Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 596 (25.9.1936)
- Date
- 1936-09-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife S DIE NEUE WELT Nr. 596 vom 25. September 1936 3 x BERqMAHIi Li RABENSTElfl 3 HIMMßLPFORTQ^S KÖLLNERHOFQASSE 1 Reinseidena.so ► Herrenhemden, beste Paßform nur Neue Sofien Herrenhemden, Pyjama u. Dresainos für den Herbat bereits lagernd. In Preis und Reichhaltigkeit unübertroffen 9 Dem katholischen Antisemitismus ins Stammbuch In gewissen katholischen Kreisen Oesterreichs tritt die Tendenz, sich dem in Deutschland siegreichen Hitlerismus anzugleichen, immer stärker zutage. Von den Einflüssen, die hier am Werke sind, soll jetzt nicht gesprochen werden. Aber nachdem diese „nationalbetonten" Katholiken die Angleichung auf Kosten der Juden vornehmen wollen, d. h. vor allem so, daß sie Im antisemitischen Gebaren es den waschechten Hakenkreuzlern gleichtun wollen, ist es gut, ihnen den Spiegel vorzuhalten. Das besorgt nun ein Katholik, ein katholischer Priester, in so gründlicher Art, daß nichts hinzu- zufügen ist. "Wenn Juden an -das Thema „Verquickung von Christentum und Hitlerismus" nur anrühren, schreit man ihnen zu, sie mögen sich nicht in innere Angelegenheiten des Katholizismus einmischen. Schön! Aber den Mann, der jetzt zitiert wird, den geht die Sache unzweifelhaft viel an. In der „KathoUschen Zeitschrift" sagt der Ordenspriester Pater Franziskus Stratmann über „Judenfrage als Friedensfrage" Worte über die katholischen Nachläufer des Hakenkreuz- Antisemitismus, die einfach niederschmetternd sind, besser gesagt: niederschmetternd wirken müßten, wenn Wahrheit und Sittlichkeit noch Geltung hätten in dieser Welt Pater Stratmann schreibt: „In der Parabel, die Jesus erzählte, waren es zwei Juden, die im Bewußtsein ihrer nationalen Würde kalt und lieblos an einem zerschundenen, hilfsbedürftigen Wanderer vorübergingen, während ein als volksfremd verachteter Samariter die echte Nächstenliebe an ihm übte. Heute sind die Rollen vertauscht. Heute ist es der Jude, an dem man im Gefühl rassischer Ueberlegenheit erbarmungslos vorübergeht und nicht nur das, sondern den man in den erbarmungswürdigsten Zustand erst hineinbringt. Heute liegen tausende Juden wie jener Wanderer buchstäblich auf der Straße, zerschunden und'zertreten von denen, die sich Christen nennen! Das ist eine ungeheure christliche Schande! Man darf gewiß sein, daß die Rollen abermals vertauscht werden, spätestens beim letzten Gericht, wo das Urteil in der Beurteilung der Werke der Liebe und der Lieblosigkeit gipfeln wird, .ganz gleichgültig, ob sie am Volksgenossen oder am Fremden getan worden sind ..." „Menschenwürdig ist das Dasein nicht mehr, wenn z. B. ein Mensch seiner R a s s e wegen verachtet und benachteüigt wird. Es ist das auch eine unmittelbare Beleidigung Gottes, der diese Rasse geschaffen hat. Eine flagrante Verletzung der Menschen- und Gottesrechte ist es ferner, wenn ein Mensch oder ein ganzes Volk widerrechtlich enteignet wird, was auch durch Abschneidung einer entsprechenden Erwerbsmöglichkeit geschehen kann. Ja, der Mensch hat nach Gottes Willen nicht nur Anspruch auf Gerechtigkeit, sondern auch auf Liebe. Dies alles steht freilich in einem Kodex, den die autonomen, d. h. ein anderes als das von ihnen selbst diktierte Gesetz nicht anerkennenden Herrenmenschen in die Ecke geworfen haben. Sie handeln, wenn sie die ihnen zugedachte Vergewaltigung ablehnen, selbst aber andere vergewaltigen, wie gesagt, folgerichtig nach ihrer Weltanschauung. Sie sind das, was sie sind, ganz und ungebrochen, und besitzen in dieser Folgerichtigkeit Charakter." „Unter dem Gesichtwinkel der Geradlinigkeit ist Charakter, auch wenn er schlecht ist, immer besser als Charakterlosigkeit. Auch die Hl. Schrift zieht die Kälte oder die Wärme eines Herzens der Lauheit vor. Nun ist es eben der ganze Jammer, vor dem wir stehen, daß zwar die ihre arische Rasse vergötzenden Antichristen das, was sie sind, ganz sind, die in ihrem Kielwasser segelnden „gläubigen" Christen dagegen das, was sie sind, nur halb sind. Jene Antichristen haben Charakter, diese Christen nicht." „Die christliche Schande unserer Tage besteht darin, daß zahllose Christen ihre Maßstäbe dem Antichristentum entlehnen. Die Antichristen gehen mit Pauken und Trompeten voran, die Christen schleichen mit gedämpftem Tro'mmelklang und vorsichtig flötend hinterher; nur wenn sie ihr Minderwertigkeitskomplex besonders plagt, suchen sie ihre Vordermänner noch zu übertönen. Kerle sind die vorne, Waschlappen sind die hinten! Christliches Denken und Handeln gilt auch diesen Christen als schwächlich, als mit den harten Notwendigkeiten des Lebens nicht ganz vereinbar. Sie sind darum zwar keine „erklärten" Antisemiten, aber doch „in gewisser Hinsicht auch" Antisemiten, wie sie überhaupt alles „auch" sind: „auch" national, wenn auch nicht „so ganz" wie die anderen, „auch f r e i d e n k e n d" usw." „Um gerecht zu sein, muß man zugeben, daß die anderen es wahrlich leichter haben, das, was sie sind, ganz zu sein. Denn dazu brauchen sie nur ihren Instinkten zu folgen, ihrem Blut und ihren Muskeln. Während wir Christen, um ganze Christen zu sein, unsere Instinkte, unser Blut, unsere Muskeln und auch unser Herz in Zucht nehmen und es unter die Botmäßigkeit der vom Lichte Gottes erleuchteten Vernunft und seiner Gebote bringen müssen. Aber es bleibt uns, wenn wir unseres Namens würdig sein wollen — im anderen Falle wäre . es besser, den Christennamen abzulegen — nichts anderes übrig ..." Die Weg§eno§sen In der Wiener „Reichspost" wird beweglich darüber Klage geführt, daß die unter dem Diktat des teuersten Busenfreundes Adolf Hitlers, des Julius Streicher stehende Presse einen unflätigen Kampf gegen den Katholizismus führt. Das Blatt zitiert .Stellen aus „Der Stürmer", „Der Durchbruch" und „Der Blitz", die wirklich an volltrunkener Religionsschänderei nicht zu übertreffen sind. Z. B.: „Der' heutige Zustand ist unhaltbar. Unsere Jugend ist heute schutzlos den durch einen unnatürlichen Kirchenbrauch hervorgerufenen Machenschaften unnatürlich gewordener Priester ausgeliefert. Wir fordern daher, als zunächst wichtigstes Gesetz: Verbot jeder Erziehung gleich welcher Art durch ehelose Priester und in Klöstern zusammengefaßte Laien. Ehelose Priester sind nicht imstande, der Jugend die hehren Aufgaben der deutschen Ehe, nahezubringen." £m Rabbiner verhaftet Aus Berlin: Der bekannte Berliner Rabbiner und Schriftsteller Emil Bernhard-Cohn (Pseudonym Emil Bernhard) wurde am 20. September im Studierzimmer seiner Synagoge von der Berliner Gestapo verhaftet. Die Verhaftung des allgemein verehrten geistigen Führers hat unter der Berliner Judenheit große Bestürzung hervorgerufen. Dr. Emil Bernhard-Cohn wurde schon einmal, im Dezember 1935, während einer Predigt von Gestapo- Agenten verhaftet. Er verbrachte mehrere Wochen isi Gefängnis. Erst vor etwa zwei Monaten fand der Prozeß gegen ihn statt. Er wurde freigesprochen. Vollständig renoviert und vergröBert! Ca$e ßiuksfaim II, Kleine Pfarrgasse 21, Telephon A-43-5-19 Pläne: Architekten Ing. J. Rindler, Ing. L.Schlein Sine SekeHwücdigUefl! Totale Rassentrennung Aus Berlin: Die „Internationale Zeitschrift für Erziehung" bringt in ihrem neuesten Heft einen Aufsatz über „Die Trennung der Rassen im Schulwesen der Vereinigten Staaten und des Deutschen Reiches*'. Darin heißt es: „Der Grund für die Trennung der Rassen in der Schule liegt in der Erfahrung, daß das Gemeinschaftsgefühl in einer rassisch gemischten Schulklasse zerstört wird. Noch unheilvoller wirkt sich die rassische Verschiedenheit von Lehrer und Schüler aus. Die deutsche Rassengesetzgebung ist noch nicht völlig abgeschlossen. Jetzt wird auch die Rassentrennung im Sc hui1 wiesen für das ganze Reich einheitlich geregelt werden. Ein solches Gesetz befindet sich in Vorbereitung. Es ist eine völlige Rassentrennung in den Volksschulen ohne Rücksicht auf die Religions- Orig. engl, und franz. Stoffe kauft man am besten im 1, Salzgries 5 Herbst-N«uheit«n fOr Damen und Hftrrsnl Zaitgamai) billig I „Darüber hinaus kann die volle Hellung dieses Geschwürs am deutschen Volkskörper nur durch Abschaffung des Zölibats durch Priester selbst erzielt werden. Dies aber ist nur möglich durch die Lösung der deutschen Katholischen Kirche vonRom!" „Das ist eine Forderung, die nicht wir stellen, sondern deutsche Katholiken aus dem Lebensinteresse des deutschen Volkes." „Wir aber erkennen die Wurzel des Zölibats in dem orientalisch-jüdischen Geist des Chris tentums." Klingt das nicht genau so, wie das, was diese Menschen gegen „unnatürlich gewordene", moral- und blutschänderische Judentum sagen? Vom orientalischjüdischen Geist des Bolschewismus und „jüdischer Lasterhaftigkeit"? Dann zitiert die „Reichspost" noch ein Gedicht über ein Kreuz am Wege: „Darf ea das geben, Mit dem Jesusleib, der sich in Nägeln windet, Daß da ein Steinkreuz am Wege steht Blutbefleckt und verzerrt? — Wie kühl da weht Wind übers Feld . . .! Daß Mensch den Menschen schindet Und dornenkrönt, wird wieder mal gesagt! Oh, daß man wagt, In dieses Blüh'n, in diesen Glanz hinein, In diese Lebenswonnen, letzte Pein Verrenkter Glieder wieder hinzustellen! Muß ewig Todesröcheln um uns sein? Muß uns jede selige Stunde gellen . . . --Schafft mir das Kreuz/das Kreuz aus dem Gelände, Weil ea mit seiner blutig-kalten Not Gott selbst bedroht! Beim Lesen dieser Artikel und Gedichte ist es gut, daran zu erinnern, daß es Katholiken gibt,?'* — was die Juden betrifft — dieser Menschen Weggenossen sein wollen. Zugehörigkeit vorgesehen. Die Errichtung öffentlicher Judenschulen ist geplant. Grundsatz für beide Schulen wird die Rassengemeinschaft zwischen Lehrer und Schüler sein. RosduHasdiandi in Moskau Aus Moskau (J. T. A.): Die Rosch-Haschana* Tage sind in Moskau ruhig verlaufen. Die anläßlich der jüdischen Feiertage entfaltete Propaganda des Verbandes der Gottlosen hat in der Oeffentlichkeit äußerst geringen Widerhall gefunden. Eine von dem Verband herausgegebene Broschüre mit Material für die Propagandisten ist von der jiddischen Presse nicht beachtet worden. Die jiddische Tageszeitung „E m e s s" übt an der Arbeit des Verbandes und der von ihm herausgegebenen Broschüre scharfe Kritik. Insbesondere wendet sie sich gegen eine Stelle, in der es heißt, die Araberpogrome gegen die Juden in Palästina seien vom englischen I mperialismus inspiriert worden. In empörtem Ton erklärt die Zeitung, dies sei nicht die richtige Art, von dem „heroischen Freiheitskampf der Araber" zu sprechen. ür Gelegenheitskäufe Wien Vlli, Stadtbahn viadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-2l-5«31 Watfenschmuggel aus Transjordanien Aus Jerusalem: Die Tageszeitung „Haarez" meldet, daß die transjordanische Regierung ein Verbot der Ausfuhr von Waffen nach Palästina erlassen habe. Die Bewachung der Grenze zwischen Palästina und Transjordanien ist bedeutend verstärkt worden, um den Waffenschmuggel aus Transjordanien zu verhindern. Englische Militärflieger haben in der Wüste einige Lastautos entdeckt, die Waffen aus dem Irak zu den Terroristen nach Palästina bringen sollten. Die Autos wurden angehalten, die Waffen beschlagnahmt. STS Zukunft ihrer Kinder SSJZ Londschulhelm Florenz Höhere Schule und Internat 1. Schulbildung bis zum Ablturlum 2. Für Knaben und Mädchen von 6—18 Jahren 3. Unfer Leitung bewährter Pädagogen 4. Studienberechtigung In last allen Staaten, Sprachenpflege 5. HaUthBltStChUle, Stenographie, Schreibmaschine 6. Werkunterricht, Landu. Gartenarbeit 7. Vorbereitung für Auswanderungsländer 8. Hausärzfllche Ueberwachung, Individuelle Förderung 9. Schönste Umgebung, gutes Klima, Sport, Im Sommer 3 Monate am Meer 10. Erstklassige Verpflegung — zeitgemäße Preise — keine Transferschwierigkelten Neuaufnahmen zum Wintersemester Auskünfte u. Prospekte durch die Leitung: Oberreg.-Rat a. D. Dr. U/erner Pefser Dr. H. Goidsteln Florenz, Villa Pazzi, Plan dal Olullarl