Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 600 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 600 vom 16. Oktober 1936 3 x BERGMANN, H RABEWSTEIG 3 HIMMELPF0RTG^5 KÖLLNERHOFGASSE 1 9 .80 Terror ohne Streik Ueber die Vorgänge nach dem offiziellen Streikabbruch meldet die J.T. A. aus Jerusalem: Nach halbjähriger Dauer ist der Streik in Palästina, an dem sich nach amtlicher Schätzung rund 200.000 Araber beteiligten, heute, Montag, den 12. Oktober, zu Ende gegangen. Fast alle Geschäfte sind geöffnet, die arabischen Arbeiter kehrten zur Arbeit in den städtischen und ländlichen Betrieben zurück. In den Straßen Jerusalems, Haifas und der anderen Städte herrscht eine ungewöhnliche Bewegung und Tätigkeit. Der Verkehr von privaten und öffentlichen Fahrzeugen wurde wieder aufgenommen. Der Reuter-Korrespondent sandte ein Stimmungsbild nach London, das mit den Worten beginnt: „Es scheint, daß in Palästina allgemeine Beruhigung eingetreten ist." Die letzte Nacht vor Streikabbruch ist im ganzen Lande sehr unruhig verlaufen. Die I r ak - O e 1leitung ist wiederum beschädigt und das Oel in Brand gesteckt worden. Eine jüdische Kolonie wurde in der Nacht auf Montag angegriffen, wobei es einen Toten und mehrere Verwundete gab. Auf einer Plantage wurden mehrere tausend Orangenbäume vernichtet. Der Ausnahmezustand wird auch jetzt in mehreren Städten weiterbestehen. Diese letzte Tätigkeit der Terroristen läßt beiweifeln, ob diese der Parole der arabischen Herrscher, •uch den Terror zu beenden, Folge leisten werden. Heins eiden- I Herrenhemden, beste Paßform nur_ Neue Sorten Herrenhemden, Pyjama u. Dressings für den Herbst bereits lagernd. In Preis und Reichhaltigkeit unübertroffen wmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm^^m^mmmmmmmmmmmmm Arabischer Streik mißlungen Palcor. meldet aus Jerusalem: In ihren Kommentaren zur Beendigung des Streiks nach 175 Tagen stellt die hebräische Presse einstimmig fest, daß er einen vollständigen und entscheidenden Fehlschlag bedeutet. Der Hauptzweck des Streiks, das Leben des Jischuw lahmzulegen, mißlang völlig. Nicht nur bestanden die palästinensischen Juden die beispiellose Prüfung, vielmehr gelang #s ihnen, neue Positionen zu erobern und zu festigen. Keine einzige wirtschaftliche Position wurde aufgegeben; keine einzige Aufgabe vernachläßigt. Während des Streiks und auf der Höhe der Unruhen wurden 18.000 neue jüdische Einwanderer absorbiert, und heute sind mehr jüdische Arbeiter beschäftigt als vor dem Streik. Der Streik war auch eine interne Niederlage für «e Araber, denn er hätte ohne Einschüchterung und Terrorakte auch nicht einen Tag fortgesetzt werden können. Die arabischen Führer sind vor ihrem vollständigen politischen Bankrott nur durch die arabischen Herrscher gerettet worden. Kommt es zum Kriegsredht? Aus London wird gemeldet: „Daily Herald" veröffentlicht in seiner Ausgabe vom 9. Oktober eine Meldung aus Jerusalem, wonach eine Sonderausgabe der „Official Gazette", in der die Verkündung des Kriegsrechts für Palästina bekanntgegeben werden soll, sowie Plakate mit einer entsprechenden Pro- Mamation bereits im Druck seien. (J.T.A.) Ein Tagesbefehl General Dills Aas Jerusalem wird gemeldet: General Dill erließ heute einen Tagesbefehl, in welchem er erklärt, daß der Streik und bewaffnete Aufstand vom arabischen Obersten Komitee b edingungslos abgebrochen worden ist. Dieses Ergebnis ist in hohem Grade der entschlossenen und energischen Aktion der drei Militärgruppen (zu Land, zur See und in der Luft) zu verdanken, trotz schwieriger und störender Umstände. „Unser Dank", fährt der Tagesbefehl fort, „gebührt der Palästina-Polizei, ohne deren loyale Mitarbeit viele unserer Bemühungen fruchtlos geblieben wären. Es ist zu hoffen, daß jetzt Mord und Banditenwesen aufhören werden. Immerhin wird es noch einige Zeit notwendig Hein, daß alle Teile des Militärs sich für schnelles Handeln zwecks Unterstützung von Ruhe und Ordnung in Bereitschaft halten." Neue Terrorakte Aus Jerusalem: Am Montag, den 12., ist in Jedda bei Nahalal der jüdische Siedler Mordechai Feldmann aus Jagur während des Wachdienstes, den er als Hilfspolizist leistete, getötet worden. Die jüdische Siedlung Beth Schemen wurde in der Nacht von einer arabischen Bande angegriffen. Die Großer Konzerthaussaal Sonntag, 25. Oktober, 8 Uhr abends VORTRAG }a&oäHsk^ ,IN ZWÖLFTER ITUNDf Karten von S l.- bis S 6 — an der Konzertkasse Dr. Hohenberg, 1, Oper (Tel R-27-2-11). an der Konzerthauskasse und bei der Neu-Zionistischen Organisation, II, Lassingleithnerplatz 'l militärische Garnison vertrieb die Angreifer. Angegriffen wurden auch die Kolonien Mischmar Hajarden, Herzlia, der Polizeiposten in Rechowot und andere jüdische Punkte. Sämtliche Angriffe wurden ohne Verluste für die Juden zurückgewiesen. An der Grenze zwischen Jaffa und Tel Aviv wurden einige Bomben zur Explosion gebracht ohne daß ein Schaden entstand. In Kfar Sirkin wurden etwa 3000 Zitrusbäume vernichtet. Ein Truppenlager bei Bethlehem wurde von Terroristen beschossen. Bei der Abwehr des Angriffs wurden zwei Terroristen getötet. (J. T. A.) Ttitz UM Attty UU> geb. Strober VERMÄHLTE SfoH |ed«r besonderen Anzeige Wien, Im Tlschrl 5697 Der Aufruf der Könige Palcor berichtet aus Jerusalem: Der Aufruf, der in drei »eparaten gleichlautenden Fassungen erscheinen und die Unterschriften von König Ibn Saud, Emir Abduliah und König Ghazi tragen wird, lautet wie folgt: „An unsere Söhne, die Araber in Palästina, durch den Vor sitzenden des Arabischen Obersten Komitees zu Jerusalem: Die gegenwärtige Lage in Palästina erfüllt uns mit tiefer Sorge. In vollem Einverständnis mit unseren Bruder-Königen und Fürsten appellieren wir an Euch, den Frieden wiederherzustellen, um weiteres Blutvergießen zu vermelden. Wir verlassen uns auf den guten Willen unseres Verbündeten, Großbritannien, das seinem Entschluß, Gerechtigkeit walten zu lassen, Ausdruck verliehen hat. Ihr könnt unterem Wunsche vertrauen, unsere Bemühungen, Euch zu helfen, auch welter fortzusetzen." Der Aufruf des Iman Jahia von Jörnen Ist noch nicht in Jerusalem eingetroffen. Das (Manifest des Obersten Komitees Das Manifest des Arabischen' Obersteh Komitees enthält u. a. folgende Erklärungen: „Die arabische Nation in Palästina proklamierte einen Streik und beschloß seine Fortsetzung, angesichts der ungeheuren Gefahren, die die Nation als Ergebnis der gegenwärtigen Politik und der Vorentbaltung ihrer polltischen Rechte bedrohen. Sie hat in einer erstaunlichen Weise, der ganzen Welt gegenüber ihre feste Ueberzcugong kundgetan, daß eine Aenderung der gegenwärtigen Politik dringend nottut. Es liegt jedoch in unserer vererbten Tradition, denLWIinsehen der arabischen Könige und Fürsten .Folge zu lelst«SnV Das .Oberste- Komitee ist fest überzeugt, daß die Herrscher ihren Söhnen nicht befehlen würden, dies fix tun, wenn es nicht in deren Interesse und im Interesse der Wahrung der Rechte der Nation gelegen wäre. Das Oberste Komitee erkennt den großen Vorteil der Intervention und der Unterstützung de Herrscher .und appelliert an die Araber, den Streik und die Unruhen zu beenden." Der Jaffaer Hafen wieder geöffnet Aus Jerusalem: Der Hafen in Jaffa wurde am 13. Oktober zum erstenmal nach sechsmonatiger Streikruhe, dem Schiffsverkehr wieder geöffnet. Ein norwegischer Dampfer warf als erster im Hafen Anker. Der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope sandte an die Regierung in London einen telegraphischen Bericht über die Lage, der in die Feststellung ausklingt, daß die Situation im Lande so weit befriedet sei, daß die zur Untersuchung der Hintergründe der Unruhen und zur Prüfung der arabischen und jüdischen Beschwerden ernannte KöniglicheKommission ihre Arbeit an Ort und Stelle aufnehmen könne. (J. T. A.) alle Ceroleltältisungen für Firmen und Vereine £ Vervielfältigungsapparate, neu und gebraucht (Qelegenneltskäule stets lagernd), samtliche Zubehöre. Wltrofsky, Wien II, Rembrandtstrafle 30, Telephon A-44-7-63 Normaler Verkehr Jerusalem—Tei-Aviv Der Verkehr auf der Chaussee Tel-Aviv— Jerusalem war heute so rege wie vor dem Ausbruch der Unruhen. Hunderte von Menschen, die Simchat Torah und den Sabbat in Tel-Aviv verbracht hatten, um nach den Monaten von AusnaJimszustand-Bedingungen in Jerusalem auszuspannen, kehrten nach Jerusalem zurück. Der normale Dienst der Eged-Autobusse wird morgen wieder aufgenommen werden. Die Autobusse werden alle 20 Minuten zwischen Jerusalem und Tel-Aviv verkehren, und zwar ohne, wie. bisher, Karawanen zu bilden. (Palcor.) Wahiüberemkommen Wir geben bekannt, daß wir mit Herrn 'kultusvorsteher Dr. Leo Landau, welcher seit acht Jahren die Liste der Wählergruppe „Unpolitische Wahlvereinigung" geführt hat, ein Wahlübereinkommen geschlossen haben, wonach er bei den am 8. November 1936 stattfindenden Kultuswahlen unter Aufrechterhaltung seiner bisherigen Einstellung zu allen Fragen des jüdischen Lebens und unter Wahrung voller Selbständigkeit auf unserer Liste kandidiert. Die Wahlleitung., „Zionistische Liste." Ein neue» Jahr und ein neues Schuljahr hat begonnen. Die Jugend braucht den Unterricht von Sprachen sehr dringend. Die neueste Methode, spielend leicht und schnell auf bequemste Art dieselben zu erlernen, ist die mittelst Schallplatten. So oft man will, zu jeder Stunde, kann man die besten Professoren in seinem Heim hören. Dsa kostet — S 2.— per Woche. Lesen Sie die Annonce des Musikhauses Excelsior, Wien, I., Franz-Josefs-Kai 15. £2 Wotkmtuegd Warten können Die britische Maschine läuft mir langsam an, aber wenn sie einmal im Gang ist, so sammelt sie von jeder Unidrehung neue Kraft und schließlich bringt sie den am besten durchgearbeiteten Artikel von der Welt hervor. Erster Lord der brit. Admiralität Sir Samuel Hoare (Oktober 1936). j Palästina als Waffenplatz Mit der Unterzeichnung des Vertrages mit Aegypten, in dem England die Kontrolle des ägyptischen Heeres und der Polizei stark lockert und sich verpflichtet, nach 20 Jahren seine stark verringerten Truppen selbst aus d£r Suezkanalzone zurückzuziehen, wird Palästina der wichtigste Waffen platz des Reiches im Nahen Osten. biß wirkliche und wirksame Befriedung des Landes ist daher eine Notwendigkeit und wird jetzt energisch durchgeführt ■ werden. Sie wird viel Blut kosten und neue Anforderungen an den Jischuw und die Zionistische Organisation stellen. In der Verwaltung des Landes wird für die nächste Zeit das Schwergewicht bei den Militärbehörden liegen und es wird für den Jischuw von entsc}ieidender Bedeutung sein, zu verhindern, daß das Militär die gleiche zionistenfeindliche Haltung einnimmt, wie in den ersten Jahren nach dem Kriege. Zeitschrift „Palästina" (Wien, Sept. 1936). i Juden keine Natives Im großen und ganzen ist die Beamtenschaft proarabisch. Woran das liegen mag, ist nicht so leicht zu sägen. Zum Teil sind ihnen die Juden zu forsch, zu selbstbewußt und arrogant, zu wenig „Natives" und zu kulturell. Jeder Engländer empfindet es als eine persönliche Beleidigung, wenn ein Eingeborener oder ein Emigrant mehr von Shakespeare weiß, als er selber. „Pariser Tageszeitung", Oktober 1936. ] Das deutsche Wunder Wundern muß man sich, daß noch immer jüdische Geschäfte existieren können. Wenn alle Frauen wahre Nationalsozialistinnen wären, dann hätten wir jüdische Geschäfte heute nicht mehr. Ein nationalsozialistischer Kreisleiter (Harburg, Deutschi,)» Eine wichtige Erkenntnis Die Judennot ist durch keine soziale Revolution avß der Welt zu schaffen. Die Gläubiger haben den Trugschluß dieser These erst in diesen WocJien im Moskauer Prozeß am eigenen Leib erfahren müssen. Wickham Steed (1936). i 3 Englands traditionelle Politik Wenn England in Palästina bedeutend stärkere Streitkräfte zusammengezogen hat, als sie zur Wiederherstellung der Ordnung notwendig waren, so bedeutet dies, daß es in - diesem Lande eine ausgezeichnete Operationsbasis sieht für den Fall, da die große Reichsverbindungsstraße bedroht werden könnte. Es ist bezeichnend, daß England sich an die Führer der benachbarten Staaten, die vollr kommen unter seinem politischen Einfluß stehen, gewandt hat, um zu erreichen, daß dem arabischen Streik in Palästina ein Ende gemacht werde ... Was augenblicklich in Palästina vor sich geht, beweist, daß die englische Diplomatie gegenüber den Arabern, die vom Irak bis nach Aden geht, nichtsvon ihrer Geschmeidigkeit und ihrer Autorität verloren hat." „Temps" (Paris, Oktober 1936). Verband der Judenitciatszionisten Sektion Prater, II, Erlafstraße 5 Freitag, den 16. da., um 7,8 Uhr abends im Helm, II, Erlafstraße 5 ONEG SCHABBAT Es sprechen: Rabb. L. M. Zicker, Oberbaurat Robert Stricker Weihegesang: Oberkantor Jakob Wahrmann Oäste willkommen! Oäste willkommen j Völkerbundrat für deutsche Flüchtlinge Aus Genf wird gemeldet: Der Völkerbundrat beschloß in seiner am 10. Oktober abgehaltenen nichtöffentlichen Sitzung, das dem Völkerbundbüro angegliederte Amt für deutsche Flüchtlinge bis zum 31. Dezember 1938 bestehen zu, lassen. General Sir Neill Malcolm wurde nunmehr definitiv zum Hochkommissär für die deutschen Flüchtlinge ernannt. Der Völkerbundrat umriß in einer Entschließung die Aufgaben des Hochkommissariats u. a. wie folgt: die Regierungen aufzufordern, das vorläufige Abkommen zu ratifizieren, welches den Status der Deutschland- Flüchtlinge regelt; eine allgemeine Konferenz zwecks Fixierung einer internationalen Konvention für die deutschen Flüchtlinge einzuberufen; die privaten Organisationen für Flüchtlingshilfe zu unterstützen und mit ihnen sowie mit den interessierten Regierungen die Pläne zur Seßhaftmachung und Kolonisierung der Flüchtlinge zu studieren. (J. T. A.) Richtigstellung. In der Nummer 596 unsere« Blattes wurde in der Veröffentlichung „Weltprotest der Rabb Ine r" In der uns übermittelten Rückübersetzung aus, dem Englischen ein Passus irrig wiedergegeben, Es soll heißen „die Hitler in seinem Buch »Mein Kampf .verurteilt' und nicht .empfleWtV* ,