Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 604 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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186 mtl. Universität: Preis 20 Groschen Freitag, den 30* Oktober l#* Nr* 6*4 V« b* b* Zeitung vom Verleger versendet .»Journal exp6dI6 par rediteur*« R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich S -1.40, vierteljährig a 4.—, ganzjährig S 16.—; l'olen monaülch Zloty 1.80, vierteljährig Zloty 4.60: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viert*!- jährig Dinar 40.—j Bumänle« monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljähng Marie 3.—: Bnlgariea monatlich Lewa 30.—. vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—Q Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit BJ bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8,7ei. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag n. Freitag ORBIS :Bf POLEN Abfahrt: Jeden zweiten Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „OR BIS" I. Kärntnerstrane 41, R-21-5-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. Friedrichstrane 7. B.ay.soo, i. graben 30. Vw.q.js Zum Balfour-Tag Neunzehn Jahre1 sind vergangen, seitdem Lord James Balfour, der große britische Staatsmann, jenen historischen Brief an Baron Rdthschild geschrieben hat, worin der Entschluß des britischen Imperiums ausgedrückt wird, dem jüdischen Volk bei der Errichtung seiner Heimstätte in.Palästina behilflich zu sein. . Diese Erklärung, genannt .'„Balfour-Deklar a t i o n", ist ein. Dokument; auch von praktischer Be? deutung geworden.. Es ist die , Voraussetzung des Palästina-Mandats und seiner, völkerrechtlichen Bindungen; es'ist der Grundstein zum jüdischen Aufbauwerk, das wie ein Wunder von der ganzen Kulturwelt angestaunt und gewürdigt-wird. - Zahlreich und schwer sind-die Widerstände, die . sich der Idee. Herzls, dem großzionistischen. Gedanken, entgegenstellen. Die jüdischen Pioniere ül Palästinamüssen täglich aufs neue ihren-Heroismus-bey/eisen. Aber nichts entmutigt sier nichts bricht ihre Energie* Trotz allem geht : es vorwärts. - .)■:]■■ - ■ . r •;.»-•-' Das jüdische - Volk hat erkannt, , daß es ohne ein . jüdisches Palästina keine. Rettungaus .physischer, materieller und -seelischer Not gibt. Die Zionistische Organisation- -ist die von allen Völkern anerkannte Vertretung der Juden.-Dessen muß man, wenn der Name Balfour ertönt, ehrerbietig, g-edenken. Im nachstehenden veröffentlichen wireinige Bemerkungen bedeutender jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten zum Balfour-Tag, zum 2. November: Zivi Peres Chajes Die Vorgeschichte der Balfour-Deklaration beginnt mit dem Tage, da wir unser zweites Staatswesen verloren ihaben. Das Mandat spricht aber nicht von unserem historischen Recht auf Palästina, sondern — auch ich halte diesen Ausdruck für richtiger, bezeichnender — von der historischen Verbundenheit des Judentums mit diesem ' Lande, welche tatsächlich während der ganzen langen Zeit seit dem Untergange unseres Staates nicht unterbrochen worden ist. In moderner Form wurde die zionistische Forderung allerdings erst vor dreißig Jahren dem Forum der gesamten gesitteten .Welt .unterbreitet, von Theodor. Herz], der in seiner Genialität die Bedeutung, Englands, für das zionistische Werk sofort erkannt hat. Der, Tag, an welchem Lord Balfour dieses Dokument unterschrieb, der 2. November 1917, hat ihn unsterblich gemacht. Der große alte Mann, weiß, daß alles, <was er. in seinem ai'beitsreichen, früchtbaren Leben geleistet und geschaffen hat, gegenüber, dieser Tat in den Hintergrund tritt. Er lebt unser Werk mit, er war be- ' glückt,'unsere Erfolge im Lande mit eigenen Augen zu sehen, er leidet mit uns, wenn wir Schwierigkeiten haben. In der Geburtsstunde deiner Unsterblichkeit grüßen Wir dich, Arthur James, Balfour! . Eduard Benesdi/ Präsident der Isdiechoslowakisdien Republik r Unter den Erfolgen, die der gewaltige Umstürz des Weltkrieges hatte, würde man mit Unrecht: die - großen Erleichterungen, die in > dem Schicksal: der'j Juden " eirige-; treten sind, übergehen. In mehr als einem Staate war ihre Iiage mehr als unbequem. Als Nation betrachtet, be- fänden sie sich in einer peinlichen Situation. Zwei wichtige Maßnahmen trugen dazu bei, ihr Schicksal zu er-; leichtern: 1, Die rechtliche Anerkennung des Prinzips „über.: den internationalen Schutz der Minorität e n". Die Juden selbst hatten die Wichtlgkei dieses Prinzips sehr gut begriffen. Deshalb haben sie auch sowohl in ihrem eigenen als auch im Interesse der Menschheit und des europäischen Friedens viel zu seiner Entwicklung beigetragen. 2. Die Verwirklichung des alten Ideal» derjenigen Juden, die von der Idee des Nationalismus durchdrungen sind, nämlich die Schaffung einer politisch und J Kampf um die Wiener Judengemeinde Worte an die Wähler Ihr, die ihr, in schwerem Tagesberuf stehend, dem Wirbel der Wahlschlagworte ausgesetzt seid, habt ein Anrecht darauf, genau zu wissen, welcher Liste ihr eure Stimme gebt. ' ' ' Die Zionistische Liste ist zahllosen Beschimpfungen, Verleumdungen, Denunziationen ausgesetzt. Sie beantwortet'diese nicht mit der Methode des Gegners. Sie sagt euch jüdischen Wählern ohne jede Bemäntelung und ohne jede Einschränkung, was sie i s t, was sie w i 11, was sie k a n n. Höret und urteilet!- - . - - Wir österreichischen Zionistenstellen fest, daß wir in einem deutsch-christlichen Staate leben. Die überwiegende Mehrheit' «der: österreichischen' Bevölkerung hat sich für eine deutsch-christliche Führung des Staates entschieden. Sie erklärt, daß sie. kulturell und politisch in deutsch-chrjstlichem Sinne geführt werden will. ■ Sie bekennt; sic£^derAbstammung - nach zum deutschen Volke -und'^m:kätholischen: Glauben. : : Wir - erklären, däß ' wir Juden anderer Ab-, stämmüng und ähdererr Konfession 'sind als*unsere Mitbürger; Wir shid^A^ des.jü'&sch'en ^ölk^es,; aindtB$ken^ .gleichzeitig ö sterreichisch-e S^aatsbü'r.gej mit allen Pflichten -und .Rechten,, /welche an dieses Faktum geknüpft sind. - Wie ,alle anderen , österreichischen Staatsbürger, stehen, wir im Pienste unseres Vaterlandes.:Genau wie sie dienen, wir den Interessen des Staates und sind bereit, ihn bis zum äußersten zu verteidigen. Der .Pätr'iotis.m..u.s der österreichischen Zionisten is.t über jeden Zweifel erhaben. Die verantwortlichen Faktoren haben, dieser Tatsache dadurch Anerkennung verliehen, daß sie z i o, n i s t i s c h e Männer in", die . wichtigsten .politischen und administrativen Körperschaften, und zwar den Präsidenten. der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Dcsider F r i e d ni a nn, in den.S t a a t s r a t, den Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Jakob Eh rIich, in den Rat der: Stadt W ien berufen haben. Deutlicher konnte die österreichische Staätsführung ihr Vertrauen.zum Patriot i'smus der zionistischen Mandatare wohl nicht kundtun. Gerade dieser Umstand befähigt, die zionistischen Führer der jüdischen Gemeinde, die Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger als ein unantastbares Gut zu hüten, das, — sollte es irgendwie gefährdet sein — mit allen Mitteln verteidigt werden wird. Gerade diese klare Situation ermöglicht es den Zionisten, ohne jede Befangenheit.an alle Probleme heranzutreten, welche sich aus dem Zusammenleben der österreichischen Staatsbürger deutsch-christlicher und jüdischer Abstammung ergeben. Die zionistische Weltanschauung und das zionistische Programm haben in der Praxis aller Länder den Beweis erbracht, daß sie allein etwaige Spannungen und Mißverständnisse zwischen den nichtjüdischen "und den jüdischen Staatsbürgern am besten zu müdern, ja, zu beseitigen vermögen. Die Zionisten haben nach den grundlegenden Erkenntnissen ihres großen Führers Theodor Herzl das Wesen der Judennot erkannt und ihre Beseitigung in Angriff genommen: durch berufliche Umschichtung im Lande selbst und durch eine 'großangelegte Auswanderung nach P a 1 ä,s t i n a, das zu einem autonomen jüdischen Staatswesen ausgestaltet werden"soll. "Die fuhrenden Geister aller K u l t u r s t a a t e n haben von offizieller Tribüne aus erklärt, daß der Zionismus und nur der Zionismus fähig i3t, die Judenfrage ihrer Lösung entgegenzuführen. Das, ist der .Tatbestand, das ist die Lage. Wer euch Wählern gegenüber das bestreitet, wer euch ein anderes Bild malt, der sagt euch nicht die Wahrheit; der führt euch irre. Wollt ihr euch selbst belügen? Wollt,ihr den Einflüsterungen der „Union der Österreichischen Juden", folgen? Die „Union" erzählt euch, daß es zwischen euch, und euren deutsch-christlichen Mitbürgern keinerlei Unt e r s c hi e d gibt, wenn man von der Religion absieht. Sie trägt euch das Märchen: vor, daß ihr von euren deutsch-christlichen Mitbürgern nicht zu unterscheiden seid. Sie will euch einreden, daß die Assimilation restlos gelungen sei, daß man euch den — Juden nicht ansieht; das es, wären nicht „die bösen Zionisten", euren deutsch-christlichen Mitbürgern nicht einmal im Schlafe einfallen würde, euch für etwas anderes als für Stammesdeutsche zu halten. Das ist nicht wahr. Das Leben widerlegt stündlich die Phrasen der „Union", Es ist nicht wahr, daß die deutsch-christlichen Mitbürger euch für stammesadministrativ , unabhängigen Heimat,, wobei ...die Ueberwachung und Leitung der Entwicklung derselben durch das Mandat Großbritannien■-.zufallen würde.- Dies ist zweifellos vielleicht noch nicht die vollkommene und ideale Verwirklichung der alten Erwartungen und Hoffnungen, aber es ist nichtsdestoweniger ein, großer Schritt . nachvorwärts. Es ist vielleicht zumindest die Schaffung der Grundlagen des künftigen jüdischen Staates. Die, Summe an Intelligenz, Energie und Idealismus, die von den durch die Idee des Nationalismus bewegten Juden ausgegeben wird, ist wirklich außerordentlich. Als Pioniere haben sie ein bedeutendes Werk vollbracht und jetzt;noch verkollkommen sie dieses,! indem sie in ersprießlicher Weise das Terrain verwalten helfen-. ... : . Colonel Josi'ah €♦ Wedgwood Man' hat besorgt, daß die neue jüdische Siedlung eine Unterdrückung oder Verdrängung der eingeborene^ arbeitenden Bevölkerung Palästinas, der arabischen, ' Fellachen,' mit sich bringen könnte. Das Gegenteil ist eingetreten. Der jüdische Siedler hat durch-seine höheren Löhne und seinen höheren Lebensstandard dem Fellachen nur' Vorteile gebracht. Ein anderer Teil der Landesbevölkerung ist allerdings betroffen: die arabischen Beduinen. Aber vor jedem Uebergang zu einer höheren Zivilisationsform muß der nomadische Hirte zurückweichen. So wurde in Amerika der Cowboy mit der fortschreitenden Ziviisaton immer weiter nach dem Westen gedrängt und eine Parallelerscheinung wurde erst in' jüngster Zeit in Mazedonien beobachtet. In den Städten Palästinas folgt das arabische Proletariat den Fußstapfen der Juden. Nur der prachtvolle. Geist der Selbstlosigkeit, welcher die Fiojniere beseelt, und die Opferfreudigkeit der in der Zerstreuung lebenden Juden, für welche das Palästina-Werk von großer sittlicher Bedeutung ist, konnten diesen überraschend günstigen Beginn des zionistischen Palästina-! Aufbaues bewirken. KOHLE KOKS ANTHRACIT Alleinige Lieferantin der „Asoa", Bund jüdischer Frontsoldaten, Keren Kajemoth, dor Jüdischen Kulturstelle BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U47-5-40