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Die neue Welt · 1936-10-23 · Heft 602 (23.10.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 602 (23.10.1936)
Date
1936-10-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 602 vom 23. Oktober 1936 DIE NEÜE WELT Seite S 1 ••4 Denket an Eure Bruder in Deutschland Denket an die Zukunft Eurer Kinder I Wählet am 8. November die »nin Zionistische //Protektionswirtsdiaft" Zum Fall Dr. Löwenherz und Rath Die „Union österreichischer Juden" gründet ihre Propaganda für die Kultuswahlen auf Denunziationen und vage Verdächtigungen. Eines ihrer wenigen Argumente, welche sachlich behandelt werden können, bezieht sich auf die zionistische Protektionswirtschaft. Die Unionisten behaupten, daß die zionistische Majorität eine tendenziöse Personalpolitik betrieben und eine große Zahl ihrer Parteigänger mit glänzend dotierten Beamtenstellen in der Kultusgemeinde versorgt haben. Demgegenüber sei festgestellt: Seit Ende 1933 gibt es eine zionistische Majorität. Alle Beamtenernennungen, welche seit diesem Zeitpunkt vorgenommen wurden, erfolgten auf Grund einstimmiger Beschlüsse des Vorstandes, das heißt, mit den Stimmen der „Unlo n". Es gibt nur zwei Ausnahmen, auf welche weiter unten zurückgekommen wird. Im Februar 1936 legten die Unionisten ihre Mandate nieder. Seither wurden lediglich die Universitätsprofessoren Dr. Elias und Dr. Kess zu Primarärzten ernannt. Beide sind nie zionistisch organisiert gewesen, noch politisch irgendwie hervorgetreten. Dann wurden zwei Aspiranten (Monatsgehalt 70 Schilling) aufgenommen. So sieht die von der „Union" so beschriene z i onistische Personalpolitik aus? In zwei Fällen erfolgten Anstellungen gegen die Stimmen der „Union". Nach dem Tode des Bibliotheks- Heilanstalt Dr. Haut er (0r Rheumatismus, Gicht, G e I e n k s< und Nervenkrankheiten Ischias-Schnellkür l,Schottenring17,Tel.A-17-0-66 direktors und seines Stellvertreters bewarb sich — nach Niederlegung seines Vorständsmandates — Herr Moses Rath um eine Stelle in der Gemeindebibliothek. Herr Rath hat die phüosophische Fakultät der Wiener Universität absolviert, ist ein hervorragender Hebräist, Verfasser eines in sechs Sprachen übertragenen, an jüdischen und nichtjüdischen Schulen der ganzen Welt 'benützten Lehrbuches der hebräischen Sprache, war Dozent am hebräischen Pädagogium und dem Religionslehrerseminar und hat auf eine langjährige Tätigkeit im Verlags- und Buchgewerbe hinzuweisen. In Anbetracht dieser Qualifikation wurde er provisorisch zum Leiter der Bibliothek ernannt, die er nun fast zwei Jahre in mustergültiger Weise leitet. Nicht eine Beschwerde wurde erhoben, auch nicht seitens der „Union". Er ist in die Klasse der Beamten mit einem Grundgehalt von 550 Schilling im Monat eingereiht. Nach dem im Vorjahr erfolgten Ableben des Amtsdirektors, Regierungsrat Fuchs gelb, wurde seine Stelle, welche ganz besondere Qualitäten erfordert, ordnungsgemäß öffentlich ausgeschrieben. Unter sechs Bewerbern befand siph Herr Dr. Josef Löwenherz, welcher durch elf Jahre das Amt eines geschäftsführenden Vizepräsidenten der Gemeinde versehen und hervorragende Qualitäten an den Tag gelegt hatte. Auch die Unionisten haben nicht in Abrede gestellt, daß seine besondere Eignung für den vakanten Posten außer Diskussion steht. So wurde Doktor Löwenherz, als weitaus qualifiziertester Bewerber, zum Amtsdirektor ernannt, aber nur provisorisch für. ein Jahr, um den Entscheidungen einer künftigen Majorität nicht vorzugreifen. Die „Union" erzählt von einem Riesengehalt und der Verschwendung von Unsummen, welche diese Ernennung bedeutet. Dr. Löwenherz wurde in die in der Dienstpragmatik vorgesehene Anfangsgehaltsstufo des Amtsdirektors (monatliches Grundgehalt 1050 Schilling) eingereiht. Er bezieht um 300 Schilling weniger als sein Vorgänger. Er arbeitet mit einem Sekretariat, in welchem früher sechs qualifizierte Beamte saßen und das jetzt zwei zählt. Im Namen der Kuitusgemeinde hat der neue Amtsdirektor an den Tagungen der großen amerikanischen und englischen Wohlfahrtsinstitutionen teilgenommen und eine Subvention für die Anstalten der Kultusgemeinde durchgesetzt, welche mehr als zehnmal so hoch ist, als seine Jahresbezüge. Er allein hat das bewirkt! So ist es um die Geldverschwendung bestellt, von welcher die „Union" unermüdlich schreit! * Nachdem die „Union" beim schlechtesten Willen nichts gegen die Betätigung und die Art der Bestellung dieser beiden Beamten vorbringen kann, erklärt sie, es sei unstatthaft, daß sich ein Mandatar des Vorstandes nach Niederlegung seiner Ehrenstelle um einen freien Posten bei der Kultusgemeinde bewirbt. Nur nebenher sei erwähnt, daß die Herren Unionisten großen Mut und kurzes Gedächtnis zeigen. Denn vor wenigen Jahren haben sie selbst einen Kultus- . Vorsteher, ein Mitglied ih-res Klubs, zum Amtsleiter ernannt. Der Herr hatte Im Jahre 1920 den Gemeindedienst verlassen, um Kaufmann zu werden. Dann war er vier Jahre hindurch unionistisch.es Mitglied des Vorstandes. Dann wurde er von der unionistischen Majorität zum Amtsleiter ernannt. (Die zionistische Minorität hatte zugestimmt, weil der in Frage kommende Herr die nötige Fähigkeit besaß.) Auch nur nebenbei sei erwähnt, daß die von der „Union" bei der Behörde eingereichte Beschwerde wegen der Ernennung der Herren Dr. Löwenherz und Rath als unbegründet abgelehnt wurde. Wir fragen: Ist es ein ungewöhnlicher Fall, daß gewählte Mitglieder eines Parlaments oder einer Regierung nach Niederlegung ihrer Mandate mit Aemtern, für die sie geeignet sind, betraut werden? Das geschieht doch überall! Soll derjenige, welcher jahrelang ohne jede Bezahlung seine Kraft und Zeit der Gemeinde geopfert hat, schlechter gestellt sein, als etwa ein Bewerber, welcher bis dahin für die Gemeinde keinen Finger gerührt hat? Soll er deswegen, weil er Mandatar war, ausgeschaltet werden, auch wenn er der Geeignetste ist? Wenn es „korrupt" ist, den Mann anzustellen, welcher jahrelang der Gemeinde Opfer gebracht und selbstlos gedient hat und seine Mitbewerber an Qualität weit überragt, dann kann man den Vorwurf der Korruption ruhig auf sich nehmen. Umonistvsdhe Moral Zum Falle Dr. Löwenherz soll noch eine Episode erwähnt werden, welche die politische Moral der Unionisten, die sich jetzt als Bekämpfer zionistischer Korruption gebärden, durchleuchtet. Als bekannt wurde, daß sich Dr. Löwenherz um die frei gewordene Stelle eines Amtsdirektors bewerben wolle, gerieten die unionistischen Vorsteher in größte Aufregung und wollten mit allen Mitteln verhindern, daß ein Zionist — und sei er der bestqualifizierte — eine Stelle erlange, die bisher nur mit Parteigängern der Union besetzt war. Sie versuchten es ZAHNPASTA Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärztlichen und pharmakognosfischen Institute der Universität in Wien. Rassische Gesetzgebung in Polen? Aus Berlin (J. T. A.): Die Ankündigungen, daß Polen zu einem autoritär geleiteten Staat umgestaltet und General Rydz-Smigly den Titel „Führer" erhalten wird, haben nicht' nur unter den polnischen Demokraten, sondern auch unter den Juden tiefe Besorgnisse hervorgerufen. Die Besorgnisse der Juden erscheinen um so berechtigter, als sich im polnischen Regierungslager immer mehr Bestrebungen geltend machen, den Juden als „fremder R a s s e" die Gleichberechtigung abzuerkennen. Erst vor kurzem hat sich eine neue „Regierungspartei" mit ausgesprochen nazistisch-antisemitischem Programm gebildet. Nunmehr bringt das „Berliner Tageblatt'* einen sensationell aufgemachten Bericht aus Warschau* in welchem angekündigt wird, die polnische Regierung wurde am 11. November eine rassische Gesetzgebung proklamieren. Es werden darin Unterscheidungen zwischen der „jüdischen" Minderheit und den „arischen" nationalen Minderheiten gemacht werden in der Weise, daß die Juden gegenüber den änderen Minderheiten zurückgesetzt werden. Der 11. November 1936, an dem dieses Gesetz verkündet werden wird, ist der 18. Jahrestag der Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit, zu der die Juden so viel beigetragen haben; nun soll ihnen im Rahmen der großen Feiern dieses Tages die Rassengesetzgebung als „Geschenk" gegeben werden.. WEGIHIUIBIEIR •- Hinter dem Deutschen' Volkstheater Jeden Samstag, Sonntag Feiertag — Kapelle ISY GEIGER Konzert / Tanz / Sfimmungsmussk Beginn 8 Uhr abd$. Bürgerliche Preise erst „in Güte" und schlugen vor, man möge für Herrn Dr. Löwenherz eine fette Pfründe schaffen und ihn zum überflüssigen „Rechtsberater" der Gemeinde mit einem Monatspauschale von 1000 Schilling machen. Auf Kosten der jüdischen Steuerzahler wollten die Herren, die jetzt über „Verschwendung von Gemeindegeldern" jammern, zionistische Mandatare korrumpieren. Für nichts sollten 1000 Schilling im Monat hinausgeworfen werden, damit kein Zionist Amtsleiter wird. Die Zionisten lehnten dieses unverschämte und korrupte Anbot selbstverständlich ab. Da versuchten die Herren von der Union ihr Ziel „mit Gewalt" zu erreichen. Sie legten ihre Mandate nieder, um die Gemeinde zu sprengen, und forderten in ihrer berüchtigten Denunziation vom Bürgermeister und der Regierung die Sistierung der Ernennung des: Herrn Dr. Löwenherz. Sie erhielten darauf folgende Antwort: ..... Zur Bemängelung der Bestellungdes Moses Rath zum Leiter der Gemeindebibliothek ist zu bemerken, daß seine Bestellung nach der Vorschrift des Statuts ordnungsgemäß erfolgt ist, ebenso wie die spätere Bestellung des Dr. Josef Löwenherz zum provisorischen Amtsdirektor ..." (Wiener Magistrat, B. St. A. 98/1936 vom 12. Juni 1936.) So ist es um die zionistische Korruption und die unionistische Moral bestellt. Todesfall. In Gänserndorf ist Herr Samuel Schiller am 14. Oktober d. J. im 84. Lebensjahr verschieden. Herr Schiller hat sich als Gründer der israelitischen Kultusgemeinde Gänser ndorf und als langjähriger Vorsteher derselben sowie als Erbauer des Tempels in Gänserndorf große Verdienste erworben« Jüdische Leichen gesucht Aus Posen: Die Leitung der Posner Universität verbot den jüdischen Medizinstudenten das Betreten des Anatomischen Instituts, weil die jüdische G e-< mein de nicht in der Lage war, Leichen von Juden für, Sezierzwecke beizustellen. Die Posner jüdische Gemeinde entsandte eine Abordnung zur Warschauer Jüdischen Gemeinde, um diese zu ersuchen, zwei Leichen von Juden für die Posner Universität herzugeben. .Die erste jüdische Leiche ist bereits aus Warschau nach Posen abgegangen, so daß damit zu rechnen ist, daß den jüdischen Medizinstudenten die Fortführung ihrer Studien ermöglicht werden wird. Das Vorgehen der Posner Universitätsleitung gegenüber der jüdischen Gemeinde' bedeutet eine eklatante Verletzung der Verfassung der polnischen Republik. Inu* ausländische Hausbesitzer verwalten ihre rmi durch behördlich konz. Realitätenkanzlei Wien lf Franz .Josefs .Kai 1, Tel. R-21-5-30 Erstklassige Referenzen! 31 Konzert Regina Schein. In kürzester Zeit hat sich diese jugendliche jüdische Cellistin (aus der Schule von Professor Stutschewsky) das Publikum und die Musikkritik der Großstädte erobert. „DieEntdeckungderPrager Konzertsaison" — „Unter den konzertierenden Solisten bestimmt eine einzigartige Erscheinung" — so lauten die Urteile der Fachpresse. Vor Beginn ihrer dies-, jährigen Konzerttournee spielt R e g i n a S c h e i n in Wien, am 29, Oktober im kleinen Konzertu ussaal,

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