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Die neue Welt · 1936-10-23 · Heft 602 (23.10.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 602 (23.10.1936)
Date
1936-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 3 DIB NEUE WELT Nr. 602 vom 23. Oktober 1936 Theatersaal Festsaal mit modern eingerichteter Bühne. Veranstaltern von Theateraufführungen, Festen, Vorträgen bietet sich zu g ü n a t i gsten Bedingungen die Miete im RESTAURANT-HOTEL STEFANIE Wien II, fcborsttdft« 1t IM. ft*46*4.46 Techechoslowakei ihren Obolus an die sudetendeutsehen Kassen ab. Jetzt, wo Heniein ein Faktor in der freien demokratischen Republik geworden ist, geniert sich sein Organ „Die Zeit" nicht mehr. Sie rückt mit der Sprache heraus. Sie gebärdet sich „stürme r"*haft. So schreibt das Blatt über den russischen Außenminister Litwinow am 18. Oktober: „Herr Litwitiow ist ein Rätsel. Wer hindert diesen fettleibigen, kurzatmigen Mann daran, das einzige zu tun, was seiner Natur wirklieh frommt: einen Laden zu gründen in einer etwas abseitigen Straße der Londoner City oder in New York, Chicago, San Franzisko; ein solides Geschäft in einer soliden Branche oder ein unsolides auf den Namen der Freundin, jedenfalls ein Geschäft, so wie es die Vorfahren seit Jahrhunderten betrieben, die, in ihren K a f t a n gehüllt, an alles andere eher dachten, denn an Politik. Warum folgt Herr Litwinow nicht dem Instinkt seiner Ahnen, warum macht er in Weltrevolution statt in Fellen und Häuten en gros? ... Man soll nicht Politik machen, wenn einem die staatsbildende Erbmasse von zwei Jahrtausenden fehlt, wenn die lange Reihe der Vorfahren nur den Instinkt für Handelsgeschäfte vererbte ... Man kennt die Phraseologie, man kennt den-Ton. Der Begriff „Erbmasse" ist dem nationalsozialistischen Wörterbuch entnommen — was besagen will, daß die Henlein-Deutschen sich auch in der Praxis mit dem reichsdeutschen Hakenkreuz gleichschalten wollen. Die Assimilanten in der Tschechoslowakei sehen sich also um ihre schönsten Hoffnungen betrogen. Sie. sind trotz der Summen, die sie hergegeben haben, nicht zu Volks- und Rassegenossen Henleins avanciert. Werden sie aus diesem Faktum lernen? Stmonsbrot nod) immer unecreicht als ©ejunbfieitiünb ßraft» Brot. Sfteid) an ben [o nridjttäen '"Kä^tfafyen. @efjr bequem: ©imonSbrot*©c^nittenpQdf(^en in «Stanniol, grucfitettbrot: Slufbaux. unb*^5Darm»9fteguIatpr. Su haben in ^einfoftfjänblüngen mit) th üi^Icit SSödfcretcn. V^iötonSbrotfabri! 2Bien»&aa.ran 55. Stfgt^ofiberf.^ Masaryk und die Juden Im Verlag Bruno Cassirer,. Berlin, erschien soeben, die deutsche Ausgabe des Buches „Masaryk erzählt sein Leben". Der berühmte tschechische Schriftsteller Karel ö a p e k gibt in dem Buche seine Gespräche mit dem Präsidenten-Befreier T. G. Masaryk im Schloß Topolöianky wieder. In dem ersten Abschnitt „Kindheit" gibt öapek die folgende Erzählung Masaryks über sein erstes Erlebnis mit einem gleichaltrigen jüdischen Knaben wieder: „Vor den Juden fürchtete ich mich; ich glaubte daran, daß sie Christenblut brauchten, und darum ging ich lieber um ein paar Straßen weiter, als daß ich an ihren Häusern vorübergegangen wäre. Ihre Kinder wollten mit mir spielen, weil ich ein wenig Deutach konnte; aber ich wollte nicht. Erst später söhnte ich mich mit den Juden aus; in der Realschule in Hustopeö. Einmal machten wir einen Schulausflug in die Berge. Als wir nach dem Mittagessen im Wirtshaus lagerten und Dummheiten trieben, verlor sich ein jüdischer Mitschüler auf den Hof hinaus. Ich ging ihm aus Neugierde nach; er stellte sich hinter den Flügel des offenen Tores, verneigte sich mit dem Gesicht zur Wand und betete. Da empfand ich irgendeine Scham, daß der Jude betete, während wir spielten. Es ging mir nicht aus dem Sinn, daß er ebenso inbrünstig betete wie wir und nicht einmal während des Spieles das Beten vergaß ... Mein ganzes Leben lang gab ich darauf acht, gegen Juden nicht ungerecht zu sein;1 darum hat man gesagt, daß ich zu ihnen hielte." Im Abschnitt „Der junge Mann" zitiert Karel Capek folgende Aeußerung Masaryks: „Welchen Einfluß hatten und haben die beiden kleinen Nationen, die Griechen und die Juden, auf die ganze Kulturmenschheit! Die Griechen schenkten uns Kunst, Philosophie, Wissenschaft, Politikt, die Juden Theologie und Religion. Vor ihnen gab es zwar die Aegypter, die Babylonier, aber gerade ihre Kultur war es, die die Antike aufnahm und verarbeitete. Wir leben noch heute von der Antike und dem Judentum, ganz Europa lebt von ihnen; wir wissen es kaum mehr, aber die Antike steckt in allem." Itl&tkehsfUeQet Zionistische Arbeit „Die Wertschätzung, welche die Zionisten AWi Hölland In Palästina auf Grund ihrer Leistungen, finden und die Hingabe, mit der sich holländische Juden «u* allen Kreisen der zionistischen Arbeit im Rahmen <fc» Niederländischen Zienistenbundes widmen, zeigen ms, daß wir auf dem richtigen Weg sind." Der holländische Anwalt A. I. Herzberg. Schftnes, aber platonisches Versprechen ,Jch und meine Partei, die Rumänische Volks* partei, sind entschlossen, die Rechte, welche die Juden in Rumänien als allen übrigen gleichgestellte Bürger genießen, unbedingt zu respektieren." General Averescu (Bukarest 1936). Steuert geistiger Not! ,JLaßt uns an dem teilnehmen, was Ihr an Kunst- und Kulturgütern besitzet! Was es bei euch in Hüfte und Fülle gibt — hier fehlt es noch! Seht eure Bibliotheken und Kunstmappen durch, gebt iaoh eurem Kunstbesitz an Gemälden, Plastiken und Graphiken, aber gebt nicht eng* herzig und toählt das Gute! Denn nur das kann uns hier nützen und. dem wahren Zweck der Belehrung, Erziehung und geistigen Erhebung dienen." Dr. Karl Schwarz (Museum Tel-Aviv, 1936). Palästina schafft „Es zeigen sich Anzeichen dafür, daß di& wirt-» sctiaftllche Initiative erwacht. In diesen Tagen wird die erste Kraftfutterfabrik des Landes eröffnet werden, welche die für Trinkzwecke nnverweiidbare Milch und bisher unverwertete Abfälle, wie u. a. Orangenschalen, verarbeiten wird." Ernst Davis (Jerusalem). Noch immer wandern ♦ ♦ ♦ „Nach vorliegenden Beriohten besteht u. a. eins Auswanderergruppe von 800 Juden aus Deutschland für Südamerika, außerdem alle diejenigen, die ihren Wohnsitz m Spanien haben aufgeben müssen und sich eine neue Wohnstätte in Südamerika, besonders in Argentinien, suchen. Alle diese Umstände haben die Besorgnis des Präsidenten der Republik verursacht, der, gestützt auf ge~ setzliche Mittel, die Einwanderung aller unerwünschten Elemente unterbinden wird, die später in unserem Lands ein unruhiges Treiben entwickeln können.; „La Nacion" (Buenos Aire£, 1936) < , Der Stützpunkt Palästina Die Palästina-Regierung hat den Bau ,eines neuen Flugplatzes in der Nähe von Ludd in Angriff genommen. Es'wird der größte Flugplatz des Nahen Orients werden. Der Bau wird ungefähr eine halbe Mittim Pfund kosten^ „Palcor" (Jerusalem)* , titax Jüe&ectnOHfit mimwfwfä Im^m^M ^$0^0^^^^ •f^y^m^M'. Im Februar 19S5 ist Max Lieber mann im Alter von 88 Jahren in Berlin gestorben, tief verwundet durch die Schmach, die ihm seitens der nationalsozialisti* sehen Machthaber angetan wurde: der große jüdische Maler, der Zeit seines Lebens im deutschen Kulturkreis wirkte, wurde brutal ausgeschaltet und der Möglichkeit, weiterzuscliaffen, beraubt. Die Bedeutting seiner Persbn* lichkeü und seines Wirkens konnte man ihm nicht nehmen. Liebermanns Werk gehört der Kunst» geschichte an. Demnächst wird in der Neuen Galerie (Dok» tor Nierenstein) eine Reihe bedeutender Werke Liebermanns av. sehen sein. Liebermanns Biograph, E. Hanke^ leitet gemeinsam mit der Witwe des Meisters die Vorarbeiten. Die Ausstellung wird zweifellos ein künsU lerisches Ereignis für Wien sein. anspruchen, das nur den endgültigen Bürgern entgegengebracht wird, die ihr Dasein uanufhörlich mit demjenigen des Vaterlandes verknüpft haben und;/ir« Zukunft von der ihres Landes schlechthin nicht zu trennen oermögen." .Jahr für Jahr wanderten und wandern Hunderttausende von Bürgern oer* schiedener europäischer St a&ten aus ihrem Vaterland aus, um sich jenseits des öteäns ein neues Vaterland zu suchen. Darunter: Italiener, Engländer. Franzosen. Deutsche, Skandinavier, Spanier, alles Leute, deren Patriotismus noch niemand angeziveifeli hat. Niemand hat ihnen zum Abschied nachgerufen: Sieh dal Jetzt zeigt es sich, daß ihr nie mal.$ wahre Patrioten gewesen! Im Gegenteil, man interessiert sich für ihr Los, man beschützt sie aus der Ferne. Was unseren nicht- 'jüdischen Mitbürgern recht isL muß uns billig sein. Die Auffassung vom Staat ist nicht so engherzig, so tyrannisch, um das Individuum restlos aufzusaugen. Der einzelne bewahrt seine Selbständigkeit und seine Persönlich keil. Er vernachlässigt in keiner Weise seine Pflichten, er darf aber seine Zukunft vorbehalten. Der Zionist. der nielleicht eines Tages auswandern wird, hat das Recht auf das gleiche Vertrauen seiner Mitbürger wie die übrigen Landesbewohner. die ein berechtigtes Streben nach Glück eines Tages vielleicht zur Auswanderung treiben wird." Unser Mitarbeiter Herr M. B r a f in a n n hat uns das aus Max Nordaus Schriften zusammengestellte Gespräch zwischen einem . Zionisten und Assimilanten zur Verfügung gestelli. Vor Judenverfolgung in Spanien Nach reichsdeutsdieiri Muster Aus Madrid meldet die „Pariser Tageszeitung": Die enge Verbindung der spanischen Rebellen mit den deutschen Nationalsozialisten wird erneut dadurch bewiesen, daß F r a n c o nunmehr zu Maßnahmen ausgesprochen antisemitischen Charakters übergeht. Die spanische Regierung in Madrid veröffentlicht darüber sensationelle Einzelheiten. In ihrer Mitteilung heißt es: „Aus zuverlässiger Quelle wird soeben bekannt, daß die Behörden der in den Händen der Aufständischen befindlichen Provinzen ein geheimes Rundschreiben empfangen haben, das es ihnen zur Pflicht macht, innerhalb von 48 Stunden Sonderlisten aller Bürger jüdischer Abkunft anzulegen, die auf diese Weise als verdächtige Individuen gekennzeichnet werden sollen. General Franco hat dem agitatorischen Druck, der von bestimmter Seite im Sinne der nationalsozialistischen Rassentheorien auf ihn ausgeübt wird, nachgegeben und vor den deutschen Offizieren seiner Armee erklärt, daß von jetzt ab auf dem von Ihm kontrollierten Gebiet kein Jude mehr öffentliche Funktionen ausüben könne. Die ausländischen Kaufleute und Grundbesitzer jüdischer Abstammung sollen nicht direkt von, der neuen Maßnahme betroffen werden. Aber auch ihnen droht eine scharfe Ueberwachung. Die bereits jetzt über ihre Unternehmungen ausgeübte Kontrolle stellt das Interesse der „Wirtschaft des faschistischen Spaniens" in den Vordergrund. . Man weiß bisher noch nicht, ob die ausländischen Juden von Staatsangehörigen der dem General Franco „befreundeten Nationen" in ihren Stellungen ersetzt werden sollen. In erster Linie dürften dafür Italiener, Deutsche oder Portugiesen mit kaufmännischen Erfahrungen in Betracht kommen." Aua Paris meldet die J. T. A.: Im „Oeuvre" berichtet ein Flüchtling aus Huesca, daß die Aufständischen in Saragossa dreizehn jüdische Bürger verhaftet, gemartert und zum Schluß sechs von ihnen erschossen haben. Unter den Hingerichteten befindet sich der Kaufmann Gabriel Alvarez, der in Gegenwart seiner Frau zwei Stunden lang gemartert wurde; ihm wurde mit einem Messer ein Hakenkreuz in die Stirnhaut geschnitten. Die Frau ist infolge dieses Erlebnisse« wahnsinnig geworden. Gegen die verhafteten und hingerichteten Juden tag keinerlei Beschuldigung vor, außer daß sie Juden waren und einer gemäßigten Gesinnung huldigten. Henlein-f uden In der Tschechoslowakischen Republik gibt es so otwas wie eine nationalsozialistische Partei, deren Führung Konrad Heniein innehat und deren Organ „Die Z e i t" getarnte hakenkreuzlerischc Propaganda macht. Die Deutschen in der nördlichen Tschechoslowakei, die sogenannten Sudetendeutschen, warben, als sie am Beginn ihrer Parteipropaganda standen, in a 11 e n deutschsprechenden Kreisen ihres Staates, und nahmen auch ganz gern von den Juden Geld. Und die Juden wiederum, die liberalassimilantistischen von Brünn bis Reichenberg, waren stolz darauf, der deutschen Saohe, die nichts mit Antisemitismus zu tun habe, vielmehr eine — kulturelle Note habe, dienen zu können. Noch bei den letzten Wahlen, bei denen die Henlein-Partei bereits antisemitische Untertöne anschlug, lieferten die Herren Israeliten in der Hitlers „Mein Kampf" arabisch Aua Tel-Aviv: Hitlers „Mein Kampf" ist in Bagdad in arabischer Uebersetzung mit einem Vorwort, da« den Lebenslauf Hitlers schildert und dessen Kampf gegen das Judentum betont, erschienen. Das deutsche Original des Buches ist in Palästina verboten. Die judenfeindlichen Tendenzen des Buches finden offenbar bei den Arabern sympathische Aufnahme. Jüdischer Knabe — Preisträger In diesem Jahr erhielt Oskar W e i z u e r, Schüler der 5. Klasse am Chajes-Gymnasium in Wien, von der Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst den Kreisler-Prels. Der 13jährige Knabe war unter 30 Preiabewerbern der jüngste. Auf Grund seines Fleißes und Charakters ist zu erwarten, daß Oskar Weizner (Schüler des Prof. Morawetz), ein ernster Künstler wird-

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