtig das Haupt beugt. Ihr sehr ergebener . Thomas Mann." : Anständigkeif! Folgender Brief wurde uns zur Verfügung gestellt: „Als sogenannter Indifferenter — diese Bezeichnung stammt aus der Wahlpropagandaliteratur — will ich auch einmal sagen, was ein Wähler, der fern von allem Parteigetriebe steht, von dieser Wahl hält. Ich war und werde immer allen Bewegungen, die auf ...ismus ausgehen, fern sein; ich halte alle diese ...Ismen für das größto Unglück der Welt. Meiner Meinung nach gibt es für uns Juden nur eine Politik, die der Anständigkeit. Wir leben alle in einer von Feindon eingeschlossenen Festung und da darf es keine Machtkämpfe geben, da muß sich der einzelne dem Gebot der Zeit unterwerfen." „Die anderen werfen den Funktionären der Gemeinde vor, daß sie an ihren Aemtern kleben. Ja, warum denn nicht? Wie würde es denn sein, wenn die Funktionäre der »Union* angehörten? Die Zeit ist zu ernst, um Experimente zu machen. Ich kenne nur einige Kandidaten der Zionisten, loh nehme aber an, daß alle ehrenwerte Männer sind, im Kampfe um ihr Judentum und um unsere Existenz erprobt. Wäre dem nicht so, hätte ich dies bis heute gehört, ganz sicher aber gelesen.'4 „Wir Oesterreicher — ich bin ein so schön genannter Westjude —, welche die Liebe zu unserer Heimat bewiesen haben und immer wieder bereit sind, zu beweisen, daß ein guter Oesterreicher auch ein guter Jude sein kann, sind, trotz allem Widerspruch mit dem Titel dieser Wahlliste, für die Zionisten/4 „Wenn Sie es für gut halten, veröffentlichen Sie, bitte, diesen Brief, damit auch andere die Stimme eines Indifferenten hören. Meine Freunde und ich wählen am Wahltag die vom Präsidenten der Kultusgemeinde Doktor Friedmann geführte Liste. Wien, am 86. Oktober 1930. Carl Geyerhahn, XIX.« Peter'Jordan-Strfvßo 0g,« Die poInB§che Tragödie Lehrerworte Aus Krakau: Der Krakauer Metropolit Fürst Adam S a p i e b. a, der unlängst. in einem Hirtenbrief die Gläubigen zum Boykott jüdischer .GeschäfteAufgefordert hatte, hat soeben im Zusammenhang, mit den Ereignissen in Spanien einen zweiten Hirtenbrief veröffentlicht, in weichem gesagt wird, viele Christen hängen einer „fremden Ideologie" an, die genährt wird durch „eine Rasse, deren Tendenz es sei, die Völker, unter denen sie lebt, zu demoralisieren und auszunützen".,;; . Die Hirtenbriefe des. Metropoliten Sapieba haben ihre Wirkung. namentlich auf die Schulen nicht verfehlt, wo katholische Lehrer und Lehrerinnen die christlichen Kinder in Gegenwart ihrer jüdischen Mitschüler im Sinne dieser Hirtenbriefe ,,aufkläreu". In Äziradow wandte sich die Lehrerin Cibulska an die jüdischen Schulkinder mit den Worten: „Wozu lebt ihr auf der Welt? Ich hätte Lust, euch zu zersMlekeln, die einzelnen Stücke mit Salz zu bestreuen und vor die Hu nde zu werfeh!" Infolge dieser Drohungen haben die jüdischen Kinder Angst, in' die Schule In« u« ausländische Hausbesitzer verwalten ihre I WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei 1 Dr. M AIR RAIS S Wien I, Franz-Josef*.Kai 1, Tel,/ *'21>*30 =5 rMMaramMprM^^ Hl Eis t.k I a s s f t> c R e f e i en z etil II!

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