Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 598 (7.10.1936)
- Date
- 1936-10-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 595 vom f. ÖfetöDer 1936 DIE NEUE WELT Seite» Nützen Sie die Gelegenheit aus — äb Montag, 8 Uhr — in den modern renovierten Verkaufshallen FAtme, wie man mich in Pari» behandelte, und Fatme wurde nach einer Woche gesund. Dieser Fall erhöhte meine Popularität unter den Arabern. Die Scheichs der Umgebung gaben mir keine Ruhe, wollten mich unbedingt verheiraten. Einmal traten die Seheichs sogar zu einer Beratung zusammen, wo beschlossen wurde, daß ich endlich eine Ehe eingehen müsse, und Just mit Fatme... „Du hast sie vom Tod errettet", erklärten mir die Scheichs, mir ihren Beschluß übergebend, „und der Scheich Said betet täglich zu Gott um deine Gesundheit und er wird dir sicher seine Tochter ohne Groschen Geld geben." Kurze Zeit später mußte ich ins Ausland gehen, und als ich nach drei Monaten zurückkam, besuchte mich der Schalen Said, und in Tränen ausbrechend, rief er aus: „Gott hat mir meine Tochter genommen, mein Augenlicht. Dich hat er ins Ausland geschickt, und Fatme ist wieder krank geworden. Einen fremden Doktor konnte ich doch zu Ihr nicht bringen — und sie ist davon, in, den Himmel. ,Und jetzt möchte ich lieber tot sein, als ohne meine Fatme leben.. So endete raeine Karriere als Doktor und als... Heiratskandidat für die herrliche arabische Königstochter,». Gegessen Von David Frischmann Kino der wenigen jiddischen Arbeiten des großen hebräischen Publizisten David Frischmann, der nach dem Weltkrieg in Russisch-Polen gestorben ist. Eine Geschichte von dreien, die gegessen haben. Nicht an einem einfachen, gewöhnlichen Tag haben sie gegessen, sondern am Jom Kippur; nicht heimlich, wo niemand es sieht, sondern öffentlich, in dem großen Bethaus, vor der ganzen Gemeinde; und nicht etwa gewöhnliche Menschen von der Gasse sind es gewesen, die niemand bemerkt, sondern die ehrwürdigsten Persönlichkeiten, die angesehensten Leute der Stadt: der Raw und die beiden Dajonim, die Volksrichter. Es waren damals düstere Tage.' Ein Unglück ist vom Himmel gekommen, und genannt hat man es mit dem Namen: Cholera! von weither, von Asien, ist sie gekommen; zu Uns, in unser kleines Städtchen hat sie sich verschlagen. In den Gassen hat sie erbarmungslos gearbeitet und in den Häusern hat sie ohne Unterlaß gewütet. Wer kann die Toten zählen, die jeden Tag gefallen sind? Wer kann sie mit Namen rufen, und v/er kennt die Reihe der frischen Hügel, der, neuen Gräber? ... Hauptsächlich ist die Seuche in der jüdischen Gasse tätig gewesen. Wie die Fliegen sind dort Jung und Alt.^Klein und Groß gefallen; es gab keinvHaus, wo nicht etliche Tote gewesen wären. Und so ging der Sommer dahin,, und » danauf kamen die heiligen Tage, und. nach ihnen der heiligste Tag von allen: der Jom Kippur, ■> r .... :;-.:":.fo.der Nacht des Jom Kippur', hat niemand. das Bethaus .verlassen und, dennoch haben am:Morgen einige gefehlt: sie sind im Heiligtum gestorben. Zwei sind bei Nacht niedergefallen, inmitten "der ganzen Gesellschaft, noch engehüllt' in' die Gebettücher und Sterbekittel, so daß ihnen fast gar nichts mehr "zum Hinüberfahren vom Leben in den Tod gefehlt hat . . . Und - von der jüdischen Gasse dringen Nachrichten ins Bethaus hinein — Nachrichten wie noch nie jemals zuvor oder danach. Aber im Bethaus hört niemand und fragt niemand: Jeder einzelne hat Angst, zu hören, jeder einzelne hat Angst, zu wissen, was bei ihm zu Hause vorgeht. .. Und es ist das Mussaf-Gebet vorbei. Auf dem Alraemor erscheint der Raw mit beiden Dajonim. Des Raws brennende schwarze Augen leuchten und glänzen aus dem weißen, blassen Gesicht, das vom weißen Haar und weißen Bart umrändert ist. Das Mussaf-Gebet ist schon längst gesprochen, und die Menge steht und schweigt und wartet auf das, was der göttliche Mann reden wird, keiner wagt auch nur Atem zu holen. l!^ Und der Raw, redet, «. Wie ein krächzender E./iOJJV. } Unser Cape-Mantel ans sutetn Bouc e mit < abnehmbarem Pelz - Cape (Alaskalainm). ganz K.- ö.-Mongol gefUttett und RA. wattiert . ..... . . S 99 (mit echtem Fuchs-Cape S 79.-) Steirer-Kosiüme mit (Hünen Applikatio- 4|f|, neu (Wickelschoß) * . S 13» Smoking-Kostüme gestreift odereinfärbig, Jacke K.-S.-Mongoi gefüttert Schneiderarbeit S Complets Paletot u. Schoß, Nop- AA. penstoifeengl scher ArtS m9 Flanell-Schlafröcke seblumt od. Tweed-Klei- B der mit langen Aermeln S «9 Hosenröcke dunkle Dessins nach A. engl. Art...... S 9 Wollstoff-Kleider moderne Fasson, in allen 4 A; Modefarben S I* ,90 90 KasaV-Kieider Mode - Wollstoffe, Samtäufputz .?S24- Fiscngrä't- Mäntel mit breiter Dragonerspange, ganz K.-Seide'fgA,- gefüttert Für den Herrn:: ' i" '■ '.* ' Winter-Mante) u in Dunk« K.-Seide Sport-Anzüge Mode - Wollstoffe, moderne Ruckenpartie. . S Boxcalf-Schuhe mit Crouponsohle . . 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An den Wänden schwimmen die Schatten hin und her, und ich sehe zwischen den Schatten die Toten, die gestern und vorgestern und ehegestern gestorben sind: eine große, fürchterliche Schar, eine große, fürchterliche Gemeinde . . , Und plötzlich verstehe ich klar und deutlich, was da der Raw von uns verlangt: Der Raw verlangt, daß die Juden am Jom Kippur essen und Platz vor der Hebräischen Universität (Jerusalem), wo arabische pemonstrationsversaininlungen stattfinden Tränen und er Würgt die Wörter im Hals: „Esseril Geht essen! Es ist eine solche Zeit! Manchmal fügt es sich, daß es geradezu eine Mizwe ist, eine Menge von der Thöra aufzuheben! Leben soll man durch die Mjzwes, aber nicht sterben durch sie!" Aber in der Betstube rührt sich keiner vom Platz. Und plötzlich ist das Gesicht des Raw noch bleicher geworden, tief sinkt sein Kopf auf die Brust herab. Eine Minute geht vorbei und ein Seufzer, ein tiefer, herzzerreißender Seufzer ist von einem Ende der Betstube bis zum anderen zu hören, und nach dem Seufzer kann man wie ein Murmeln vernehmen: „Gottes Wille ist es", sagt der Raw mit trockener Stimme, und es sieht so aus, als ob er zu sich selbst reden wollte. „Zweiundsechzig Jahre bin ich alt und bin noch niemals dazu gebracht worden — wie es sich herausstellt, ist es Gottes Wille so, daß ich nicht früher sterbe, bis ich nicht auch solches erfüllt habe." Und stül ward es eine Mmute lang, stül wie auf einem Friedhof, und plötzlich vernahm man die Stimme des Raw, wie er rief: „Schammes." Und der Schammes ging hinauf, und der Raw raunte ihm etwas ins Ohr, hierauf sprach er still etwas mit den Dajonim, die Dajonim nickten ihm mit den Köpfen zu, als wollten sie ihm etwas zustimmen, inzwischen kam der Schammes von des Raws Wohnung zurück und brachte eine Flasche Wein und Gläser und ein Stückchen Lebkuchen zurück. Und die drei haben gegessen. „Ihr habt es just von mir gewollt — und ich bab* es getan", sagt jetzt der Raw, und seine Stimme ist klar und fest und zittert beim Reden nicht mehr — „Gottes Name sei gebenedeit!" Und viele von der Gemeinde essen jetzt auch, essen und weinen ... (Aus dem Jiddischen von 0. r.) FBiaglime Warschau—Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): Die Vorbereitungen i'ür' die' Eröffnung der Fluglinie Warschau- Palästina sind bereits weit vorgeschritten. Der Generaldirektor der polnischen Luftfahrtgeseilschaft „Lot" war kürzlich in Athen, um dort entsprechende Ver« handlungen über den Flugverkehr zu führen, und zwar soll der Flugverkehr von Warschau über Saloniki und Rhoclps nach Palästina gehen. Im Juni war bereits probeweise ein polnisches Flugzeug von Warschau nach Tel-Aviv und zurück geflogen. Die Fluglinie dürfte am 4. Oktober eröffnet werden«