Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 598 (7.10.1936)
- Date
- 1936-10-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 59S vom f. Oktober 1936 DIE NEUE WELT Seite 7 Die Revisionisten am Scheideweg Von Dr. H. Rosenblum (Tel-Aviv) In der letzten Zeit wird das' revisionistische Problem wiederum auf die Tagesordnung gestellt. Im „Haboker" sind einige Artikel erschienen, welche die weitere Isolierung der Revisionisten als unzweckmäßig und ihre Wiedervereinigung mit der Zionistischen Organisation als nützlich und notwendig bezeichnen. Die Judenstaatler waren die ersten, welche diese Frage aufgerollt haben. Es geschah dies vor einigen Monaten vor dem Ausbruch der jetzigen Unruhen. Schön damals war es klar, daß der Zionismus am Vorabend ernster Erschütterungen stehe und daß die rechtzeitige Sammlung aller unserer Kräfte ein Gebot der Stunde sei. Der Autor dieses Artikels kam dann, als Exekutivemitglied der Judenstaatspartei, in Verbindung mit führenden revisionistischen Persönlichkeiten in Palästina und sprach mit ihnen über die Möglichkeit, die Brücke gegenseitiger Verständigung wieder aufzubauen. Später wurden . diese Gespräche zuerst in Wien, dann in Londoil zwischen den Herren Robert Stricker, Meir Großmann und Vladimir Jabotinsky wieder aufgenommen. Hiebei rückten wir unsererseits mit einem weitgehenden Vereinigungsplan heraus, der einerseits die Einheit und Souveränität der Zionistischen Organsation gewahrt und andererseits den Revisionisten die Möglichkeit gegeben hätte, zum Aufbau der zionistischen Einheit ohne irgend welche Opfer beizutragen. Leider waren diese Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Seither interessieten sich für den Zusammenechluß auch andere Kreise: Der Verband der Allgemeinen Zionisten in Palästina, der darüber knapp Vor der letzten Sitzung des Aktionskomitees berichtete; die Misrachisten; einzelne zionistische Persönlichkeiten, wie Benzion Katz, Kolenscher u. a.; schließlich — eine Menge Revisionisten, bei welchen ein gewisser Gegensatz zwischen der offiziellen Parteistellungnahme und dem wirklichen inneren Gefühl festzustellen ist. Dabei argumentiert jeder Partner auf seine eigene Art. Die Revisionisten, mit welchen wir zu reden Gelegenheit hatten, behaupten, daß sie sich überhaupt von der Zionistischen Organisation nicht aus bloßer Liebe zu einer separaten politischen Existenz losgelöst haben, sondern weil die Verhältnisse in der Zionistischen Organisation sie dazu gezwungen haben. Um den Revisionisten das Leben vzu verbittern* hat sich Herr Berl Locker vier Jahre im Schweiße seines Angesichts gerackert. Hat doch dieser Politiker seine ganze Exekutivekarriere auf „Revisionistenfang" aufgebaut. Seine gekünstelten und kurzsichtigen „Disziplingesetze", die jetzt wie alte Makulatur aussehen, haben die inneren zionistischen Spannungen und Gegensätze zu höchster Stufe .hinaufgetrieben. All das: zusammen mit der : Monopolstellung der „Mapai", der linkssozialistischen Arbeiterpartei, welche alle bürgerlichen Kräfte der Zionistischen Organsation festband, hat tatsächlich die Revisionisten zum Austritt getrieben, so daß sie das, was sie taten, unter dem Druck der von anderen geschaffenen Verhältnisse taten. Wenn sich diese Verhältnisse ändern, so ist es sehr leicht möglich, daß sich die heutige revisionistische Stellung zur Zionistischen Organisation ändern wird. Andere stehen nicht auf diesem Standpunkt und halten dafür, daß man heute nicht mit Umständen rechnen darf, welche vor drei Jahren bestanden haben. Wenn man damals noch dem Gedanken einer separaten zionistischen Organisation Raum geben konnte, seien jetzt Ereignisse von derart ungeheurer Bedeutung für die Weltjudenheit und den Zionismus eingetreten, daß sie solch einen unzeitgemäßen Versuch aufzugeben zwingen. In den letzten zwei oder drei Jahren ist Europa unter den Schatten voii Adolf Hitler und Palästina unter den Druck von Fausi Kaukzi (dem syrischen Ax'aberführer und Terroristen) gestellt worden: Angesichts dieser zwei Erscheinungen ist es leichtsinnig, jetzt mit Argumenten und Einwänden von 1933 zu kommen. Jeder muß heute die Notwendigkeit eines engen jüdischnationalen Zusammenschlusses einsehen. Andererseits sind in der Zionistischen Organisation die grellen Stimmen des Kleinzionismus und Defaitismus verstummt. Masseneinwanderung, Bewaffnung und jüdische Mehrheit in Palästina sind heute die Forderungen sogar des „Haarez" und „Dawar" geworden ... Es bleiben also schließlich soziale und kulturpolitische Meinungsdifferenzen. Aber um ihretwillen benötigt man nicht eine separate außenpolitische Vertretung mit zwei Jewish Agencies!" Und andere erklären offen: Berl Locker hat tatsächlich viel zur Spaltung beigetragen, aber es ist nicht ganz korrekt, zu behaupten, daß er der Hauptgrund des revisionistischen Austritts war; Jabotinsky habe den Austritt zehn Jahre vor Berl Locker gepredigt. Schon damals habe er geleh: t, daß man nicht um die Eroberung des Kongresses kämpfen und gleichzeitig eine erfolgreiche politische Tätigkeit führen kann. Das eine, habe er m sagen gepflegt, störe das andere^ nur wenn die , Revisionisten von der Zionistischen Organisation weggehen würden, könnten sie auf politischem Gebiet zum Wohl des ganzen Zionismus Großes leisten. Was stelle sich jetzt heraus? Der Berg hat eine Maus geboren. Die Revisionisten haben zwar die Zionistische Organisation verlassen, aber ihre politischen Erfolge haben sich als sehr bescheiden erwiesen. Einige meinen sogar — bescheidener, als vor dem Austritt aus der Organisation, obwohl die Epoche, in welcher wir jetzt leben, viel dramatischer ist. Die Antwort, welche die Revisionisten darauf geben, nämlich, „es lasse sich nicht alles auf einmal machen" und „man müsse abwarten", ist nicht überzeugend. Der Austritt ist doch deswegen geschehen, weil die Revisionisten nicht warben wollten und einen sofortigen Erfolg verlangten! Das wenden die Skeptiker des Austritts und Separatismus ein. Wer hat nun recht? Auf diese Frage werden wir keine Antwort geben. Es ist jetzt nicht die Zeit zu forschen, wer hierin recht und wer unrecht hat. Sich wiederum auf eine Diskussion einlassen, hieße, jede Aussicht auf eine Verständigung unmöglich machen. Es gibt Situationen, wo Klarheit durch Kampf erreicht wird. Und es gibt wieder andere Situationen, wo der Kampf eine klare Situation unklar und verwickelt macht. Das kommt vor, wenn die Parteien, welche verschiedene Argumente gebrauchen, im Grunde dasselbe Wollen. In solch einem Fall muß man die .Einwände und Hindernisse vermeiden und beim Ende beginnen, d. h. beim gemeinsamen Schlußakkord. Und uns scheint, daß wir es jetzt mit solch einem Fäll zu tun haben. Die zionistischen Massen können und wollen nicht verstehen, wozu die zehntausende Zionisten, welche „Revisionisten" heißen, sozusagen für sich selbst „Schabbes machen" und gerade jetzt, wo der Zionismus in seinem schwersten Existenzkampf steht. Mari kann nicht verstehen, weshalb eine einheitliche Zionistische Organisation möglich war, damals, als Dr. Weizmann Kleinkolonisation, Antilegionismus und Antijudens^aat predigte, und weshalb eine organisatorische Einheit jetzt unmöglich sein sollte, wo i die zionistischen Parteien sich den Prinzipien der Masseneinwanderung, der jüdischen Mehrheit und der jüdischen Bewaffnung genähert haben! In den Augen der ehrlichen zionistischen Massen ist die N. Z. O. (Neu-Zionistische; Organisation) der Ausdruck einer Tragödie, für welche eine die < nationalen Interessen zufriedenstellende Lösung gefunden werden muß. Verband der Judenstaatsxionisten, Sektion Prater Donnerstag, 8. Okiober, 8 Uhr abends, im Vereinsheim, 11, Erlafstraße Nr. 5 Simdiath-Thora-Feier lür Kinder und Erwachsene Mitglieder und Freunde sind herzlichst eingeladen! Andererseits scheint uns, daß auch die Gefühle der Revisionisten sich in derselben Richtung bewegen. Ein Revisionist von 1933 und 1936 sieht aus wie Menschen von zwei verschiedenen Mentalitäten: beim heutigen Revisionisten ist nicht der alte, stürmende Haß gegen die Zionistische Organisation als ganze vorhanden — das jüdische Martyrium außerhalb Palästinas und in Palästina selbst hat in ihm, als gutem jüdischem Patrioten, das Gefühl eines gemeinsamen zionistischen Schicksals erweckt. Gewiß ist er wie früher gegenüber der politischen Taktik und der sozialen Wege der Leitung kritisch. Aber das ist bei ihm nicht mehr mit einer Gesamt fein dschaft und absoluten Negierung der ganzen zionistischen Bewegung verbunden. Ich stütze mich bei dieser Behauptung auf Gespräche mit hunderten' führenden Revisionisten in verschiedenen Stellungen, von welchen ich bisher ganz andere Töne gewöhnt war. Und da muß ich unbescheiden sein und sagen, daß ich bezüglich der Feinheiten der revisionistischen Tonskala aus Verschiedenen Gründen ein sehr gut ausgebildetes Ohl' habe ... Es geht also darum, nicht zu diskutieren, sondern zu probieren: weil sowohl die Zionisten als auch die Revisionisten nicht daran interessiert siind, die Folgen einer unglücklichen Entwicklung zu vertiefen. Essen Sie das orsto Brot in hygienischer Packung „Simonsbrot!" Für Zuckerkranke, Nervöse, Magenleidende. Täglich frisch. B Allgemeinen Beifall findet der Tonfilm „Land der Verheißung". Das Emek- und das Tel-Aviv-Lied sowie alle Horras sind auf Lukraphonplatten durch das Grammophonhaus Excelsior, Wien, I., Franz-Josefs-Kai 15, zu beziehen. Kataloge gratis. Viel Interesse begegnet der Schallplattenunterrichtskurs ,.Neuhebräisch schnell gelernt" nach der Methode von Habblner Dr. Emil Kohn. (Auch leihweise um S wöchentlich.), Alle Schulbücher richtige Auflagen, für antiquarische all erbilligstc Preise! Größte Auswahl] Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst. — Zeit spart, wer kauft im SchulbÜdicrcwtiquarictt Hermann Tuchner, Wien Ii. Ecke Toborstraße 52 / Tel. R*41«4*20 Vaterländfedie Kundgebung der kaisertreuen Juden W»est$ Oer Reichsverband der jüdischen Legitimisten gibt bekannt, daß er im Einvernehmen mit der Vaterländischen Front am Samstag, den 10. Oktober 1. J., im Festsaale des Hotel „Continental", IL, Taborsiraße 6 (bei Schweden brücke), eine Vaterländische Kundgebung veranstaltet. — Es sprechen: Bundesführer Generalmajor Emil Sommer, Universitätsprofessor Dr. Dietrich v. H i 1 d e b r a n d, Rabbiner Dr. M. Bosen mann. — Es spielt die alte Deutschmeisterkapellc. — Der Reichsverband lädt auf diesem Wege die Judenheit Wiens ein, an dieser Versammlung teilzunehmen, in welcher die Juden Wiens ihre Treue wnd Ergebenheit zum Hause Habsburg und zu ihrem Vaterlandc kundgeben wollen. mmmmmmmamam Aendcrung der zioiHstfisdien Politik Die schweren Ereignisse in Palästina ( haben zweifellos auf die Gemüter des jüdischen Jischuws tiefen Eindruck gemacht und das Bestreben gefördert, die Lage zu sehen, wie sie ist, und aus ihr die erforderlichen ideellen Konsequenzen zu ziehen. Vor allem wird festgestellt, daß eine radikale gedankliche Umstellung des Zionismus erforderlich ist. Mit dieser Umstellung beschäftigt sich im „Haboker" (Jerusalem) der Professor der hebräischen Universität Josef Klausner, indem er sie nach drei Grundgedanken ordnet: -..:>:.'.n.x.&joDer Zionismus muß aufhören, eine rein kolonisatorische Bewegung zu sein, wie er sie in den letzten Jahren war. Die zionistische Politik muß wieder jenen hohen Rang einnehmen, den. sie in den Zeiten Herzls und Nordaus. hatte.. Eine Kolonisationsbewegung ist-nur möglich, wenn die politischen Bedingungen für sie geschaffen worden sind. Das politische Problem der jüdischen Existenz in der ganzen Welt muß von zionistischer Seite in seiner ganzen Furchtbarkeit aufgerollt, die Judenfrage vor das Forum der Völker gebracht werden. 2. An das arabische Problem muß herangetreten werden. Es ist notwendig, eine gründliche Kenntnis dea arabischen Lebens, der arabischen Geschichte und Tradition im Jischüw zu verbreiten; ebenso ist eine arabische Darstellung des Zionismus, der zionistischen Einstellung zu Palästina und der Hoffnungen auf ein friedliches Zusammenleben mit den Arabern auch in einem Staat mit jüdischer Majorität notwendig. Die Zionistische Organisation, beziehungsweise der jüdische Jischuw, muß danach streben, sich im arabischen Lager, eine — wenn auch noch so kleine — Gruppe zu schaffen, welche die jüdischen Bestrebungen verstehen und unterstützen wird. 3. Auf dem Gebiete der Erziehung und Kultur ist eine radikale Umstellung notwendig. Der Geschichtsunterricht muß die nationalpatriotischen Gefühle stärken, ohne deswegen chauvinistisch zu werden. Man muß der jungen Generation Liebe zum Lande und zum Volke einpflanzen, sonst schaffen wir hier eine Generation wurzelloser Menschen. Die heroischen Teile unserer Geschichte müssen im Unterricht in besonderer Weise hervorgehoben werden. Besonderes Augenmerk gebührt der Literatur. Während bisher soziale Fragen in umfassendster Weise behandelt wurden, muß fürderhin das nationale Moment in den Vordergrund gestellt, werden. Die Forderungen Prof. Klausners wenden sich also im wesentlichen gegen die zionistische Politik der Linken, den sogenannten .Weizmannschen Kleinzionismus, wie er seit Jahren von den patriotischen, judenstaatlerischeu Zionisten bekämpft wird. Verband der «Judenstaatszionisten, Sektion Prater, IL, Erlafstraße 5. Die Sektion Prater hat uach den Ferien ihre volle Vereinstätigkeit aufgenommen. Das Heim ist täglich ab 8 Uhr abends geöffnet. Einschreibungen für Hebräisch-Kurse finden allabendlich statt. Der Verband gratuliert Herrn J. H e 1 i c z e r und Frau zur Vermählung ihrer Tochter Bella mit Herrn Dir. Munjo Tillinger, Grabütoin-Aulstclluiig. Wie uns mitgeteilt wird, findet die Grabstein-Aufstellung für Herrn Ministerialrat Moses Weiner s. A. am Sonntag, den 11. Oktober, 11 Uhr vormittags, auf dem Zentraifriedhof, TV. Tor, statt. Gesinnungsgenossen und Freunde des verdienten Verstorbenen werden es gewiß nicht versäumen, 4er Eeier. flec .Grabsteinsetaung beizuwohnen.