Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-09-22 · Heft 595 (22.9.1936) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 595 (22.9.1936)
Date
1936-09-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712220--6038-2719737
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

feite 2 DIE NEUE WELT? Nr. 595 vom 21 September 1036 Kaufet Schulbucher neu und antiquarisch in der Bücherstube Rath & Co. Wien ll,Taborstrafte20a/T«I.R-43.305 Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Preisen! Modem« Leihbibliothek / Alle Neu« eracheiitungen Monatsgebühr S 3.10, keine BandgebUhr, taglicher Umtausch, oder Monatsgebühr S 1.60 und 10 Groschen Bandgebühr Modernet Sortiment und Antiquariat ssaess Judaica und Hebraica —. sam sind. So verstanden, war ein Boykott-Diktat des Jüdischen Weltkongresses an die in ihm organisierten Juden gar nicht erforderlich. Der antideutsche Boykott seitens der Juden (und der Millionen Nichtjuden) stellte sich im Zusammenhang mit den Brutalitäten des Hakenkreuzregimes spontan ein; es bedurfte gar keiner Direktive. 6. Ja, wir Juden bekennen . . . Wir bekennen, daß wir uns von allem distanzieren, was „Drittes Reich" bedeutet. Wir wollen keinerlei Beziehungen zum Dritten Reich. Wobei wir in Parenthese bemerken, daß es sogar nach dem 11. Juli zwischen Oesterreich und Deutschland keine staatsrechtlichen, sondern bloß völkerrechtliche Bindungen gibt, also solche, wie sie zwischen Oesterreich und anderen Staaten, beispielsweise Italien, Tschechoslowakei, Ungarn usw., existieren. Wir glauben nicht, daß das Normalisierungsabkommen vom 11. Juli uns etwa dazu verpflichtet, mit den Trägern des deutschen Nationalsozialismus Arm in Arm zu gehen oder ihnen gar um den Hals zu fallen; dazu verpflichtet, daß wir unsere Ehre und Würde.preisgeben, indem wir unsere schwer verdienten Schillinge in Kinos anlegen, wo die judenreinen Filme laufen; daß wir den Konsum deutscher Waren forcieren. Wir verstehen unter Intensivierung des österreichisch-deutschen Warenverkehrs nicht etwa den Wunsch Oesterreichs, den Konsum reichsdeutscher Waren bei uns zu steigern. Wenn wir hier einen besonderen Eifer an.den Tag legenj so gilt er dem Verbrauch österreichischer Waren, mögen es Filme oder. Bücher oder Rasierklingen sein. Es wäre um die Vernunft hierzulande schlecht bestellt, wenn österreichische Staatsburger, jüdischer Abstammung sich von den Anhängern der genannten drei Zeitungen darüber belehren lassen müßten, was österreichischen Interessen dient. Wir bekennen uns zu der Peststellung, daß die österreichische Staatsführung mit dem Normalisierungsabkommen vom 11. Juli nicht, die Unterwerfung, nicht die Unterstellung Oesterreichs unter Deutschland angestrebt hat, sondern einen Zustand, wie er der europäischen Zivilisation angemessen ist. Im Rahmen dieser Absicht haben auch die jüdischen Staatsbürger Platz, Es muß ihnen aber, wie den anderen Staatsbürgern, unbenommen bleiben, wie sie sich persönlich zu dem Nachbar stellen. Diese persönliche, mehr dem psychologischen Moment Rechnung tragende Stellungnahme tangiert die deutsch-österreichischen Beziehungen ganz und gar nicht. Obwohl beispielsweise zwischen dem Bundesstaat Oesterreich und der Sowjetunion normale Beziehungen bestehen, bleibt es jedem einzelnen Oesterreicher unbenommen, sich dem Bolsehewikenstaat gegenüber Völlig distanziert zu verhalten. Das ist vernünftig, das ist selbstverständlich, das ist Brauch. Nochmals, auf daß kein Mißverständnis obwalte: Ein großer Teil der Juden Oesterreichs weicht — ohne jede Parole, ohne jede Weisung von irgendeiner Seite — der Berührung mit dem Hakenkreuzregime aus.' Er verabscheut eine Führung, die sich anmaßt, Richter über das Judentum zu sesin;. er wehrt sich gegen die nationalsozialistische Vernichtungs¬ und Verfemungsattacke, gegen die schändlichen Haßexzesse Hitler-Deutschlands mit jenen ^Mitteln, die ihm zu. Gebote stehen. Kein Normalisierungsabkommen wird uns volksbewußte Juden dahinbringen, unseren Nacken dem Hakenkreuzmesser-hinzuhalten. Wenn's Judenblut vom Messer spritzt, dann wollen wir dafür sorgen, daß das nicht nur ohne unser Hinzutun, vielmehr unter unserem Protest und Widerstand geschehe.. 7. Ja, wir bekennen . . . Und angesichts unserer höchsten Feiertage wiederholen wir: Wir bekennen uns zu einem Gott, dessen Name unaussprechlich ist. Wie bekennen uns zu einer Hoffnung, deren Name ist: Zion. Darin fühlen wir uns unzerstörber. Und mit solchem Besitz begnadet, sind wir in das neue Jahr eingetreten. °« r« Der Verband der Judcnstaatszionisten Oesterreichs und Sektion Prater gratulieren Ihrem Parteiratsmitglied Herrn Joel Reich und Frau zur Geburt eines Sohnes. Schulbücher für Volks-, Haupt- und Mittelschulen, neue und antiquarische, in der Buchhandlung M. Rath, n.t Taboratraße 20 A. AUS PALÄSTINA Fauzf Hey, der Armenferf§dilä<hter Aus Jerusalem: Der oberste Führer der arabischen Rebellen, der Syrier Fauzi Bey el Kaukadyi, hat in den arabischen Städten und Dörfern mit einer regelrechtenRekrutierung arabischer Jugendlicher für seine Banden begonnen. In den letzten Tagen begaben sich mehr als 200 jugendliche Araber aus Jaffa in die Berge, um sich Fauzi Beys Kaders anzuschließen. Es wird eine „Offensive" der Banden auf die isoliert liegenden jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen vorbereitet. Fauzi Bey ist kein Araber, er stammt aus der Türkei. Im Weltkriege war er Offizier der türkischen Armee. Später tat er Dienst in der türkischen Gendarmerie. Als im Jahre 1925 der syrische Aufstand ausbrach, eilte er dahin und stellte sich an die Spitze einer kleinen Bande Terroristen, die in den Obstgärten um Damaskus operierte und von dort aus Vorbeireisende überfiel und ausraubte. Als die Franzosen damals für drei Tage Damaskus räumten, und der „Sultan al Atrasch" in die Stadt einzog, besetzte Fauzi Bey mit seiner Bande das Stadtviertel Sidon. Seine erste Tat war, die in der Elsenbahnstation Kadam stehenden Waggons auszurauben. 70 Armenier, Greise, Frauen und Kinder, wurden auf Befehl Fauzi Beys abgeschlachtet. Er wurde deswegen von al Atrasch aus Damaskus' verbannt. Er bildete dann eine Räuberbande und operierte „auf eigene Rechnung" in der Gegend von Honz. Drei Monate später konnte der französische Generai Gamelin auch diese Gegend säubern. Fauzi Bey flüchtete aus Syrien nach dem Hedschas und beteiligte sich an einem Aufstahd gegen Ibn Saud. Er wurde gefangengenommen und von Ibn Saud zum Tode verurteilt, aber auf eine Intervention syrischer Araber hin begnadigt. Ein Jahr später wurde er militärischer Instruktor im Irak. Von dort kam er jetzt nach Palästina, um den Aufstand zu leiten. iür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Weitere Terror*Akte . Aus Jerusalem: Die Wächter und Siedler der Kolonie Misch mar Hajarden haben einen heftigen Angriff, bei dem die Siedlung vollkommen umzingelt worden war, abgewiesen. ' ' In Ain Fara ist eine Wasserpumpstation, die zu dem Wasserversorgurigssystem der Stadt Jerusalem gehört, niedergebrannt worden; In eine Fabrik, in der Mea-Schearim-Straße an der Grenze zwischen Jaffa und Tel-Aviv ist eine Bombe geworfen worden. Bei der Explosion wurden vier Juden, und zwar der 24jährige Abraham Biedermann'und der 28jährige Elieser Hansensprung, schwer und zwei andere jüdische Arbeiter leicht verwundet. - Bei Kfar Ginnis auf der Strecke zwischen Haifa und Lydda ist ein Güterzug zum Entgleisen gebracht worden. Die Lokomotive und zwei Waggons wurden zerstört, verletzt wurde niemand. Im Zu-* sammenhang mit diesem Sabotageakt wurden fünf arabische Notabein aus Lydda nach Sarafend verbannt und zwei Häuser bekannter arabischer Agitatoren in Lydda niedergerissen. Eine Brücke zwischen Jerusalem und Jericho ist in der Nacht gesprengt worden; der' Verkehr war vorübergehend unterbrochen. In Körben mit Tomaten, die an einen jüdischen Kaufmann nach Jerusalem geschickt worden waren, sind Bomben gefunden worden. Die Angriffe gegen die jüdische Kolonie Ness Z i o.n a. erneuerten sich. Auch die benachbarten jüdischen Siedlungen Ramat Hakowesch,, Ramat Häscharön, Kfar Chaim und andere wurden angegriffen. Alle diese Angriffe wurden allein von den jüdischen Wächtern und Hüfspolizisten zurückgeschlagen. In Jerusalem wurde am Rosen Haschana gegen einen zur Synagoge gehenden Juden eine Bombe geschleudert. Die Bombe verfehlte ihr Ziel. Die I rak - Petroleum-Röhren leitung wurde, nun züm 31. Male, auf palästinensischem Boden beiBe'isan beschädigt. Das ausströmende Oel wurde in Brand gesteckt, so daß Rauch und Flammen weithin sichtbar waren. In einigen arabischen Dörfern in der Nähe wurden von Soldaten die Häuser verdächtiger Personen niedergerissen. In dem Dorf A n a t a, dem Geburtsort des Propheten Jeremias, wurde von Arabern die Pumpstation in Brand gesteckt. Das Feuer richtete beträchtlichen Schaden an. -In Haifa wurde von einem .arabischen' Terroristen eine Bombe geschleudert. Ein dreijähriges und ein vierjähriges jUdischea Kind und ein zehnjähriges arabisches Mädchen wurden verwundet. Streikausschüsse beraten trotz des Verbots Obwohl der für Donnerstag einberufen gewesene Kongreß der lokalen arabischen Streik« a u s schüsse von' der Regierung offiziell verboten' wurde, lassen es die Behörden zu, daß die inzwischen zur Teilnahme an dem Kongreß in Jerusalem ein« getroffenen Ausschußmitglieder privatim darüber be* raten, ob der Streik forgesetzt werden soll oder nicht. Bs wurde beschlossen, die Entscheidung dem am Samstag zusammentretenden Obersten Arabischen Ausschuß zu überlassen. .Syrische Bande wollte in Palästina eindringen Die syrische Polizei geriet an der Grenze von Palästina bei Jisr Bnot Yacob in ein Gefecht mit einer arabischen Bande, die in Palästina einzudringen versuchte. Eines der Bandenmitglieder wurde verwundet, Gewehre wurden beschlagnahmt. Dizengoff an General Dill Aus Tel-Aviv: Bürgermeister Meir Dizen« g o f f hat anläßlich des Eintreffens Generalleutnant Dills einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er den Kommandeur im eigenen Namen und im Namen der Stadt Tel-Aviv als einen „zweiten Allenby" begrüßt. Vor der britischen .Okkupation, schreibt Dizengoff, war Palästina den Härten des türkischen Regimes unterworfen. Alle Augen waren zu England emporgerichtet, von dem man Rettung erwartete. Dank dem Siege Allenbys blühte Palästina auf und seine Einwohner haben ohne Unterschied Nutzen, von seinem Fortschritt gezogen und sind der Gegenstand des Neides vieler großer Länder geworden. Heute leidet das Heilige Land wieder unter Anarchie und organisiertem Widerstand gegen Gesetz und Ordnung. Wieder sind unsere Augen nach Rettung zur Themse gerichtet. Sie, General, kommen als Retter, als zweiter Allenby. Wir beten, daß Ihr Wirken zur Wiederherstellung von Ordnung und Gcsetzbefolgung in sehr kurzer Zeit Erfolg haben möge. Belagerungszustand t Aus London (J. T. A.Y: Das englische Kabinett hielt am Freitag, 18. September, in Downlng Street unter dem Vorsitz dies Innenministers Sir John Simon und Ina Beiseln des Außenministers Sir Anthony Eden — der Premierminister Baldwin war von Seinem Urlaub noch nicht zurückgekehrt — eine Sitzung ab, in der auch.die Situation in Palästina eingehend beraten wurde. Ein Communlquee wurde nicht ausgegeben. Ueber das Ergebnis dieser Sitzung liegen widersprechende Meldungen vor. Zuerst teilte das Büro Reuter mit, daß für die nächste Zeit in Palästina der Belagerungszustand nicht verkündet werden wird. Kurz darauf erschien eine Reuter-Meldung, in der es hieß: Ein endgültiger Beschluß über die Erklärung des Kriegsrechtes in Palästina wurde noch nicht gefaßt. Demgegenüber weiß die französische Agentur Havas zu melden, daß der englische Ministerrat beschlossen hat> in Palästina den Kriegszustand zu verhängen, sobald dort die Verstärkungen eingetroffen sein werden, was ungefähr Mitte der Woche der Fall sein dürfte; es sei denn, daß bis zu dieser Zeit der Generalstreik beendet und die Ordnung wiederhergestellt sein wird. Baldwin antwortet Aus Washington: Das Komitee christlicher Palästinafreunde „Pro Palästina"* das sich unter der, Führung des Senators Borahan den englischen Ministerpräsidenten mit einer eindringlichen Vorstellung gegen eine Einschränkung der Einwanderung pach Palästina gewendet hatte, erhielt von Baldwin einq Depesche, in der es heißt: „Die Regierung Seiner Majestät Ist entschlossen, die Verpflichtungen vollständig zu erfüllen, die. in dem Mandat des Völkerbundes enthalten sind, und in Palästina solche politische, administrative und wirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen, die die Gründung des jüdischen Nationalheims in Palästina sicherstellen und gleichzeitig die Rechte aller Einwohner des Landes in bürgerlicher und religiöser Hinsicht garantieren, ohne Unterschied der Rasse und des Bekenntnisses." m Aus New York: Die amerikanischen Senatoreft C o p e 1 a n d und Austin, die soeben von ihrer Palästina« Tour wieder in New York eingetroffen sind, erheben eine scharf e Anklage gegen die englische Regierung, die ihren Verpflichtungen gegenüber den Juden in Palästina1 nicht nachgekommen ist. Die friedlich arbeitenden Juden in Palästina, erklären sie, sind Opfer von Terror und Mord; ihrer Meinung naoh haben die U.S.A. die Verpflichtung, sich mit dem Palästina-Problem zu befassen* und es sei die Pflicht der Bürger der U. S. A., sich dafür, zu interessieren, ob das jüdische Nationalheim in Palästina^ dem auch die Vereinigten Staaten zugestimmt haben, auf* gebaut wird, und wie dies vonstatten geht. Aus England Aus London: Aus zuverlässiger Quelle wird der J. T. A. mitgeteilt, daß der Prozeß gegen den Herausgeber des „Faselst", des Organs der Imperial Faselst L'eague, Arnold Spencer Lesse, und den Drucker Walter Whitehead wegen' Veröffentlichung aufrührerischer Verleumdungen gegen das jüdische Volk und die englischen Untertanen jüdischen Glaubens im Zusammenhang mit der Blutbeschul« dfigung Ende dieser Woche oder am kommenden Montag vor dem Haupts.trafgerlchtshof unter dem Vorsitz von Richter Greaves-Lord eröffnet werden wird. Die Anklage wird Generalstaatsanwalt Sir Donald SomerveU vertreten. - .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.