Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 593 (11.9.1936)
- Date
- 1936-09-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Wr. 993 vom 11. September 1936 DIE NEUE WELT » Seite S Am HitIer*Deut§dilanil Martyrium der jüdischen Spanien*FlUchtlinge Aus Basel: Die' „Basler Nachrichten" veröffentlichen grauenvolle Einzelheiten Uber das Schicksal der .während des Hitler-Regimes nach Spanien ausgewanderten deutsch eh Ju den, die jetzt, nachdem sie im spanischen Bürgerkrieg alles, was sie aus Deutschland herübergerettet haben, verloren haben, nach Deutschland zurückkehren. Die Zeitung meldet: „Bis jetzt sind in München mit den Flüchtlingszügon etwa hundert Juden, die nach 1933 nach Spanien ausgewandert waren, eingetroffen. Ihnen allen wurden in Kufstein oder in München von der Gestapo die Pässe abgenommen und ihnen eröffnet, daß sie. in ganz kurzer Zeit Deutschland wieder verlassen müßten, sonst Würden sie in ein Schulungslager als Rückwanderer gebracht werden. Den betreffenden Personen wurde vom deutschen Generalkonsulat in Barcelona nicht nur der dringende Rat gegeben, sofort Spanien zu verlassen, sondern ausdrücklich erklärt, angesichts der besonderen Lage ständen ihrer Rückkehr nach Deutschland gar keine Bedenken entgegen. Die Gestapo setzt sich jedoch über diese ausdrücklichen Zusagen der amtlichen deutschen Auslandsvertretung hinweg und setzt den armen Teufeln, die von Land zu Land gejagt werden, Fristen von zwei und drei Tagen zum Verlassen Deutschlands. Es. befinden sich darunter Fälle schwerer Erkrankungen. Einer Frau mit schwerer Tuberkulose, die einen sogenannten Pneumotorax hat und eine Bescheinigung hatte, daß dieser sofort nach Ankunft nachgefüllt werden müßte, ließ man nicht einmal Zeit dazu. Sie mußte, um schwersten Gesundheitsschaden zu vermeiden, sofort zur Behandlung nach der Schweiz gebracht werden. Eine 65jährige Frau liegt herzkrank im Münchener jüdischen Krankenhaus. Man hat ihr mitgeteilt, daß sie nur solange im Krankenhaus bleiben dürfe, bis sie transportfähig ist, und dann Deutschland unverzüglich zu verlassen habe. Alle Interventionsversuche haben sich als erfolglos erwiesen. Täglich kommen neue Fälle. Die Münchener israelitische Gemeinde läßt Nacht für Nacht Menschen Im Gemeindesaal schlafen, die binnen 48 Stunden herausgebracht werden müssen, obwohl niemand weiß, in welches Land man so schnell die Unglücklichen schicken soll." MB **** ~ '"' •'^•l^ ' _ .; seiwfwennB Pension Hindi / Fiirttenhof ZU den Herbstfeiertagen geöffnet / Gottesdienst (pjjj) Mäßige Preise! „ADEFA" Aus Berlin: Der „Angriff" schreibt: „Die arischen Unternehmungen der Bekleidungsindustrie, die sich von vornherein darüber im klaren [waren, daß man der jüdischen Uebermacht im deutschen Bekleidungsgewerbe nur durch gemeinsames iVbrgehen erfolgreich begegnen könne, schlössen sich zur „Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie" zusammen. Die „Adefa" umfaßt heute bereits über 400 Mitglieder. Damit der Käufer Weiß, ob die Ware aus arischer Hand stammt, hat idie Arbeitsgemeinschaft das gesetzlich geschützte t,Adefa"-Zeichen geschaffen, das lediglich arische Einzelhändler führen und damit ihre Waren auszeichnen dürfen. Der deutsche Volksgenosse hat also das Recht und die Pflicht, zu prüfen, ob die Ware, die er kaufen will, auch tatsächlich arischer Herkunft ist." 5000 Palästina-Wanderer im ersten Halbjahr 1936 Aus Berlin: Der Bericht des Zentralbüros für die Ansiedlung deutscher Juden enthält Angaben über die Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Palästina im ersten Halbjahr 1936. Danach sind über die Häfen Haifa und Jaffa in dem genannten Zeltraum 43 9 6 Personen eingewandert. Diese Zahl erhöht sich um die im gleichen Zeitraum in Palästina legalisierten Touristen (327), so daß die offizielle Statistik 4723 jüdische Einwanderer aus Deutschland in den Monaten Jänner bis Juni 1936 umfaßt. Diese Statistik umfaßt aber nicht die Gesamtzahl der aus Deutschland stammenden Einwanderer, da die früher in Deutschland wohnhaft gewesenen nichtdeutschen Staatsangehörigen nicht mitgezählt werden, sofern sie nach einem Zwischenaufenthalt in anderen Ländern nach Palästina wandern. ' Unter Berücksichtigung dieses Umstandes kann festgestellt werden, daß die Gesamtzahl der aus Deutscht, land stammenden Einwanderer im ersten Halbjahr 1936 die Zahl von 5000 bestimmt erreicht, wahrscheinlich sogar überschritten hat. In Ergänzung zu dieser Mitteilung erfährt die Jüdische Telegraphen-Agentur, daß seit dem 1. Juli 10 3 6 bis heute weitere rund 230QJuden aus Deutschland nach Palästina gewandert sind. Alt-Berun judenrein Aus Breslau: Die „Schlesische Tageszeitung" ■meldet, daß aus Alt-Beruu im Kreise Rybnik. die letzte Früher habe der Ort jüdische Familie ausgewandert sei. siebzig jüdische Familien gezählt. Oer jüdische Kulturbund Aus Berlin: Der Reichsverband der jüdischen Kulturbünde veranstaltete in Berlin eine Tagung, die der Frage der zukünftigen Programmgestaltung der Kulturbundarbelt gewidmet war. Regisseure, Schauspieler und Sänger, Vertreter von jüdischen Gemeinden und der jüdischen Spitzenorganisationen waren zu der Tagung erschienen. Anwesend war auch der Beauftragte des Reichspropagandaministers für die Ueberwachung der jüdischen Kulturarbeit, Reichskulturwalter Hinkel. Intendant Dr. Kurt Singer sprach über „Die Arbeit der jüdischen Kulturbünde — Rückblick und Vorschau". Er entwickelte einen Planr künftiger Theaterarbeit. Werke jüdischer Dichter, die in Deutschland sonst nicht aufgeführt werden, kämen in Betracht. Außerdem sollte die selbständige jüdische Dichtung aus dem Hebräischen und Jiddischen gepflegt werden. Schließlich sollten Werke der internationalen Kunst zur Aufführung kommen. Ein Austausch mit Palästina insbesondere müsse erwogen werden. Von den 2400 beim Reichsverbahd angemeldeten Künstlern könne vielleicht jeder Zehnte. Beschäftigung finden, ein weiterer Zehnter gelegentlich. Heilanstalt Dr. Hauser für Rheumatismus, Gicht, Gelenks» und Nervenkrankheiten Ischias-Schnellkur I, Schott enring 17, Tel. A-17-0-66 Dr. Joachim Prinz referierte über „Die kulturelle Situation der Juden in Deutschland und das jüdische Theater". Bei den Juden in Deutschland stellt das Fehlen einer eigenen jüdischen Sprache eine große Komplizierung dar, die vielleicht das eigentliche jüdische Kulturschaffen hindere. Die in Deutschland lebenden Juden haben keine Eigenkultur, die das Spezifikum einer jüdischen Kultur in sich tragen wird. Sie leben und müssen leben, wenn sie jüdische kulturelle Werte verwirklichen, von dem bereits vorhandenen Kulturgut, das innerhalb einer jüdischen Volksgruppe. geschaffen worden ist, also vom Osten und Palästina. Innerhalb der jüdischen Kultur werden sie reproduktiv und pädagogisch sein. Das, was wir in hundert Jahren von den Werten der Welt erlebt haben,; können wir nicht aussondern. Dr. Prinz trat für ein jüdisches Zeittheater ein' und nahm gegen ein nur jiddisches Theater Stellung. Reichskulturwalter Hinkel erklärte, daß dem Sinn der beiden Referenten von deutscher Seite her weder etwas hinzuzufügen, noch abzustreichen sei. Dr. Singer gab bekannt, daß zum Zeichen der Verbundenheit Begrüßungstelegramme an die Habima und das Hüberman-Orchester gesandt worden seien. # Die Musikkommission des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde hat die Leitung ermächtigt, ein Preisausschreiben zu verkünden, das der Förderung zeitgenössischer jüdischer Musik aller Art dienen soll und für alle jüdischen Komponisten in Deutschland und auswärts offen ist. Das Preisausschreiben gliedert sich in vier Abteilungen: 1. Feierliches Vor- Stern'sche Lehru. Erziehungsanstalt I, Werder torgasse 12 - Tel. U-28-1-97 Volksschule für Knaben und Mädchen. 9 tJhr, Schulbeginn, öffentlichkeitsrecht, Haupt- und' Fortbildungsschule, Tagesheim, Internat, Fremdsprachen, Sport, Musik. Einschreibungen täglich von 10-12 u. 4-6 Uhr spiel für Orchester (Höchstbesetzung: vollständiger Streicherapparat und doppelte Bläser). Dauer 5 bis 15 Minuten. — 2. Ein Chorwerk für vierstimmigen gemischten Chor mit Orcheaterbegleitung, auch eingerichtet für Klavier oder Orgel, mit biblischem oder jüdischem Stoff. Dauer: mindestens 20 Minuten! — 3. Ein Chorwerk für zwei- oder mehrstimmigen Chor für Schulen und Jugendbünde, eventuell mit obligatem Instrument. — 4. Zyklus von Liedern für eine Singstimme mit Klavier. — 4 a. Zyklus von Chorliedern für kleinen Chor a cappella oder mit Einbeziehung von Instrumenten. — Es sind Preise von 100 bis 250 Reichsmark ausgesetzt. Für die Vokalwerke sind die deutsche und hebräische Sprache zulässig. Letzter Termin der Einsendung ist der 15. Jänner 1937. „Beleidigung" Aus Nürnberg: Die „Bayerische Volkszeitung" berichtet, daß das Schöffengericht Nürnberg einen Angeklagten, der in einer früheren Gerichtsverhandlung wider besseres Wissen behauptet hatte, ein Oberführer der SA. habe geduldet, daß SA.-Männer bei Juden einkaufen, wegen Beleidigung des Oberführers zu neun Monaten Gefängnis verurteilt hat. Der Lionel Barrymore Mauraen 0'Sullivan in dem packenden Sensationsfilm Kreuz-Kino I. Oberführer erhielt die Befugnis, das Urteil auf Kosten des Angeklagten veröffentlichen zu lassen. So wird's gemacht Aus Warschau: Es haben sieben polnisch-jüdische Bürger Unter Führung des Industriellen IsaaJr Rabinowicz, die alle ihr gesamtes Vermögen im Zusammenhang mit dem Hitler-Umsturz verloren haben, gegen die deutsche Regierung Klage auf Ersatz von insgesamt rund 3 Millionen Zloty bei deutschen Gerichten erhoben. Sie beantragten für sich die Zubilligung des Armenrechtes. Nunmehr haben ihre Anwälte in Warschau die Mitteilung bekommen, daß das Armenrecht versagt wurde. Diese Entscheidung ist gleichbedeutend mit dem Verlust des Anspruches, da die vollkommen ausgeraubten und zugrunde gerichteten Kläger unmöglich von sich aus die hohen Prozeßkosten, bzw. geforderten Kautionen aufbringen können. Aus Rom: Zum Oberrabbiner von Rom an Stelle des verstorbenen Prof. Angelo Sacerdoti wurde soeben der bisherige Oberrabbiner von Alexandrien, Prof. Davide P r a t o, berufen. Prof. Prato war vor seiner seinerzeitigen Berufung nach Alexandrien Rabbiner in Florenz und leitete «von dort aus die Keren-Ka jemeth-Aktion in Italien. Er verfaßte eine Reihe vielbeachteter Werke auf juristischem Gebiet. Auf seine Anregung wurde in Aegypten der Verlag „Cahiers Juifs" gegründet. Die italienische Judenheit begrüßt einmütig die jetzige Berufung Pratos zum Oberrabbiner von Rom und sieht in ihm einen würdigen Nachfolger Sacerdotis. Aus Addis Abeba: Der Vizekönig von Abessinien, General Graziani, empfing in längerer Audienz den Delegierten des Verbandes jüdischer Gemeinden Italiens, Adv. Carlo Viterbo, der nach Abessinien kam, um die jüdischen Gemeinden in Addis Abeba und in Dire-Daua zu organisieren und Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der schwarzen Juden Abessiniens, der Falaschas, deren es nach letzten Schätzungen 100.000 geben soll, die in der Gegend des Tana-Sees leben, zu treffen. Der Vizekönig versprach Viterbo, daß di eabessinische Regierung gerne die arbeitsame und friedliche Falascha-Bevölkerung materiell und geistig fördern wolle. Aus Mailand: Die „Neue Zürcher Zeitung" brachte kürzlich ein Telegramm ihres Mailänder Korrespondenten, wonach auch Italien den deutsch-jüdischen Emigranten Schwierigkeiten mache und einige ausgewiesen habe. Die Mailänder Emigrantenkolonie stellt fest, , daß die Mitteilung der „Neuen Zürcher Zeitung" jeder Grundlage entbehrt. Das Entgegenkommen der italienischen Behörden gegenüber den Flüchtlingen aus Deutschland ist unverändert groß, eine Aenderung dieser Praxis ist nicht eingetreten. Nunmehr hat auch die „Neue Zürcher Zeitung" ihre erste Meldung widerrufen und erklärt, es handle sich anscheinend um deutsche Flüchtlinge, die aus Spanien kamen und in Genua an Land gingen, aber keine Aufenthaltserlaubnis erhielten. Hierbei sollen die deutschen Konsuln eine Rolle spielen, die verlangen, daß die Flüchtlinge erst nach Deutschland zurückkehren, ohne zu bedenken, daß die zurückkehrenden Juden sofort in Konzentrationslager gesteckt werden. Außerdem gibt es in Genua noch kein jüdisches Hüfskomitee, wie in Mailand und Rom, wo man den Flüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite steht. Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs, Sektion XIII.—XV., Vereinslokal, Schanzstraße 32. Gottesdienst an den hohen Feiertagen am 17. und 18. September 1936, 25. und 26. September 1936 im g>arääeiser-Saal, XIV., Sturzgasse 45. Restliche Karten' Im Vereinslokal. In* u» ausländische Hausbesitzer verwalten ihre I WIENER HÄUSER gg HHMaHMKMMHMMBHBBBMBMHBM dyreh behördlich konz. Realitätenkanzlei | Dt* MAIR PAIS §n JIllILLwlSii^^ SS!s Erstklassige Referenzen!