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Die neue Welt · 1936-09-16 · Heft 594 (16.9.1936) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 594 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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SüteS DIE NEUE WELT Nr. 594 vom 16. September 1936 Palästinensische Jugend Von Ch. N. Kaplan (Aus dem Hebräischen) Jedes Volk hat einen anderen Typ Kinder, weil Jdas Kind ein Produkt der Umgebung ist, die es erzieht und formt. Welches ist der Typ der Kinder, die das neue Palästina großzieht? Da3 ist eine bedeutungsvolle JYage, namentlich für diejenigen, die „um ihrer Kinder Willen" in Palästina einwandern wollen. Als ich nach dem Lande kam, nahm ich mir vor: ich will untersuchen und zu erforschen trachten, ob der Typ des palästinensischen Kindes ein solcher ist, zu dem man „ja" sagen kann. Welches sind seine Eigenschaften, seine Vorzüge und Mängel? * 1 Zunächst seine körperliche Erziehung. In dieser Hinsicht kann das palästinensische Kind für alle Völker als Muster dienen. Man kann mit voller Gewißheit behaupten, daß selbst die Angelsachsen, bei denen die körperliche Erziehung über alles Lob erhaben ist, nicht solche „Jalde Ssgulla", so köstliche Kinder haben. Ihre Körperform — wie gemeißelt, ihre Haut — braungebrannt, ihr Wuchs — hoch, ihre Be wegungen — sicher. In Palästina sind die Kinder nicht fleischbeladen, dickbäuchig, verkümmert. Sie sind keine Blaßgesichter und nicht schlaffen Schrittes Das palästinensische Kind ist ein Teil von der Natur seiner Heimat. Von seiner frühesten Kindheit an be freundet es sich mit dem Meere; es stemmt seinen kleinen Kopf gegen seine Wellen und schließt mit ihnen einen Kameradschaftsbund. In den warmen Sommermonaten verbringen die Kinder unter Aufsicht ihrer Erzieherinnen und Wärterinnen fast den ganzen Tag in dem glühenden Sande am Ufer des Meeres. Unterricht ist da nicht viel, dagegen treibt man viel sportliche Uebungen zu Wasser und zu Lande. Ihre . Nahrung ist Gemüse, Fleisch nur in minimalem Maße.. Aber je weniger Fleisch . sie genießen, um so mehr Früchte, jene Früchte, mit welchen unser Land, gesegnet ist, die süßen, saftigen, vitaminreichen, erfrischenden, die den Durst löschen und den Körper gesund machen. Die glühende Sonne, das lebendige Wasser, das gesunde Obst, die erfrischenden Getränke, die leichte Kleidung, die primitive Lebensweise, das Freisein von schwerem und ermüdendem Unterricht — all dies bewirkt, daß, der palästinensische „Sabre" heranwächst hochgestaltig,'schön, mutig, kraftvoll, stark wie eine Eiche und fest wie ein Felsen. — In all dem liegt V auch nicht die geringste Uebertreibung. * : Seine M u 11 e r s p r a ch e ist — Hebräisch, selbst wenn seine Eltern nicht Hebräisch verstehen. Hebräisch ist in Palästina die Sprache der Heimat, die Sprache der Umgebung, die Sprache der Erziehungsinstitute, und das genügt. Wenn seine Mütter nicht Hebräisch versteht — und solche Mütter'gibt es viele —'■, lehrt das Kind sie die Sprache, anfangs ohne Absicht. In Erez Israel vollzieht sich die Erwerbung der hebräischen Sprache umgekehrt wie in den Ländern der Gol'a:'Nicht die Großen lehren die Kleinen, sondern die* Kleinen die Großen, insbesondere die Erwachsenen weiblichen Geschlechts. Ein palästinensischer Vater sagt (mit Anspielung auf das Wort in den „Sprüchen der Väter"): „Am meisten lerne ich von meinen Kindern." < Die hebräische Sprache wurzelt so sehr in der palästinensischen Umgebung des Kindes, daß dieses, im Lande geboren, sie redend ohne irgend eine Anstrengung von'seiner Seite erwirbt, selbst wenn man im Elternhaus irgend eine andere Sprache der Galuth spricht. ■'■ " In Erez Israel atmet und lebt alles in der Sprache der Propheten. Für den, der sie nicht versteht, ist es eine große Schande und es erwachsen ihm daraus moralische Qualen. Selbst die Kaufmannsfrau, die Ladengehilfin, der einfache Handwerker bemühen sich, hebräisch zu reden, weil dies für ihren Verkehr mit den Leuten und für ihren Beruf notwendig ist. Wer in Erez Israel nicht Hebräisch versteht, gleicht demjenigen, der in Warschau nicht Polnisch oder in London nicht Englisch versteht. Daher ist das Hebräisch- Reden im Munde des palästinensischen Kindes so natürlich wie jede Sprache sonst fremd wäre im Munde der Eingeborenen. Wer nicht das anmutig dahinströmende Hebräisch im Munde des „Sabre" gehört hat, hat sein Lebtag noch nicht einen geistigen Genuß gehabt. Die Wiederbelebung der Sprache im Munde der Kinder ist eine wirkliche Tatsache, die keinem Zweifel unterliegt. Es ist dies ein Phänomen, wie man seinesgleichen nur wenige in der menschliche Geschichte kennt. Prächtige Schlösser zu bauenj Fruchtgärten zu pflanzen, Weinberge anzulegen — das versteht jedes Volk. Aber eine tote Sprache zu neuem Leben zu erwecken, eine Sprache, die in dem Munde der sie Sprechenden seit zehn Generationen erstarrt und bereits Tausende Jahre dem Leben entfremdet war, das hat der hebräische Genius bewerkstelligt. Dem gleicht nichts in der Geschichte aller Völker und Zungen. Das kleine palästinensische Kind denkt seine Gedanken auf Hebräisch, weil das seine erste Sprache ist, die zum organischen Bestandteil seines geistigen und körperlichen Seins geworden ist.. Die naturgemäße Sprache eines Menschen ist diejenige, die seine erste war, und daher ist die natürliche Sprache des palästinensischen Kindes die hebräische. * Man klagt viel über die palästinensischen Kinder, daß sie nicht gut erzogen, daß sie unverschämt und frech seien, daß sie das Gebot der Elternehrung nicht befolgen, daß sie Leute, die größer sind an Jahren und Der junge Chaluz schärft seine Sonse, um das Getreide zu mähen. Er steht jetzt im Abwehrkampf gegen die arabischen Terroristen, die fast täglich Baum- und Erntefrevel begehen. . : . Weisheit, schmähen und ihre Eltern und-Erzieher mit völliger- Geringachtungbehandeln. . In. .all, dem liegt etwas Wahrheit, aber, nicht,^die^gan^e .Wahrheit. . •, \ , Es: gibt* eine beachtenswerte;Ursachefür. diese Erscheinung., D&si - palästinensische Kind; 'ist.rdas' erste, jüdische' Kind, . das; man^ nicht ' in. djer jüdischen:. Art' erzieht, die in. deh^Länd$rtt^ ,Vom.1 Beginne seines Dto'ein#aÄ^liät:-#'nievht den Geschmack, der Galuth gekostet. Hat die Galuth nicht; ihr. Siegel der Erziehung des Kindes, von, dem Tage an, da es das Licht der Welt erblwkt hat, aufgeprägt? Selbst die Kinder der Reichen und Vornehmen fühlen es, daß sie in der Galuth sind. Das Kind aus frommer Faihüie weiß, sobald es zu geistiger Reife gelangt ist, daß es verpflichtet ist, das Joch der Thora und der Gottesfurcht, zu tragen, und das Kind aus aufgeklärter Familie erträgt schwere moralische Leiden, bis es die Prüfung besteht und es ihm glückt> in das Gymnasium aufgenommen zu werden. Das Galuthkind hat die Empfindung, besonders gut erzogen, besonders artig und mit besseren Fähigkeiten ausgestattet ' sein zu müssen als die Kinder der Nichtjuden. Wer ein Galuthmensch ist, der ohne Unterlaß verfolgt wird, ist verpflichtet, sich durch irgend: etwas auszuzeichnen, wenn er, bestehen und ein ehrenvolles Leben "führen will. Wer Jude ist, gehaßt und verachtet bei allen, muß gerecht und fromm, demütig und tüchtig sein. Dem palästinensischen >■; Kind iät diese: ganze Galuthmentalität fremd. Es wül nicht Fr/fj Rosenthal Sutern Teeunde %wt TaUd ins Jßand Iscaet Die Ackerfurche, die du ziehen wirst, ist wie ein Lächeln im Gesicht des Herrn: Du findest dich, erst wenn du dichverlierst,; So wir im Raum ein Stern. Der Same, wie Gebet gesenkt In unser blutgedüngtes Land Aus deiner treuen Freundeshand Ist Gottes Pfand an dioh verschenkt. Sei dieses Pfandes' er%getreüer Wächter. Des Ackers Dienst ist deine Sendung:. Es ernten spätere Geaohlechter, Doch im Beginnen liegt Vollendung. Aus „Die Lieder des ewigen Brunnens" (R. Wwit Verlage Wien). Gunst in den Augen anderer finden. Es fühlt sich frei und sicher in seiner Kraft. Wer stärk und frei ist, der trachtet nicht danach, Gnade in den Augen der Leute zu finden. Die Juden, die aus den Ländern der Galuth gekommen sind und sich im Lande niederlassen, haben sich bis dahin an die Kinder von einem ganz anderen Typ gewöhnt. Daher blicken sie mit zornigen Augen auf die im Lande geborenen Kinder und bringen über sie einen bösen Ruf aus, daß sie verwahrloste Kinder mit schlechtem Trieb seien. Aber in Wirklichkeit verhält es sich nicht so. Ein vierjähriges Kind, das ich in seinem Elternhäuse in Tel-Aviv besuchte, kam mit mir ins Geplänkel und beehrte mich alsbald mit den „Schmeichelnamen": „Du bist ein Esel und verrückt!" Als die Mutter dies hörte, war sie wie vom Donner gerührt. Sie bemühte sich, das Kind zu entschuldigen. „So hört er es von seinen Kameraden." „Auch seinen Vater beehrt er mit solchen Titeln." Denn in Palästina sind solche Ehrentitel unter den Kindern üblich. Indem sie sich zu dem Kinde wandte, bedeutete sie ihm, daß es „den Herrn um Verzeihung bitten müsse". Das Kind sträubte sich nicht lange, trat sofort auf mich zu und sagte in demütigem Tone: >,Ich bitte Sie um Verzeihung" und fügte dann hinzu: „Ich weiß nicht, daß das nicht schön ist." Mein kleiner Gegner log nicht. „Er weiß nicht!" Alle Kinder, seine Kameraden, pflegen in solcher „Blumensprache" zu reden. Das macht einen betrübenden Eindruck. Der salonfähige, höfliche Ton der künftigen israelitischen Großstadt ist in Gefahr: Der bedarf der Veredlung. Aber das Gesamtresultat ist dies: In Erez Israel wächst ein freies hebräisches Geschlecht heran. Zugleich damit macht es sich frei von den Pflichten der Galuth: von seiner Geistigkeit und seinen guten Eigenschaften. Trotz alledem! Ich möchte Erez Israel nicht gegen ein fremdes Land wechseln und eintauschen. In Palästina bildet sich zusehends ein neuer j ü d ischer Menschenschlag. In der Periode des Werdens gibt es eben harte Geburtswehen. Gedalja Die Geschichte eine« FricdensheMen Von Emanuel bin Gorion Als der König von Babylon,. Nebukadnezar, das Reich Juda besiegt hatte und Jerusalem gefallen war, da wurde Zidkija, der letzte König Judas, geblendet und gefangen nach Babylon abgeführt. Den Adel und. die Reichen, soweit sie dem Blutbad entronnen. waren, schleppte man ebenfalls fort; das arme Volk aber ließ man im Lande. Manche hatten sich , noch vorher in die, Nachbarländer im Osten und Süden, nach Ainmon, Moab und Edom, flüchten können. Der einzige, der das Unglück vorausgesehen und vor dem Krieg gewarnt hatte, war der Prophet Jeremia gewesen, und er befand sich zur Zeit der Zerstörung Jerusalems im Gefängnis. Ihn ließ Nebusaradan, dem Nebukadnezar die Beendigung des Feldzuges und die Wiederherstellung der Ordnung im jüdischen Reich anvertraut hatte, als ersten los. Er stellte ihm auch frei, mit nach Babylon zu ziehen oder im, Lande zu bleiben, und Jeremia wählte die Heimat., Bevor Nebusaradan abzog, setzte er über das herrenlose Gebiet des früheren Reiches Juda einen, Statthalter ein, der das Land verwalten und Im Gehorsam der babylonischen Herrschaft die Regierung führen sollte; für dieses Amt wurde aber ein Eingeborener bestimmt, ein Mann namens Gedalja ben Achikam, dessen Vater und Großvater am königlichen Hof in Jerusalem gedient hatten und der ein Feind des Propheten Jeremia war. Gedalja übernahm die ihm zugewiesene Tätigkeit und war bestrebt, der babylonischen Obrigkeit ebenso wie dem Volke gerecht zu werden. Das verwüstete Land sollte wieder aufgebaut, Getreide-, Wein- und Oelbau von neuem gepflegt, werden. Eines der schlimmsten Uebel der Zeit vor dem Zusammenbruch war die ungerechte Ver« teilung des Bodens gewesen: die Fürsten hatten, sich allmählich den größeren Teil des Acker- und Weidelandes angeeignet, und die früher selbständigen Bauern waren! längst zu Leibeigenen der großen Besitzer geworden* Das alte mosaische Gesetz vom Freijahr, demzufolgejeder jüdische Knecht nach sechsjähriger Dienstzelt frei* gegeben werden mußte, und die Satzung vom Jubeljahr, nach welcher alle fünfzig Jahre die alten Bauerngüter wiederhergestellt werden sollten, waren in Vergessenheit geraten, und keiner kümmerte sich um deren Befolgung, Ein einziges Mal, der letzte Krieg mit Babylon hatte schon begonnen, und König Zidkija fühlte eich in großer Bedrängnis, entschlossen sich die Machthaber dazu, das Gesetz zu erfüllen, und riefen ein Freijahr aus. Aber kaum hatten sie es getan, als es sie schon gereute, und da sie die Gewalt besaßen, fingen sie alle ihre freigeias-" senen Knechte wieder ein und machten sie sich aufs neue! wieder leibeigen. Dieses Unrecht war es, das den Pro« pheten Jeremia seine letzte große Mahnrede halten und den Untergang Jerusalems verkündigen ließ. Da die Herren der großen Güter nicht mehr da waren, hatten ihre Knechte von selbst die Freiheit wiedererlangt,' und Gedalja vermochte den Boden aufs neue gerecht zu verteilen. Er versammelte die Uebriggeblie* benen des Stammes Juda um sich und gebot ihnen, sicbj

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