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Die neue Welt · 1936-10-13 · Heft 599 (13.10.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 599 (13.10.1936)
Date
1936-10-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 599 vom 13. Oktober 1936 DIE NEUE WELT Seite 3 1 Der arabische Blutterror zu Ende... Letzte Nachrichten der Ita. und Palcor: Der arabische Generalstreik steht vor dem Abbruch. Man rechnet damit, daß Montag, den 12. Oktober, Ruhe in ganz Palästina eintritt. Eine Meldung aus Jerusalem besagt, daß Sonntag, den 11. Oktober, in Palästina der Aufruf des arabischen Komitees gemeinsam mit den Aufrufen der arabischen Könige erschienen ist, worin den arabischen Terroristen und Mordbanditen empfohlen wird, „im Vertrauen auf den guten Willen derRegicrung Seiner Majestät" die Gewalttaten und den Streik einzustellen. In dem Aufruf heißt es — und das macht ihn besonders lesenswert —, der arabische Widerstand habe der ganzen Welt bewiesen, wie zwingend die Notwendigkeit für die Aenderung der gegenwärtigen britischen Palästina- Politik sei. Nach fast sechs Monaten blutigen Terrors und unmenschlichen Wütens, das in seiner Brutalität vor kleinen Kindern, pflichttreuen Krankenschwestern, weltfremden Gelehrten nicht halt machte, nach einer Periode grauenhafter Zerstörungswut, der Hunderttausende junger Bäume, erntetragende Felder usw. zum Opfer fielen, soll jetzt Ruhe eintreten. Die arabischen Terroristen sind im Begriff, auf einen Rat ihrer Führer, des Großmufti von Jerusalem und der Bürgermeister der großen Städte, sowie der arabischen Beamten (der Palästina-Regierung) die Mordwaffen beiseite zu legen. Ein langwieriger Verhandlungsprozeß ging dieser neuen Situation voraus. Zunächst versuchte Palästinas Oberkommissär, General Wauchope, die Araber zu beschwichtigen und zum Einstellen der „Feindseligkeiten" zu bewegen. Nachdem ihm das — trotz des Versprechens, ihre Wünsche wohlwollend zu prüfen und nach Tunlichkeit zu erfüllen — nicht gelungen war, traten weitere Verhandlungspartner, zuerst der irakische Außenminister Nuri Pascha und die Könige der arabischen Nachbarländer, auf. Immer ging es um die alten Forderungen der arabischen Extremisten, den Juden den Eintritt ins Land und den Erwerb von Boden unmöglich zu machen. Während verhandelt wurde, verstärkte Wauchope seine militärischen Machtmittel. Den Juden, die zu umfassendstem Selbstschutz bereit waren, wurde die Möglichkeit, selbst mit den arabischen Mordbanditen fertigzuwerden, verwehrt. Sie wurden bloß da und dort zum Schutzdienst — hauptsächlich auf Kosten des jüdischen Jischuw — herangezogen. Die jüdische Erbitterung Uber dieses ungerechte Vorgehen der Palästina-Verwaltung nahm von Tag zu Tag zü. Dur jüdische Mut und Heroismus, der so viel Schöpferisches im Land geleistet hatte, mußte sich mit einer passiven Rolle begnügen, und obwohl die jüdische Jugend, an Strapazen und Gefahren gewöhnt, sich danach sehnte, ihr Heim zu verteidigen und den arabischen heimtückischen Terroristen mit den Waffen in der Hand entgegenzutreten, sie in ihren Nestern aufzustöbern und zu Paareu zu treiben, blieb nichts anderes übrig-, als Wache zu stehen auf exponierten Tosten. Kunderttausende Juden, jung und alt, fühlten sich zu Zuschauern, zu Opfern des arabischen Banditismus degradiert. Ein neuer Begriff wurde in Palästina aktuell: Hawlaga! Das ist Zurückhaltung, Selbstzucht, Beherrschtheit. Man sprach ihn mit Stolz, aber auch mit Unmut aus. Zurückhaltung erscheint in einer Epoche des Angegriffenseins als nicht sehr taugliche Waffe. Spätere Untersuchungen werden aufzeigen, ob Hawlaga unter allen Umständen die richtige Taktik ist. Die Empörung Über das Verhalten der Palästina- Regierung erfaßte auch weite Kreise außerhalb der jüdischen Bevölkerung des Landes. In England selbst wurden Wauchopes zweideutige, beziehungsweise zynische Methoden heftig kritisiert. Man fand es höchst gefährlich, den arabischen Revolvern mit Versprechungen zu begegnen und gleichzeitig der jüdischen Zurückhaltung Lob zu zollen. Zahlreiche Aufsätze in den führenden englischen Zeitungen und Anfragen im Unterhaus bezeugten die Unzufriedcnlieit mit einer Administration, die sich ihrer menschlichen, moralischen und politischen Verpflichtungen des Mandatsvertrages nicht bewußt sei. In Genf war man mit der Durchführung des Palästina-Mandats seitens Englands unzufrieden. Amerikanische Senatoren äußerten ihren Unmut darüber, daß die Mandatarmacht durch ihr Verhalten die arabischen Verbrecher und ihre Hintermänner (die arabische Teegesellschaft des Oberkommissärs) zu weiterem Widerstand ermutige, wohingegen sie die Bauer des Landes, d. i. den jüdischen Jischuw, in all seinen Bewegungen einschränke. Und während jüdisches Blut floß, jüdische Felder brannten und jüdische Bäume entwurzelt wurden, verhandelte man in London und in Jerusalem, wagte es sogar eine arabische Delegation (von Wauchope und seinen Beamten ermuntert), nach London zu fahren, um dort gegen — England zu protestieren. Die Palästina- Regierung stand so sehr unter dem Einfluß der proarabischen Propaganda, daß sie an der Streikhetze ihrer arabischen Beamten nichts auszusetzen hatte. Es entstand der In der Geschichte der Kolonialverwaltung und der politischen Administration wohl noch nie gehörte Fall, daß eine Regierung ihren Beamten gestattete, gegen s i c, nämlich die Regierung, öffentlich Opposition zu machen. Als die arabischen Ueberfälle sich häuften, die Polizei- und Militärmacht ihrer nicht Herr werden konnte, als ausländische Gelder und Waffen ausreichend ins Land gekommen waren, als schließlich der Uebermut der arabischen Terroristen, bzw. ihrer Führer (der arabischen Teegesellschaft des Öberkommissärs!) so groß geworden war, daß sie sozusagen die Kapitulation der Mandatsmacht verlangte, tat diese, was sie bereits in den vorhergehenden ähnlichen Fällen getan hatte: Sie beschloß, eine — Kommission, diesmal eine Königliche Kommission — nach Palästina zu schicken, welche mit der Aufgabe betraut wurde, die Beschwerden der Araber zu prüfen und der Regierung Maßnahmen zur Erfüllung der arabischen Wünsche zu empfehlen. Bis dahin — vom Juli bis November — „sollte" die jüdische Einwanderung suspendiert werden. Es ging hier um Gerüchte, Vermutungen, Kombinationen. Da aber die bisherige Methodik Wauchopes und seiner Vorgänger eine ungünstige Deutung für uns zuließ, mußt« man auf eine große Gefahr, nämlich auf eine offenkundige Benachteiligung unserer Seite, auf eine Unterminierung des Mandats gefaßt sein. Die schlechten Erfahrungen mit den „Untersuchungskommissionen" und „Empfehlungen" — siehe Shawnnd Siraplon-Bcricht — waren nicht geeignet, uns optimistisch zu stimmen. Unerhörtes Glück bei der „Glückstelle Stein" an der „Hohen Brücke " i m Zum driften Hai« wurde der Millionen-Haupttreffer der KlatsenlotteNe von glücklichen Kunden der „Gluckstelle Stein" an der „Hohen Brücke", in der soeben beendeten Haupt- (B) Ziehung V. Kl. der Sommerlotterie gewonnen I Es ist allgemein bekannt, daß sowohl dio Millionen-Haupttreffer der Sonimcrloüorlb 19S4 als auch der Soramerlottorfe 1035 von den Kunden der „Gltlckstello Stein" gewonnen wurden. Auch der größte Haupttreffer der A-Ziohung 5. Klasse wurde diesmal bei der „GlUclcstcllo Stein" gewonnen, . ferner der Haupttreffer von S 100.000 und zahlreiche andere Troffer. „GlUckstelto Stein" hat Ob« Nacht — wieder Tausenden in Oesterreich Glück s<t>><"fct •' „GLUCKSTELLE STEIN" Wien I, Wipplingerstr. 21, an der „Hohen Blöcke" FILIALEN: I, Kärntnerstr. 34 - II, Taborstr. 20 VI, Mariahilferstr. 105 - X, Favorit enstr. 101 Die ganze Welt rechnete damit (nachdem der arabische Terror sich immer mehr verstärkt und immer mehr Opfer an Blut und Gut gefordert hatte), daß die Palästina-Regierung nunmehr zum raschesten und energischesten Mittel, zur Verhängung des Ausnahmezustandes, schreiten werde. Jeden Tag erwartete man diesen Schritt. Die jüdische Hawlaga war zum Teil der Hoffnung auf dieses Mittel zuzuschreiben. Es geschah nichts: es wurde weiterverhandelt. In Palästina fand der Jischuw Worte des schärfsten Protests. Die Assefat Haniwcharim, die nationale Organisation der jüdischen Einwohnerschaft Palästinas, wandte sich voller Empörung gegen die schändlich feige und verlogene Haltung der Palästina- Regierung und forderte Selbstschutz. Der kürzlich verstorbene Tel-Avivcr Bürgermeister, der unvergeßliche Pionier und zionistische Führer, Meir Dizengoff, warf Herrn General Wauchope öffentlich vor, daß er nicht den Mut habe, die jüdischen Bürger zu schützen, aber den traurigen Mut, dem arabischen Terror zu weichen. Und auch die zionistische Exekutive — es ist kaum zu glauben — reagierte. Sie berief für den 25. August nach Zürich eine Aktionskomitee-Sitzung ein, auf welcher beschlossen wurd«, nichts zu beschließen, bzw. den Mund zu halten. Und als knapp vor Tagungsschluß Präsident Dr. Welzmann erklärte, er müsse rasch nach London reisen, wußten alle, die Weizmanns Fluchtmanier keimen, daß ein Schlag gegen das zionistische Aufbauwerk in Vorbereitung sei. Weizmann fuhr nach London, verhan- 1 Alle Schulbücher ( H richtige Auflagen, für antiquarische |§ | allerbilligste Preise! Größte f§ H Auswahl! Spesenfreie Zusendung. g H Verzeichnisse umsonst. — Zeit spart, H | wer kauft im Schulbücherantiquariat |j I Hermann Tuchner, Wien II. 1 | EckeTaborstraße 52 / Tel, K>41*<V20 g iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ delte dort, die palästinensischen Mitglieder der zionistischen Exekutive verhandelten ebenfalls, Wauchope besuchte die Kranken, stützte die Fallenden, bedauerte die Toten — und während all diesen Zeremoniells gingen der arabische Bandenterror und die Hetze der Führer weiter, bis schließlich im Zuge des geplanten und als letzte Hoffnung erwarteten Kriegszustandes das Londoner Kabinett beschloß, wiederum Militär nach Palästina zu schicken und den hervorragenden General DM1, mit extremsten Vollmachten versehen, zum Vollstrecker de» englischen PuzifizicrungSwüiens zu machen. General Dill kam in Palästina an. Er trug einen Zivilanzug, als er in Haifa dem Flugzeug entstieg. Seine Soldaten waren bereits an Land. Er verfügte bereits über mehr als 20.000 Mann, über genügend viele Tanks, Aeroplanc, Maschinengewehre und sonstiges Kriegsgerät. Bei richtiger Verwendung — so behaupten Militärsachverständige in den „Times" — müßte Dill dem arabischen Aufstand 'im Handumdrehen ein Ende machen können. Es ist aber nicht dazugekommen. General Dill hat noch nicht seine Uniform angelegt, als schon die Nachricht eingetroffen ist, daß dies gar nicht mehr notwendig sein werde. Da die Araber erst nach sechsmonatigem Blutterror zur Erkenntnis gebracht wurden, daß sie sich auf den guten Willen und das Wohlwollen der Palästina- <* Regierung verlassen können, ist anzunehmen, daß knapp vor Verhängung des Kriegszustandes der Oberkommissär gemeinsam mit Dill den arabischen Führern Zusagen gemacht hat. Und da einerseits die arabische Hauptforderung sich auf die Suspendierung der jüdischen Einwanderung bezog, andererseits die usuelle Oktober- Zertifikatenzuteilung bis heute nicht erfolgt ist, schließlich eine präzis«; Antwort der Palästina-Regierung auf diesbezügliche Anfragen nicht zu haben war, stehen wir vor der Gefahr, daß der Friede mit den arabischen Mordbanditen und ihren Führern auf unsere Kosten zustande gekommen ist. Unsere Regierung, die zionistische Exekutive, wird uns die volle Wahrheit sagen müssen. Hier läßt sich Hawlaga nicht betreiben! o. r. blähtet die &l@Hi& Eröffnung der Z''frusff8afeon 20.000 Kisten Grapefruit aus jüdischen Pflanzungen, die erste Ladung dieser Saison, wurden am 1. Oktober in Haifa verfrachtet. Ausbau des Tef'Avivcr Bahnhofs Infolge des überaus starken Anwachsens des Verkehrs am Tel-Aviver Bahnhof, das auf die Schließung des Hafens von, Jaffa zurückzuführen ist. ist die Erweiterung des Bahnhofes in Angriff genommen worden. Es wird beabsichtigt, neue Warenschuppen zu errichten, die 10.000 Pfund kosten werden. Neue Huftlmae H&vmdisiaHaiSa Ein italienischer Hydroplan, der heute im Haifaer Hafen eintraf, hatte den ersten Probeflug auf der heuen Luftlinie Brindisi—Haifa-über Athen und Rhodos durchgeführt. Die offizielle Eröffnung der Linie erfolgt im April 1937; ein regelmäßiger Dienst dreimal wöchentlich wird in Aassicht genommen. Die hiebei benutzten Hydroplane fassen 18 Passagiere und werden die Strecke in elf Stunden zurücklegen. Wiedereröffnung der Kinos Die Kinos in Jerusalem, die infolge der Ausnahmsbestimmungen geschlossen waren, werden von morgen ab für Vormittagsvorstellungen geöffnet werden. ■■■■■■■■■■BMnnMBHHnMHMBKaHHMMnBHnBMVIMnn Verb« d* Judensffaatszsonssften Oesterreichs Alle Mitglieder werden aufgefordert, sich dem Sekretariat, das seine Arbeit in vollem Umfang wieder aufgenommen hat, für die Arbeiten zur Kultuswahl zur Verfügung zu stellen. Anmeldungen täglich von 7 Dis 8 Uhr abends im Sekretariat, I., Werdertorgasse 12. Sektion Prater, II., Erlafstraße 5. Freitag, den 16. d. M., halb 9 Uhr abends Oneg Schabbat. Gäste willkommen. Judenstaatsjugend. Der Englischkurs hat bereits begonnen. Nachmeldungen jeden Montag ab 9 Uhr abends im Heim, H., Untere Augartenstraße 38, beim Kursleiter Ch. Imergut. Anmeldungen für die Hebräischkurse täglich. Große Chales-Gedenhfeler (anläßlich des 6 0. Geburtstages) Mittwoch, den 14. Oktober 1936, um 8 Uhr abends im Hotel „Continental", II, Taborstr, 4 Einleitende Worte: Dr* Oskar Grünbaum Gedenkrede: Oberbauraf Ing« Robertf Stricker Künstlerisches Programml

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