Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 604 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712229--6111-2719819- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 604 vom 30. Oktober 1936 i Dar Fühler will es ♦ ♦ ♦ Es wird tarntet äfger # BÜCHERSTUBE RATH & ( 0* WIEN II, TAftÖMTft. 20a, TU. R-<MW MODERNE LEIMBIBLIOTHEK ALU NEUERSCHEINUNGEN MonsH|«Mhr nur $3.10, k«im BintfM bOhr,tigllehtr Umtausch odar MtnaV gebühr s 1.10 ». 10 Broschen BandffiMh* MODERNES SORTIMENT UND ANTIQUARIAT . JUDAICA UND HIBRAICA Ohl scMnifttl Bir<Mlzwih>äuehaAk« und wesensgleich ansehen. Mögt ihr euch noch so geschickt verkleiden und tarnen, mögt ihr euch noch so •je- und wehmütig anbiedern — ihr bleibt für sie Juden. Das ist die Wahrheit! Anerkennt diese Wahrheit und ziehet die Konsequenzen daraus! Bekennt euch stolz zum Judentum, zum jüdischen Volk! Kommt zu uns! Kommt dorthin, wohin ihr gehört! Kommt in unser Lager! Wählet die Zionistische Liste Listenführer: Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde. — Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde. — Rat der'Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich, Vizepräsident der Israelitischen Kultusemeinde. Antisemitismus' und Präfidenfsdiaftswahflen in Amerika Aus Chikago:* Die Abwehrliga des Ordens Bnex Brith hat eine Erklärung veröffentlicht, in der betont wird, daß Antisemitismus keine Streitfrage bei den Präsidentschaftswahlen in Amerika bilden kann, da die anerkannten politischen Parteien von jedem religiösen oder rassischen Vorurteil frei seien. Sollte die Frage des Antisemitismus in den politischen Kampf hineingetragen werden, so würde dies das besondere Interesse der jüdischen Bürger auf sich ziehen, die in Amerika keine organisierte politische Gruppe darstellen. Die amerikanischen Juden sind, ihren individuellen Ueberzeugungen entsprechend, verschiedenen politischen Parteien angeschlossen. Das Wahlrecht werde von ihnen ohne Erwägungen, die aus einem besonderen Klassen- oder Gruppeninteresse kommen, ausgeübt. Diese Tatsache müsse gegenüber den gegenteiligen Behauptungen übereifriger politischer Agenten festgestellt werden. Das Auf werfen einer solchen Streitfrage ist besonders ungerechtfertigt, in dem gegenwärtigen Wahlkampf mit Rücksicht auf das unbezweifelbare Bekenntnis zur Toleranz, das die Präsidentschaftskandidaten der anerkannten polltischen Parteien in Uebereinstimmung mit den edelsten Ueberlieferungen der Nation abgelegt haben. Mitgliederzahl der Hadassa Aus New York: Die Mitgliederzahl des zionistischen Frauenverbandes „Hadassa" ist im letzten Jahr um fast 15 Prozent, von 45.500 auf 52.000, gestiegen. Es ist dies die größte Mitgliederzunahme, die die Hadassa seit ihrem Bestand im Laufe eines Jahres zu verzeichnen hatte. * Die ständige Mandatskommission Aus Genf: Am Dienstag, den 27. Oktober, begann in Genf die 13. Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes. Obwohl auch Fragen der Verwaltung des Palästina-Mandats auf der Tagesordnung stehen, findet eine eingehendere Aussprache über palästinensische Angelegenheiten nicht statt. Der Vertreter der englischen Mandatarmacht begnügte sich damit, das Datum bekanntzugeben, an welchem die Kgl. Kommission ihre Arbeiten in Palästina aufnehmen will. Er enthielt sich der Abgabe weiterer Erklärungen. Die Mandatskommission hat jedoch einige Petitionen zu prüfen, die von Einwohnern Palästinas und verschiedenen Organisationen an das Völkerbundeekretariat gesandt worden sind. Keine Einwanderungssperre in Brasilien. Aus Sao Paulo: Der J. T. A.-Vertreter in Sao Paulo ist zu der Feststellung ermächtigt worden, daß die im Ausland verbreiteten Gerüchte über eine Sperre der Einwanderung nach Brasilien und über die Ausweisung von Personen, die in letzter Zeit nach Brasilien eingewandert sind, den Tatsachen nicht entsprechen, * Von der brasilianischen Gesandtschaft in London wird der J. T. A. auf eine Anfrage mitgeteilt, daß keine Aenderung der für Brasilien geltenden Einwanderungs» Bestimmungen vorgenommen wurde und Visa auch weiterhin nach dem bisherige» Vorgang erteilt werden, , Aus Berlin: Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) hat am Samstag, den 24. Oktöber, eine Verfügung erlassen, der gemäß in ganz Deutschland jüdische Versammlungen, Vorlesungen und sonstige öffentliche Zusammenkünfte „bis auf weiteres" verboten sind. Versammlungen, die für die laufende Woche angesagt sind, mußten abgesagt werden. Dies bedeutet, daß die deutsche Judenheit „bis auf weiteres", das heißt, für unbegrenzte Zeit, mundtotgemacht wird. Unter das Verbot fallen auch alle zionistischen Versammlungen und Zusammenkünfte. Am gleichen Tage erließ die Gestapo eine Verfügung, wonach es einzelnen Juden und jüdischen Organisationen verboten sei, einen direkten Kontakt mit Gestapo-Aemtern oder einzelnen Beamten zu unterhalten; weder ein Jude privat, noch ein Vertreter einer jüdischen Organisation dürfen in einem Gestapo- Amt erscheinen', um im Interesse eines verhafteten Juden vorzusprechen oder Informationen über sein Schicksal einzuholen. Auch jüdischen Anwälten ist eine persönliche Vorsprache untersagt; falls sie etwas über das Schicksal verhafteter, Klienten erfahren wollen, wird ihnen anheimgestellt, an die Gestapo zu schreiben; diese werde je nach Gutdünken antworten oder auch nicht. Dies bedeutet, daß im Falle der Verhaftung eines Juden dessen Angehörige auf lange Zeit hinaus der Hoffnung beraubt sind, etwasüberseinenAufenthalt und sein Schicksal zu erfahren. indifferent zeigte, später, nur widerstrebend den antisemitischen Kurs mitmachte, ganz im Lager der extremen Antisemiten steht und antis e m i t i s c h e P a r o 1 e n a u s g.i b t. Sein Verhalten, wie der neue Kurs überhaupt, werden auf den Wunsch des „Führers" selbst zurückgeführt. Weil sie beim luden kaufen sollte * » ♦ Aus Berlin (J. T. A.): in der Tagespresse wird ein Urteil des Arbeitsgerichtes in Geilenkirchen wiedergegeben, das für eine Hausgehilfin einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung grundsätzlich darin sieht, daß ihr zugemutet wird, Sic solle'!n einem jüdischen Geschäft kaufen. Der Arbeitgeber schickte das Mädchen in ein jüdisches Geschäft. Dieses weigerte sich, dies zu tun, und löste das Arbeitsverhältnis ohne Einhalten der Kündigungsfrist. Mit der Klage vor dem Arbeitsgericht verlangte es Zahlung des vollen Arbeitsentgeltes bi3 zum Ablauf der ordnungsmäßigen Kündigungsfrist. Das Arbeitsgericht führte in seiner Urteilsbegründung aus, die Hausgehilfin sei zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses berechtigt gewesen. Denn wer in einem jüdischen Geschäft kaufe, setze sich der Gefahr aus, sich in den Augen rassebewußter Deutscher verächtlich zu machen und gebranndmarkt zu werden. Die aus dem Dienstverhältnis sich ergebende. Gehorsamspflicht für die Hausgehilfin habe ihre Grenze an ihrem persönlichen Ehrgefühl, das die Hausfrau und der Haushaltuugsvorständ zu achten haben. o PTIKER RUDOLF HAAS & Co. WIEN Il9 PRATERSTRASSE 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK Darüber hinaus hat diese Verfügung die Befürchtung aufkommen lassen, daß eine neue Welle der Verhaftungen von Juden in Deutschland bevorsteht. Viele andere Zeichen deuten darauf hin, daß der schon seit dem letzten Nürnberger Parteitag bestandene verschärfte antijüdische Kurs hoch weiter, verschärft, wircL .Unter^den Juden, in Deutschland istf* die* iStimmurig^ :eihe -überaus...ge* drückte. -r Während im ganzen Reich jüdische Versammlungen verboten wurden, würden allein in der Stadt Leipzig für die laufende Woche 6 0 große Versamm 1 ü ngen mit anti jüd ischem Prograram angesetzt. Aehnliche große Versammlungen finden jetzt überall im Reich statt. Prag, 26. Oktober. Hiobsbotschaften treffen aus verschiedenen Teilen der deutschen Provinz ein. In Glowitz, Pommern, wird von den NSDAP,- Aemtern streng darauf geachtet, daß an Juden Milch, Fleisch, Butter, Eier und alle sonstigen Lebensmittel nicht verkauft werden. In Schönianke, Westpreußen, werden die noch verbliebenen jüdischen Einwohner scharf verfolgt mit der offenbaren Absicht, auch sie zum Fortziehen zu veranlassen. In den letzten Tagen wurden sieben jüdische Einwohner in den Straßen überfallen und schwer verprügelt. Ein scharfer Terror .herrscht besonders im Kreise Güdingen, in der Gegend von Worms, wo "man es darauf abgesehen hat, daß sämtliche jüdischen Geschäfte in arischen Besitz übergehen. Alle Peruleifflltisun$en für F i r in cn und Vereine 9 Vervielfältigungsapparate, neu und gebraucht (GelegenheitsKäufe stets lagernd), sämtliche Zubehöre. Wftrofsky, Wien II, _ttembrandtstrane 36, Telephon A-43-7-63_ Immer furchtbarer gestaltet sich das Schicksal der jüdischen Gefangenen in den Konzentrationslagern. In Dachau gibt es Juden, die seit 1933 in den Kohlenbunkern untergebracht sind. Diejenigen, die bis jetzt am Leben blieben, sind zu Skeletten abgemagert. Im Lager Sachsenburg befinden sich zahlreiche Juden, die wegen „Rassenschande" festgenommen wurden, bevor noch die Nürnberger Gesetze in Geltung waren. Da man ihnen den Prozeß nicht machen kann, werden sie eben im Lager behalten und furchtbar behandelt. Interventionen beim sächsischen Statthalter Mutschmann haben nie Erfolg; seine stereotype Antwort lautet; „Kommt bei mir nicht in Frage!" Bezeichnend für den neuen Kurs ist es, daß der Steilvertreter des Reichskanzlers, Rudolf Heß, der sich in früheren. Jahren in der Judenfrage zunächst Da§ Hakenkreuz im Orient Antijüdischer Terror im Irak Aus Bagdad: Der jüdische Regierungsbeamte Reuben Zion Barmag ist in einem Dorfe, in dem er dienstlich zu tun hatte, ermordet worden. Dem Toten wurde der Kopf abgeschnitten. Ein zweiter Jude, der an einer Klinik beschäftigt war, wurde von einem mohammedanischen Anstaltsdipner getötet. Der Name des Opfers konnte noch nicht . festgestellt werden... „„r* Ungeachtet des von dem Komitee zur Unterstützung der palästinensischen Araber veröffentlichten! Aufrufs, in dem die Bevölkerung des Irak aufgefordert wird, mit den J u de n In Frieden zu Le ben,.:udmmi die antijüdische Agitation und damit die allgemeine Spannung in den Städten des Irak weiter zu. Aus London: Bin Sonderkorrespondent, des „Daily Herald" teilt seinem Blatte mit: Die 120.000 im Irak lebenden Juden leben in Panik angesichts der ununterbrochen vor sich gehenden antisemitischen Agitation im ganzen Lande, die von Emissären des Jerusalemer Obersten Arabischen Ausschusses geleitet wird. Die Volksstimmung ist dermaßen erregt, daß' es jetzt fast' jeden Tag zu Blutvergießen kommt; alleininBagdadwurden im letzten Monat neun Juden kaltblütig abgeschlachtet. In jüdische Klubs und Synagogen in Bagdad und Basra wurden Bomben geworfen. Eine. Bagdader moslemitische Gesellschaft fordert in Flugblättern offen zu ] Judenmassakers auf. Eines dieser Flugblätter enthielt den Satz: „Das Paradies erwartet jeden Moslem, der sein Schwert in das Herz eines Juden gräbt." Auch werden die Moslems aufgefordert, sich des jüdischen Besitzes zu bemächtigen. „Daily Herald" meldet weiter, daß deutsche Ag e n t e n hinter der Pogromagitation stehen.- Aus Ungarn Aus D e b r e c e n: Die antisemitische Hörerschaft der Wirtschaftsakademie' in Debrecen förderte in einem Memorandums die strengste Durchführung des Numerus clausus gegen Juden. Zugleich verständigten sie die elf jüdischen Akademiehörer, daß sie die Vo'rlesunge: bis auf weiteres meiden sollen. Die Juden wandten sich an den Akademiedirektor um Schutz, der ihnen' jedoch ebenfalls riet, vorläufig den Vorlesungen fernzubleiben. Die Antisemiten behaupten, daß die Zahl der Juden im ersten Semester eine Ueberschreitung des Numerus clausus bedeute, was jedoch auf einer willkürlichen Annahme beruht. Der Akademiedirektor reiste. nach Budapest, um im Kultusministerium die Sache zu kiären. Polnischer Generalkonsul fUr Palästina gestorben. Aus Tel-Aviv: Der in Tel-Aviv amtierende polnische Generalkonsul für Palästina, Stanislaw Lukaszewicz, ist am Montag, den 26. Oktober, jün Alter von 44 Jahren gestorben. Er war in der letzten Zeit schwer krank, erholte sich aber .wieder. Der Tod trat nun plötzlich ein. Generalkonsul Lukaszewicz, der seit 1922 im polnischen Konsulardienst tätig war, hat sich um die Hebung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Polen und Palästina sehr verdient, gemacht. Sonntag,1.November,8 Uhr abends Festsaal „HOTEL CONTINENTAL'* Balfour-Feier Einleitende Worte: Oöcrbaurat Ing. R. Stricker Festredner: Staatsrat Dr. Desider Friedmann Präsident der Kultusgemeinde eher: HakRaiK-Hazalr