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Die neue Welt · 1936-10-07 · Heft 598 (7.10.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 598 (7.10.1936)
Date
1936-10-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen MfifwoA, den 7, Oktober |#36 Jahrgang Nr. S08 V. bb* 186 vom Verleger versendet exp&lie par l'ßditeur" Titl. Universitätsbibliothek Wien, I R E VUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich 8 1.40. vierteljährig » 4.-, ganzjährig S IB. —; Polen monatlich Zloty 1.5a, vierteljährig Zloty 4.50:.%Bchechos!ow»ket monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: Enmlnlen monatlieh Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monaüicb Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwel« und dte übrige« Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.60. Uli B bezeichnet'*'Anzeigen Bind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX* Universitätsstr.8,7et. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag I Wer Sammlung will und nicht Zerfall, wählt am 8. November die „Zionistische Ufte" S An die Juden Wiens! In vier Wochen' haben die Juden Wiens eine verantwortungsvolle Pflicht zu erfüllen. Sie haben am 8. November die Leitung ihrer jüdischen Gemeinde, einer der ältesten und größten der Welt, zu wählen. Der Wahl kommt diesmal besondere Bedeutung zu. Die Wiener Judenschaft hat vor allem zu ermöglichen, daß die Wiener Kultusgemeinde weiterhin mustergültig verwaltet werde. Die bisherige zionistischeMajorität .darf für sich in Anspruch nehmen, daß sie auf allen Arbeitsgebieten erfolgreich gewirkt hat. Sie. hat den Gemeindehaushalt in vorbildlicher Ordnung geführt Und das J^efizit, ein Erbe aus der Zeit, da die. Union österreichischer Juden die Kultusgemeinde verwaltete, in Zeiten. der. Wirtschaftskrise beträchtlich verringert. 'Die F ü;r s o r g e: wurde; großzügig ^s^ebWu^'Ä%ü:di'dtfW.ÜMffiung der Jugend, intensiviert, den r e 1 i g i ö s e n E r f o r d e rn i s s e nv voll entsprochen. Die maßgebenden Behörden h'aben wiederholt den Leistungen der zionistischen Mehrheit auf diesen Gebieten Anerkennung gezollt. ' : ' Am 8. November soll-die. Wiener-Judenschaft den zionistischen Vertretern .die Vollmacht geben, die großen und schwierigen Aufgaben, die noch zu erfüllen sind, tatsächlich zu lösen. .Der Ausbau der Wiener Kultusgemeinde zu einem Hort der bedrohten jüdischen Gemeinschaft darf nicht weiterhin durch die zersetzende Tätigkeit einer Minorität, welche sachliche Kritik!nicht kennt, gestört und. gehindert werden. :.; ,. Diesmal erwächst der . Judenschaft. aus . einem besonderen Grunde die Pflicht,/ die bisherige zionistische Majorität zu festigen,, einen .vollen zionistischen Wahlsieg herbeizuführen., Wurde doch der nichtjüdischen und jüdischen Oeff entlichkeit in den letzten Monaten ein beschämendes Bild d,er Würde- 1 o s i g k e i t gebqten. In einer Zeit höchster jüdischer ^Gefahr haben Menschen, deren .Geistesrichtung jeden Rückhalt im jüdischen Volk verloren hat, durch eine Denunziation n i e d r i' g s t e r ' A r t bei' den nichtjüdischen Behörden den Versuch unternommen, •die Autonomie und Einheit der Wiener Judengemeinde ,lzu zertrümmern. ' In einer Eingabe an den Magistrat der Stadt •Wien und an die Regierung hat die „Union österreichischer Juden" von Regelmäßige Expreß- und Postlinien nach "Ägypten* Palästina, Syrien, Griechenland, Türkei, Indien, Ostasien, Levante, Schwarzes Meer Gesellschaftsreisen in Vorbereitung: Ägypten (Kalro-Luxor-Assuan) . . Dezember 1936 .....Dezember-Jänner 1936/37 Indien Auskünfte: LLOYD TRIESTINO Wien I, Kärntnerring 6 und. alle Reisebüros „...einer Zurückdrängung des Einflusses des in Oesterreich beheimateten, positiv religiös und , vaterländisch fühlenden Teiles der Angehörigen der Wiener Kultusgemeinde .. gesprochen und in diesem Pamphlet weiter ausgeführt, „...daß die ,Union' die Organisation aller Wiener Juden ist, die auf dem positiv religiösen, vaterländisch österreichischen Boden stehen" ... Das ist wohl nichts anderes als verleumderische Angeberei, welche dahin gerichtet ist, die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs vor der nichtjüdischen Oeff entlichkeit und vor den Behörden durch bewußte Lügen als pflichtvergessene, unpatriotische Bürger zu brandmarken iinid den antisemitischen B.er strebungen, welche, heute 'die Existenz der Juden in Oesterreich so sphwer gefährden, Vorschub zu/leisten.; <^-Jiideh: Wiens!Z^^ jüdischen Volkes, Stärkung: der jüdischen. ÄbW.ehrfrbnt,-Aufbau und Ausbau einer jüdischen Heimstätte in Palästina, welche bereits ihunderttausenden- Juden Lebensmöglichkeit geschaffen ■ hat; und. ■ deren Bedeutung als unbedingte Lebehshotwendigkeit von den Juden in aller Welt anerkannt wird; Denkt an die Naumann-Juden;in Deutschland! Solange diese würdelosen: Nachläufer des Hakenkreuzes, welche mit den gleichen verwerflichen Mitteln ORBIS POLEN Abfahrt: Jeden zweiten Sonntag Anmeldungen: Po n. Reisebüro „ORBIS'1 I. KarntnerstraDe 41. R-21-5-78 Oesterreichisches Verkehrs-Bwo B. Frledrlchstrane 7. ß-27-500, c. Graben 20. u.29.0-35 wie die Union österreichischer Juden arbeiteten, ihren Einfluß ausübten, war eine Einigung im deutschen Judentum nicht herzustellen. Erst ihre Ausschaltung einte das deutsche Judentum auf jüdischer Grundlage. Juden Wiens! Fördert die Einigung des österreichischen Judentums! , •''^Stützet die ^' jüdische' Abwehrfront in gefährlicher Zeit! . •,.^..r:..... Schaltet die schmachvolle. Denunziation der Naumann-Juden aus der Wiener Kultusgemeinde aus! Bestätigt die Antwort, welche die Union österreichischer Juden auf ihre schändliche Eingabe von der Aufsichtsbehörde erhalten hat: Wählet am 8. November die Zionistische Liste I Lis lenf uhrer: Staatsrat Dr. Desider Friedmann Ein Prozeß/ der zu denken gibt W i e n, 5. Oktober. . Seit vierzehn Tagen ist das zeitunglesende Wien von einem Prozeß gefesselt, in dessen Mittelpunkt eine Frau namens Josefine Luner steht. Was sonst in der Zeitung zu lesen ist, tritt in den Hintergrund des Interesses gegenüber der Grausamkeit der Angeklagten, von 1 der die Zeugen und ■ Sachverständigen beiängstigende Einzelheiten erzählen. Die Opfer dieser iGrausamkeit, beziehungsweise des gerichtserhärteten Sadismus waren Untergebene der Angeklagten, Angestellte, Dienstmädchen. Das 15jährige Dienst- .mädchen Anna Augustin, ein Kind noch, starb unter den; gräßlichen Peinigungen seiner „Gnädigen". Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß ganz;Wien, alles was in den Bereich des zeitunglesenden Publikums gehört und darüber hinaus, mit Empörung und Entrüstung den Prozeß Luner verfolgt und, über die Taten der Verbrecherin entsetzt, äußerste Sühne fordert. . Mehrmals schon im Verlauf der Gerichtsverhandlung haben die Zuhörer unter der Wucht des Tatsachenmaterials ihrem Entsetzen über die Marter, welche Frau' Luner ihrem armen Dienstmädchen ,angedeihen ließ, durch Drohungen gegen die Angeklagte Ausdruck gegeben. Die menschliche Natur forderte u nm'i 11 e 1 b'a r e Sühne, forderte das Blut der Peinigerin. Man anerkannte angesichts der ungeheuren Dinge, die man vernahm, nicht die Verbrämung der Verbrechen durch pathologische Erkenntnisse der. Wissenschaft. Der Zynismus, mit dem Frau Luner ihre verbrecherischen Taten teils leugnete, teil zugab, und gerade ihre mehrfachen Hinweise auf ihre christliche Gesinnung und Erziehung steigerten die Wut des Publikums zur Raserei. Eine Gnädige malträtiert das ihr anvertraute Dienstmädchen zu Tode und schmäht es noch nachher — solch eine Bestialität muß gerächt werden: das ist die Grundstimmung der Zuhörer und der Berichteleser. Die jüdischen Zeitgenossen des Prozesses Luner empfinden äußer dem Abscheu vor dem scheußlichen Verbrechen noch die Vorstellung von der Möglichkeit, daß eine jüdische Frau die Täterin hätte sein können. Der Dämon des Sadismus macht vor keiner Nation, Rasse und Religion halt. Was in solchem — jüdischen — Fall geschehen wäre, läßt sich nicht ausdenken. Es wäre zweifellos nicht bei der Zurückhaltung geblieben, die immerhin noch die Wiener Gesellschaft übt. Ein Rachefeldzug gegen das Judentum, Pogrom-Exzesse wären gewiß die Folge gewesen. „Das jüdische Verbrechen" hätte es geheißen; die jüdische Josefine Luner wäre der Anlaß zu — verallgemeinern, die jüdischen Hausfrauen als Verbrecherinnen, das Judentum als (nach den Parolen der Streicher, Goebbels und Rosenbergs) organisiertes Verbrechertum zu deklarieren)' und schließlich hätte — nach historischem Muster — der jüdische Fall Luner ein Beispiel für den R i t u a 1 m o r d abgegeben. Wir verallgemeinern nicht. Für uns ist der Fall Luner der Einzelfall menschlicher Entartung, die an keine Rasse, an keine Religion, an keinen Kulturkreis gebunden ist. Die „christlich-deutsche" Josefine KOHLE K0KS ANTHRACIT Alleinige Lieferantin der „Asoa", Bund jüdischer Frontsoldaten, Keren Kajemath, der Jüdischen Kulturstelle BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40

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