Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 604 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT das Mefa&edatid Co* äse Jßaskec-SttuUe* Die bekannte Dichterin Else Lasker¬ Schüler (Trägerin des Kleistpreises Berlin 1932) besuchte vor zwei Jahren Erez Israel und schrieb nach ihrer Rückkehr in die Schweiz ein Buch, betitelt: „D a s H e b r ä e rland" (200 Seiten mit 14 eigenen Illustrationen), das demnächst im Verlag Oprecht und Helbling in Zürich erscheinen wird. Wir bringen nachstehend einen kleinen Abschnitt zum Vorabdruck. „Ihr aber sollt mir sein ein Reich von Priestern, Ein heiliges Volk." Aus der Höhe Jerusalems stürzt der Geier und ordnet sein Gefieder, bevor er sich in einer Grube niederläßt. Feder auf Feder glättet er sorgfältig, als gehe es zum Festflug. Nie sah ich einen Menschen, der, im Begriff, sich auszuruhen, mit glorreicherer Geste sein Gewand betrachtete, wie der edle Raubvogel. Ich erinnere mich gern der mächtigen Tiere, die uns so oft durch die Wüste, kühn und voll Unternehmungslust, auf der Fährt im Omnibus eine Strecke Weges nach Tel-Aviv begleiteten. Unwillkürlich legt die besorgte Mutter fester um ihr Schoßkindlein ihren Arm. Heute fahre ich wieder unten ans Meer. Neben mir' sitzt ein Beduine in gestreiftem Atlaskleid, den Kopf in ein gelbes Tuch gehüllt. Wir sprechen englisch zusammen, auch ein paar Worte arabisch, die ich wohl auf der Straße aufgefangen, aber deren Sinn ich nicht verstehe. Darum lacht der bunte Mitreisende verstohlen — und ich weiß schon warum. Im Grunde versteht man sich im Heiligen Lande — ohne was zu sagen; " Die Sonne bringt hier alles an den Tag. Sie scheint so hell durch die Sinne und Herzen der Geschöpfe, vergißt nicht am geringsten Menschen ihr Rosengold, am winzigsten Tierlein und dem kleinsten Feigenbaum auf vergessenen Schutthaufen gewissenhaft zu Verteüen. Und man .wundert sich jedesmal wieder, wenn ihr Dorn einen Einwohner Palästinas in den Nacken sticht. Um" 5.Uhr morgens pflegt die Sonne am heißesten zu scheinen und weckt den Langschläfer mit einem goldenen Kuß. Der Araber legt •sich' schon um die Nachmittagsstunde zur.Ruhe, der orientalische Jude — kaum ist es Abend. Mich brachte der iMohd'als unwiderruflich „Letzte" heim- Will man von" Palästina erzählen, ist es geschmäcklos, sich einen Plan zu konstruieren. G a n z;Palästina ist eine Offenbarung! Palästina getreu'zu schildern, ist man nur imstande, indem man das Hebräerland dem Zweiten — offenbart. Man muß gern vom Bibelland erzählen; wir kennen es ja alle schon von der kleinen Schulbibel her. Nicht wissenschaftlich, nicht ökonomisch; Palästina ist das Land :des Gottesbuches; Jerusalem - — Gottes verschleierte Braut. Ich kam von der iWüste aus, reiste zur Heüigen Hochzeit, eingeladen zur Feier, die immer Jerusalem umgibt. Immer ist Hochzeit unter dem Baldachin seines Himmels. Gott hat Jerusalem lieb. Er hat es in sein Herz geschlossen. Er hat diese ewige Stadt der Städte erwählt. Jeder Gast, der in diese Stadt kommt, wechselt sein Kleid mit der Weihe des Gewandes. Diese fromme Wandlung verpflichtet den Menschen,-sich feierlich und. artig zu benehmen, die andächtige Stimmung der auserlesenen, erhabenen Stadt nicht zu erschrecken. Ich muß sagen, ich habe nie ein überlautes Wort, nie einen schrillen Ton in Jerusalem vernommen, weder in seinen Straßen, noch in seinen Häusern und Palästen. Man hört darum deutlicher Gott atmen. Ueberwältigt von seiner Nähe, beginnt der Mensch zu beben. Man muß sich an Gott gewöhnen. Und tut gut, sich zu reinigen, immer - besser zu werden. Die Seele wird von tiefer Furcht ergriffen, beginnt zu brennen. Manchmal hätte ich mich gern vor Gott versteckt. Nicht alle Menschen, die in das Land Palästina reisen, . leben dort im Bewußtsein ihrer Aufgabe. Palästina verpflichtet! Sich erholen, namentlich im seelischen Sinne, ist Jerusalem, Palästinas Hauptstadt,' der rechte Ort, das heilende Bad der Seele. Denn die Stadt segnet den Menschen, der sich nach dem Segen sehnt, die fromme Stadt tröstet den, der getröstet werden möchte. Jerusalem ist , die Sternwarte des Jenseits, der Vorhimmel des Bramels. In dieser himmlischen Schöpfung wurde der erste Tempel gebaut. Nach greisen Zeiten war es Herzi, der tote Melech, der lebendige, unsterbliche Wegweiser, Theodor Herzl, der auf seines Herzens Papyros den Wiederaufbauplan des Hebräer-Landes entfaltete. Er begann die ehrwürdige, ehrfürchtige Mumie auszugraben. Amen... Ich verweüe andächtig. : Palästina ist gedanklich das fernste Land der Welt. Ich wollte ja nur feststellen, ob man überhaupt wieder auf die Erde zurückkomme — und reiste ab. Mir ist — ich bin auf einem anderen Stern gewesen. Mich bringt niemand von diesem Glauben ab! Am allerwenigsten der Geograph. Ich reiste nach Europa zurück auf dem mächtigen Schiff „Jerusalem". Wenn nicht am Morgen und am Abend die fröhlichen hebräischen Kolonisten, die kindlichen Judenbauern, auf Deck ihre rührenden VoT slieder gesungen hätten, hätte ich mich, trotz der v/elen,. netten Passagiere, als einsamste Passagierin gefühlt. Welcher Jude wäre auch fähig gewesen, den Grund meiner Rückfahrt zu verstehen und zu billigen. Ach, ich hätte mir so gern in der italienischen Hafenstadt Trieste unseren Lloyd „Gerusalemme" zum Andenken als Enveloppe an mein Armband gehängt! Er führte uns an Griechenland vorbei, an Ithaka. Er zeigte mir den Zeus, auf dem Olymp thronend, und aus blauem Wasser hörte ich die Sirenen singen. Es tanzten auf unserem Schiffe die kernigen jüdischen Landleute, die Chaluzim, mit ihren bildhübschen Bäuerinnen unter freiem Himmel. Die Söhne und Töchter etlicher wohlhabender Judenfamilien Europas pilgerten schon vor vielen, vielen Jahren nach Palästina, ins Gebenedeite Land. Verließen Elternhaus und seine Obhut, sich der Erde des Heiligen Landes zu weihen, die Sümpfe Tiberias auszutrocknen, ja, ihr Leben zu opfern, mit Freuden hinzugeben für den Dienst des Herrn. Denn Palästina ist seine Wohnung. Mit großer Bewunderung und Verehrung begegnete ich diesen Reisegenossen, den mutigen Pionieren des Bibellandes, seinen Helden. Es verstummte mein Mund vor Hochachtung, da ich in einer der nächstliegenden Kolonien noch vor kurzem den fleißigen, schlichten Menschen begegnete. Rügte auch die kleine Reisegesellschaft, der ich mich am Morgen zum Aufbruch ins Emek angeschlossen, meine „Oberflächlichkeit in wirtschaftlichen Dingen", besonders meine Unerfahrenheit im Dunst, allerdings im gesunden, der großzügigen Kuhställe der Kolonie, wetteiferten in Ratschlägen, die sie dem sachverständigen, gewissenhaften Verwalter zu erteüen sich erlaubten. Die kleinen ein- und zweijährigen Judenkosaken auf ungesattelten Pferden hatten es mir angetan! Sie galoppierten zwischen den Hecken der roten Erde. Am Sabbat wird es den Kindern erlaubt, sich herumzutummeln mit ihren wiehernden Lieblingen. Es ruht vom Hauche des Feiertages noch lässigdie Arbeit. Zu zweien, zu dreien sitzen die glücklichsten jüngsten Adonis, und die zauberhaft niedlichen, lieblichen ,;Geweretts" auf den Rücken der lieben, geduldigen Tiere, die ihre kleinen Reiter und Reiterinnen lieben und — mitmachen! Ueber die hebräische Pußta; jauchzend und schnaubend, sausen sie über Stock und Stein. Ich gestehe, schon' auf dem Schiff wieder nach Europa, empfand ich eine brennende Sehnsucht sondergleichen zurück nach unserem lieben Heüigen Lande, nach Jerusalem namentlich, wie nach einem von mir verlassenen urverwandten versteinten Geschöpf. Ein S'k ar ab aus ist Palästina! Ein jeder Jude ist mitseinem-.Erzstoff geimpft! Kantorale Aufnahmen, palästinensische Aufnahmen, Jiddische Auf« nahmen, Unterhaltung, Konzert, Kabarett, Tanz PALÄSTINENSISCHE „L U K R A 3* H O (("-AUFNAHMEN Originalaufnahmen der palästinensischen Volkssängerin CHANNA KIPNIS, mit volkstümlicher Orcheaterbegleitung unter Leitung von S. Pelruschka Platte Nr. 1130 a) Shir Ha-Emek . . .......Text: N. Attermann Volkslied. . . . ..... . . Musik: D. Samburski b) Hora Kuma Acha. ... . . . Text: Z. Scheinbern Volkstanz.......... Musik : S. Postolski Platte Nr. 1131 a) Olej Regel. ..... . Text: Z. Scheinberg Pal. Lied. . . ........Musik: M,.Seiira b) Hota Al-tirah .'. . . ... . . Text: E. Harns! \ Volkstanz. ........ .... Musik: M. Seiita EVi'CB Cl^tEfe Radiou.Grammophonhaus EJb*iGka$I^/K Wien l, rranz-Josers-Kal « Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Oesterreich: Fräulein Lilli — Silhouetten. England: Wie es euch gefällt. Frankreich: Helene, — Taraß Bulba. Amerika: Mr. Deeds — Schwester Florence — Peter Ibbetson — Der König der Frauen — Der kleine Rebell — Der chinesische Spürhund — Küß nicht im Kino! — Der kleine Lord — Der Mann, der Wunder wirkte —- Kampf um die Bärbee-Farm — Der letzte Gangster — Die Matrosen kommen! — China-Gold — Keine Gnade — Die Wunderbar — Wir drei — Dein Leben gehört mir — Meuterei auf der Bounty — Ein schwerer Junge — Erbfeind der Menschheit — Die Wüstenlegion. Filme unter Arierparagraph Raub der Sabinerinnen — Die letzte Fahrt der „Santa Margareta" — Mädcbenmarkt — Die Fahrt ins Blaue — Boccaccio — Der Holzschnitzer vom Erzgebirge — Befehl ist Befehl — Mister X. — Der Dämon vom Hinaalaya — Puppenfee — Die Drei um Christine — Arzt aus Leidenschaft — Der Hundefänger — Weiberregiment — Opernring — Der Schlaumeier — Mädchenpensionat —- Confettl — Engel mit kleinen Fehlern — Wer Ist wer? — Prater —- Der Wildfang — Waldwinter — Kaiser von Kalifornien — Männer vor der Ehe — Allotria — Friesennot — Verräter — Stenka Basin — Nur du, Maria (Glgli-Film) — Schlußakkord — Schatten der Vergangenheit — Seine Tochter ist der Peter — Manja Walewska — Seine offizielle Frau — Mädchen in Weiß — Standschütze Bruggler — Schloß in Flandern Billiger Soaderautobu» auf den Pemmering. Die Hakoah führt am Sonntag, den 1. November, einen besonders verbilligten Sonderautobus auf ihr Schutzhaus am Semmering. Fahrpreis S 6.50. 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In Luxemburg sprach Herr Fränkel auf Einladung der Federation Sioniste döi Luxembourg über „Theodor Herzl und sein Werk", inj Anvers im Kreise der Judenstaatszionisten über ,,Dlg gegenwärtige Lage im Zionismus". Diese Propagandarelsej trug viel dazu bei, die Gruppen der Judenstäatspartei in Belgien und Luxemburg zu festigen. Der Verband gratuliert Herrn Marceil Alpeeh anläßlich seiner Promotion zum Doktor der Pihllowpma aufs wärmste. * Sektion Prater, II., Erlafstraße 5, veranstalte*' Freitag, den 30. d., 8 Uhr abends, im Heim einen feie^« liehen Oneg Schabbat. Gäste willkommen. — Samstag, den 31. d., findet im Sektionsheim ein „Bunteil Abend mit Tanz" statt. Mitwirkung erstklassiger! Kunstkräfte, Regiebeitrag. Beginn Uhr abends. Sektion XIII.—XV., Schanzstraße 82. Sonntag, den, 1. November, Eröffnung des vollständig renovierten Heimes. Gesellschaftsabend mit Musik und Tanz unter! Leitung von Karl Schönberg. Gesang: Herr Adolf Schloßbeutel. Beginn 7 Uhr abends. Gäste willkommen* * Voranzeige! Samstag, den 14. November im Fest;» saale des Hotel Continental Gesellschafts ab e n & mit Akademie und Tanz. Es wirken mit: Fritz} Grünbaum, Eugen Hoffmann, Lilly Majus, Otto Grosse« Conference: Ossi Lewin. Regiebeitrag S 1.50. Erstklassige; Jazz. Achtung! Achtung! Der Haoved Haleumi (Handwerkerorganisation; de4 Verbandes der Judenstaatszionisten), teilt mit: Im Einvernehmen mit staatlichen, Stellerl und unter Leitung ausgezeichneter Fachleute beginnt am 1. Dezember 1936 ein Umschulungskurs fttii Möbeltischlerei. Kursdauer sieben Monate. Montag bis Donnerstag; von halb 2 bis halb 6 Uhr. Sämtliche Lehrmittel, Werkzeuge usw. werden bei* gestellt. , Teilnahmsberechtigt: Nur österreichische Staats.^ bürger oder Personen, die das Arbeitsrecht i& Oesterreich haben. ' - Kursbeitrag S 3.— pro Woche. Die Teilnehmer* anzahl ist beschränkt. Anmeldeschluß 15, November 1936< Auskünfte täglich zwischen halb 7 und halb 8 Uhr abendar im Stadtkibbuz, II., Rotensterngasse 12 (Markowitsch)Ji jjfc^^ Am 28. Oktober 1936 starb hier nach kurzer Krank'» heit, knapp vor Vollendung des 88. Lebensjahres, Moses Hersch Landau, der Vater des Generaldirektors der Jüdischen Telegraphen-Agentur, Jakob Landau (New York). Der Verstorbene gehörte zu den bekanntesten jüdischen Persönlichkeiten Wiens. Er entstammte einer bekannten altehrwürdigen Rabbinerfamilie und kam jungverwaist an den „Hof des ihm verwandten, in der russisch'» chassidischen Welt unter dem Namen Reb Aaron Karliner berühmten Rabbi, der seine Erziehung persönlich leitete. In Wien, wo der Verstorbene seit mehreren Dezennien wohnte, erfreute er sich dank seiner geradezu sprichwörtlichen geistigen Regsamkeit und seiner; hervorragenden philanthropischen und sozialen Tätigkeit großer Sympathien. Zu Ehren seines 80. Geburtstages hat ein, Kreis von Freunden und Verehrern eine jüdische Stiftung im jüdischen Waisenhause in Baden bei Wien ins Leben gerufen, die den Namen des Verstorbenen trägt. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 29. Oktober, auf dem Wiener Zentralfriedhof statt.