Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 597 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE NEUE WELT Seite 9 Palästina» Wirtschaft Lebenshaltungskosten gestiegen Die Unruhen In Palästina und der arabische Generalstreik haben die Lebenshaltungskosten merklich erhöht. Nach einem Bericht der Statistischen Abteilung der Palästina-Regierung haben die Kleinhandelspreise besonders im August so weit angezogen, daß sich der durchschnittliche Verbrauch einer ländlichen Familie für Lebensmittel, Tabak und Brennstoffe um 11,9 Prozent gegenüber August 1935 und um 13,9 Prozent gegenüber August 1933 erhöht hat. Die Großhandelspreise stiegen im Juli gegenüber dem Vormonat um 1,5 Prozent. Am stärksten war die Preissteigerung für Lebensmittel und Früchte mit 2 Prozent. Getreide, Mehl, Fleisch und Eier zogen nur um 0,7 Prozent an. Kraftfahrwesen Seit 1933 hat der Kraftwagenverkehr in Palästina erheblich zugenommen. Die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge ist seit 1933 auf das Zweieinhalbfache gestiegen. 1933 wurden 4887 Kraftwagen zugelassen, 1934 bereits 8026 und 1935 10.001, Die Zahl der Motorräder betrug 1120, bzw. 2163, bzw. 1873. In den ersten vier Monaten des Jahres 1936 ist ein erheblicher Rückgang der Einfuhr von Kraftfahrzeugen zu bemerken. Wurden in den Monaten Jänner bis April 1935 752 Kraftwagen im Werte von 107.795 Pfund eingeführt, so betrug in dem gleichen Zeitraum 1936 die Einfuhr nur 288 Kraftwagen im Werte von 48.832 Pfund. Die Einfuhr von Lastwagen und Chassis ging von £56 Stück auf 120, die Einfuhr von Motorrädern von 192 auf 49 zurück. * Die Zahl der Fahrgäste, die von den sechs wichtigsten jüdischen Autobusgenossenschafte n in Palästina befördert werden, hat sich bis zum Ausbruch der Unruhen fortlaufend erhöht. Es sind zahlreiche neue Autobusse in den Verkehr gestellt worden. So hat die Autobusgesellschaft „Egged" im Jahre 1933 86 Autobusse gehabt, 1934 88 und 1935 97. Außerdem hatte die Gesellschaft in den angegebenen Jahren 49, bzw. 58, bzw. 65 Kleinpersonenwagen in Betrieb. Kohleneinfuhr Im Jahre 1935 wurden rund 80.000 tons Kohle im Werte von 91.142 Pfund nach Palästina eingeführt. Außerdem hat die palästinensische Eisenbahn 70.000 tons aus England eingeführt. Von den eingeführten Kohlen waren 38.000 tons für industrielle Zwecke (außer Zementfabriken und Kalkbrennereien) und die Beheizung von Wohnungen und Warmwasserversorguugsanlagen bestimmt. Außenhandel im ersten Halbjahr 1936 Laut Bulletin der Palästina-Regierung war im ersten Halbjahr 1936 ein starker Rückgang des palästinensischen Exports und Imports zu verzeichnen. Der Wert der Einfuhr betrug im ersten Halbjahr 6,732.742 Pfund, während er in dem gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres 8,608.327 Pfund ausmachte, der Rückgang betragt 3omit 2 2 Prozent. Der Export ist sogar um 30 Prozent, von 3,222.373 auf 2,263.626 Pfund, gesunken. Unter den eingeführten Waren stehen Lebensmittel, Getränke und Tabak an erster Stelle; der Wert dieser Einfuhr betrug 1,601.513 Pfund (gegenüber 1,682.758 Pfund im vorangegangenen Jahr. Der Wert der Einfuhr von Rohstoffen < und Halbfabrikaten machte 511.647 (im vorangegangenen Jahr 636.671) Pfund aus. Palesöiic Electric Corporation Die Leitung der Palestine Electric Corporation (Ruthenbergsches Wasser- und Elektrizitätswerk) hat beschlossen, auf ihre Aktien für das Jahr 1935 eine Dividende von 7,5 Prozent auszuschütten. Der Stromverbrauch ist von 34,386.000 Kilowatt im Jahre 1934 auf 50,362.193 Kilowatt im Jahre .1935 gestiegen. Den Hauptteil der Stromabnehmer stellen Industrie und Hausbesitz; ihr Verbrauch betrug 22,195.628 Kilowatt (im Jahre 1934: 12,457.000 Kilowatt). Boykott jüdischer Waren in Syrien Der Nationale Block in Horns (Syrien) hat die arabischen Kaufleute und Kleinhändler einberufen und ihnen erklärt, sie müßten aus ihren Geschäften alle bei Juden gekauften Waren entfernen. Ferner wurde den Kaufleuten der Schwur abgefordert, daß sie keinen Geschäftsverkehr mit Juden mehr pflegen würden. iüdisdie Baubewegung in Palästina Aus Jerusalem: In den Monaten Juli und August wurde in Haifa mit der Errichtung von 94 dreistöckigen Neubauten begonnen. Hierbei sind etwa 3000 Arbeiter beschäftigt. In Tel -Aviv sind zur Zeit 64 zweistöckige Häuser im Bau. 2000 Arbeiter führen diese Bauarbeiten aus. Die Regierung hat 150.000 Pfund für den Bau neuer Straßen, hauptsächlich solcher, die jüdische Siedlungen miteinander verbinden, bewilligt. Von besonderer Bedeutung ist die Chaussee Tel-Aviv-Haifa, die nur durch jüdisches Gebiet geführt wird. Außerdem wird jetzt eine Chaussee durch den Emek gebaut, so daß eine Verbindung mit Haifa ohne Berührung von Nazareth ermöglicht "wird. Seitens der Jewish Agency werden Verhandlungen mit der Regierimg über den Bau von Seitenstraßen mit einem Kostenaufwand von 100.000 Pfund geführt. Die Regierung solle sich, so wird verlangt, an den Baukosten mit 50 bis 70 Prozent beteiligen. In einigen Siedlungen werden jetzt große Lagerhäuser für Zitrusfrüchte errichtet. Die Baukosten betragen etwa 100.000 Pfund. Das Budget der Palästinaregierung Aus Jerusalem: Laut dem Bericht der Palästina- Regierung über das letzte, am 31. März 1936 zu Ende gegangene Finanzjahr, betrugen die allgemeinen Einkünfte 5,770.546 Pfund, davon 2,751.214 Pfund aus Zolleingängen; die Ausgaben 4,286.201 Pfund, davon 8,31ö.3Se Pfund für laufende Ausgaben. Der Verwaltungsüberschuß betrug Ende März 6,267.810 Pfund. Der Geldumlauf Palästinas Ende August betrug 6,041.134 Pfund. Das Hetzblatt des Erzbisdiofs Aus Bukarest: „Curierul Israelit" berichtet aus Amerika, daß die dort unter deutschem nazistischem Einfluß stehenden Rumänen eine hemmungslose Hetze gegen die.Juden entfalten. Das inYoungstown im Staate Ohio erscheinende rumänische Blatt „Soli a" hat sich ganz die Tonart der Cuzisten zu eigen gemacht. Sogar der Erzbischof der rumänischen orthodoxen Kirche von Amerika, Policarp Morusca, hat sich in einer von ihm verfaßten Broschüre zum ■SN %« ^/1V < ,f<$i?x > s "■ ■> "t Sprachrohr verleumderischer Anschuldigungen gegen die Juden gemacht. Der Präsident der „Union der rumänischen Juden Amerikas", Leon Wölffsbhn, veröffentlicht im Blatte „Amerika" ein offenes Schreiben an Erzbischof Morusca, in dem es u. a. heißt: ..Eure Eminenz! Sie ensinnen sich wohl dessen, daß Sie nach Antritt Ihres hohen Postens so gütig waren, uns zu sich einzuladen, da Sie uns eine hohe Botschaft zu übermitteln hatten. Sie teilten uns mit. daß der Souverän Sie ersucht habe, sofort nach Ihrer Ankunft mit den rumänischen Juden Amerikas in Kontakt zu treten. Eure Eminenz fügten damals hinzu, daß Seine Majestät sich über uns in höchst lobenswerter Weise geäußert und gefordert habe, daß Sie zu uns freundschaftliche Beziehungen unterhalten." Das Protestschreiben weist darauf hin, daß die im Wochenblatt „Solia", das vom Bischof herausgegeben wird, enthaltene Haß- und Hetzpropaganda gegen die Juden ganz und gar der Propaganda des Nazismus entnommen ist. Das Schreiben schließt mit der Forderung, die Nazipropaganda unter den Rumänen Amerikas ehestens einzustellen. ZBS weiriS \\ s\.Ä.f.. ©otneftrae33loöefl'ünöniel,ber aparte Sinbefragen mit ßincoln öerbrämt, flanj &*CSrepe=be.<£f)itte gefüttert (IL SÜD) S 75 -, ©unfeibiaue SnmemTOntel/ #errenfaffon, mit ©attelfiitter S 19. -, Stoben«' $ifd)grät-ü)fäntel, ganj Ä.* ©eibe gefüttert S 29.—, $eläoerbrämte Mäntel (Sdjalfragen), ganj ftvSeibe gefüttert S 39.-. 3Kobe=S8oucle=SÖ?änte! mit ©ilberfu4§lamm»5öerbrämung, gan^ l.*5."2Kongol gefüttert Wallt 2Hl& S 49.-, «Boflfloff*Äleiber/ mit langen Heimeln S 9.80, Wa$mtttaa;*sftleiber aus üttobe-SSottitoffen, mit glamefol* $anbarbeit«®arnitiir S 19.—, SReuefte Äaiaf»JMeiber. aus «Wobe-gBoUftoff mit ©amt-Stufpufc; S 2.4,—, Ä.«@.»g(amefol*93lufen mit langen Vermein, in aftobefarben S 6.90. #ofenröcfe, tabellofe $aBform S 9.80. Special»Slbteilmtg für ftorle Stauen! 5Bovcatf»3)amett«<£c!)ut>e mit feftem Slbfafc, fa^ttjurg ober braun S 11.90. $üt fftu. $emt: ftifdjgrät-Wfter, amerifanifd&e $afjtm, auf $.«@eibe (out S 49 — f sperren*Sport»Sinnige, aus mobernen SSoflftoffen, neuefte Äenpartie S 89.-, 9flobe»9lnaüge, Kammgarn, neuefte S)effin8 unb $affon$ S 49. -, Söaflon* tfoff^äntel, atfltacoat'ftaffon« S 29.-. Jüdische Konfession In Deutschland ist unter dem seelischen und xnaw riellen Druck der Jude zum Nachdenken über seine Haltung innerhalb der nichtjüdischen Welt gezwungen worden. Es gab schwere Enttäuschungen, Erschütterungen, die aber schließlich zu einer Klarstellung des. jüdischen Seins führten und zu den Aufgaben der neuen jüdischen Existenz. Vieles war nachzuholen, vieles aufzugeben. Aber das Wichtigste blieb doch die Erkenntnis, daß man ohne jüdisches Bewußtsein nicht weiterleben könne. Im Zusammenhang damit, bzw. durch diese Erkenntnis wurde all das hervorgerufen, was man heute in Deutschland „Jüdisches Külturschaffen" nennt. Die Idee des Judentums mußte alltägliche Wirklichkeit werden, sollte nicht das neue Erlebnis wieder verrauchen und der Verzweiflung Plate machen. Es ging nicht mehr um eine Definition des Judentums als einer Rasse oder einer Glaubenseinheit oder einer Zufallsmischung, eines Staates , eines Stammes, einer Gemeinde ... Es galt, sich zu entscheiden. Und die meisten entschieden sich. Alle Juden in Deutschland, die bisher im deutschen Kulturschoß glaubten leben zu können und zu der bisher unbekannten Aufgabe des Jude - s e i n s sich durchrangen, mußten Sich notwendigerweise für ein Judentum entscheiden, das die -— zionistischen Merkmale trug: Glaube an die Tradition und Zukunft als Volk, als volkliche Einheit; Judentum als etwas Selbstverständliche», Kompromißloses, Verantwortliches; Besinnung auf sich"~selbst, auf die eigenen Werte; die Entschlossenheit, das Jude-sein zu leben ... in Bescheidenheit, Stolz, Würde und Opferbereitschaft. Dem deutschen Umbruch mußte ein jüdischer folgen. Man war konsequent und tapfer. Man begann sich nach kulturmöglichkeiten umzusehen. Nach jüdischen — Stoffen. Die Juden in Deutschland schufen sich ihren eigenen geistig-künstlerischen Bereich. Es entstanden u. a. die jüdischen Kulturbünde, die jüdischen Kulturtheater. Diese Institutionen brächten die Frage mit sich, wie man sich zu orientieren habe. Und sogar die jüdischliberalen, nichtzionistischen Kreise sahen sich zu zionistischen Entscheidungen gedrängt. . Der Weisheit letzter Schluß war die zionistische Doktrin: Jüdisches nicht als Zugabe, sondern als Kern. Im Zusammenhang mit der Frage der Pflege jüdischer Kulturwerte kann jetzt das nichtzionistische „Israelitische Familienblatt" (Berlin, September 1936) in einem Aufsatz über jüdische Kultur in Deutschland schreiben: „Es ist absurd und entbehrt der realen Befrachtung der Dinge, wie sie nun einmal sind, wenn man meint, es könnte dieses Jüdische nur etwas zum übrigen Hinzugefügtes sein und bleiben. Das, was wir brauchen, ist nicht die — falsche — Erkenntnis, daß man in diesem Leben als Jude leben kann, indem man dem kulturellen Dasein jüdische Motive aufklebt und die Schauspieler in Kaftane steckt. Der Kern der Frage liegt nicht im Ornament, im nachträglich angebrachten und wie Stuck aufgeklebten Magen David! Die Frage heißt: Umwand lung der Menschen! Man muß die Menschen, die die kulturellen Dinge tragen und gestalten, zu v o 11 e n Juden machen. Das aber heißt heute eben nicht mehr zu Menschen „jüdischer Konfession", sondern zu Juden, die Angehörige des jüdischen Volkes sind." Diese in Berlin von einem nichtzionistischen Blatt niedergelegte Betrachtung hat dokumentarischen Wert. Aus der bitteren Erfahrung der „jüdischen Konfession" ist die Erkenntnis vom „jüdischen V o 1 k" geflossen. Eine Lehre für alle jene, die immer noch mit ihrem Assimilationsdrang protzen! Der heldische „D ktatior" zur TA B O R ST R MZ e Das große Amsterdamer Blatt „De Telegraaf" veröffentlicht, eine Unterhaltung seines Brüsseler Korrespondenten mit Herrn Leon D e g r e 11 e, dem Führer der jungen Rex-Bewegung, die bei den letzten Wahlen ins belgische Parlament zum erstenmal kandidierte und einen großen Erfolg errang. „Wir Rexisten", sagt Degrelle, „lehnen sowohl den Marxismus wie den Kapitalismus ab. Der große, politische Fehler, durch den es möglich wurde, daß der Kommunismuß so stark geworden ist, war es, daß man dem auf-