Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 598 (7.10.1936)
- Date
- 1936-10-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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Seit« 2 DIB NEUE WELT Nr. 598 vom 7. Oktober 1936 Kaufet Schulbucher neu und antiquarisch in der Bucherstube Rath & Co. Wien II, Tabor Straße 20 a Tel.R.43-303 Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher. 2U höchsten Pre sen! Moderne L«lhbibliofh«k / All« Neuerscheinungen Monatsgebahr S 3.10. keine BandgcbOhr» läßlicher Umtausch, oder Monatsgebühr S 1.60 und 10 Groschen Bandgebühr ' - Modernes SerUrnen! und Antiquariat 5== Judalca und Hebraica Luner gehört in die lange Reihe von Sexnalverbrecherinnen, von denen der berühmte Kriminalist Wulffen in seinem Werk ,jDie Frau als Sexualverbrecherin" erzählt. Die Gesellschaft muß sich solcher Typen, die ihren bösen Instinkten folgen und durch sie Böses anrichten, erwehren. Aber sie kann keine Gesetze aufstellen, die sich gegen eine bestimmte Schichte von Menschen, gegen einen bestimmten Kreis von Staatsbürgern wenden — als ob nur hier derlei Scheußlichkeiten möglich wären. In Deutschland werden die „arischen" Dienstmädchen (bis zum 45. Lebensjahr) durch ein Gesetz von den jüdischen Hausfrauen ferngehalten. Es heißt: zum Schutz der deutschen Ehre und des deutschen Blutes. Das geschah, obwohl alle Welt weiß, daß eben diese „arischen" Dienstmädchen mit Vorliebe - Stellen in jüdischen Häusern annehmen, wo sie menschlichgütig behandelt und zumeist wie zur Famüie gehörig gehalten werden. Eine jahrzehntelange Tradition hat ein behaglich-warmes Verhältnis zwischen jüdischer Famüie und „arischem" Dienstmädchen1 geschaffen. Hier bedarf es also keines staatlichen Regulativs. Die jüdische Sittlichkeit, personifiziert in der jüdischen Familie, stützt sich auf das j ü d i s c he, mosaische Gesetz, wonach beispielsweise am Sabbat nicht nur die Hausfrau, sondern auch Magd und Knecht und Haustier zu ruhen haben... Anna Augustin hätte im Kreis einer jüdischen Familie keines Gesetzes zum Schutz der deutschen Ehre und des deutschen Blutes gebraucht, um sittlich und physisch geborgen zu sein. Nein, wir verallgemeinern nicht. Die „christlich: deutsche" Josefine Luner ist ein Sonderfall. Gottseidank. Aber wir schaudern schon, vor der bloßen. Vorstellung, daß uns ein jüdischer Fall Luner beschert "sein könnte." '~ö.'"t. ''' ": FAHRRAD« FABRIK Kinderwagen verkauf.: VII, Neubaugasse 21 / XVII, Kulmgawe 34 X, LaxenburgerstraBe 82 / XX, JSgerstraBe 41 Fahrradfabrlk: Vll, Burggasse 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis! , KINDERWAGEN» 1F A r R I K von S 33.— Europa und Amerika klagen an Aus Genf (J. T. A.): Zehn große europäische und amerikanische, jüdische und nichtjüdische Organisationen haben sich zusammengetan, um an den Völkerbund zu appellieren und die Sitzung der Vollversammlung des Völkerbundes zu veranlassen, sich der der Vernichtung preisgegebenen deutschen Juden anzunehmen. Die Petition, die sich an den Brief anlehnt, den der ehemalige Hochkommissär für die deutschen Flüchtlinge, James G. MacDonald, bei seiner Demission an den Völkerbund gerichtet hat, ist von folgenden Organisationen unterzeichnet: American Jewish Committee, American Christian Committee for German Jews, Internationaler Gewerkschaftsverband, Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, Independent Order B'nai B'rith in Cincinnati, Weltverband der Ligen für Menschenrechte, Verband des Komitees für Schutz der deutschen Flüchtlinge, Zentrales. Hilfskomitee für die deutschen Flüchtlinge, Komitee zum Schutz der Rechte der Juden in Mitteleuropa und im Orient, Comite voor Bijzondere Joodsche Belangen in Holland. Die Führer der genannten Verbände wurden am 29. September abends vom Präsidenten des Völkerbundes empfangen, dem sie die Petition überreichten. Ein Hauptabschnitt in der Petition lautet: „Die deutsche nationalsozialistische Regierung kann gegen die Berechtigung dieses Schrittes der internationalen Oeffentlichkeit nicht einwenden, daß es sich um eine „innere Gesetzgebung" oder um Hoheitsrechte handelt. Der Völkerbund hat die Macht und Kompetenz, um diese Frage von Grund auf zu behandeln, und zwar nicht nur aus Gründen der Menschlichkeit, sondern auch, weil die Taten, und die Gesetze der deutschen nationalsozialistischen Regierung unmittelbare Auswirkungen haben, die die territoriale Souveränität der anderen Staaten berühren und gleichzeitig eine Verletzung ihrer Rechte darstellen und so Verpflichtungen und Verbindlichkeiten des internationalen Rechtes brechen." Militärischer Ausnahmezustand Aus London wird gemeldet: Die „London Gazette" veröffentlicht den Text einer Königlichen Verordnung, betreffend die Einführung eines militärischen Ausnahmezustandes in Palästina. Die , Verordnung, welche mit der Verkündung durch den High Commissioner . in Palästina Kraft erlangen wird, ermächtigt diesen, dem militärischen Oberbefehls* haber in Palästina, Generalleutnant Dill, das Recht zu übertragen, Verfügungen zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit und zur Verteidigung Palästinas zu treffen. Der Oberbefehlshaber wird ermächtigt werden, alle Bestimmungen zu erlassen, die er im Interesse der Wahrung der öffentlichen - Sicherheit für notwendig erachten sollte. Diese Bestimmungen unterliegen keiner Berufung an irgend eine Gerichtsiöstanz. Ferner wird er ermächtigt, Militärgerichte zur Behandlung von Verstößen gegen diese Anordnungen einzu> setzen, deren Urteile nicht vor anderen Instanzen angefochten werden können. General Dill wird ermächtigt, Bestimmungen ru treffen, die sich auf folgende Angelegenheiten beziehen: Zensurwesen, Verhaftung, Festhaltung, Ausschließung und Landesverweisung; Kontrolle der Häfen und de« Schiffsverkehrs; Kontrolle der Flughäfen und Landungsplätze; Kontrolle des Verkehrs zu Land, Wasser und in der Luft; Handel (einschließlich Import und Fabrikation); Enteignung und Kontrolle von Eigentum; Verhängung von Kollektlvstrafen sowie Enteignung und Zerstörung von Eigentum als Straf maßnahmen. Die Uebertragung der Kontrolle über Häfen, den Schiffsverkehr und den Transport würde auch dl* jüdische Einwanderung der Militärmacht unter* stellen. (Palcor.) werden I von niemandem I verschenkt! aber zu unglaublich billigen Preisen Im Möbelhaus Edelmann verkauft l VIII,Lerchenffelderstraße Nr.12 Große Auswahl — Größfes Zahlungsenfgegenkommen Provinz. Katalog gratis! 0 ©er Terror geht weifer Aus Jerusalem: Auf den Jerusalemer Vorort Bajit Wegan wurde ein heftiger Angriff verübt. Die Siedlung wurde von allen Seiten beschossen, mehrere Bomben wurden geworfen. Nach einstündigem Kampfe ist der Angriff durch jüdische Hilfspolizei abgeschlagen worden. Auf jüdischer Seite gab es keine Verluste. In der Nähe von Baisan ist die Oelleitung der Irak-Petroleum-Gesellschaft abermals, zum 37. Male, beschädigt worden. Ein Truppenlager in Jenin wurde von arabischen Freischärlern beschossen. Am* ein arabisches Dorf bei Akko wurde von einer bewaffneten Araberbande ein Ueberfall verübt. Ein hervorragender arabischer Kaufmann, der Geschäftsbeziehungen mit Juden unterhalten hatte wurde getötet. Auch. aus anderen Teilen des Landes werden vermiedene; Gewalttaten arabischer. Banden - gegen Araber .gemeldet:^,; : :\': ,v;t :' , \-, :^" Äü^ :&^ Araber den Versuch gemächt, einen englische n Mi Ii t&r tr'a n s p'o r t in die, Luft zu sprengen. Der Anschlag ist nur dadurch vereitelt worden, daß der Truppentransport früher als erwartet wurde, Haifa verlassen hat, so daß die. Vorbereitungen der arabischen Aufständischen noch nicht beendet waren. In der Nacht gerieten auf der Straße zwischen Akko und Gafad im äußersten Nordwesten Palästinas britische Truppen, bei denen sich Generalmajor H o w a r d und Brigadegeneral Beaüm an, befanden, . in .einen Hinterhalt der Araber. Es kam zu einem heftigen Feuergefecht, in dessen Verlauf die Angreifer zurückgeschlagen werden konnten. * Reuter meldet: Die britischen Verluste in Palästina betragen in der Zeit vom 19. April bis Ende September insgesamt 35. Tote Und 162 Verletzte. Die Verluste der Araber und der Juden werden auf 315 Tote und 1314 Verletzte geschätzt. . . s'*' Vollständig renoviert und vergrößert! UthsßMUiäA lf(lli'gFFFV?rfFiWF II, Kleine Pfarrgasse 21, Telephon A-43-5-19 Pläne: Architekten Ing. J. Rindi er, Ing. L.Sehl ein Eine Sehfawiicdiqkeil! Arabische Opfer Aus Jerusalem: Haj Khahil Taha, der Führer der Opposition gegen den Mufti und einer der reichsten Araber Palästinas, wurde am Sonntag in Ha f a ermordet. Er stand gerade im Begriff, das Gebäude des Moslemischen Klubs zu betreten, als ein des Schreibens unkundiger Araber ihn ersuchte, einen Brief für ihn zu schreiben. Taha hatto zu schreiben begonnen, als ein zweiter Araber sich ihm näherte und zwei Revolverschlisse auf ihn abgab. Taha, der am Kopf getroffen wurde, war sofort tot; der Mörder entkam. Taha, der Vorsitzender des Haifaer Streikkomitees war, hat vor kurzer' Zeit fünftausend Fjfund zugunsten der Terroristen gespendet. Die arabische Presse versucht, den Mord als einen privaten Racheakt "darzustellen, doch steht fest, daß es sich um einen politischen Mord handelt. Man, gJxubt, daß.. Taha sich geweigert hat, den Terroristen weitere Beträge zu geben. > Arabische Terroristen brachen Sonntag bei helllichtem Tage in das Haus eines Arabers in Safed ein, schössen in die Luft, raubten 1500 Pfund in Bargeld sowie eine Anzahl von Juwelen und entkamen. Immer häufiger werden die Zusammenstöße zwischen arabischen Dorfbewohnern und Terroristen, die Kontributionen erpressen wollen. Die Zusammenstöße tragen oft den Charakter von* gewöhnlichen Raubüberfällen. In dem Dorfe ElChadar drangen Terroristen In ein arabisches Haus ein und forderten Geld. Als der Hausbesitzer sich weigerte, diesem Verlangen zu entsprechen^ wurde er erschossen.. Bei der Verfolgung der Räuber wurden mehrere Einwohner des Dorfes verwundet; Zu blutigen Zusammenstößen zwischen Terroristen und Bauern kam es in den Dörfern Biri und Aiu Zeitua. Ein Araber wurde schwer verwundet. Zahlreiche Araber wenden sich an das Streikkomitee in Jaffa mit der Bitte) um Schutz vor Ueberfällen und Erpressungen, 10*000 Zertifikate verlangt Aus Jerusalem wird berichtet: Aas den Kreisen" der zionistischen Exekutive erfährt man, daß diese be* reite der Palästüia-Begierung eine Aufstellung, betreffend den Bedarf an jüdischen Arbelterhändern in Palästina, unterbreitet hat Die Exekutiver fordert von der PaJästiiia-Begierung für das am L Oktober 1936 begonnene und am 31. März 193? endende Halbjahr einen Schedulo von- 10.000 Einwanderer-ZertI« fikaten.__ Typhusepidemie in Hebron — Arabische Aerzto i Aus Jerusalem (J. T. A.): Die Typhusepidemie^ die vor einiger Zeit in der Stadt Hebron ausgebrochen ist* breitet sich immer mehr aus. Die arabische Tageszeitung „Feiestin" führt Klage darüber, daß die Gesundheit»* abteüung der arabischen Stadtverwaltung von Hebron den Verhältnissen der Erkrankten nicht Rechnung trägt. Die städtischen Aerzte (Araber) verlangen, daß ihnen vor der Visite das Honorar bezahlt wird, Mi daß viele Kranke ohne Behandlung bleiben. Es läßt sich im allgemeinen feststellen, daß In den arabischen Gegenden die Krankheiten zunehmen, nachdem die jüdischen Aerzte ihre Praxis infolge von Streife und Terror in Gebiete mit jüdischer oder gemischter Bevölkerung verlegt haben. Die von der jüdischen Konkurrenz befreiten arabischen Aerzto nutzen die Lage aui und erhöhen die Honorare, Letzter Vermittlungsversuch Aus Jerusalem: Korrespondenten ausländischer Zeitungen melden, daß in einer unter dem Vorsitz, dea High Gommissioner abgehaltenen Konferenz, an welcher Vertreter des Königs Ihn Saud, des KönigB Ghasi vom Irak und des Emirs Abduliah von Transjördanien teilnahmen, die von den arabischen Souveränen unterbreiteten Vorschläge auf Beilegung des Konflikten studiert wurden. Unter anderem soll eine Round- Table-Konf erenz zwischen Arabern und Juden in Aussicht genommen sein. Die arabischen Extremisten erklären allerdings, daß eine solche Konferenz solange nicht in Betracht kommt, als die Juden behaupten, Rechte als Nation in Palästina zu besitzen) Aber auch die gemäßigten Elemente sind der Auffassung, daß eine Round-Table-Konferenz erst zu einem späteren Zeitpunkt zusammentreten kann, Im übrigen kursieren Gerüchte über eine bevorstehende Zusammenkunft zwischen dem Präsidenton Dr. Chaim Welzmann und einer hervorragenden Persönlichkeit der arabischen Welt, wobei an den Ministerpräsidenten des Irak, Nur! Pascha, gedacht wird. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird aus gut informierter Quelle mitgeteilt, daß die Hoffnung des Obersten Arabischen Ausschusses, die arabischen Könige würden gemeinsam einen Schritt zur Erleichterung der politischen Lage in Palästina unternehmen, derzeit nicht mehr bestehe. Unter dem Druck der arabischen Pflanzer, die im Interesse ihrer Betriebe eine Beendigung des Streiks dringend wünschen, hat der Oberste Arabische Ausschuß seine Beratungen wieder auf», genommen. (J. T. A.) ALTER REISCH IM APOLLO