Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 596 (25.9.1936)
- Date
- 1936-09-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712221--6046-2719746- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 596 vom 25. Septemfc'er 1936 DIE NEUE WELT Seite % Das amüsanteste Lustspiel des Jahres! FRANZ UDEftER in KÜSS'NICHT IN KINO! (Ont ralny aftarnoon) mit IDA L U P I N 0 buhg-kimö, i. STAPA-KINO, VII. IMPtRI JU'KINO, I. VOTlVPARK-KINO, IX. Eilt United ArtiiU-fllm feil Dr. Himer 4 Co, Am Versohiiuttgstag Von AlfredWerner Der Mann im Sterbekittel bläst das Horn — O grauer Tag, erschütternd Blut und Mark! Wie groß i8t unser König Gott im Zorn — Was unser Dank ihm geben kann, ist karg. Und Gottes Stimme ritzt dich wie ein Sporn. Was bist du» Mensch, denn deiner Sünden Sarg? Die Blüte steigt erst aus gespaltenem Korn Und aus zerriss'nem Leib ein Glaube stark! Beschluß* iridifs zu beschließen! Eine merkwürdige Tagung des Aktionskomitees Von Meir Großmann (Tel-Aviy) Die Züricher Tagung des Aktionskomitees dauerte sieben Tage, zeit genug, um die zionistische Lage gründlich zu behandeln und Beschlüsse zu fassen; aber der Leser der offiziellen Presseberichte konnte gewiß einen ganz knappen Begriff davon bekommen, was auf diesem „Kleinen Kongreß" erreicht wurde, zu welchem ungefähr 80 Delegierte gekommen sind. Die neugierige Oeffentlichkeit hat sich vielleicht gewundert: Was haben die gewählten Vertreter der zionistischen Bewegung geleistet? Aus den kurzen Berichten ist nicht zu ersehen, was in Zürich beschlossen wurde, um was man sich bemüht hat und wohin das zionistische Schiff segelt. Man Ist doch nicht von allen Enden der Welt zusammengekommen, um die Judenstaatspartei als Sonderverband anzuerkennen, ein verkleinertes Aktionskomitee zu wählen und eine neue Sammelaktion zu beschließen. Gewiß, wichtige Angelegenheiten, aber um derentwillen schleppt man heutzutage einige Dutzend Menschen nicht aus Palästina nach Europa. Für diejenigen, bei welchem sich der Verdacht einschleichen könnte, daß der Presse überhaupt nichts mitzuteilen war, gab es eine fertige Ausrede: Die Sitzungen waren geheim, und was hinter geschlossenen Türen geschah, darf man nicht weitergeben. Alles Geheime reizt die Phantasie der Außenstehenden. Aber schließlich: Wie kann man ir solch einer Zeit die Geschehnisse in der Sitzung des Aktionskomitees verschweigen? Ich muß,,„gestehen, daß das Geheimhalten der heurigen Tagung ganz und gar überflüssig war, unberechtigt und in gewissem Sinn wahrscheinlich schädlich. Das Volk hat Anspruch darauf zu wissen, was seine Ftorer tun und denken. Würde es sich um Beratungen von einem Dutzend Menschen gehandelt haben, verstünde., man die geschlossenen Sitzungen. Aber ein Geheimnis, das 80 Menschen kennen, ist ein öffentliches Geheimnis. Weizmanns dramatische Erklärung, dass schlechte Nachrichten eingelangt seien, welche die Grundlage des Mandats bedrohen und daher seine schleunige Reise nach England erforderlich machen, damit er dort mit Ormsby- Gore sprechen könne, schnitt die politische Debatte ab, aber das Geheimnis war für die Oeffentlichkeit enthüllt. Man konnte es in der Tagespresse lesen . . . Jeder wird zugeben, dass die offiziellen Kommuniques ein telsches, beziehungsweise gar kein Bild davon geben, was in Zürich vorgekommen ist. Und das ist schädlich für die zionistische Bewegung. Um das Schweigeverbot nicht zu umgehen unddennoch von Zürich zu erzählen, habe ich mich an einen Fachmann- ' in „Angelegenheiten der Disziplin und Organisation" gewendet. Seine Antwort lautete: Einen Bericht schreiben dürfen Sie nicht, hingegen aber Eindrücke oder Betrachtungen. Gott sei Dank! Ueberau gibt es einen Ausweg, w<nn man nur weiß, wie man's macht. Um aber dennoch keine Sünde zu begehen, beschloß ich, ein wenig Zeit vergehen zu lassen. In dieser Zeit haben die Geheimnisse sicherlich ihre Standfestigkeit verloren und die Tagung ihr- Aktualität. « Stücke, die auf Bestellung geschrieben werden, gelingen selten. Ein ungebetener Gast fühlt sich gewöhn- Alle Schulbücher richtige Auflagen, für antiquarische all er billigst e Preise! Größte Auswahl! Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst. — Zelt spart, wer kauft im Schulbücherantiquariat Hermann Tüchner, Wien II. Ecke Taborstrafte 54 / Tel. R-41-4-20 rilllllllllllltllllllllllllllllllllllillllllllllllllliilliiiiiiilliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiin lieh nicht gut. So war es mit der Züricher Tagung des Aktionskomitees. Sie war auf Grund der Statuten züstande gekommen und nicht spontan gewünscht. Die Exekutive wollte die Sitzung nicht haben, und das empfand man auf Schritt und Tritt. Man erfüllte bloß eine unangenehme Pflicht. Nicht umsonst wollte man eine Woche vor dem letzten — allerletzten — Termin die Sitzung auf unbestimmte Zeit verschieben ... < Weshalb das Aktionskomitee so unerwünscht war, wurde iui: im Verlauf des ersten Tages klar. Die Exekutive hatte einfach nichts zu berichten, nichts vorzuschlagen und wollte kurzum nicht, daß sich „jemand" in die laufende politische Arbeit einmische. Natürlich hat sie keinen Grund zu solch einer stolzen Haltung, politische Niederlagen gab es genug, ab?.r sie fühlt sich doch stark hinter dem Stacheldraht ihrer Mehrheit. Deswegen unterschätzt sie die Bedeutung der Öffentlichen Meinung. Sie verzichtet auf „fremde Ratschläge". Leiten noch gab es eine demokratische Körperschaft, die solche Angst vor dem gesellschaftlichen Forum hat. Jeder Vorschlag eines Zusammengehens mit der Opposition, jeder Gedanke, weitere Volkskreise zu mobilisieren und sie zum schweren Kampf heranzuziehen, jeder Versuch, die zionistische Basis zu verbreitern, wurde als Beleidigung und Mißtrauensvotum betrachtet. Kein Mensch wird begreifen, weshalb der Plan zur Schaffung einer großen politischen Kommission solchem Widerstand begegnete. siow; $mxau in dun mustl&xüsdwn Lustspiel &™tot von Ladislaus,Va d Hat uHdSU&H.TieleeWrV- 0 H « , fl, I e : *> Robert Wohlmutti «M u s i Id'.a friti SpielmaMvt St enkavi VVcl 0ariftr.ft.6orw» Ein 0pM5^Ü>vvttnHit>aVtoUlk TELEPHON A34'5'50«BEölNN=y+57*1O Gerade dann, wenn ein Land in eine Krise oder in einen Krieg gerät, bemühen sich die Regierungen, die Opposition zur Mitarbeit heranzuziehen. Gerade der sozialistische Flügel der Exekutive verfällt in Hysterie, wenn er nur von einer politischen Kommission oder von einem Ratschlag der zionistischen Welt hört. * Die politischen Berichte Dr. Weizmanns und Ben Gurions waren — die beiden mögen mir verzeihen — farblos. Es fehlte ihnen der Elan und die Entschlossenheit. Rein informativ waren sie schwach und einseitig. Dr. Weizmann faßte sich kurz. Ben Gurions Rede, war so lang und so allgemein, daß die zentrale Linie seiner Gedanken verlorenging. Die Generaldebatte endete in einem Grab pompöser Worte. - Richtlinien: Direktiven? Keine Spur. Daher kam man mit einem konkreten Vorschlag: das Aktionskomitee soll um Gottes willen nichts beschließen. Nun aber: Wie kann man in solch einer Zeit eine Beratung abhalten, ohne der Exekutive Direktiven zu geben? Man fühlte in der Luft eine Revolution. Aber wer unsere lieben Allgemeinen Zionisten und den Misrachi kennt, weiß ganz gut, daß auf ihr Donnern und Blitzen kein Sturm folgt. Man hat sich rasch beruhigt und es ist beim Wunsch des Herrn Ben Gurion geblieben: nichts zu beschließen! Dasselbe wiederholte sich in der politischen Kommission. Auch dort kein Widertand. Einen richtigen Einblick in die Dokumente bekam man nicht. Bs sprachen hauptsächlich die Mitglieder der Exekutive und ihre Zahl ist — man soll es nicht verschreien — hübßch groß. Es herrschte derselbe Geist: Hinausschießen! Nichts festlegen! Gewiß ist das bequem. Aber was wird man der Bewegung antworten, die wissen will und Klarheit verlangt? Solche kardinale Fragen, wie die Beziehung zur Königlichen Kommission, Schutz des Jischuw, Einheitsfront, arabisch-jüdische Beziehungen, Wirtschaftsprogramm, Formulierung der zionistischen Ziele, blieben in der Luft hängen. Woja RtitlßtiKoulc not eröffnet!!! Gastwirtschaft ADRIA-JADRAN im GARTENBAU (Parkring Nr. 12) Echte serbische Küche Rostspezialifäfen / Dalmatiner Weine Räumlichkelten fttr 1000 Personen Moderne Pelze Noch nie hat die Mode das Pelzwerk so intensiv favorisiert, wie heuer. Pelzmäntel, Pelzpaletots, Pelzjacken und Füchse werden in diesem Winter mehr als je vorher getragen werden. Aber auch als Schmuck und Verbrämung der sonstigen Kleidung wird das Pelzwerk einen .noch nie dagewesenen Rekord erzielen. Trotzdem Pelze jetzt um 30 bis 40 Prozent teurer sind, ist das Pelzhaus zur „Danziger Marke" durch frühzeitige Anschaffung sämtlicher Pelzwaren in erstklassiger Qualität in der Lage, zu alten Preisen, ohne Aufschlag, zu verkaufen. Pelze / Paletots / Füchse FBLLE aller Art außergewöhnlich preiswert PELZHAUS xur VI, MariahilfarstraQe 27 / B-25-7<27 Der einzige positive Beschluß ist die Verkleinerung des Aktionskomitees — eine einfache Sache. Aber wenn man das Kind so behandeln wird wie die Mutter, werden wir an ihm keine Freude haben. Bei der Proklamierung der neuen Geldaktion ist es lebendig geworden. Da wollte man alle hören. Das Klingen der Geldtassen ermuntert und ermutigt. v * Es kam da einerseits die gegenseitige Meinung, andererseits der Mangel einer klar präzisierten Stellungnahme bezüglich einer Reihe von Fragen zutage, die von den letzten Ereignissen auf die Tagesordnung gestellt wurden. Nicht wir,.sondern andere fragen jetzt beispielsweise nach den zionistischen Zielen. Ein Kongreß kann darüber hinweggehen — und erledigt; aber wenn die Königliche Kommission fragen wird: „Was sind eure Aspirationen in Palästina?", muß man antworten. Man kann nicht schlechthin antworten: „Wir wollen eine unbegrenzte Einwanderung gemäß der Aufnahmsfähigkeit des Landes." Gut. Und wenn diese Aufnahmsfähigkeit zu einer Einwanderung von 100.000 Juden jährlich führen sollte, dann wäre in zehn bis fünfzehn Jahren eine jüdische Mehrheit unvermeidlich, welche die Araber automatisch zu einer Minderheit reduzieren würde. Also strebt ihr die jüdische Mehrheit, einen Judenstaat an? Gebt Antwort! Es gibt Menschen, welche antworten, daß der Zionismus die Lösung der Judenfrage durch die Wiederaufrichtung des Judenstaates anstrebt. Klar und offen. Andere begnügen sich mit der Erklärung, die Zukunft werde erweisen, wozu die Einwanderung führen werde; nur eines sei klar: wir wollen nicht herrschen und nicht beherrscht werden. Dritte wiederum kommen mit einer altneuen Formel: Politische Parität! Das heißt: Politische Parität zwischen Juden und Arabern ohne Rücksicht auf die tatsächlichen numerischen Kräfteverhältnisse. Drei mögliche Antworten. Aber das A. C. hat bloß beschlossen . . . nicht zu beschließen, welche Antwort1 die seine sei. Und weiter: Soll man mit der Kgl. Kommission kooperieren? Unter allen Umständen oder nur für den Fall, daß die Einwanderung nicht abgestellt wird? Oder soll man vielleicht nicht schon jetzt nach neuen Motiven suchen und sich schon auf Grund der bisherigen Geschehnisse auf den Standpunkt des Nichtkooperierens stellen? Wieder drei klare Fragen. Aber das A. C. hat beschlossen . . . nicht zu beschließen. Dasselbe Schicksal hatten die anderen Fragen: Mode-Sensation int Deutschen Volkstheater Wildes „Idealer Gatte" wird nächsten Montag in modernster Aufmachung und Ausstattung im Deutschen Vplkstheater in Szene gehen. Don Toiletten ist vielleicht die hervorragendste Sensation zugedacht und alles, was wir darüber erfahren konnten, bietet die Gewähr, daß. die Besucherinnen in dieser Beziehung auf ihre Rechnung kommen werden. Man wird elegante Toiletten von morgen an agierenden hervorragenden Schauspielerinnen bewundern können. Die Wirkung wird eine viel belehrendere sein als bei den Modeschauen, bei denen nur sehr hochgewachsene und schlanke Mannequins vox-führen. Die so modernen schmückenden Pelzverbrämungen an erlesenen Pariser und Wiener Modellen werden die mitwirkenden Künstlerinnen, die Damen Moissi-Terwin, Öegischer, Gusti Huber und Margit Weiler zu lebendiger Wirkung bringen. Man kann auf diese Mode-Sensation mit Recht gespannt sein. e. s.