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Die neue Welt · 1936-10-07 · Heft 598 (7.10.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 598 (7.10.1936)
Date
1936-10-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 598 vom 7. Oktober 1936 DIE NEUE WELT Seite 3 ie Juden von Bordeaux Reminiszenz zu den Wiener Kultuswahlen Die alte jüdische Geschichte ist reich an erhebenden Momenten, aber sie weist natürlich auch widerwärtige Episoden auf. Neben Blutzeugen für jüdische Standhaftigkeit kleine, nur auf die eigene Rettung bedachte Seelen. In entscheidenden Stunden tauchten immer selbstsüchtige Feiglinge auf, die sich durch Preisgabe ihrer Brüder schützen und dur>jh Erniedrigung ihrer Schicksalsgenossen selbst erheben , (beifüge Arbeiter ■ grauen, 9?erböfe, ßticferfranfe, hartleibige effen im I eigenen Sittereffe baS uunfle, aromat GftttonfibrO ♦ I Sef)t öequem: ©imonS&ro^äcfcfien in (Stanniol. 3n I allen guten ^einfoft&anblungen unb bieten SSäcEereien I ju Jjaben. 2>a8 erfte Srot in f^gienifdjer Serpacfung. ^©imonSBioifabttf SBien»ßagran 55. £ägl. ^\toix\.Jf wollten. Immer hat sich dieses klägliche Bestreben als vergeblich, als nutzlose Gemeinheit erwiesen, und immer hat es eine Wiederholung erfahren. * Als in der Zeit der großen Revolution die fran» zösische Nationalversammlung daranging, die Gleichheit aller Menschen zu proklamieren, kam auch die Judenfrage zur Sprache. Es ergaben sich lange und hitzige Debatten, in welchen zahlreiche und einflußreiche Redner gegen die Juden Stellung nahmen und mit Argumenten, die noch heute den Antisemiten geläufig sind, gegen die Verleihung der bürgerlichen Gleichberechtigung an die Juden leidenschaftlich opponierten. Sie setzten dem unermüdlichen Fürsprecher der Juden, dem katholischen Priester Gregoire, hart zu. Wochenlang tobte der Streit, und als die jüdische Sache arg gefährdet schien, kam eine jüdische Abordnung nach Paris, um „zu retten, was zu retten ist". Die Vorsteher der großen Judengemeinde zu Bordeaux überreichten der französischen Nationalversammlung eine Bittschrift, in welcher sie um Gleichberechtigung flehten, nicht für alle französischen Juden, sondern nur für sich. In der Schrift wurde ausgeführt, daß es in Frankreich zweierlei Juden gebe: Einmal Juden, wie die von Bordeaux, welche schon lange im Lande ansässig sind, sich völlig „angepaßt" haben, hundertprozentige Franzosen. Dann Juden, welche später nach Frankreich gekommen sind, aus Deutschland und dem Elsaß. Sie haben sich nicht „angepaßt", die „jüdische Eigenart" noch nicht abgelegt, ihr Französisch ist nicht volltönend, sie pflegen alte, fremde Sitten und Gebräuche, sind Fremde geblieben. Der Sinn der Eingabe derer von Bordeaux war: Gewähret uns, den eingesessenen, bodenständigen, vollfranzösischen Juden, <3ie Gleichberechtigung. Mit den anderen Juden verfährt, wie ihr wollt ... Die so angesprochenen Antisemiten der französischen Nationalversammlung antworteten mit Hohngelächter und setzten ihre Angriffe fort, gegen alle Juden. Es fiel ihnen nicht im Traum ein, den von den Bittstellern gewünschten Trennungsstrich zwischen Jud und Jud zu ziehen. Die wackeren Verteidiger der jüdischen Gleichberechtigung um den Pater Gregoire wandten sich angeekelt von den Zudringlingen aus Bordeaux ab. Nutzlose Gemeinheit. * Vor wenigen Jahren hat der Geist von Bordeaux seine Auferstehung gefeiert, als sich das braune Ungewitter über Deutschland zusammenzog, etwa zwei Jahre vor dem Siege Hitlers entstand dort die „Vereinigung nationaldeutscher Juden", die Vereinigung der „Naumann-Juden", so nach ihrem Gründer und Führer benannt. Die Leute zogen braune Hemden an und huldigten dem Hakenkreuz und dem „Führer". Sie forderten, lange vor dem Nürnberger Parteitag, Gleichberechtigung für sich und Ausnahmsgesetze für die anderen Juden. Ganz nach dem Muster der Juden von Bordeaux. Nur daß sie sich nicht mit einer Kategorie minderwertiger Juden begnügten, sondern gleich zwei schufen. Neben die „Zugereisten" setzten sie die „Zionisten" und forderten auch für diese Ausnahmsgesetze und Entzug der Reichsbürgerschaft. Sie glaubten nach der Machtergreifung durch Hitler ihre Zeit gekommen und zogen mit Musik und Hakenkreuzfahnen auf. Ihr Ende war ein klägliches und verdientes. Die Organisation wurde von den neuen Machthabern wegen „frecher jüdischer Entweihung deutscher, heiliger Symbole" aufgelöst. Dr. Naumann, der Führer, wurde wegen „ekelhafter Aufdringlichkeit" verhaftet und sitzt nun schon länger als ein Jahr hinter Schloß und Riegel. Ein mitleiderregendes Jammerbild konsequenter jüdischer Assimilation. Aber es gibt Juden, die nicht lernen wollen und nicht lernen können. Der Geist von Bordeaux stirbt nicht und es gibt Menschen, die es dem Dr.,Naumann gleichtun wollen. Jetzt in O e s t e r r e i c h. Sie heißen nicht nationaldeutsche Juden, sondern „Unionisten". i Sie kommen auch nicht von Bordeaux her.- Sie selbst oder ihre Väter sind aus den böhmischen, mährischen, slowakischen, ungarischen oder polnischen Gebieten des alten Oesterreich zugewandert. Aber sonst stimmt alles! Eine getreue Kopie von Bordeaux und Berlin. Die gleiche Sucht, alles zu sein, nur keine Juden, das gleiche Bestreben, die jüdische Eigenart und Abstammung zu verbergen. Der gleiche, aus feiger Furcht geborene Egoismus, der dem antisemitischen Wolf den Bruder zum Fräße hinwirft, um die eigene Haut zu retten. Eine antisemitische Hochflut, von Deutschland kommend, umbrandet Oesterreich und im Lande selbst sind Kräfte am Werke, die das österreichische Judentum vernichten wollen. Und gerade in diesem Zeitpunkt brechen die Wiener Naumann-Juden, die Unionisten, aus der jüdischen Front und ziehen den Strich zwischen Jud und Jud. Sie haben an die österreichischen Behörden eine Eingabe gerichtet, welche desselben Geistes ist, wie die Eingabe der Juden von Bordeaux an die französische Nationalversammlung und die Epistel der in feiger Kriecherei verkommenen Naumann-Juden. Sie preisen sich als Patent-Oesterreicher und hundertfünfzigprozentige Patrioten an und beschuldigen die anderen Juden, die überwiegende Mehrheit im österreichischen Judentum, des Mangels an staatsbürgerlicher „Einfühlung" und staatsbürgerlicher Treue. Von blindem Haß und blödem Egoismus besessen, reichen sie dem Antisemitismus Feuerbrände und tragen ihm Steine zu. * Die österreichischen Naumann-Juden werden dasselbe Schicksal erleiden wie ihre Kumpane im Deutschen Reich. Allseitige Verachtung wird über sie kommen. Aber noch sind sie da und rühren gar die Werbetrommel. In wenigen Wochen findet die Neuwahl der Leitung der Wiener Judengemeinde statt. Die „Union" hat eine Liste erstellt und an der Spitze dieser Liste stehen die gleichen Namen wie unter der Eingabe an die österreichischen Behörden, in welcher die Mehrheit der österreichischen Juden bösartig verdächtigt und die Zertrümmerung der Wiener Judengemeinde gefordert wird. Sie haben die jüdische Ehre aufs tiefste gekränkt, dafür sollen ihnen jüdische Ehrenämter verliehen werden. Sie haben die Auflösung der Judengemeinde gefordert, dafür soll man ihnen die Verwaltung dieser Gemeinde anvertrauen. Eine ärgere Zumutung kann kaum erdacht werden. fleckindect Zahnbelag und machi die Tahne blendend weiß! ""ii.iini HlHlHiim.»................ IlMUlll 2AH N PASTA Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärztlichen und pharmakognostlschen Institute der Universität in Wien. Senator Copeland über Palästina Aus New York (J. T. A.): Senator Royal S, Copeland hat mit der Veröffentlichung einer Artikelserie in den Zeitungen der HearstrPresse in ganz Amerika über die von ihm und seinen beiden Kollegen auf ihrer Studienreise in Palästina gemachten Beobachtungen und Erfahrungen begonnen. In dem ersten Artikel hebt Senator Copeland die Leistungen der Juden in. Palästina hervor und behandelt ausführlich die Bedeutung des Landes als Zufluchtsstätte für jüdische Auswanderer. Bezüglich der Einwanderungsmöglichkeiten erklärt Senator Copeland, daß die Aufnahmefähigkeit abhängig sei von der Entwicklung von Handel und Industrie. In einem zweiten Artikel am Montag rühmt der Verfasser die tapfere Haltung der Juden in den gegenwärtigen Unruhen. Viele englische Soldaten, in Palästina seien erbittert über das allzu milde Vorgehen Englands. Man frage sich, ob denn England nicht genug Macht habe, um im Heiligen Lande, das von den Nationen der Welt seiner Obhut anvertraut wurde, die Sicherheit des menschlichen Lebens zu gewährleisten. EäQBH FE m&UßM t e r dem Deutschen V o I k s t h e a f e r i<~w ^r-i/^r-r\ Konzert / Tanz / Stimmungsmusik Jeden Samstag, Sonntag S Y G E GER Beginn 8 Uhr abd$. Bürgerliche Preise Feiertag — Kapelle 1 w ■ ■ Frankreich gibt den Flüchtlingen Arbeitskarten Aus Genf: Der Vizepräsident des Auswärtigen Ausschusses der französischen Kammer, Grumbach, be- Nach Amerika mit Koscher-Küche n auf den Dampfern 1 Ü „QUEEN MARY", 80.000 t, dar schnellste Dampfer d«r W«It =. 1 „QUEEN MARY" .... 14. Oktober 1 „AQUITANIA" ..... .21. Oktober „QUEEN MARY"......28.Oktober 1 „AQUITANIA"......4. November |j 1 CUNARD WHITE STAR LIMITED § | WIEN I, KÄRNTNERRING 4, TEL. U-42- 0-43, U-46-2-48 g ^l,l!ll!li;illillll!lllülllllllllllllllllll!H richtete vor der sechsten Kommission des Völkerbundes über die Art, wie Frankreich das Statut für die deutschen Flüchtlinge verwirklicht. Es wurde eine beratende Kommission eingesetzt, in der die Flüchtlinge vertreten sind. Den Flüchtlingen werden in weitestem Maße Arbeitskarten gegeben werden. Grumbach sprach den Wunsch aus, daß eine möglichst große Zahl anderer Staaten dem Beispiel der französischen Regierung folgen möge. FRANCHOT TONE. JOSEPH CALLEIA, MADGE EVANS in Dutdcde-fa*i%rfcv> Stärker a 8 Staatsfeind Nr. I OPERN-KINO I. KREUZ-KINO I. l Vom jüdischen Weltkongreß Aus Paris wird uns gemeldet: Der Schweizer Israelitische Gemeindebund hat in die Exe* kutive des Jüdischen Weltkongresses seinen Präsidenten, Herrn Saly M a y e r, St. Gallen, als seinen Vertreter delegiert. Die Schweizer Vertreter für die anderen Gremien des Jüdischen Weltkongresses werden demnächst nominiert werden. — Die nächste Sitzung der Exekutive findet MitteOktober statt. Progrom in Bagdad — Zwei Juden getötet Aus Bagdad (J. T. A.): Unter dem Einfluß von Agitatoren, welche die Ereignisse in Palästina zu einer Hetze gegen die Juden ausnützen, kam es in den letzten Tagen in den Straßen von Bagdad verschiedentlich zu blutigen Ueberfällen von Arabern auf jüdische Passanten, in deren Verlauf zwei Juden getötet und mehrere verletzt wurden. Die jüdische Bevölkerung des Hauptstadt des Irak steht unter einem fürchterlichen Terror, keiner wagt es, Heilanstalt Dr. Haute für Rheumatismus, Gicht« Gelenks- und Nervenkrankheiten l,Schottenring17Jel.A-17-Q-66 die Straße zu betreten. Die irakischen Behörden gewähren den angegriffenen Juden nicht den notwendigen Schutz. (Die Juden des Irak haben nach der Unabhängigkeitserklärung des Landes und dem Beitritt des Irak zum Völkerbund auf die ihnen zustehenden Minderheitsrechte freiwillig verzichtet.} In-uu ausländische Hausbesitzer verwalten ihre 1 WIENER HTUIgER durch behördlich konz. Realitätenknnzlei 1 Dr. M AIR PAI§ Wien I, Fron*-Josefs-Kai T, Tel. R-2L5.30 IH Erstklassige Referenzen!

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