Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 602 (23.10.1936)
- Date
- 1936-10-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712227--6100-2719806- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. dö^ vom 23. Oktober 1Ö36 DIE NEUE WELT Seite 5 Die Wirtschaftslage nach dem Streik Von Dr. ,1. Adler, Tel-Aviv. Der Araber-Streik in Palästina ist am 12. Oktober „offiziell" beendet worden. Im anderen Fall wäre er im Laufe der nächsten Wochen von selbst zusammengebrochen, da die arabischen Großgrundbesitzer unter keinen Umständen darauf verzichtet hätten, ihre Orangen rechtzeitig zu ernten und zu exportieren. Mit alledem ist aber die Situation in Palästina noch keineswegs normalisiert. Der Terror hält weiter an; den Mörderbanden beläßt man ihre Waffen; die persönliche Sicherheit für jedermann, jederzeit und allenthalben ist bisher nicht wiederhergestellt. Die politische Atmosphäre bleibt mit Ungewißheit und Mißtrauen geladen, und niemand weiß, was von der ,P.oyal Cömmifvsion" zu erwarten ist. Wir haben nicht die Absicht, an dieser Stelle politische Schlußfolgerungen zu ziehen. Diese Tatsachen erwähnten wir im jetzigen Zusammenhang nur, um den allgemeinen Hintergrund der. augenblicklichen Wirtschaftslage und ihrer weiteren Entwicklungsmöglichkeiten kurz zu kennzeichnen, vor allem, um vor übereiltem Sichgehenlassen und Sorgloswerden zu warnen. Der Kampf für unser Recht und unsere Existenz in Palästina ist noch längst nicht zu Ende, sondern bloß in ein anderes Stadium eingetreten. Hüten wir uns davor, den Panzer zu früh abzuschnallen! Der jüdische Wirtschaftssektor, zu dessen Ausbau in den letzten Jahren die 42.000 Einwanderer aus Deutschland und Oesterreich, wie heute durchwegs anerkannt wird, hervorragend beigetragen haben, ist aus der harten Prüfung dieser sechs Monate im wesentlichen unerschüttert hervorgegangen. Trotz der Verluste an Hunderttausenden von Pfund durch Brandstiftung und Baumfrevel, trotz der Kosten der Flüchtlingsversorgung und der Finanzlast der Schutzmaßnahmen ist uns doch die ökonomische Kraft geblieben, von Mitte April bis Mitte Oktober rund 18.000 Neueinwanderer aufzunehmen und einzuoi'dnen. Wir haben den Hafen in Tel-Aviv eröffnet und soweit entwickelt, daß er gerade am 12. Oktober zum erstenmal auch der Zitrus-Verschiffung dienstbar gemacht werden konnte. Wir haben, um die fernbleibenden arabischen Waren zu ersetzen, unsere Eigenerzeugung an Gemüse, Geflügel, Eiern, Milchprodukten großzügig erweitert. Wir haben dem jüdischen Arbeiter neue Sphären erschlossen, in unserer Pflanzungswirtschaft, bei den öffentlichen Arbeiten, im Verkehrswesen. Unsere Banken funktionierten weiter; man errichtete neue Betriebe in Handel und Industrie; auch die Bautätigkeit, die doch so stark konjunkturabhängig ist, ließ sich nicht völlig einschüchtern. So viel Einbußen auch der Einzelne erlitt, so schwer auch gerade unsere Hausfrauen um den Ausgleich zwischen gesteigerten Lebensmittelpreisen und verringertem Familienbudget zu kämpfen hatten, sind doch, als wichtigstes und entscheidendes Resultat, im Ganzen die Wirtschafskatastrophe, die unsere Gegner über uns bringen wollten, die Massenaushungerung, der Massenbankrott, die Massenfiucht aus dem Lande, erfolgreich abgewehrt worden. Im Gegenteil, was die arabischen Führer, die meisten Engländer und selbst auch manche Juden nicht vorausahnten, das hat sich deutlich gezeigt und den dauernden Wert eines historisch-politischen Faktums erlangt: Einzig und allein die Energie und der Disziplin der jüdischen Arbeit und des jüdischen Kapitals verdankt man es, daß Palästinas Gesamtvolkswirtschaft nicht zum Chaos geworden ist, daß es überhaupt noch ein geregeltes Wirtschaftsleben in diesem Lande gibt. An der Widerstandskraft der jüdischen Wirtschaft ist der destruktive Streik gescheitert. Wir Juden haben Palästina vor der Selbstzerstörung gerettet! Alle Schulbücher richtige Auflagen, für antiquarische allerbilligste Preisei Größte Auswahl 1 Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst. — Zelt spart, wer kauft im Schulbttcherantiquariat Hermann Tuchner, Wien II. Ecke Taborstraße 52 / Tel. R*41-4*20 Es ist jedoch nicht an der Zeit, auf den Lorbeeren der gelungenen Abwehr auszuruhen, seien sie auch noch so redlich verdient. Gerade das Ende des Streiks stellt uns vor neue schwere Probleme, denen gegenüber gewisse,, zum Teil bloß vermeintliche Vorteile der neuen Situation nur leicht wiegen. Die billige arabische Arbeit, durch starken, amtlich nicht gehinderten Hauraner-Zuzug in den letzten Wochen noch verstärkt, unternimmt gegenwärtig einen neuen Vorstoß, um uns die Positionen, die der jüdische Arbeiter letzthin gewann, wieder abzujagen. In großen Mengen und zu Schleuderpreisen fluten wieder die arabischen Landwirtschaftsprodukte heran, von betriebsamen arabischen Straßenhändlern angepriesen, und droben den Absatzmarkt unserer Hühnerfarmen, Molkereien und Gartenbaubetriebe und die Existenz unserer Lebensmittelgeschäfte zu unterwühlen. Die Nutznießer des Jaffaer Hafens setzen alles daran, um Tel-Avivs eigenen Zugang zum Meer der von ihm beute erlangten Bedeutung wieder zu berauben. Dabei sind alle diese arabischen Bemühungen, mit dem Jischuw wieder ins Geschäft zu kommen, absolut nicht als wirkliche Kooperation gemeint, sondern haben eine rein einseitige Bereicherungstendenz, da sie mit einer gleichzeitigen Aktion zum Boykott jüdischer Waren und Leistungen verbunden sind. Dazu kommt, daß viele Lasten der letzten sechs Monate immer noch unvermindert auf uns ruhen, die Kosten des Wachdienstes, das Flüchtlingsproblem, und auch auf die. Frage, wie und wann endlich die Regierung die Unruheschäden zu regulieren gedenkt, ist uns noch keine Antwort zuteil geworden. So ist die Lage nach wie vor äußerst ernst, und unser Wille zur Abwehr und Selbstbehauptung darf nicht erschlaffen. Die nationale Disziplin wird weiterhin von uns als Arbeitgebern und Arbeitnehmern, als Produzenten und Konsumenten große materielle Opfer verlangen, um zu verhüten, daß eine Schwächeperiode uns nicht gerade in dem Zeitpunkt übermannt, da sie uns politisch am gefährlichsten werden könnte, nämlich während der Tagung der „Königlichen Kommission". Der Kampf ist noch nicht zu Ende; wir stehen sogar erst vor seinem schwierigsten Abschnitt... 3<»fjn&efag iff ebenfo häftfid) tt>ie gefäljrlid^ ©er mt&farbtge ^afm&elag, bec nad) unb nad} ben ftatyn* fdjmefy angreift, fann auf bte emfatfjfte 2lrt entfernt toerben. Morgens als Erstes bte 3ä^ne grünbltd) mit (Sljtorobont bufcen. (Sljlorobont, bie fjerrtief) etfrifdjenbe ^fefferminj* $aljnhafte, madjt burd) tf)re ftarfe, ober unfd)ablia)e föeini* gung§fraft bie 3a&ne Kenbenb toeife unb baburdj jebe3 ifotlifc anfhrecfjenb unb fdjört. Abends als Letztes bor bem ©t&Iqfengeren unbebingt bie ©peiferefte au§ ben 3^tt3toifc§etträumett burd) nochmalige gtünMdje SReittiguttg mit ^torobont=>3a§npafie entfernen. ®&lorobont, fdjaumenb ober nidjtfdjcuimettb, Beibe Qualitäten fmb gteid) gut. SEuöe S —.90. Pefierreid&tfdjeS ©raeugmS.' 3 Spritzer Chlorodont-Mundtoasser, in das Mundspülglas erhöhen die erfrischende Wirkung der regelmäßigen Zahn- und Mundpflege mit Chlorodont. Kommt neue Pro§peuly in Palästina? Aufschwung der Industrie Aus Jerusalem wird gemeldet: In Tel-Aviv wurde unter dem Vorsitz des Präsidenten des palästinensischen Industriellenverbandes, M. Shenk a r, eine Konferenz der' jüdischen Industriellen eröffnet. Den Beratungen wohnen auch der Leiter der Regierungsabteilung für Zölle und Handel, Kingsley W. Stead, der Schatzmeister der Jewish Agency, Elieser Kaplan, der Vizebürgermeister von Tel-Aviv Israel Rokach u. a. bei. Nach Gedenkworten des Vorsitzenden für die Opfer der Palästina-Unruhen sowie für Nahum S o k o 1 o w und Meir Dizengoff wurde ein Bericht über die Arbeit des Verbandes zur Förderung des Außenhandels erstattet. Im besonderen wurde darauf hingewiesen, daß die Ausfuhr Syriens nach Palästina sehr groß ist, während aus Palästina nach Syrien fast keine Produkte ausgeführt werden. Weiter wurde eine Reihe von Hindernissen für die Entwicklung des Außenhandels besprochen und die Forderung nach Einführung von Schutzzöllen erhoben. Der Leiter des Handelsdepartements der Palästina-Regierung, Kingsley W. Stead, erklärte, die Regierung stehe der Entwicklung der palästinensischen Industrie mit Rücksicht auf ihren Anteil an der Erschließung des Landes wohlwollend gegenüber. Er verteidigte das Verhalten der Regierung und versicherte, daß die Palästina-Industrie einen langsamen, aber sicheren Aufschwung nehmen werde. Ausgangspunkt: das Mandat! Aus London wird berichtet: Die konservative Wochenschrift „Spectator" nimmt die bevorstehende Entsendung der Kgl. Kommission nach Palästina zum Anlaß einer Betrachtung über die Möglichkeit der Sicherung dauernden Friedens in dem Lande. Sie vertritt die Ansicht, daß das Streben der Juden nach Erlangung der Mehrheit einem solchen Frieden hindernd im Wege stehe, und daß es Aufgabe der Kgl. Kommission sei, das Endziel der jüdischen Aufbauarbeit unzweideutig festzulegen. Wenn die Kgl. Kommission eine Definierung der Endziele der Juden herbeiführen kann, dann wird sie den ersten Schritt getan haben, um sie in Einklang mit den Ansprüchen der Araber zu bringen. Man kann, wie es auch tatsächlich geschieht, argumentieren, daß im Kriege den Arabern und den Juden einander widersprechende Zusagen gemacht wurden, und daß der einen Seite nicht Gerechtigkeit widerfahren kann, ohne daß der anderen schweres Unrecht geschieht. Aber es ist zu spät, um diesen Punkt jetzt zu betonen. Das Mandat, wie es von den alliierten Mächten 1920 entworfen und in demselben Jahr vom Völkerbund bestätigt wurde, muß der Ausgangspunkt jeder. Erörterung innerhalb und außerhalb der Kgl. Kommission sein. Die Kgl. Kommission hat nicht die p-rage zu beantworten, ob überhaupt, sondern in welcher Weise das Mandat durchgeführt werden kann. (J. T. A.) AB H EUTE* ELITE*, KINO OPERN KINO?; Aktionen der Araber . Syrische, Drusen Aus Jerusalem: Am Freitag, den 16. d,, wurde eine Abteilung des Wiltshire-Regiments in der Nähe von Akko aus dem Hinterhalt beschossen. Zwei Flugzeuge, die den Truppen zu Hilfe kamen, wurden ebenfalls beschossen. Ein englischer Offizier und ein Soldat wurden verletzt. Wie in einem offiziellen Kommunique" mitgeteilt wird, waren die Angreifer Drusen, die aus Syrien in Palästina einfielen; dieser Angriff, heißt es in dem Kommunique" weiter, stehe in keinem Zusammenhang mit der Lage in Palästina. Arabische Terroristen beschossen in der Nacht die Siedlungen Achusa, Neve Shaanan, die Vororte von Haifa, Petach Tikwa, Ramat Gan, Nachlat Ganim, Pardes Haozar und Tel-Ephraim; Verluste waren nicht zu verzeichnen. (J. T. A.) Neue Drohungen In Palästina wird eine Proklamation des Rebellenführers Fauzi Bey el Kaukadyi verbreitet, in der er seine Anhänger auffordert, sich nicht zu zerstreuen und die Waffen nicht niederzulegen, sondern bereit zu sein, die Terrorkampagne wieder aufzunehmen, sobald dies sich als notwendig erweisen würde. (J. T. A.) Antijüdischer Boykott Aus arabischer Quelle wird mitgeteilt, daß das arabische Streikkomitee in Jerusalem beschlossen hat, sich nicht aufzulösen,- sondern als ein antijüdisches Boykottkomitee weiter zu bestehen; die Boykottaktion soll sich über das ganze Land erstrecken. (J. T. A.) Ein deutscher Kolonist Das Gericht verurteilte einen deutschen Kolonisten aus der Tel-Aviv benachbarten Kolonie S a r o n a zu einem Monat Gefängnis, nachdem ihm nachgewiesen worden war, daß er. wahrend der Beschießung Tel-Avivs durch eine arabische Bande dieser Signale gab. (J. T. A.) Letzte aus Die antijüdische Boykottaktion Im Verlauf des 19. Oktober ist das arabische Boykottkomitee zusammengetreten, um die angekündigte Boykottaktion gegen die Juden durchzuführen. Den Beginn dieser antijüdischen wirtschaftlichen Kampagne machte Jerusalem, wo eine Gruppe der arabischen Jugend alle jüdischen Geschäfte blockierte und den arabischen Kunden den Eintritt verwehrte. fflöBEl"UJ,NTER für Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße. Telephon: A-21-5-31 Die jüdischen Kaufleute wendeten sich an die Jerusalemer Handelskammer mit der Forderung, bei der Palästina-Regierung den nötigen Schutz und Freiheit des jüdischen Wirtschaftslebens zu erwirken. Betarim enthaftet Am 19. Oktober hat die Regierung die Mehrzahl der Britb Trumpeldor-Mitglieder befreit, welche im Zusammenhang mit dem Attentat auf die zwei Araber,in Tel-Aviv verhaftet worden waren. 4 Der Gesundheitszustand des schwerverwundeten Arabers hat sich soweit gebessert, daß er außer Lebensgefahr ist. Alle VeruieifältMen für Firmen und Vereine Vervielfältigungsapparate, neu und gebraucht (Gelegenneitskäufe stets lagernd), sämtliche Zubehöre. WitroPsky, Wien II, Rembrandtstrafle 36, Telephon A-43-7-63 Der Mufti hetzt Die arabische Presse ist voll Aufregimg in Verbindung mit dem Ueberfall auf die Araber, die in Tel-Aviv angeschossen wurden. Das Organ des Mufti, „Alliwa", geht so weit, zu behaupten, die Idee des Verbrechens sei in der zwei Tage vorher abgehaltenen Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees geboren worden. Die Presse ist besonders aufgebracht durch die Berichte über den Schiffsverkehr an der Mole von Tel-Aviv. „Alliwa" verlangt, daß die Regierung die. Mol** zerstöre. Das oberste Komitee finanziert die Terroristen Arabischen Berichten zufolge, hat das Arabische Oberste Komitee in der letzten Zeit bestimmt,*». Summen für die Banden ausgesetzt, die bewaffnet in den Bergen verblieben sind.