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Die neue Welt · 1936-10-20 · Heft 601 (20.10.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 601 (20.10.1936)
Date
1936-10-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Wr. 601 vom 20. Oktober 1Ö36 DIE N1EÜE WELT Seite 5 Die Hakoahner wieder Amateure Wir erhalten von dem jetzt gebildeten Reorgani- J «atiqnskomitee des Fußballklubs „Hakoah" folgende Zu- I Schrift, die wir gerne veröffentlichen: , Die jadische Öffentlichkeit hat in den letzten Monaten mit dem F. C. Hakoah nur wenig Freude gehabt. In allen jüdischen Kreisen ist oft die Frage ventiliert worden, ob es überhaupt einen Sinn hat, daß der F. O. Hakoah auch weiterhin besteht. Der Vorstand hat sich selbst davon überzeugen können, (laß ihm die j ü d i s c h e n Massen keine Gefolgschaft mehr leisten. Es wäre also Vogel-Strauß-Politik, wenn man sich der Erkenntnis verschließen würde, daß der heutige F. C. Hakoah. im Judentum selbst eine starke Gegnerschaft hat. Um diese zu verstehen, muß man in der Geschichte des jüdischen Sports weit zurückgreifen. Die Hakoah ist im Herbst 1909 von jungen Leuten, Studenten und Handelsangestellten,, gegründet worden, damit sich die jüdische Jugend in einem bewußt jüdischen Kreise sportlich betätigen kann. Die Idee war geboren und sie zündete. In hellen Scharen strömten ihr jüdische Jünglinge zu, die wohl kein Geld hatten, um große Beiträge zu zahlen, die aber viel mehr mitbrachten, nämlich ihre große Begeisterung. Die Liebe zu dem neuen Werk, zur Hakoah, war echt und tief, gleichgültig, ob es sich um Ausübende oder mn Anhänger handelte. Der Krieg brach aus, viele mußten an die Front, ja der Prozentsatz an Frontdienstlern war bei der Hakoah unvergleichlich größer als bei irgend einem anderen Sportverein. Dte Hakoah hat anch im Weltkrieg ihren Tribut an Blutopfern In reichem Ausmaße geleistet. Mehr als 80 Tote, unter denen sich •der erste Vizepräsident des Klubs, Dr. David Weinberger, und so mancher ausgezeichnete Spieler der ersten Fußballmannschaft — wir erinnern nur an die Namen Kaudl, Mehler, Glasl, Reiß, Fritz Hirsch usw. — befanden, hatte die Hakoah zu beklagen. Der Verein war gegründet worden, um «lern Märchen der körperlichen Minderwertigkeit des. Judentums den Garaus zu machen, und da wollten selbstverständlich die Hakoahner auch im Ernstfall bewohn, welche Charakterschulung sie im Verein durchgemacht haben. Der Krieg war aus und alle Hakoahner sammelten «Ich wieder in ihrem geliebten Klub. Da kam die böse Zeit der Inflation. Nicht nur das Geld wurde ent? wertet, sondern auch alle Tugendbegriffe waren ins Wanken gekommen. In dieser Zeit wurde der Professionalismus im Fußballsport geschaffen. Die Hakoah, die eine der besten Fußballmannschaften des Kontinents hatte, wollte Im sportlichen Wettstreit nicht zurückbleiben. Trotz warnender Stimmen schlitterte die Hakoah in den Profession alismus hinein. Solange das Chaos der Inflation herrschte, war ein Berufssplelertura bei der Hakoah möglich. Die Sportplätze waren von den Zuschauern überfüllt, es gab Mäzene in HÜJle und Fülle. Der jüdische Berufsfußballer hatte ein auskömmliches Pasein. Als aljer.die Inflation "überwunden,,war, da zeigten sich sofort die Kran k h eitserscheihungen des Berufsspielertums. Obwohl der Abbau der Gagen ständig f ortschritt, konnte der Verein sein Budget nicht decken. Pas Wort „Bettelprofessionalismus" wurde In Wien geprägt und. dieser, Betteiprofessionalismus trug die Schuld, daß 4er F. C. Hakoah sich den Lebensnerv abschnitt. Splange die Berufsspieler auskömmlich bezahlt wurden, fanden sich viele jüdische Jungen, die bereit waren, das Odium „Professional" auf sich zu nehmen. Heute, wo man als Professional keinen nennenswerten Verdienst haben k^nn, da sieht man, daß sich die jüdische . Jugend vom Fußball vollkommen zurückgezogen hat. Der sportliebende jüdische Junge hat dem Fußball den Rücken gewendet. Er betreibt Schwimmen, er geht skifahren, pflegt die Touristik oder spielt Tennis. Der F. C. Hakoah, der auf Einnahmen erpicht sein muß, konnte auch nur jenen Jungens die Spielmöglichkeit geben, von denen er annahm, daß sie besonderes Talent besitzen. So ist der F. C. Hakoah auf Abwege geraten. Er, der gegründet worden war, um möglichst viele jüdische Jungen der Segnungen der sportlichen Betätigung teilhaftig werden zu lassen, wurde, um diesen Ausdruck zu gebrauchen, eine Tischgesellschaft mit einigen wenigen Vorstandsmitgliedern und ebenso wenigen Spielern. Erfreulicherweise hat sich beim F. C. Hakoah die Erkenntnis durchgerungen, daß es so nicht weitergeht. Er hat sich seiner großen Vergangenheit erinnert und will nun dort anknüpfen, wo er den falschen Weg eingeschlagen hatte. Der F. C. Hakoah hat den eisernen Willen, den Professionalismus auszumerzen. Nicht des Geldes halber soll der jüdische Junge in Hinkunft für die Hakoah spielen. Er soll wieder ein Bannerträger der Idee der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend werden. Der jüdische Junge soll es wieder als E b r e ansehen, der Vertreter der Hakoah-Farben zu sein. Rückkehr zum Amateurismus ist die Parole, der der F. C. Hakoah nun folgen will. Er will wieder ein Klub werden mit vielen hunderten Mitgliedern, ein Klub, der jüdisch ist und in dem man sich so wohl Avie in der eigenen Familie fühlt. Die Bande der Hakoahner sollen so innig werden, wie früher einmal, wo sich einer um das Wohl und Wehe des anderen kümmerte. Und so wendet sich die Hakoah an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte, ihren ehrlichen Ab^ sichten zu glauben und sie zu unterstützen. Nicht viel wird verlangt. Die älteren Leute sollen als Mitglieder beitreten. Die Beiträge sind, den Verhältnissen entsprechend, gering. Die Väter und Mütter mögen auch insofern ihr Vertrauen bekunden, daß sie die Jungens wieder zur Hakoah Fußball spielen schicken. Der Neuaufbau des Klubs ist nicht leicht. Viele Vorurteile werden zu Uberwinden sein. Der Vorstand beabsichtigt, in Kürze eine Generalversammlung auszuschreiben; ein Reorganisationskomitee von Außenstehenden, deren Namen einen giften Klang haben, hilft mit, sie vorzubereiten. Bei dieserj Generalversammlung soll sich bereits die Stärke des F. C. Hakoah dokumentieren. Dort wird man auch die Möglichkeit haben, die Führer zu wählen, denen allseits größtes Vertrauen entgegengebracht wird. Anmeldungen und Auskünfte im Sekretariat des F. C. Hakoah, Wien, I., Uraniastraße 2 (Tel. B-51-0-90). richtige Aufjagen, für antiquarische all er billigste Preise! Größte Auswahl i Spesenfreie Zusendung'. Verzeichnisse Umsonst: — Zeit spart/ wer kauft im Schulbucherantiquariat Ecke TaborstraRc 5% Tel. R-A1-A-20 BH Jüdischer Sport Großes Prüfungsschwimmen 4er „Hakoah" Sonntag, den 11. d., fand im Dianabad vor einer großen Zuschauermenge, die nicht mit Beifall sparte, ein großes Prüfungsschwimmen des jüdischen Klubs statt. Per Abend wurde von einem Aufmarsch aller aktiven Schwimmer eingeleitet, die mit nicht endenwollendem Applaus empfangen wurden. Zuerst legen d}e Jüngsten ihre Prüfung ab, die zur allgemeinen Zufriedenheit ausfällt, Dann, folgt gleich einer der spannendsten Kämpfe: das 400-Met er -Kraulschwimmen für Damen. Dieses Rennen wird als Schaukampf ausgetragen, da die beiden wegen Nichtteilnahme an der B e r* liner Qlynipiade disqualifizierten Schwimmerinnen Judith Deutsch und Ruth Langer an den Start gehen. Leider ist letztere für die lange Strecke nicht in Form, so daß Judith fast die ganze Strecke allein schwamm. Aber nichtsdestoweniger schwamm sie eine Zelt (5:51), die 7 (!) Sekunden unter dem alten Rekord liegt. Auch die Zwischenzeit Uber 300 Meter (4,19) ist besser als der alte Rekord, Langer schwamm 6 :15. Nijn folgen 4(e Kämpfe der Jugendschwimmer, bei denen pesonders die gute Zeit Kurt Kukes über 400 Meter (5 :35,4) hervorzuheben ist. Und wieder treten In einem Sqhauschwimmen Uber }0Q Meter Deutsch und Lan- KREU*Ä? KEINE GNADE Wollzeile 1? Telephon R-24-2-16 Vorstellungen : 4, V*6, Vs8, V«10 (We are only woman) PRESTON FOSTCR Ein Qangtterfilm, wie er nooh nia da war SCHKFFER VI, MarjahUferstraße 37 Telephon B-20-2U3 Hegliin: »M, Vad, V*8, ftig STAFA, VII Mariahilferstraße 190 Telephon B-33-0-68 Wochentags- 5, 7, » Uht William Powell, Ulise Bainer Myrnq Loy Elisabeth Bergner VOT1VPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn; h, %», M, 'Aio Elisabeth Bergner g e r an. Wieder siegt Judith Deutsch in 1 :13,9 vor Ruth Langer 1 :14,9. Spannend ist noch das 100-Meter-Rennen der Herren, in dem Herbert Wien in der ausgezeichneten Zeit von 1 : 04 vor Kulka 1 :06,6 siegt. Besonderen Beifall erntete das ala Abschluß der Veranstaltung gebotene Gruppenspringen der Hakoah-Sprungriege unter der Leitung Helmut Becks. Zwei Hakoahner „Wiener Meister". Bei den Samstag, den 10., und Sonntag, den 11., abgehaltenen „Wiener Meisterschaften" der Leichtathleten konnten zwei Hakoahner drei Meisterschaften erobern. Arpad Blödy wurde, nun zum zehnten Male, über 50Q0 Meter „Wiener Meister" in 15 : 34,8 Diese Zeit ist in Anbetracht des schlechten Wetters besonders gut. Sonntag wurde GerdaQottlieb über 100 Meter (13,1) Siegerin und konnte sich auch im Hochspringen (1,50) den ersten Platz sichern. Der Rekordversuch über 1,53 Meter mißlang leider. Von den übrigen Hakoahnem erreichten Präger über 100 und 200 Meter und Fink im Dreisprung einen vierten Platz. —v. Te. Antixionistisdie Agitation im Orient Aus London (J. T. A.): Die Agentur Reuter meldet aus Bagdad, daß der Oberrabbiner von Bagdad ~irn Nansen von Uber 100.000 im Irak lebenden Juden" eine Erklärung veröffentlicht hat, in der er jeden Zu- Sftjnmenhang mit der zionistischen Bewegung, „sei es in Palästina, sei es außerhalb Palästinas", leugnet. Die Erklärung schließt: „Wir sind mit Leib und Seele Irak-Bürger und teilen die nationalen GefUhle aller Bürger des Irak." D}ese Erklärung des Bagdader Oberrabbiners erscheint, sofern sie überhaupt :n der von Reuter mitgeteilten Form gegeben worden ist, nur aus der gefährdeten Lage der Juden Im Irak im Zusammenhang mit der antizionistischen Agitation der palästinensischen Araber erklärbar. Infolge dieser Agitation herrscht im Augenblick ein unerträglicher Terror gegen die Juden, der bisher drei jüdische Todesopfer und zahlreiche Verletzte zur Folge hatte. Bis zum Auabruch dieser Agitation unterhielten die Juden des Irak stets einen engen Kontakt mit dem alten und dem neuen Jisqhuw in Palästina. * Eine Delegation von Mohammedanern hat den Vizekönig von Indien, Lord Linlithgow, in Simla besucht und ihm eine Adresse überreicht, in der auf angebliche Nöte der Moslems in Palästina hingewiesen und „Die Wunderbar" nach dem berühmten Bühnenerfolg mit dem Star^Ensemble Kay Francis, Dick Powel, Dolores de! Rio, AI Jolson, Ricardo Corte* chweden-Kino Gerechtigkeit für die Araber Palästinas unter Hinweis darauf gefordert wurde, daß das Mandat des Irak und das von Syrien bereits ihr Ende gefunden haben. Der Vizekönig hat in seiner Antwort erklärt, er habe sich mit der Regierung in London in Verbindung gesetzt und sie über die Stimmung unter Indiens Mohammedanern unterrichtet; immerhin müsse er verschiedene Mißverständnisse aufklären und insbesondere darauf hinweisen, daß niemand daran denke, arabische Bauern und Grundbesitzer zu enteignen; auch sei eine Verletzung der heiligen Stätten nirgends vorgekommen. Der Konflikt sei überhaupt mehr politisch als religiös. Die arabische Bevölkerung habe sich seit 1922 um 50 Prozent vermehrt, und dieses Anwachsen sei besonders stark in den von Juden besiedelten Gegenden. Aber auch das ganze Land habe von der jüdischen Kapitalseinwanderung und Arbeit profitiert. Gegen Antisemitismus in England Aus London: Der Kirchenrat von Wombw a 11 hat einstimmig eine Resolution gefaßt, in der Judenhetze grundsätzlich verurteilt und die Regierung aufgefordert wird, der Judenhetze im Londoner East End sofort ein Ende zu machen. Eine ähnliche Resolution hat die Diözesankonferenz von Chelmsford gefaßt. In der nächsten Sitzung des englischen Kabinett« soll auch ein Bericht über die jüngsten Unruhen im Zusammenhang mit der faschistischen Propaganda in Eng^ iand entgegengenommen werden. Der Ministerrat wird Sich mit Maßnahmen beschäftigen, um weiteren Terror im Londoner East End zu verhindern. Unter anderem soll dem Kabinett der Vorschlag unterbreitet werden, ein Uniformverbot zu erlassen. Für diesen Vorschlag setzen sich angeblich die Polizeipräsidenten von London und anderen großen Städten ein. Der Minister für die Koordinierung der Landesverteidigung, I n s k i p, wandte sich in einer in Hertfordshire gehaltenen Rede gegen* die j u d e n t e i n d 1 i c h e Propaganda in England. Welches Recht, fragte der Minister, hat ein Teil der Oeffentlichkeit, der sich als faschistische Körperschaft bezeichnet, mit dem Finger auf einen anderen Teü der"'Bevölkerung zu weisen? Mos- 1 e y und seine Freunde, fügte der Minister hinzu, stärken nur den Kommunismus. Ukrainischer Nationalrat gegen antisemitischen Terror Aus Warschau: Der ukrainische Nationalrat als Vertretung der stärksten ukrainisch-nationalen Partei, der U n d o, hat in Lemberg eine Entschließung gefaßt, in der vor judenfeindlichen Ausschreitungen in den von Ukrainern bewohnten Gebieten gewarnt wird. Solche Exzesse hätte das ukrainische Volk in einem für es sehr ungünstigen Lichte erscheinen lassen. Anlaß zu dieser Resolution haben die zahlreichen pogromartigen Ausschreitungen gegeben, zu denen es in letzter Zeit in ukrainischen Dörfern Ostgaliziens gekommen ist. Vielfach sind jüdische Häuser niedergebrannt und die jüdischen Einwohner zum Verlassen ihrer Wohnorte gezwungen worden. Auch kamen Morde an einzelnen Juden und an ganzen jüdischen Familien vor. Jesus, der jüdische Revolutionär Aus Berlin: Der Kampf gegen die katholische Kirche in Wort und Schrift nimmt immer radikalere Formen an. Christentum und „jüdischer" Bolschewismus werden in einen Topf geworfen, und das Bruderblatt des „Stürmer", der Berliner „Blitz", schreibt in seiner letzten Nummer: „J e s u s war nicht der eingeborne Sohn Gottes, des Weltengottes, nicht einmal des Judengottes Jahve, sondern ein jüdischer Revolutionär, nicht der erste und nicht der letzte jener Tage. Christentum und Deutschtum sind unüberbrückbare Gegensätze. Es ist auch vollkommen unmöglich, ein wahrer hundertprozentiger Christ zu sein, denn die peinlichste Befolgung aller Lehren würde Chaos und Ende aller Staaten und Völker mit sich bringen. Christentum und Nationalsozialismus sind unvereinb a r." Jugend-Lektüre Aus Berlin: Der „Völkische Beobachter" teilt mit, daß die die Judenfrage und das Rassenproblem behandelnden Kapitel in Hitlers „Mein Kampf" vom Kultusministerium separat herausgegeben und ala S c h u 1u n d Jugend-Lektüre verwendet werden. Wir bitte» _ um Einsendung von Adressen, an dte wir Probeexemplare versenden können Di9 Virwtltting „0/£ N f (/f Wf IV

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