Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 606 (6.11.1936)
- Date
- 1936-11-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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9ett« 3 ■ DIE JTEUE WELT J »_».■ir~.-g.gg ..a-tf u r*ä ♦ ■■»■»-X» Nr.. 606 vom 6. November 1936 HachAm«rikaffl,,<Mcfi6'*RflcM ätif dfeh Öämßfe^ ««IUI1N MttttY*. bo.oöq t, dir tAhdlltt« ßamplar d*r tili* I „•INlMOftlllA" ..... IfcNöVftrnber g . „QUEEN HAttt" ■ » t . SÖ.NöVMifKf I' „BEAENGARIA".....2. Dezember 5 ,,<3UE£N MARY".....9. Dezember | CUNAftD WHITE STAR LlMltfcÖ j WIEN 1.KÄRNTNERRING 4, TEL U-42-0-43, Ü-46-2-48 § Siliülüliilll glelchett &tftß6 Wfthfkuneameä, wie eä dil öiM&lge Regierung getan hat. Daraufhin erhielt der Oberste Arabische Ausschuß In Palästina von der neuen fUgfäfUnrfdfet Irftlf-§lh Telegramm, in welchem versichert wird, daß der Irak auch weiterhin den Arädern irL Palästina Hilfe und Unterstützung gewähren wird. In der Depesche heißt es weiter, daß sich der Außenminister deä Irak nach Palästina begeben .werde, um Bei der Sammlung des* dSr britischen Untersuchürigskommisslöti vdrzulögendeti Materials au helfen, * Das Königreich Irak zählte 1920 unter nahezu drei Millionen Einwohnern etwa 1ÖÖ.0ÖÖ Juden, Von denen mehr als 5Ö.Ö00 in. der Hauptstadt Bagdad, etwa 15;000 in Moesul und eine größere Gemeinde in.Basra lebten. Seither hat sidh die jüdische Gemeinde in Bagdad durch Zuwanderung stark vermehrt. Bagdad, das. schon im Talmud erwähnt ist, war im Ausgang des* Altertums und während des ganzen Mittelalters ein Zentrum jüdischer Wissenschaft. Protestresolution Aus Jerusalem (J.T.A.): In Jerusalem hat eine Versammlung der aus dem Irak stammenden Juden .eine Resolution gefaßt, in der gegen die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Irak, die bereits mehrere Todesopfer ühter den Jtiflen gefordert hat, schärstens protestiert wird. Britische Trttppeti für Bagdad . .Jerusal em (Reuter): . Zwei englische Regimenter, die gegenwärtig in Palästina stationiert sind, wurden ebenso wie zwei weitere Regimenter der Garnison Kairo mobilisiert, um jeder Eventualität,,die. sich aus den Vorgängen in Bagdad ergeben» sollte, -begegnen -zu .können. ..■„.....:..... r Deutsche Aktivität :: nti Vorderen Orient Der Putsch in Bagdad . ■, -Der/Staatsstreich des Generals Bekr Sidky im Irak" ist. wie ein großer Teil der Weltpresse ausführt, auf nichtirakische,- also , ausländische Einflüsse zurückzuführen. Schon seit langer Zeit war in Bagdäd festzustellen, daß reichsdeutsche Emissäre mit den obersten Führern der irakischen Armee in Fühlung traten und auch den König von Irak im Sinne eines RegieruhgspUtsches beeinflußten. In Palästina wurde kürzlich ein deutsche Naziagent namens Simrock.verhaftet. Bei den arabischen Banditen wurden Nur Swoboda AUTOMAT" Oefen, Kamine die besten! if sind XVIII, Jörgerstraße 10 (Ecke Thereaieng.) Ofenschv/emme: IV, LothringerstrsBe Nr. 2 (bei Sehwarzenbergplatz). Verkaufsstellen: XXI, BrOnneutraBe Nr. 48, und IV, Brofle Neügasse 8 ' deutsche Schießwaffen, Modell 1935, gefunden. Ueber die Lage im Irak schreibt das „Prager Tagblatt": ' /.In den letzten drei Jahren wurde im Zusammenhang mit den deutschen Expansionsplänen die deutsche Aktivität im Irak sehr verstärkt. Die alte wilhelminische Konzeption Berlin — Bagdad gewann in Deutschland Anhänger. Am Hof in Bagdad wuchs der deutsche Einfluß. Die Zahl der irakischen Studenten in Berlin ist dehr gewachsen, auch die Zahl der deutschen Besucher und Berater im Irak nahm bedeutend zu. Mit einem großen Aufwand an Mitteln wurden die Beziehungen zwischen Berlin und Bagdad gepflegt. Hitler und das faschistische System werden im Irak angebetet. Es ist nioht nur im Irak so, die gesamte nationalistische Bewegung im Orient wird von Berlin und Rom genährt. Der Umschwung im Irak ist somit, die Konsequenz einer neuen Entwicklung, deren Verlauf von . der deutschen und i talienischen. Propaganda bestimmt wird. Hand in Hand mit dem Anwachsen des-nationalen Bewußtseins im l^ahen Orient geht aber'auch die Differenzierung der.Nationalismen derein-- zelnen Länder, die nach Unabhängigkeit streben. Die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen ihnen stehen der panarabischen Bewegung im Weg. Sie sind dnsofern einig, als sie. alle die völlige Unabhängigkeit für sich beanspruchen. Die pro- oder antienglische Haltung wird hauptsächlich von diesem Gesichtspunkt bestimmt. Darum* ist Aegypten proenglisch, weil seine Unabhängigkeit von Italiea gefährdet vwird, und darum, geriet Irak. ifl„ antienglisches Fahrwasser, weil seine Unabhängigkeit von BHfland gedrosselt wird. England kann aber keine weiteren ällfeständnisäi mlenln. Es ftcMnt Ilcn in $WotfUr Sftihde% Sil? Politik <^f „HärMi HiM" eHU6hloMfi ili ftftken. Sie Konzentration infhscher ^rüpp1^ in P a 1 ä s t ifl a erl Meint somit in IltiSm Licht. Auch M bluten Iftifntsse, Öle von der JÄläipilrtei hervorgerufen wüMen, nicht ifs .antijüdische, IdnuSrn all ant'iEnglische Aktion lu werten." Nach filOO Jahren gtefrhgesctidhet JÜdd Mäkkabi öder — wie ihn die Musikiiteratur kehtit -~,Juda ä Mäkkabä.us, eitt Held des jüdischen V81R83, Anreger zahlreicher Legenden, Vorbild nationaljüdischer Jugend, ist, das muß man wohl sagen, eine „international anerkannte Größe"; und auch die Deutschen kenneft ihn, trötz der Herren Streicher Ünd GÖebbeisi'und hören die Musik, das Oratorium, das Händel rings üni den; jUdi&chSn Helden* komponiert Hät. ®im ottsbrot ftötfj immer urietreicfjt ul* ®z\\mWti$'< unb Kraftöröti töeid? an bin fo imdjtigen. fflä$i.ftit}ftu <§,efjt bequem: ©tmon§brot«@c^mttenöac!c|eri in ©tonnioi; grüa^tenbrot: Slufbau* unb ©qtm«iftegu|atqr. $ü _ tbabenin geirtbft|anblurigen iffift in titejeri $acfe,reten. ^©imonSbrotfabrif SBien»Äagran 56. Sägt $oflüerj., Es ist natürlich für einen Angehörigen des Dritten Reiches sehr peinlich, zu erfahren, daß die minderwertige J.üdenrasse eine Gestalt.wie Juda Mäkkabi hervorgebracht hat* das genaue GegeriteÜ dessen, als was der Jüde im heutigen Deutschland hingestellt j^rd. Und es ist geradezu absurd zu glauben, daß die Machthaber des heutigen Deutschland ihre These vom jüdischen Untermenschehtum durch den Text des Häridelschen Werkes widerlegen lassen werden. Dieser Konstellation wird Rechnung getragen. Auf Anregung der n'ätlonäisozialisltlschen Kültürgemeinde ■ hat der Schriftsteller Hermann Bütte einen neüen Text zu dem Mäkkahaüs|Ör^tÖfdüm. geschrieben. Natürlich einen — braunen. Das Werk heißt in der hakenkreuzlerischen Fassung „Held und Friedenswerk" und behandelt hicht mehr'deh: vor 2100 Jähren geführten Kampf'Judä: Makka^fs g'eg^en We)heidnischen röfhisohen pndrmglitig'e, sond'lrii^ s,Jaie Not ufid 'döh WiedöraüfStieg des deutschen Volkes".' "■ " : ' r . ■ ' Optiker Rudolf haas & comp, wien ii, praterstrasse 32 S P E ZI ALI ST FPR B R I 1 L E Sf Q;l> TI K Der „Germania", dem ehemaligen Blatt des deutschen; (katholischen) Zentrums mürtdet der T*ext Burtes nicht. Einen Funkeh Von Achtung für die Größe d^s bibli-. sehen Stoffes hat sich das gleichgeschaltete Blatt bewahrt, indem es schreibt: Ist die Gestalt des Judäs Makkabä nichts anderes als eine Angelegenheit des Juden'olkes? Ist sie nicht vielmehr eines der läuteren Beispiele von" echter, gottgläubiger Heldenhaftigkeit, "die hier der* Menschheit für immer beispielgebend vor Augen gestellt wird?" Der Mut des gewesenen katholischen Blattes ist bewundernswert. Hoffentlich hat er keine bösen Folgen. 1 Hakenkreuz als — Amulett Mit besonderem Nachdrück betonen die nationalsozialistischen Führer des Dritten Reiches, daß die Lehre vom Hak.enkreuz, die deutsche Blut- und Bodenlehre mit allem, was drum- und-dran hängt, eine rein deutsche Angelegenheit sei, keinesfalls ein Exportartikel, den man nach Belieben in ein anderes Land verpflanzen könne. Die Wirklichkeit straft natürlich;diese Behauptung Lügen. Man hat Beweise für eine nationalsozialistische, hetzerische Agitation in Nordafrika, irti Irak, in Palästina; also in Ländern, die nicht von „n6'rdis(}h-germanis.chen", sondern von dunkelfarbigen "Völkern "bewohnt sind. •.. " Die letzte Araberrevolte In Palästina hat Symptome gezeigt, die auf reichsdeutschen Ursprung hinweisen. Schon vor längerer Zeit konnte man" eine heftige Agitation, hauptsächlich in Jerusalem, bemerken, wo Hitlers „Mein Kampf" in arabischer Sprache in allen , Buchhandlungen zu sehen war. Gewehre deutschen Ursprungs wurden massenhaft bei, den arabischen Freii schärlern gefunden, ebenso Bomben und Werkzeuge, die zur Zerstörung von Telegraphendrähten usw. geeignet waren;. Daß aber das Hakenkreuz als solches bereits demonstrativen Charakter für die Araber angenommen hat, das bezeugt ein Brief, den eine Llnzerin am 1. Oktober an ihre Eltern geschickt hat; welche ihrerseits dieseh Brief der „Llnzer Tagespost" (3. November) zur Verfügung 'stellte. Bezeichnend ist eine Stelle des Briefes, welche laufet: „Ueber die Unruhen läßt sich weiter nicht viel berichten. In der Nacht hört man oft Schießen, aber die Hauptsache spielt sich wohl draußen auf dem Lande bei jüdischen Siedlungen oder in arabischen Dörfern ab. DA Ii I M II Ml m *%™ Fl,m' forden ar heuer als dir bei!« rpill FlUni Se^ÜijMlt«V <W Witt prelsgetrrtlW WUrtf« <U* tkmtkketi m\m^\\xw\ft\M Lebensdrama des PWsthers LöMs PäSteuf Uraufführung Rotenturm*Klno EIN mtEftrötft ÖEft WARNER BROS. I w b MM hÄfceh Wir* ittfölfö des fätreiks nicht viel, hur Mgiiüenö Offizien tifid JöUrMHöteh. feuwsteh gibt e* bei den Unruhigen Zeiten sehr selten. Auf die Straße zu gehen. iSfc hier nicht rätsäm, weil man in Gefahr kömmt, für einen Juden gehalten zu werden; als solcher karitt man ein M§äser oder elfte Kugel vöti rückwärts erhalten. Haltört einem die Araber für einen Deutschen, dann ist man ganz außer, Gefahr! Wir werden oft von bekannten Arabern mit „Hell Hitler" auf den Straßen be#rUß1. Wehn Ich in die äramöche Altstadt gehe, traget! wir immer das Hakenkreuz. Dieses schützt uns besser als drei bis vier Polizisten. Ich hätte mir nie gedacht, däß Hitler als Schutzpatron sogar in — Palästina helfen rkönnte I Mag auch die Feststellung der Linzer Briefschreiberin übertrieben sein, so ist doch die Verbreitung der hakenkreuzlerischen Schiägwortö und Parolen im Vorderen Orient auch für diejenigen gefährlich, welche sie dulden: für die englischen Regierüngsbeamten, für die gesamte Palästina-Administration. Italienische Neuorientierung gegenüber den Juden Die Agitation OoebbelsV und! Mosleys Der .römische Üftterrichtsminister Devecchi hat das Ersuchen des Verbandes jüdischer Gemeinden Italiens, aur eigene Kosten Textbücher für jüdische Schulen herzustellen, auä denen die in den Lehr- und Lesebüchern der Staätsschüleft enthaltenen katholisch-religiösen Hinweise eliminiert sind, abschlägig beschieden. Seit Beginn des faschistischen Regimes Würden solche Gesuche jederzeit anstandslos bewilligt. Der abschlägige Bescheid in diesem Jahre wird" von den italienischen Juden als eine Dur chb'rechü.rig des Prinzips der religiösen Gleichheit angesehen. Ueber den Entscheid des Unterrichtsministers herrscht in den jüdischen Gemeinden Bestürzung. Es, wird eine Petition der.?Führer des Verbandes der jüdischen Gemeinden gemeinsam mit den Rabbihern an den Regierungschef Mussolini erwogen. Die neuartige Stellungnahme der italienischen Regierung gegenüber dem Verband der jüdischen .Gemeinden Italiens' wird' als ein" Symptom einer neuen Or ientierung in der Judenfrage angesehen, diev°n ausländischen* antisemitisch-faschistischen Kreisen beeinflußt Wird, seit einigen Monaten nimmt eine Reihe großer faschistischer Zeitungen bei Erörterung der Judenfrage eine eindeutig antisemitische Stellung ein. Als vor mehreren Wochen der deutsche Relchspropagandaminister Dr. Goebbels in Rom und Venedig gewellt: hat, nahmen Zeitungen wie „Ii Fascisto" und „Glornale d'Italla" zum erstenmal die Gelegenheit wahr, jim einen scharfen Richtungswechsel in der Beurteilung der Juden vorzunehmen. Diese Zeitungen erhoben gegen die'jüden In Italien die Beschuldigung, daß sie gegenüber dem faschistischen Regime unaufrichtig seien und mit ihren Brüdern in den übrigen Ländern sympathisieren, die angeblich den Bolschewismus unterstützen. BUCHE RSTÜBE RATH & CO. WIEN II, TAB0RSTR. 20a, TEL. R-45-305 MO DERNE L El HB IB110THEK ALLE NEUERSCHEINUNGEN r ' ' Monatsgebühr nur S 3.10, keine BanrigebUhr, täglicher Umtausch oder Ntortaw- . gebühr S 1.60 u. 10 Groschen,Bandgebllhr MODERNES SORTIMENT UND ANTIQUARIAT JUDAICA UND HEBRAICA Die sohönsten Bar-Mi2wah-Oeschenka Vor einigen '"Tagen meldete sich auch der' britische FaschistertfÜhrer Sir Oswäld M o s 1 e y in Italien zu Worte, und gab' der dem römischen Auswärtigen . Amt nahe«» stehenden „Giornale d'Italia" ein Interview, in welchem er die englischen Juden denunziert, sie seien es gewesen* die während des abessinischen Krieges die Öffentliche) Meinung in England gegen Italien beeinflüßt hätten. Ob* ' wohl es ja auch in Italien bekannt ist, daß im Abessinlen- Konflikt die ganze englische öffentliche Meinung aus Gründen, die mit der englischen Weltmachtstellung und teilweise mit der englischen Sorge um den Völkerbunds-» 'gedanken zusammenhängen, gegen das italienische Unter« 'nehmen In Abessinien war, sind die Ausführungen Mosleyg 'doch dazu angetan, die öffentliche Meinung in Italien, dia besonders in der Abessinienfrage scharf und ieidenschatt«. ' lieh reagiert, gegen die Juden zu erregen. Di© Wiederf gäbe dieses Interviews Mosleys in großer Aufmachung In < dem Organ des Auswärtigen Amtes wird in jüdischen Kreisen Italiens ebenfalls als ein Symptom o i n e r neuen Orientierung gegenüber den Juden beurteilt. > Wir werden auf diesen Bericht der J. T. A< in aus« führlicher Weise aurliQhKWWWi .