Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 596 (25.9.1936)
- Date
- 1936-09-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 596 vom 25. September 1936 DIE NEUE WELT Seite S- England Zugeständnisse erwirken. König Ibn Saud habe dieses Ansinnen jedoch abgelehnt. „Daily Telegraph" übt im Leitartikel scharfe Kritik an der Palästina-Regierung, der vorgeworfen wird, sie habe die Lage in ihren ersten Stadien nicht erfaßt und die erforderlichen Maßnahmen nicht getroffen. Nach Ankunft der militärischen Verstärkungen in Palästina würden nunmehr die schärfsten Mittel zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung nötig sein. Nur durch Gewalt Aus Damaskus: Der Organisator und Führer «Äer arabischen Aufruhrbewegung gegen den „Z i o n i smus und britischen Imperialismus", Fauzi Bey el Kaukadyi, empfing einen United Preß-Vertreter in seinem Hauptquartier und bat ihn, der Weltöffentlichkeit mitzuteilen, daß die Araber den Kampf gegen die englischen Streitkräfte in Palästina mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln weiterführen und von Ihren Forderungen nicht abgehen würden. Um Fauzi Bey zu treffen, der von den britischen Soldaten seit Wochen im unwirtlichen Felsgelände des palästinensischen Hinterlandes gesucht wird, fuhr ich nach Nablus, nahm einen Beduinen als Führer, der mich zu einem kleinen Dorf im Gebirge führte. Dann ging es weiter durch Olivenhaine. Nach mehr als einstündigem Fußmarsch erreichten wir den Gipfel eines Berges, auf dem verborgen in einem dichten Olivenhain ein befestigtes Feldlager war. Hier empfing mich Fauzi, der mehr den Eindruck eines Engländers oder eines Franzosen als den eines Arabers machte. Er sagte: „Wir können aus den Engländern Zugeständnisse nur durch Gewaltanwendung herauspressen. Verhandlungen erwiesen sich als nutzlos. Meine Botschaft an die palästinensischen Araber lautet: Geht von eueren Forderungen nicht ab, lehnt jedes Kompromiß ab — nur so wird sich Großbritannien bereit finden, euere Forderungen zu befriedigen." Fauzi sagte dann, daß in den arabischen Ländern, die Palästina benachbart sind, Freiwilligenabteilungen aufgestellt worden seien, die für den panarabischen Gedanken, vor allem für ein vereinigtes Küstenreich Syrien - Palästina, zu kämpfen entschlossen seien. „Meine Anhänger in Syrien haben eine syrische Truppe aufgestellt. Ich habe dasselbe im Irak getan. Diese Kolonnen stehen schon heute in Palästina, nachdem die irakische einen Wüstenmarsch von 1300 Kilometer zurückgelegt hat. Die irakischen Freiwilligen haben Hunger und Sonnenglut nicht gescheut. Sie werden genau so wenig die britischen Kugeln scheuen." „Das eine kann ich versichern: Alle diese Kontingente sind militärisch ausgebildet. Sie sind ausgerüstet mit dem neuesten Kriegsgerät, verfügen über Maschinengewehre, Bomben und hochexplosive Sprengstoffe. Möglicherweise wird in allernächster Zeit eine arabische Revolutionsarmee gebildet werden. Ganz gleich, wie groß die Stärke dieser Truppenmacht sein wird, werden sich keine Verpfiegungsschwierigkeiten ergeben. Die Dörfer haben uns Lebensmittelvorräte in großen Mengen angeboten. Sie stehen geschlossen hinter unserem Befreiungskampf" Für die hohen Feiertage Gnädigste, versorgen Sie sich rechtzeitig mit einem schicken KORFF-HUT! Die neuesten Modelle in feinstem Samt-Velour und Haar-Filz soeben eingelangt. Riesenauswahl zu Korff-Preisen! land und Hakenkreuz — Ein Urteil Von unserem Londoner Mitarbeiter Vor dem Obersten Strafgerichtshof in London (Central Criminal Court) wurde am 18. und 21. September ein Prozeß abgeführt, welchem sehr große Bedeutung zukommt. Er hat einerseits enthüllt, daß sich auch in England blutrünstiger Antisemitismus, Hitlerscher und Streicherscher Prägung, regt. Er hat aber andererseits bewiesen, daß die englischen Behörden nicht gewillt sind, den Frieden unter den Bürgern durch verlogene und skrupellose Hetzer stören zu lassen. Angeklagte waren der Herausgeber der Zeitung „The Faseist" (Organ der „Imperial Fascist League"), Spencer-Leese, und ihr Drucker Whitehead wegen „aufreizender Verleumdungen", begangen insbesondere durch Artikel, in welchen die Juden des Ritualmordes und anderer■ Verbrechen beschuldigt werden. Vertreter der Klage war Generalstaatsanwalt Sir Donald Sommervell, den Vorsitz führte Oberrichter Greaves-Lord. Der Generalstaatsanwalt erklärte, daß Kritik eines Teiles der Bevölkerung gegen einen anderen wohl zulässig ist. Die Kritik kann gegen Engländer, Juden, Schotten, Irländer gerichtet sein. Aber das Gesetz hat eine Grenze zwischen Freiheit und Züge 11 osigkeit gezogen. Es ist gesetzwidrig, Regelmäßige Expreß- und Postlinien nach 'Ägypten, Palästina, Syrien, Griechenland, Türkei, Indien, Ostasien, Levante, Schwarzes Meer Gesellschaftsrelsen in Vorbereitung: Ägypten (Kalro-Luxor-Assuan) . , Dezember 1936 Indien........Dezember-Jänner 1936/37 Auskünfte: LLOYD TRIESTINO Wien I, Kärntnerring 6 und alle Reisebüros verleumderische Worte zu drucken und zu veröffentlichen, um Gefühle des bösen Willens und der Feindseligkeit zwischen zwei Klassen von Untertanen Sr. Majestät zu fördern. Er behandelte dann die einzelnen Anklagepunkte, wobei er Stellen aus der Zeitschrift vorlas. Bei der Bekämpfung der Juden werden hier Tötung, Sterilisierung und Absonderung angeführt. Dann wird unter Bezugnahme auf den Ritualmordprozeß, welcher 1840 in Damaskus stattfand, von einer „Menge authentischer Ritualmordfälle" gesprochen und die rituelle Schlachtmethode als Freude an Quälerei hingestellt, alles zum Zwecke, die Beziehungen zwischen den Juden und ihren Mitbürgern zu stören und die Juden der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykottierung auszuliefern. Die Stelle, welche die Sterilisierung der Juden fördert, wirkt außerordentlich aufreizend. Sie stellt die Juden als Träger so unerhörter Charaktereigenschaften dar, daß in jedem gewöhnlichen Menschen der Wunsch erweckt wird, sie auszurotten oder aus dem Lande zu treiben. Die in der Zeitung enthaltene Aufforderung zum Tragen des Hakenkreuzes als Zeichen der Verpflichtung, niemals von Juden zu kaufen, niemals Juden zu beschäftigen und alles zu tun, um die „jüdischelnvasion in England" aufzuhalten, ist direkte Aufreizung zur Boykottierung eines großen Teiles der Bevölkerung. Das Gericht fand die Angeklagten des Druckes und der Verbreitung skandalöser und verleumderischer Behauptungen gegen jüdische Bürger Englands schuldig. Spencer-Leese wurde zusechsMonaten Gefängnis und Whitehead zu 100 Pfund Geldbuße verurteilt. ' * Die Bedeutung des Prozesses liegt vor allem darin, daß nicht jüdische Bürger und Korporationen genötigt waren, einzuschreiten, sondern daß es die Justizbehörde auf sich genommen hat, den Verleumdern entgegenzutreten. Bei Besprechung des Falles, der in England größtes Aufsehen erregte, wurde allseitig und mit Befriedigung konstatiert, daß nunmehr die Möglichkeit geboten ist, gegen alle Personen und Parteien, welche jüdische Bürger verunglimpfen und gegen das Judentum hetzen, mit Aussicht auf Erfolg vorzugehen. Aus dem Verhör Die J. T. A. berichtet zum Prozeß: Zu den Geschworenen gewendet, behauptete Leese, seine Motive seien rein politische gewesen. Er trete für die Absonderung von Menschen ein, die er für ein „zerstörendes Ferment" halte. Er, der sein Leben lang mit Tieren zugebracht habe, dto ungleich sind, könne nicht glauben daß die Menschen gleich seien, — Es wurde so-» Slis ins höhe ättec schöne und gesunde Zähne dutck 2AH N PASTA Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wtens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärztlichen und pharmakognoslischen Institute der Universität in Wien. dann der auf Antrag des Angeklagten vorgeladene Zeug« Philip John Ridout vernommen, der seit Mai 1933 der Imperial Fascist League angehört, Ortsgruppen in den stark von Juden bewohnten Bezirken Shoreditch und Hackney gegründet, im Londoner East End viele Versammlungen abgehalten und eine organisierte Verkaufs« Propaganda für den „Fascist" geleitet hat. Er muß zugeben, daß mit der Absicht „strenger" Absonderung auch die der Vertreibung der Juden aus England verbunden sei. Die beiden anderen Alternativfälle der Tötung und Sterilisierung seien von den Anhängern der faschistischen Liga nicht in Betracht gezogen worden.,, — Vom Generalstaatsanwalt ins Kreuzverhör genommen, erklärte Leese, die von ihm vertretene Politik der Absonderung gehe darauf hinaus, daß die Juden der ganzen Welt auf einer Insel — Madagaskar sei hiezu geeignet —• isoliert werden. Die Insel müßte von den Juden käuflich erworben, den Eingeborenen, die entfernt. werden, müßte von den Juden reiche Entschädigung gegeben werden. Auf weitere Fragen des Staatsanwalts gab Leese zu, daß er für die Todesstrafe für Juden eintrete, die nach einer gewissen Zeit außerhalb dieses „Nationalheims" angetroffen werden würden. — In seinem Schlußwort forderte Leese seinen Freispruch im Interesse der Redefreiheit. Er warf den Juden vor, ein Manöver des Hintanhaltens durchzuführen und England solange davon abzuhalten, von Palästina Besitz zu ergreifen, bis sie sich in. den Besitz der OelVorräte gesetzt hätten. Er sei nicht für Pogrome, weü diese . schlechte Folgen für diejenigen hätten, die sie begehen. Nach Darlegung seiner Anschauungen" über das Ras.senproblem erklärte er zum Schluß, er sollte statt auf der Anlagebank im englischen Kabinett sitzen im Hinblick auf die Dienste, die er durch Warnung der Menschheit vor der Judengefahr geleistet habe. für Rheumatismus, Gicht, Gelenks« und Nervenkrankheiten l,Schottenring17Je!<.a-17-0-66 Der Vorsitzende, Greaves-Lord, resümierte die Ergebnisse des Verfahrens. Der Angeklagte habe behauptet, daß zwischen bestimmten Kategorien der Unter* tanen Sr. Majestät Mißstimmung bestehe, die nur durch Entfernung des jüdischen Teiles aus der Gemeinschaft beseitigt werden könne. Eine seltsame Lehre, eine höcht seltsame Doktrin, in einem Lande, das sich vollständiger Freiheit und Gleichheit für alle Gruppen der Untertanen Sr. Majestät rühmt. Niemand dürfte behaupten, daß alle in jeder1 Hinsicht gleich sind, aber in diesem Lande sind alle Rassen und Menschen in dem Sinne gleich, daß alle den Gesetzen gehorsamen Bürger, welcher Klasse oder Rasse sie angehören mögen, vollständig* gleich vor dem Gesetz sind. Wenn Worte gebraucht werden, in denen die Bevölkerung ermahnt wird, zur Osterzeit auf die Kinder achtzugeben, so werde der gewöhnliche Mensch von durchschnittlicher Intelligenz darin eine gegen die Juden gerichtete Behauptung von sehr ernstem Charakter sehen. Wenn man veröffentliche: „Die Juden sind nirgends auf Erden erwünscht" und dann: „aber unglücklicherweise sind sie auf Erden", könne dies freundschaftliche Empfindungen zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Bürgern, die beide Untertanen Sr. Majestät sind, erwecken? Wenn man, fragte der Richter die Geschworenen, den Vorschlag, zu töten, zu sterilisieren oder abzusondern in bezug auf Sie gemacht hätte, wäre nicht anzunehmen, daß dies eine Mißstimmung und Abneigung zwischen Ihnen und anderen Teilen der Bevölkerung führen würde? Nach einer Beratung von 40 Minuten verkündeten die Geschworenen ihren Spruch. Vorschenkt werden Möbel von niemandem ... aber zu unglaublich billigen Preisen verkauft ... im Möbelhaus Edelmann, VIII., Lerchenfelderstraße 12. Große Auswahl. Größtes Zahlungs-Entgegenkommen! Provinz- Katalog gratis! e In« u* ausländische Hausbesitzer verwalten ihre TgKI durch behördlich konz, Realitä tenkanzjei | Dr* M AIR PMS Hj Wien I, Franz-Josefs-Kai 1, Tel. R-21-5-3Q §§ Erstklassige Referenzen!