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Die neue Welt · 1936-10-07 · Heft 598 (7.10.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 598 (7.10.1936)
Date
1936-10-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 508 vom 7. Oktober 1936 DIE NEUE WELT Seite 5 Wirkung der Unruhen in Palästina Einwanderung — Arbeitsmarkt — Handel Bei einer Beratung des Warschauer Palästina- Amtes, der auch der Vizedirektor des Einwanderungsdepartmenta der Jerusalemer Exekutive, Elijahu Dobkin, beiwohnte, gab der Vorsitzende des Amtes, lng. Anselm Reiß, Zahlen über die jüdische Auswanderung von Polen nach Palästina während der Unruhen bekannt. In den ersten neun Monaten des Jahres 1936 sind 10.28 6 Personen nach Palästina ausgewandert. 1935 betrug die Auswanderung in demselben Zeitraum 18.639, 1934 — 8631 Personen. Voraussichtlich wird die Gesamtauswanderung aus Polen in diesem Jahr ungefähr 1 2.0 0 0 Menschen betragen, während 1935 25.000 und 1934 13.000 ausgewandert sind. .Während in den sonstigen Jahren mehrere hundert Zertifikate von dem von April bis September ausgegebenen Schedule erst zwei bis drei Monate nach dem Termin ausgenutzt weiden, sind diesmal im ganzen fünf oder sechs Zertifikate bisher un- Einzige Jüdische Handelsschule für Knaben und Mädchen. Unterricht laut Normallehrplan für Handelsschulen. Abendkurse: Für kaufmännische Fächer,Sprachen usw. Wien II, Taborstraße 39. Tel. A-45-B-57. Prospekt gratis.» ausgenutzt geblieben. Unter den Auswanderern, die in der Zeit der Unruhen nach Palästina gegangen sind, befanden dich Chäluzim, Kapitalisten, Handwerker, Angehörige von Personen, die bereits in Palästina ansässig sind, und Schüler palästinensischer Lehranstalten. Bei sämtlichen Kategorien' hat sich kein einziger Kandidat durch die Unruhen abhalten lassen, die Alija anzutreten. # Elijahu Dobkin erklärte, es wäre falsch, von einer Wirtschaftskrise in Palästina zu sprechen. Auch in diesem Jahr habe das Land weitere 4 2.0 00 Einwanderer aufgenommen, fünfmal so viel wie alle überseeischen Länder zusammen. Die jüdische Bevölkerung Palästinas ist in diesem Jahr durch Einwanderung von 42.000 Menschen und einen natürlichen Zuwachs von 8000 Seelen von 3 6 5.0 0 0 a u f 415.0 0 0 Seelen gewachsen. Die jüdische Bevölkerung hat sich also um 15 Prozent vermehrt. Es ist hervorzuheben, daß die Monate der Unruhen keinerlei Rückwanderung zur Folge hatten. In den Monaten Juni bis August haben Palästina nur 228 und 121 illegale Einwanderer, zusammen 349 Personen verlassen, eine für alle Immigrationsländer zu allen Zeiten durchaus normale Erscheinung. Ueber die Lage des Arbeitsmarktes in Palästina berichtete Dobkin, daß die Zahl der Arbeitslosen, die vor kurzem noch 3500 betrug, Anfang September auf 3000 gesunken ist. Gleichzeitig herrscht auf dem flachen Lande Mangel an Arbeitskräften. Alle Kenner der Palästina-Wirtschaft sehen voraus, daß in den nächsten zwei Monaten 10.000 Arbeiter in Palästina fehlen wereden. Die Exekutive der Histadrut (Arbeitergewerkschaft) hat in einer am 12. September abgehaltenen Sitzung beschlossen, die Schüler der höheren Klassen für die Arbeit in den Pflanzungen und auf den Feldern zu schulen und heranzuziehen. Unter dem Druck der Ereignisse im Lande ist es der jüdischen Arbeit gelungen, in die private Pflanzungswirtschaft einzudringen und damit ein Ziel zu erreichen, das seit Jahren angestrebt wurde. Während früher auf den 163.000 Dunam privaten jüdischen Pflanzungsbesitzes unter 15.000 Arbeiter kaum 3 000 Juden beschäftigt wurden, ist die Zahl der jüdischen Arbeiter in diesen Betrieben in der letzten Zeit auf 1 0.0 0 0 gestiegen. In den nächsten drei Jahren, wenn alle jüdischen Privatpflanzungen fruchttragend geworden sein werden, wird man weitere 2 5.0 00 Arbeiter beschäftigen müssen. Bei öffentlichen Arbeiten der Regierung* und der Stadtgemeinden waren vor den Unruhen nur wenige Dutzend jüdische Arbeiter beschäftigt, jetzt 1800. Auch Hafen und Meer werden allmählich von jüdischer Arbeit erobert. 600 jüdische Arbeiter sind hier schon beschäftigt. Der Hafen in Tel-Aviv eröffnet neue Perspektiven für die Entwicklung des jüdischen Landes und der judischen Arbeit. In der Landwirtschaft waren vor den) Krieg 17 Prozent des Jischuw tätig. Später stieg die Zahl des Jandwirtschaftlichen Sektors auf 25 Prozent, fiel jedoch in den Jahren der Prosperity auf 12 Prozent. Jetzt hat der Jischuw die-Gefahr, in der Ernährung auf fremde Produktion , angewiesen zu sein, erkannt. Während die jüdische Bevölkerung früher ihren Gemüsebedarf nur zu 15 Prozent aus jüdischen Wirtschaften bezog, werden heute bereits 50 Prozent des Gomüsekonsums von jüdischen Gärtnerelen geliefert. Am stärksten hat unter den Unruhen die Bau* bewegung gelitten. In ihr sind heute mir 9000 Arbeiter beschäftigt,: während es vor den Unruhen 12.000 waren. Aber auch in diesem Wirtschaftszweig Ist in letzter Zeit eine Belebung festzustellen. In Haifa sind jetzt etwa 900 Häuser im Bau. In der Industrie sind heute rund 3000 jüdische Familien beschäftigt. Trotz der in einzelnen Branchen, wie z. B. Textil- und Möbelindustrie, herrschenden Krise sind noch in den Monaten April bis Juni 180 kleine Industrieunternehmungen neu gegründet worden. Am stärksten hat unter den'Unruhen der Handel gelitten. Seine Lage ist schwierig; trotzdem werden nicht mehr als 2 Prozent der Wechsel protestiert. Gerade in der Zeit der Unruhen wurde die Agrarbank mit einem Grundkapital von 35.000 Pfund ins Leben gerufen. Militärbauten in Palästina Aus Jerusalem: Ein ägyptischer Bauunternehmer erhielt von der Palästina-Regierung den Auftrag, für 50.000 Pfund ein Militärlager bei Nathania, ferner für 10.000 Pfund Militärbaracken in Jerusalem, Haifa und Tulkarem zu errichten. Der Aegypter hat die Arbeiten an jüdische Subbauunternehmer weitervergeben. Sie müssen innerhalb zwei Monate beendet sein. BevolkerunqsiBewegung Aus Jerusalem: Im zweiten Vierteljahr 1936 hat sich die jüdische Bevölkerung Palästinas um 4347, die mohammedanische um 3174 Seelen vermehrt, die christliche um 768 Seelen vermindert. Die Juden erzielten im zweiten Vierteljahr einen Einwanderungsüberschuß von 2581 Personen, während, ihr Einwanderungsüberschuß im ersten Vierteljahr 8816 betrug. Dagegen war bei den Arabern im zweiten Vierteljahr die Auswanderung um 2253 Personen größer als die Einwanderung. Die Gesamtzahl der Geburten betrug in diesem Zeitraum 12.352, um 5975 weniger als im ersten Vierteljahr. Es entfielen auf die Mohammedaner 8792 oder 71 Prozent, auf die Juden 2584 oder 21 Prozent, auf die Christen 857 oder 7 Prozent aller Geburten. Hervor- „Efa idealer Galle" — Deuttdies Volfcsfhcaler Die sensationellsten Toiletten der heurigen Saisori bot die interessante Premiere vom „Idealen Gatten" im Deutschen Volkstheater. Ein einheitliches, geschlossenes Bild der Herbstmode für alle Lebenslagen, trotz der dem Charakter jeder Rolle angepaßten Individualisierung. Dia Damen konnten vergleichende Betrachtungen anstellen und das Richtige für sich aus dem reichlich Gebotenen entnehmen. Das grüne Kasak-Ensemble mit der Lack« Cirö-Bluse entsprach dem vornehmen und strengen Charakter der Trägerin Vilma Degischer. Man kann sich kein wirkungsvolleres großes Abendkleid denken als das aus einem weiten, schwarzen Tüllrock mit Paillettenjacke und einem seigneuralen Abendmantel bestehende En-- semble der Frau Margrit Weiler: der Muff aus leuchtend roten Mohnblumen bildete einen überraschend paranten Kontrast zu dem cloquierten Taftmantel. Für Damen entre deux ages ist die vornehme schwarze Velour-Sans-» peur-Toilettc der Frau Moissi-Terwin wie geschaffen* SamtncJ^^ bei der Premiere „Ein idealer Gatte" (Deutsches Volkstheater) stammen von Ida Reich & Bruder VI, Mariahilferstraße Nr. 39 . Telephon B>23>&91 usw. erhalten werden können. Auch an ihrer Spitze stehen Zionisten. Wer über die hiesige jüdische Gesellschaft informiert sein und sich ihr anschließen will, muß das Haus des Präsidenten Gesang aufsuchen, welches allen Juden offensteht und das geistige Zentrum der jetzt sehr angewachsenen jüdischen Bevölkerung bildet. Bei meinem letzten Besuch benützte ich die Gelegenheit, um Herrn. Gesang über die Zustände im Lande zu befragen, insbesondere über den Charakter und Umfang der antisemitischen Bewegung in Südamerika im allgemeinen und in Argentinien im besonderen. Herr Gesang antwortete mir: Der Antisemitismus ist eine Weltplage und es wäre verfehlt, anzunehmen, daß diese Krankheit nicht auch Argentinien anstecken sollte. Besonders wenn man be- Mißfarbiger Zohnbelcs und gründlich beseitigen, wenn man etwas Chlorodontdie trockene Zahnbürste drückt und ddmit die Zähne nach auch auf den Kauflächen/ bürstet. So kommt der natürliche Elfenbeinglanz der Zähne wieder zum Vorschein und ein herrliches Gefühl der Frische , und Sauberkeit bleibt im Munde zurück. Tube S. -.90 österr. Erzeugnis. Wer eine schäumende Zahnpaste liebt, verlange ausdrücklich Chlorodont schäumend. zuheben ist, daß die Zahl der Geburten in den jüdischen ländlichen Siedlungen im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr gestiegen, während die allgemeine Geburtenzahl gefallen ist. Die Zahl der Todesfälle war um 700 kleiner als im ersten Vierteljahr und; betrug. 4537. Die Juden hatten 818 Sterbe fälle zu verzeichnen, um 108 mehr als im ersten Vierteljahr und üm 154 mehr als in demselben Zeitraum des vorangegangenen Jahres. * Der Leiter der Erziehungsabteilung der Tel-Avivet Stadtverwaltung, Pinkas, gibt bekannt, daß die Volksschulen und Kinderggärten in Tel- Aviv im neuen Schuljahr von 17.000 Kindern, um 3000 mehr als im vorangegangenen Jahre, besucht werden. Dies erforderte die Einrichtung von 50 neuen Klassen. Im jüdischen Jahre 56&5 betrug das Budget 65.000 Pfund. In diesem Jahre sind bereits 114.000 Pfund für Schulawecke eingesetzt. Brief aus Argentinien Von unserem M.-L.-Mitarbeiter. Buenos Aires, Mitte September. In diesen Tagen wurde hier ein Fest gefeiert, an welchem nicht nur das jüdische, sondern auch das nichtjüdische Argentinien lebhaften Anteil nahm. Es handelte sich um das Jubiläum des Ehrenpräsidenten der zionistischen Föderation in Argentinien Natan Gesang. Seit mehreren Jahrzehnten steht dieser Mann im Mittelpunkt des immer stärker werdenden jüdischen und zionistischen Lebens in diesem Lande. Man kann ohne Uebertreibung sagend daß sich alles, was in Argentinien jüdisch tätig ist, um diese Persönlichkeit schart. Seinem Einfluß ist es auch zu danken, daß an der Spitze fast aller jüdischen Gesellschaften Zionisten stehen, was um so bedeutsamer Ist, als es bisher nicht gelungen ist, eine Organisation aller Juden Argentiniens zu schaffen. Die größte der bestehenden Sonderorganisationen ist die „Chewra Kadischa", welche über 20.000 Mitglieder zahlt und die Funktionen einer Judengemeinde versieht. Ihrer Unterstützung ist es zu danken, daß die jüdisch-hebräischen Schulen,, das jüdische Krankenhaus, die Fürsorgezentrale rücksichtigt, daß der deutsche Propagandaminister Goebbels ungeheuer viel Geld aufwendet, um in Südamerika eine Stimmung gegen die Juden zu schaffen. Förmlich über Nacht sind in Argentinien Boulevardzeitungen entr standen, die ausschließlich von Unterstützungen aus Berlin leben und deren Redaktion von Agenten der Hakenkreuzler besorgt wird. Es ist einwandfrei festgestellt worden, daß überhaupt kein argentinisches Kapital hinter diesen Zeitungen steht. Trotzdem kann ich nicht die Meinung jener Pessimisten teilen, die von einer u nmittelbaren antisemitischen Gefahr in Südamerika, vor allem in Argentinien, sprechen. Der argentinische Bürger hat eine mehr als hundertjähi'ige Tradition, welche auf dem Andenken an harte Kämpfe um Freiheit und Gerechtigkeit basiert. Das bedeutet große Widerstandsfähigkeit gegen die hetzerischen Argumente der hakenkreuzlerischen Reaktion. Es ist festzustellen, daß seitens der Regierungsbehörden und politischen Parteien bisher nichts unternommen wurde, was auf eine Diskriminierung der Juden hinzielen würde. Im Gegenteil. Im Staatsdienst arbeiten Juden an hohen Stellen und in der Leitung sämtlicher politischen Parteien, auch in der Regierungspartei, sind Juden vertreten, ebenso im Parlament. Wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die jüdische Bevölkerung Argentiniens im großen und ganzei* die erste Einwanderergeneration, repräsentiert. Aber wir Juden legen die Hände nicht in den Schoß. Wir haben vor kurzem ein Komitee gebildet, in welchem alle jüdischen Institutionen und Verbände vertreten sind, weicheis den Kampf gegen den Hitler-Antisemitismus fü^it und seir.en Opfern ji helfen trachtet. Boykott deutscher Waren durch die jüdische Kaufmannschaft, Abwehrkampf gegen den vom Ausland importierten antisemitischen Einfluß, Hilfe für die Kolonisation deutscher Juden in Palästina sind die Hauptaufgaben unserer neuen Vereinigung. Wir kamen auch über Wien zu sprechen. Herr Gesang war als Delegierter, des Zionistenlcongresses im Jahre 1925 dort. Damals traten die Hakenkreuzler erstmalig in Erscheinung und veranstalteten eine wüste antisemitische Demonstration. Herr Gesang sagte: „Diese alte, schöne Kulturstadt hatte einen Überwältigenden Eindruck auf mich gemacht. Es schien mir begreiflich, daß gerade von ihr der politische Zionismus seinen Ausgang genommen hat. Unfaßbar schien mir der Barbarismus der Hakenkreuzler in diesem Milieu. Wien ist mir lieb und teuer geblieben, als die Stadt, wo Theodor Herzl lebte und wirkte und wo man heute so viel Herzl-Zionisten findet." Denket an Eure Brüder in Deutschland ■ Wählet am 8. November die Denket an die Zukunft Eurer Kinder i Zionistische LI

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