Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 604 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nf. 604 vom 30. Okiöfcer 1936 DIE NEÜE WELT Seite S Das Gesicht dem Meer zugewandt Der Kampf des fisdtims für die Meereswege und Meeressdhäfse Von Meir Großmann, Tel-Aviv. Auf einer ernsten politischen Beratung in Jerusalem hörte ich kürlich Worte, welche neue Linien in der Mentalität des modernen Juden ans Tageslicht brachten. Ein zionistischer Führer — und gerade ein linker — sprach mit Nachdruck vom „jüdischen Meer", von den „jüdischen Bergen", den Schätzen „unseres Meeres". Mit besonderem Nachdruck betonte er, daß die Völker stets die größten Opfer gebracht haben, um sich die Meerssverbindungen zu •ichern, und so müßten auch die Juden handeln, wenn i!e eine selbständige Existenz anstreben. Starke, stolze, ein wenig überraschende Worte. Ich hörte sie an und dachte: Woher kommt bei einem Juden aus Polen solch ein aufrichtiger Enthusiasmus für das Meer mit seinen großen Möglichkeiten und noch größeren Tücken? Ist es eine vorübergehende, volkstümliche Stimmung oder tatsächlich der Ausdruck reifer, staatlicher Verantwortung, ein Zeichen der Umkehr zum normalen Leben? Wie kommen die Juden — ein Binnenvolk — dazu, von Dingen zu. reden, die ihnen bisher gänzlich fremd waren? Juden und Häfen, Juden und Schiffe und Juden und Meerespolitiker! Merkwürdig. Es war aber ernst. Als man später in derselben Beratung die Probleme der jüdischen wirtschaftlichen Meerespolitik behandelte, wurde mir klar, daß die Angelegenheit schon lange ein Teil der palästinensischen Wirklichkeit ist. Kein Spiel mit Worten, sondern ein wirklicher Existenzkampf. Das brausende Wirtschaftsleben des Jischuws, insbesondere der letzte arabische Versuch, ihn durch den Streik im Jaffaer Hafen auszuhungern, hat die Juden mit diesem Problem konfrontiert. Es haben sich schon große Möglichkeiten und Gefahren enthüllt, die in den blauen Wassern des Mittelländischen Meeres verborgen ■sind.- 1 : : Wieder -einmal' ist aus dem Bösen etwas Gutes gekommen. Die Araber selbst haben dem Jischuw die Warnung erteilt;'"daß, wer die Meeresüfer -beherrscht, das ökonomische Leben des Staates beherrscht. Will ein Volk frei atmen, muß es Lungen in Form von Häfen und Schiffen besitzen. Die letzten Unruhen haben bloß den Prozeß beschleunigt, welcher schön vor Jähren eingesetzt hat. ' iSolcherärt entwickelt sich schrittweise beim Jischuw das Verständnis für staatsmännische Aufgäben. Der Jischuw befreit sich von fremder Kontrolle. Er sichert sich seine ökonomische Selbständigkeit; er findet neue Möglichkeiten der Existenz. Und eh schwindet allmählich die Gefahr eines einseitig eingeengten Lebens im jungen Nationalheim. * ' Wasser war in Palästina immer eine Art Zauberwort. Worüber man auch sprach, kam man stets zum selben Problem: Wo nimmt man Wasser her? Das Land ist steinig, sandig und durstig. Der gewaltige Schatz, der in der Sonne verborgen ist, geht wegen Mangels an Wässer verloren. Seinerzeit gab man den Erwerb großer Bodenflächen auf, weil Experten erklärten, daß auch tief in der Erde alles trocken ist. Aber die Juden gaben den Kampf nicht auf. Man suchte weiter und grub tiefer, bis die goldene Flüssigkeit aus ihrer Gefangenschaft befreit wurde. Ja: goldene! Denn Wasser ist die Goldreserve Palästinas. Jetzt gibt es Brunnen erfrischenden Wassers da und dort, wo sich nur eine jüdische Hand rührt. Und wie durch einen Zauber ändert sich das Panorama. Es wird ringsum grün; es zeigen sich Vögel; es reifen Früchte. Das Spiel von Licht und Schatten verleiht den ehemals vernachlässigten Gegenden einen neuen Reiz. Der Jude beherrscht die Natur. Eine. Menge Jahre sind vorübergegangen, bis man verstand, daß Wasser nicht die Frage des Individuums, sondern der Gesamtheit ist: es ist die Grundbedingung für eine erfolgreiche jüdische Kolonisation. Gramgebeugt, geben wir hiejnit Kenntnis vom Ableben unseres unvergeßlichen Vaters, Herrn ML H. Landau der knapp vor Vollendung des 88. Lebensjahres nach kurzer Krankheit verstorben ist. Oas Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 29. Oktober 1936, statt. Eva Hcrson London Jakob Landau New York Josef Landau New York Marie Börner Berlin Fanni Landau Wien Dr. Ignax Landau Wien Es gibt aber auch in Palästina Wässer, das nicht verborgen, sondern offen vor aller Augen liegt, als wollte es bitten4, fcentitze mich: die süßen Wässer der Teiche und Seen und die glänzenden des Mittelmeeres. Auch dieser Schatz wurde lange von den Juden vernachlässigt. Der Fischhandel beispielsweise lag hauptsächlich in den Händen der Araber, welche die Meeresufer, die Teiche, und insbesondere den Kennereth-See (Tiberias- See). ausgenützt haben. Aus allen Nachbarländern hat man ständig nach Palästina Fische geschickt, und je größer der Jischuw, desto größer wurde der Fischimport. Aegypten und Syrien würden reich am Fischhandel den sie monopolisiert haben. Einzelne Juden — jeder für sein Teil — haben ständig versucht, das Meer und die Teiche auszunützen. Dutzende mutige Pioniere sind in diesem Kampfe mit den Schwierigkeiten, auf die sie nicht gefaßt waren, zugrunde gegangen. Das stürmische Meer läßt sich nicht leicht beherrschen — von Menschen, die nicht fachkundig sind. •:t Man hat bei uns keinen Begriff davon, welche gigantischen Summen die Juden in den letzten siebzehn Jahren für Schiffskarten, Warentransporte, Hafenarbeiten usw. ausgegeben haben. Die 350.000 Juden, welche ins Land gekommen sind, haben die Schiffagesellschaften reich gemacht. Der Export der jüdischen Orangen und der gewaltige Warenimport haben fremde Taschen mit Millionen gefüllt. Der Jaffaer Hafen mit seinen arabischen Räubern hat sich von jüdischem Gelde angefressen. Ein Goldstrom fließt unaufhörlich aus jüdischen Quellen und bereichert fremde, uns oft feindliche Kräfte. IMW0fcL-WINTER f üf Ge| egenheitsk ä u f e Wi en VIII, Stadtbäh n viadükt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 •* Und es fanden sich wiederum hartnäckige Pioniere. Sie haben eingesehen, daß es eine Narretei ist, von Fremden abhängig zu sein, den Arabern die Taschen zu .füllen und sie das-Meeresufer kontrollieren zu lassen—wobei noch dazukommt, daß ein wichtiger Erwerbszweig für Juden erschlossen werden kann. Heute schon, könnten tausende Juden als Matrosen, Hafenarbeiter, Fischer, Agenten,. Transportarbeiter usw. ihr Brot finden. Mit großer Mühe hat man begonnen, den Weg für neue jüdische Erwerbszweige zu ebnen. Und der Versuch ist gelungen. Es gibt bereits ein paar jüdische Schiffe, wie „Tel-Aviv", „Har- Hacarmel", „Atid" usw., welche fast ausschließlich Juden beschäftigen. In Haifa konnte man in Nur Swoboda „AUTOMAT" Hefen, Kamine sind die besten! XVIII, Jörgerstraße 10 (Ecke Theresieng.) Oftmschwemme: IV, lothrlngerstrae« Nr. 2 (bei Schwarienbergplah). Verkaufsstellen: XXI, Brllnnerstraße Nr. 48, und IV, Große Neugasse 8 schreibt ununterbrochen vom Hafen. Als man die ersten paar hundert Kisten von dem Tel-Aviver Hafen hinausschickte, war es ein Feiertag; ein historisches Ereignis. Wie Pilze wachsen empor Schiffsgesell- Schäften, Transportunternehmungen, Jugendorganisationen, See-Scouts, Kapitänsvereine, Schiffsmechaniker und Schiffsoffiziere der palästinensischen Handelsflotte. Es gibt eine Gesellschaft „Sebulon", welche eine Schule zur Ausbildung jüdischer Matrdsen erhält. Ja, es gibt sogar schon Schiffe heimischer .Herkunft. Himmel, Erde und Meer! Jetzt wird eine jüdische Meer-Liga gegründet, welche in der ganzen Welt Abteilungen haben wird. Der ganze Jischuw ist seebesessen. Er träumt Vom langen, ausgestreckten Meeresufer, das sein Meör, seine Festung gegen alle Angriffe, seine Brücke zur großen Welt werden soll. Der Selbsterhaltungstrieb des Jischuws gebietet, alle Anstrengungen in der Richtung zum Meere zu machen. Aus Träumen wird Wirklichkeit: Sebulon sorgt für die Auferstehung der Toten. Er, der Stamm, hofft, daß der Spruch Moses' zum Leben erwachen wird: „Schefa jamim jinku!" „Auf daß uns der Segen des Wassers quelle!" Die Bürgermeislerfrage in TehAviv Aus Tel-Aviv (J. T. A.): Von den. bürgerlichen Gruppen, die gegen den vom Stadtrat mit 8, darunter 6 sozialistischen, gegen 7 Stimmen gewählten Bürgermeister Mosche Chelouche die Kandidatur des Vizebürgermeisters Israel Rokach unterstützten, ist eifte Kampagne zu dem Zweck eingeleitet worden, die Entt Scheidung über die Bürgermeisterfrage durch direkte I Volksabstimmung herbeizuführen. Demgegenüber I veröffentlicht die Gewerkschaft Histadruth einen Aufruf, in dem diese Bestrebungen als unzulässiger Vorstoß gegen eine verfassungsmäßig durchgeführte Wahr verurteilt werden. High Commissioner Sir Arthur Wauchope will den Versuch unternehmen, den durch die Bürgermeisterwahi in Tel-Aviv entstandenen Konflikt beizulegen. Zu diesem Zweck* hat der High Commissioner die beiden Vizebürgermeister von Tel-Aviv, den Vertreter der Bürgerlichen Israel Rokach und den Vertreter der Arbeiterpartei Dov Hos, ins Regierungshaus nach Jerusalem eingeladen. Im Anschluß daran soll ein Besuch der von der Habimah veranstalteten Dizengoff-Gedächtnls-Vorstel* lung stattfinden. CAFE WlEGHiUiB H i n i e r dem D e u t s c he n Volkstheater , . c , c , irw /sri^rrs Konzert / Tanz / Stimmungsmusik FetrtaaSa-a9l<a pelle I S Y GEIGER Beginn 8 Uhr ab*. BUrger.uhe P,ei« den letzten Jahren jüdische Hafenarbeiter und Fischer sehen. Ein Teil des Transports vom und zum Hafen liegt bereits in jüdischen Händen. All das lag bis zum Ausbruch der arabischen Unruhen im Anfangsstadium. Der Jaffaer Hafenstreik ist fast gelungen, weü Jaffa „judehreih" war. Aber in Haifa ist der Streik mißlungen, weil dort schon genug Juden waren, ,um mit Hilfe jüdischer Volontäre den Häf en ohne' Araber am Leben zu erhalten. * Die Jaffaer Ereignisse haben dem Jischuw als Stimulans für weitere Taten gedient, welche der wirtschaftlichen Unabhängigkeit. zu Hilfe kommen. Soll solch eine große Stadt wie Tel-Aviv ständig in der Gefahr leben, daß die Araber den Hafen sperren? Nein, das darf nicht sein, sagt sich der Jischuw, wir müssen1 unseren eigenen Hafen haben. Fünf Monate hindurch hat die Tel-Aviver Mole Tel-Aviv und derganzen Gegend treu gedient, einen Strich durch die arabische Rechnung gemacht; mehr noch: sie ist eine ernste Konkurrenz für Jaffa, das Räubernest/ geworden. * Die Parole des Jischuws lautet heute: Das Gesicht dem Meere zugewandt! Jahrelang haben einzelne Phantasten von den sieben Meeren geträumt, auf welchen unter jüdischer Plagge Schiffe mit jüdischen Kapitänen und jüdischen Matrosen fahren werden, Palästina mit der großen Welt verbindend. Man hat sich über diese „jüdischen Admirale" lustig gemacht. Jetzt werden die Träume Wirklichkeit. Das Meer ist der Liebling und die Sorge des ganzen Jischuws geworden. Man spricht und Judische Konzentrierung in Haifa Aus Haifa: Unter den Juden Haifas macht sich das Bestreben geltend, sich aus Gründen der Sicherheit und auch aus wirtschaftlichen Erwägungen territorial-von den Arabern abzugrenzen. Infolge der Wohnungsnot haben sehr viele jüdische Einwanderer «bei Arabern Wohnungen gemietet, die arabischen Hausbesitzer nehmen jährlich viele hunderttausend Pfund an Mietzins von Juden ein. In Zeiten der Unruhe fühlen sich aber die jüdischen Mieter in ihrer Umgebung gar nicht sicher. Es hat sich nun eine Kommission gebildet, die sich die Aufgabe gestellt hat, für die mehr als 1300 jüdischen Familien, die in arabischen Häusern wohnen, Wohnungen in den rein jüdischen Vierteln zu beschaffen. Man erwartet von dieser Aktion einen Aufschwung der jüdischen Bautätigkeit. Trauung. Sonntag, den 1. November d. J.. 3 Ulli' Mach' mittags, findet im Stadttempel die Trauung des Fräulein Trude Popper, Tochter des Oberverwalters des Altersheimes der Israel. Kultusgomeinde Herrn Josef Popper, mit Herrn Franz Neumann statt. Ein Geflügel- und Fleisch- SGSChdff krankheitshalber zu verkaufen oder zu verpachten. Eventuell mit Wohnung. Auskunft bei Goldhirsch, XX, Klosterneuburgerstraße 66 " %