Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 602 (23.10.1936)
- Date
- 1936-10-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ielfa 1 DIE NEUE WELT Nr. 602 vom 23. Oktober 1836 SiBERCNANILL: RABEN£EIÖ3^ HIMMELPFORTQ^S KÖLLNERHOFGASSE 1 Reinseiden* Herrenhemden« beste Paßform nur 9 '80 Neue Sorten Hsrronhemdon, Pyjama u.Oresalnga fllr den Herbat bereite lagernd. In Prele und Reichhaltigkeit unübertroffen Aus aller Weif J.-T.-A.-Melduogen Auf der sechsten Redchsköttferenz de* Pionier- »If^ande« jüdischer Frauen Amerikas, die zur Zeit in Boston abgehalten wird, hielt der zionistische Arbeiterführer Chaim Greenbere eine Ansprache, in der er forderte, daß die «tgl. Kommission für Palästina die Fort, setaung der jüdischen Einwanderung nach dem Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnah m e f ä h i g k e i.t des Landes festlege. * Wie der Vorsitzende des Ünited Palestlne Appeal für New York, Nathan Strauß, bekanntgibt, wird laut einem von dem amerikanischen Generalkonsul in Palästina, George Wadsworth, erstatteten Bericht die Höhe der von Amerikanern in Palästina gemachten Investitionen auf 3 8 Millionen Dollar geschätzt. Der Wert der gesamten durch Mittel 2ur Förderung des zionistischen Aufbaus vorgenommenen Investitionen beträgt nach dem Bericht des amerikanischen Generalkonsuls 300 Millionen Dollar. Auf dem in Alberny abgehaltenen Parteitag der R epublikanischen Partei des Staates New York ist folgende Erklärung in das Wahlprogramm der Partei aufgenommen worden: Wir erklären erneut, daß wir auf gerechtem und gleichem Schutz für alle amerikanischen Bürger ohne Unterschied der Religion, der Rasse, der Farbe und des Geburtslandes bestehen. Freiheit der Religion, Freiheit der Rede und Freiheit der Presse, wie sie von der amerikanischen Verfassung garantiert werden, sollen von allen genossen werden; wir protestieren gegen Zurücksetzung und Verfolgung auf Grund von Rasse oder Religion, wo immer und' in' welcher Weise immer dies geschieht. * Jolanda F ö 1 d e s, die Gewinnerin des Welt- Literaturpreises der Londoner Jury — die mit dem gleichen Roman „Die Gasse der fischenden Katze" seiner, zeit den Preis für das ungarische Sprachgebiet gewönnen hatte, gehört ebenso dem Judentum an wie der Sieger für die deutsche Literatur Dr. Paul Neubauer mit seinem Roman „Das fehlende Kapitel". Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist von dem englischen Ministerrat eine ■ Unterkommission eingesetzt worden, die über : Maßnahmen . zur Bekämpfung der juden feindlichen Propaganda der englischen Faschisten beraten soll. Verband der Judensiaatszionisten __Sektion Prater. II. EtlafstraSe 5 _ Freitag, den 23. ds., um » Uhr abends im Heim, 11, Erlafstraße ft ONEG SCHABBAT Es sprechen: Rabbiner Dr. 6 a r e r, Dr. Israel W a 1 d m a n n Weihegesang: Oberkantor Jakob Wahrmann Gäste willkommen! Gäste wl Ikommen! Die anfijüdisdie Kampagne in Deutschland Die Nachrichten der letzten Woche besagen, daß der Vernichtungsfeldzug gegen die Juden in Deutschland fortgesetzt wird. Während die gegenwärtige antisemitische Kampagne in Deutschland unter der Losung „Kampf gegen jüdischen Bolschewismus" geführt wird, gab eine soeben stattgefundene Konferenz von 3000 Kommissären der Deutschen Arbeitsfront die Losung aus: „Kampf gegen jüdischen Kapitaiismus." Einer der Führer der Arbeitsfront, Klaus Selzner, kündigte die Ausschaltung der „jüdischen Banken" aus der deutschen Wirtschaft an. In mehr als 120 Spezialkursen werden jetzt ungefähr 12.000 Nationalsozialisten als Agitatoren zur Führung der diesjährigen Winterkampagne für antijüdischen Boykott ausgebildet. * Auf der Tagung der Gaubetriebsgemeinschaftswalter der Reichsbetriebsgemeinschaft Banken und Versicherungen forderte der Leiter der Reichsbetriebsgemeinschaft, Lencer, laut „Angriff", daß jetzt unverzüglich die Judenfrage in den Betrieben in Angriff genommen oder weitergetrageri werden muß, für die die Reichsbetriebsgemeinschaft zuständig ist. Die Judenfrage müsse jetzt eindeutig in den Vordergrund gestellt werden bis zu Ihrer endgültigen Lösung. Es gebe in einem Betrieb, ganz gleich ob Bank oder Versicherung, keine Gemeinschaft mit den Juden. * Die „Deutsche Juristenzeitung" teilt im Zusammenhang mit der HochschuUehrertagung über das Judentum in der Rechtswissenschaft mit, daß auf Veranlassung des Reichsrechtsführers, Reichsminister Doktor Frank, das Amt für Rechtsschrifttum im Reichsrechtsamt der N. S. D. A. P. ein Verzeichnis jüdischer Rechtsautoren in Angriff genommen habe. * Ein in der „Juristischen Wochenschrift« veröffentlichtes Urteil des Landesarbeitsgerichtes Breslau vom 24. Juli 1936 erklärt, daß jüdische Angestellte keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung in öffentlichen Betrieben haben, wenn auch gesetzliche Bestimmungen, die eine Weiterbeschäftigung allgemein ausschließen, bisher nicht ergangen sind. Denn daß auf dem Gebiet der Judengesetzgebung -»- so heißt es in der Entscheidung — zunächst im wesentlichen nur der nichtarische Beamte durch positive rechtliche Bestimmungen erfaßt wurde, beruht auf der en^wickiungsmäßigen Bedingtheit der die Judenfrage regelnden staatspolitlsehen Haßnahmen« Lese* den Bericht der Kultusgemeinde f In einigen Tagen erhalten alle Wähler von der Kultusgemelnde einen ausführlichen Bericht über die Leistungen der Gemeinde seit der letzten Wahl, die eine zionistische Majorität ergab. Der umfangreiche Bericht enthält eine Fülle von Material, welches beweist, daß die Zionisten auf allen Arbeitsgebieten mehr erzielt haben, als irgend eine Leitung vor ihnen. Der beste Beweis, wie nichtig die Behauptung der „Union" von der „Politisierung" der Kultusgemeinde auf Kosten sachlicher Arbelt ist. Wir bringen nachstehend das Kapitel „Jugendfürsorge" zum Abdruck und wollen hier auch zur Lektüre des ganzen Berichtes veranlassen. Der Jugendfürsorge wendet der Vorstand der Kultusgemeinde nach wie vor sein lebhaftes Augenmerk zu, wobei in der Berichtsperiode alle bisher gepflegten Zweige unter namhaft erhöhten Zuwendungen ausgestaltet wurden. Die laufende Tätigkeit der Jugendfürsorge besteht In der ständigen Beaufsichtigung und zum großen Teüe auch in der Versorgung von Kindern bis zum 18. Lebensjahr, die aus irgend einem Grunde der ausreichenden elterlichen Fürsorge entbehren (Tod, Arbeitsunfähigkeit, Krankheit oder Notlage der Eltern oder eines Elternteiles). Die Unterstützung besteht in fall- TRANSPORTE ALLER ART Uebersiedlungen nach und dem gesamten In- und Ausland erledigt fachgemäß und kulant COTTLIEB KANTOR. WIEN I, Helferstorferstraße 4 / Tel. IU27-5-35 Serie weisen Zuwendungen in G e 1 d oder N a t u r a 11 e n, hauptsächlich aber in der Gewährung monatlicher Beiträge zu den Erhaltung s k b~s ten der Kinder an die Familie, oder bei Unterbringung^' in 'Waisenhäusern oder sonstigen Anstalten an diese. In vielen Fällen werden die Erhaltungskosten durch die Kultusgemeihde ausschließlich und zur Gänze getragen. " Die Fürsorge für Säuglinge umfaßt, abgesehen von der erhöhten Unterstützung der Eltern oder Kihdesmütter, die Beteilung mit Wäschepaketen und Zuwendung von Milchgeldern bis zum ersteh Lebensjahr des Säuglings. ' Für Kinder im vorschulpflichtigen Alter wird in ausgedehntem Maße gesorgt. Die Kultusgemeinde selbst erhält im XX. Bezirke, Othmargasse, einen Kindergarten, der in der Berichtsperiode von durchschnittlich 100 Kindern besucht war und der sowohl in pädagogischer als in körperlicher Beziehung die schönsten Resultate erzielte. In den Sommermonaten wird der Standort dieses Kindergartens in den Augarten verlegt, woselbst auf dem der Kultusgemeinde gehörigen Grunde eine eigene Baracke für den Kindergarten errichtet wurde. Die Kinder finden hiedurch während der Sommermonate volle Erholung, die ihnen den Landaufenthalt nahezu ersetzt. Die Auflösung des Vereines der „Jüdischen Kinderfreunde", der durch viele Jahre in mehreren Kindergärten und Tagesheimstätten eine ausgedehnte Wirksamkeit entfaltete, machte Vorsorgen der Kultusgemelnde für die früher in diesen Anstalten untergebrachten Kinder nötig. Die Kinder, welche die Kindergärten dieses Vereines besuchten, fanden zum großen Teile im Kindergarten des Vereines „Wohlfahrt", II., Schiff am tsgasse 15, Aufnahme, dessen Subvention zu diesem Zwecke erhöht wurde. An Stelle der aufgelassenen Tagesheimstätte des Vereines wurde von der Kultusgemeinde im II. Bezirke, Aspernbrückengasse 1, eine solche Helmstätte errichtet, in der 100 Kinder unter Aufsicht geschulter Kräfte die Zeit von der Beendigung des Schulunterrichtes bis zum Abend verbringen und auch verpflegt werden können. Ferner führte der Kultusvorstand in den Sommermonaten 1935 und 1986 eine Sommertagesheimstätte in dem Gebäude des ehemaligen israelitischen Mädchenwaisenhauses, XIX., Ruthgasse 21, ein. In dieser Helmstätte wurden während der Sommermonate 1935 und 1936 mehr als 800 Kinder ganztägig beaufsichtigt und verköstigt, eine Einrichtung, die den dort untergebrachten Kindern einen Landaufenthalt ersetzt und sie auch erzieherisch sehr gut beeinflußt. Der Erholungsfürsorge der Kinder, die früher fast ausschließlich in den Händen privater Vereinigungen war, wendete der Vorstand in der Berichtsperiode sein besonders erhöhtes Augenmerk zu. Von der Wichtigkeit überzeugt, welche einer zweckmäßigen Sommererholung für die geistige und körperliche Erstarkung der heranwachsenden Jugend beizumessen ist, wurde in den Jahren 1930 bis 1932 ein geeignetes Gebäude in Köttihgbruün gemietet und darin" ein Ferienheim unter der Verwaltung und auf Kosten der Kultusgemeinde eingerichtet. In zwei, später drei Turnussen wurden alljährlich etwa 300 Kinder einer je vierwöchigen Erholung mit dem besten Erfolge zugeführt. Im Jahre 1934 wurde dieses Ferienhelm in ein ehemaliges Sanatorium in der Hihterbrühl verlegt. Schwierigkeiten administrativer Natur, die sich aus der Unterbringung der Ferienheime in gemieteten Objekten ergaben, hauptsächlich aber das Bestreben, diese Einrichtung zu einer dauernden zu gestalten, veranlagten den Vorstand, der Erwerbung eines eigenen Objektes näherzutreten. Nach eingehender Prüfung einer großen Anzahl diesbezüglicher Angebote wurde im Jahre 1935 ein zwischen den Bahnstationen Payerbach- Reichenau und Küb gelegenes Objekt erworben. Indem 5 2.2 39Quadratmetergrößeh prachtvollenaltenParkmit weiten Wiesenflächen befindet sich ein großes, villenartiges Gebäude in bestem Bauzustande, das derzeit ohne Wesentliche bauliche Veränderungen die Unterbringung von 100 Kinder» gleichzeitig ermöglicht, so daß in den Jahren 193Ö und 1936 in drei Turnussen 600 Kinder untergebrächt werden konnten. Seit dem Jahre 1934 erfährt die Erholungsfürsorge der Kultusgemeinde durch das „Kinderferienwerk der Vaterländischen Front" eine wesentliche Unterstützung^ Durch die Gewährung von Verpfle'gsbeiträ^en wird eine große Anzahl jüdischer Kinder, deren Auswahl iurch das Ferienwerk, deren Unterbringung durch die Kültusgc ieinde erfolgt, der Erholung zugeführt. Auf diese Weise wurden im Jahre 1934 272, im Jahre 1935 314 Urid im Jahre 1936 418 Kinder der Erholung teils in Heimen, teils bei jüdischen Privatparteien, hauptsächlich im Burgenlande, zugeführt. Im Sommer 1936 eröffnete die Kultusgemeinde wieder das Heim in Kottingbrunn, m welchem 200 Kinder untergebracht wurden. Die Zuwendungen des Kinderferienwerkes der Vaterländischen Front, die die Verpflegskosten nicht voll decken, werden, durcji . entsprechende Zuschüsse der Kul t.us-. gemeinde erglänzt. Außer durch die erwähnten Aktiönen fördert die Kultusgemeinde durch P a u 8 c h a 1- und Elnzelsuoventionen die Unterbringung zahlreicher jüdischer Kinder in Kranken- und Erholungsheimen sowie in den Lagern der verschiedenen jüdischen Jugendsünde. Die Gesamtzahl der im Rahmen der Kinderaktionen durch die Kultusgemeinde befürsorgten Kinder betrüg im Jahre. 1932 im Jähre 1938 irrt Jahre 1934 im Jahre 1935 im Jahre 1936 2187 2080 2774 . 3689 40Ü8 Die unter gerichtlicher Schutzaufsicht stehenden jüdischen Kinder werden durch die Abteuung für Jugendfürsorge überwacht und erfolgt regelmäßig Berichterstattung hierüber an die Behörden. (562 Fälle.) Ein kleines, aber in seinen Auswirkungen sehr erfolgreiches Arbeitsgebietder Jugendfürsorge bildet die Du r c h f U h r u n g v o n Adoptionen. Ks 'st im Laufe der Jahre gelungen, auf diesem Wege die Zukunft einer Anzahl von Kindern zum Teile in ganz besonders günstiger Welse sicherzustellen. Nur Swoboda AUTOMAT" Oefea, Kamine nd die besten! XVIII, Jörgorstraße 10 (Ecke Theresieng.) OfensohwBmme: IV, Lothrlngorstraße Nr. 2 (bei Sohwsrtenbergpliti). Verkaufsstol en; XXI, BrünnerstraBe Nr. 40, und IV, OroBe Nougaue 8 9« S I Polen—Palästina in 36 Stunden Aus Warschau: Wie der J. T. A. mitgeteilt' wird, ist auf Initiative der Polnisch-Palästinensischen Handelskammer ein regelmäßiger Passagierluftverkehr zwischen Polen und Palästina eingerichtet worden. Die polnische Fluggesellschaft „Lot" hat beschlossen, die bisher von ihren Aeroplanen beflogenen Linien Warschau —Saloniki und Warschau—Athen bis nach Palästina zu verlängern. Der Flugweg ist folgender: Warschau—Lemberg—Bukarest—Athen—Rhodos—Haifa. Das erste Flugzeug fliegt von Warschau am Dienstag, den 27. Oktober, früh ab und trifft in Haifa am Mlitwoch, den 28. Oktober, mittags ein. Es werden technische Probeflüge im Verlauf des Winters durchgeführt werden, um zu erkunden, ob es möglich sein wird, in Zukunft den Flug Warschau —Haifa in einem Tage durchzuführen.