Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 593 (11.9.1936)
- Date
- 1936-09-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712218--6020-2719717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Säte« DIE NEUE WELT Nr. 593 vom 11. September 1936 DANDY EXPRESS putit fgrbf bdgolt U-38-0-82, B-37-4-81 Der Verbünd der Judenstaatszionisten, Sektion Prater, bringt zur Kenntnis, daß heuer anläßlich der Hohen Feiertage beim „Marokkaner" im Prater ein Minjam mit hervorragendem Kantor stattfindet und ersucht die Sektion alle Mitglieder und Anhänger, sich die Karten rechtzeitig zu sichern. * Der Verband der Judenstaatszionisten sind die Judenstaatsjugend sprechen ihren Mitgliedern Mendl und Israel B i b r i n g zu dem schweren "•''eriüst, den sie durch das Ableben ihres Vaters erlitten haben, ihr tiefgefühltes Beileid aus. Aus Rumänien Sorge um das Schicksal der Juden Aus Bukarest: Die Umbildung des rumänischen Kabinetts, die sich in der Hauptsache in der Ausschiffung des hervorragenden Staatsmannes Außenministers Titulescu ausdrückte, hat in jüdischen Kreisen Besorgnis hinsichtlich des Schicksals der Juden in Rumänien geweckt. Man erinnerte sich daran, daß Titulescu vor einigen Wochen seinen Aufenthalt in Montreux, wo gerade die Meerengenkonferenz tagte, unterbrach, um nach Bukarest zu kommen und der Regierung die Warnung zu überbringen, daß die fortgesetzte Duldung der gefährlichen Umtriebe der „Fronten", welche die rumänische Politik nach Nazi-Deutschland orientieren wollen, Rumänien sehr schaden. Die jetzt erfolgte Ausschaltung Titulescus und das Verbleiben des bisherigen Innenministers I n c u 1 e t z, gegen den sich der Vorwurf der Duldung der rechtsradikalen Terroristen hauptsächlich richtet, hat hier bedenklich gestimmt. Aus Czernowitz: Der Präsident der Christlichnationalen Partei, der Schriftsteller und frühere Minister Oktavian Goga, der eben aus Berlin,-wo er Hitler besucht hat, nach Rumänien zurückgekehrt ist, letzten Sonntag in Ardeal Partei-ab, in dessen Verlauf er erklärte: , , . „Wir Rumänen sind noch nicht Herren in diesem Lande, da die. hauptsächlichsten Reichtümer Rumäniens nipht in unseren Händen sind. Wir haben geschworen, unser Programm zu verwirklichen. Wir wollen nur dann zur Macht gelangen, wenn wir es verwirklichen können. Es würde genügen, daß ich in Cernauti einen Finger hebe, damit in diesem uns fremden jüdischen Zentrum nicht ein Stein auf dem anderen bleibe!" Diese Aeußerungen Gogas, der sich zusammen mit dein,radikalsten antisemitischen Führer Professor Cuza zur Uebernahme der Macht in Rumänien vorbereitet, bedeuten eine gefährliche Drohung gegen die Juden von CzernöWitz, der Hauptstadt der Bukowina. hielt am einen Bezirkskongreß seiner ' Unbeschadet der verstärkten Sicherheitsmaßnahmen erneuerten sich die antisemitischen Ausschreitungen in der Bezirkshauptstadt Radautz und Umgebung, Rechtsradikale zertrümmerten die Fensterscheiben der jüdischen Wohnungen und Läden und rissen Zäune nieder. Eine Reihe jüdischer Bürger erlitt erheblichen Schaden: In V i c o v u 1, wo der Stationschef Dabaca den. Rechtsradikalen Unterschlupf gewährt, wurden die dort eingetroffenen Radautzer Kaufleute M. Weinrauch und A. Teiler sowie mehrere andere jüdische Zugspassagiere blutig mißhandelt. Antijüdische Exzesse kamen auch in' Fratautz und Dornesti vor. Au§ Polen Jüdische Gemeindewahlen . Aus Warschau: Am 6. September wurden die Vertretungen der großen jüdischen Gemeinden in Polen neugewählt, nachdem die Wahlen in die kleineren Gemeinden schon eine Woche vorher durchgeführt worden waren.' Die Waldbeteiligung war nach scharfem Wahlkampf eine ziemlich rege. Die soeben abgeschlossene Stimmenzählung brachte in Warschau ein überraschendes Ergebnis. Die jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei „Bund", die als religiös uninteressierte Gruppe an den Wahlen bisher überhaupt nicht teilnahm, hat diesmal 14 Mandate in der Gemeindevertretung errungen. Dadurch dürften die endgültige Mehrheitsbildung und Konstituierung der neuen Gemeindevertretung, in der die A g u d a bisher die Führung hatte, auf große Schwierigkeiten stoßen. Die A g u d a hat 11 Mandate, die Zionisten insr gesamt 18, und zwar: Vereinigter nationaler^ Block, (Zionisten verschiedener Gruppen) 10, Misrachi 4, Rechte Poale Zion 2, Linke Poale Zion, Revisionisten mit je 1 Mandat. Auf drei Listen parteiloser religiöser Gruppen sind je zwei Mandate entfallen. In W i 1 n a wurden 6 Zionisten, 5 Agudlsten und 5 Bundisten gewählt. Ferner haben die Progressive Freiiändgruppe (Territorialisten) 4, die Revisionisten 2, die Rechten Poale Zion, der Misrachi und die Hausbesitzer je 1 Matfdat errungen. ' Unruhewelle — Wieder ein Jude getötet Aus Warschau: Am Sonntag, 6. September, während verschiedene Verbände die Wiederkehr des „blutigen Mittwoch" des Jahres 1906 feierten, wurden nicht nur jüdische Geschäfte zerstört, sondern auch zahlreiche MJ^^i{i^g|gf J}tav gruppen setzten sich aus mit eisenbeschlagenen Stöcken bewaffneten Studenten zusammen. Der 33jährige Jude Ignati Glücksilber wurde aus vielen Kopfwunden blutend bewußtlos ins Hospital gebracht. Schwere Verletzungen erlitten David Wasserminz, Jakob Medinger, Abraham Friedmann, Mendel Meir Weissenbaum, Benzion Marmelstadt, der 61jährige Leiser Silberstein (ihm wurden mehrere Zähne ausgeschlagen) u. v. a. In Lodz würde während einer gleichen Manifestation der Jude Jakob Glycenstein durch Messerstiche getötet. Der Jude Szmuel Goldhorn wurde lebensgefährlich verletzt. In zahlreichen jüdischen Geschäften wurden die Au9lagenfenster zertrümmert und Waren unbrauchbar gemacht. Der Beginn des neuen Schuljahres in Warschau manifestierte sich darin, daß Gruppen halbwüchsiger Schüler an jüdischen Büchhandlungen die Auslagefenster einschlugen und Boykottzettel verteilten. RUckgabe der jüdischen höheren Schulen Aus Warschau: Anläßlich des Beginnes des neuen Schuljahres in Polen wird festgestellt, daß die Schülerzahl in den jüdischen höheren Schulen gegenüber den letzten Jahren bedeutend gesunken ist. Viele Schüler, die erst wenige Klassen absolviert haben, ließen sich Abgangszeugnisse ausstellen. Die Zahl der zum Abitur sich stellenden Kandidaten wird von Jahr zu Jahr kleiner. Dies ist eine Folge der Wirtschaftskrise und der Ueberzeugung, daß akademische Bildung mit Rücksicht auf die in den freien Berufen herrschende Ueberfüllung zwecklos sei. Heute schon leidet die jüdische Lehrerschaft Not. Besonders schwer betroffen sind die Lehrer, die bisher an den jüdischen Schulen Deutsch unterrichteten. Die Erkenntnis, daß die deutsche Sprache jüdischen Berufstätigen in Zukunft kaum noch Anwendungsmöglichkeiten im praktischen Leben bieten wird, hat dazu geführt, daß im fremdsprachlichen Unterricht an die Stelle des Deutschen vielfach das Französische und mehr noch das Englische getreten ist. Stark ist der Zustrom zu den öffentlichen jüdischen Fachschulen. Die Handwerksschule der Jüdischen Gemeinde ist überfüllt. Bis auf den letzten Platz sind auch die Fachkurse der Gesellschaft ORT besetzt. Jüdische Mädchen mit Abitur und viele bisherige Studentinnen der Hochschulen bemühen sich, in Modistinnen- und Schneiderinnenkursen des ORT unterzukommen. Blanko Ltebermann Plnctias Hohoon Groß Oleszyce Vermählte Im Elul 569Ö Rom Im ersten Halbjahr 1936 kamen bloß 34.637 Touristen, von denen 99 Prozent wieder zurückreisten. Die Verminderung des Touristenverkehrs beträgt somit 40 Prozent. „Palestine Petroleum Company" Aus Jerusalem: Laut „Official Gazette" wurda eine „Palestine Petroleum Company" in das Handelsregister eingetragen. Aufgabe der Gesellschaft ist die Ausbeutung von Erdölvorkommen ia Palästina. Mitglieder der Gesellschaft sind vier Araber und ein Jude. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Die zionistische Exekutive hat dem Aktions-Komitea einen Bericht über die vom Jischuw getroffenen MaßnahmenzurBekämpfung derArbeitslosigk e i t vorgelegt. Die Zahl der jüdischen Arbeitslosen in den Städten Palästinas wird in dem Bericht auf 6000 im Monat Februar und auf 4000 im gegenwärtigen Augenblick geschätzt. Die größte Zahl der Arbeitslosen entfällt auf T e 1 - A v i v. Es sind zwei Fonds geschaffen worden: der eine für die Finanzierung jüdisch-öffentlicher Arbeiten, der andere für Arbeitslosenunterstützung. Jedes der über 60.000 Mitglieder der Histadruth und des Poale Misrachi hat sich verpflichtet, den Ertrag von zwölf Arbeits- , tagen dem Arbeitslösenfonds „Tiwjon Haawoda" zuzuführen. Die Zeichnungen für diesen Fonds betragen bisher 80.000 Pfund. Davon sind 30.000 Pfund bereits bar eingezahlt worden. Dank den vereinten Bemühungen von Jewish Agency und Histadruth wurde die Gesellschaft „Bizzur" zur Förderung jüdischer öffentlicher Arbeit ins Leben gerufen. Zu dem eingetragenen Kapital von 50.000 Pfund haben die Jewish Agency und die Histadruth je 15.000 Pfund beigetragen. Mit Hilfe dieses Kapitals konnten Darlehen zur Durchführung von Arbeitsprojekten mit einem Gesamtkostenaufwand von 273.000 Pfund gewährt werden. Zahlreiche arbeitslose Juden haben dadurch wieder Beschäftigung erhalten. Gleichzeitig hat die Jewish Agency auch Verhandlungen mit der Palästina-Regierung Über den Bau neuer Straßen zur Verbindung der jüdischen Kolonien Orig. engl, und franz. Stoffe r r - Tuchhaus Tabak I, Salzgries 5 Herbst-Neuheiten für Damen und Heiren I Zeitgemäli billig I Palästina; Wirtschaft Banken Aus Tel-Aviv: Die An glo-Palestine E a n k, die größte jüdische Bank in Palästina, weist für die ersten fünf Monate einen Einlagezuwachs von einer Million Pfund auf rund sieben Millionen Pfund aus. Die Gelder stammen fast ausschließlich aus dem Inland, da infolge der Unruhen und der Transferschwierigkeiten der Zufluß ausländischen Geldes nur gering war. Die kleineren Banken,. bei welchen im Herbst 1935 zu Beginn des abessinischen Konflikts starke Abzüge stattfanden, konnten ihre damaligen Stützungsanleihen bei den Großbanken bereits zurückzahlen. Das Steigen der Spareinlagen wird als ein Zeichen dafür, angesehen, daß trotz der politischen Unruhen keine Kapitalflucht stattgefunden hat, zeigt aber doch'auch einen gewissen Rückzug des Kapitals von der aktiven Wirtschaftsbetätigung an. Gründungstätigkeit Aus Jerusalem: Die Zahl der Gründungen in der palästinensischen Wirtschaft, die im Jahre 1935 einen Höchststand erreichte, hat sich erheblich vermindert. Für 1935 werden die jüdischen Investitionen in Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Bauwesen und Boden auf 10 Millionen Pfund geschätzt. Es ist nicht anzunehmen, daß im Jahre 1936 die gleiche Höhe des Wertes der Investitionen erreicht werden wird. Kennzeichnend für den Verlauf der Grundungstätigkeit in der palästinensischen Wirtschaft ist die Tatsache, daß im ersten Halbjahr 1936 167 Aktiengesellschaften mit einem Kapital von insgesamt 2,2 Millionen Pfund gegründet worden sind, während im ersten Halbjahr 1936 nur 89 Aktiengesellschaften mit einem Kapital von 0,5 M l 11 i o n e n Pfund registriert wurden. Bei diesem Rückgang ist allerdings zu berücksichtigen, daß Anfang 1935 mehrere Großunternehmen mit Kapitalien von je mehr als 100.000 Pfund errichtet wurden, was sich dann auf die Gesamtziffer auswirkte. Im ersten Halbjahr 1935 sind. Uber 28 Kapitalerhöhungen von Gesellschaften im Gesamtbetrage von fast 2 Millionen Pfund erfolgt. In den Monaten Jänner bis Juni 1936 sind nur 20 Erhöhungen im Betrage von 440.000 Pfund registriert worden. Vor kurzem ist eine Kohlenelnfuhrgesellschaft in Tel-Aviv mit einem Kapital von 10.000 Pfund gegründet worden. Die Gesellschaft will auch eine Brikettfabrik errichten, die jährlich 10.000 Tonnen Briketts produzieren soll. (J. T. A.) Touristik Aus Jerusalem: Vergleichsziffern zeigen, daß die diesjährigen Unruhen in Palästina außerordentlich nachteilig auf den Touristenverkehr gewirkt haben. Im ersten Halbjahr 1935 kamen 56.270 Touristen nach PalätJÄlw*WÄlÄa untereinander aufgenommen. , Die Durchführung ' dieser Arbeiten wird 800 jüdischen Arbeitslosen Beschäftigung geben. Zahlreiche jugendliche Arbeiter werden aus den Städten in die landwirtschaftlichen Siedlungen überführt. Aus Tel-Aviv allein sind 400 männliche und weibliche Jugendliche in die Kolonien gegangen. Neues von Nahariah. Der Oberkommissär Sir Arthur Wauchope besuchte dieser Tage, begleitet von seinem Privatsekretär und Herrn J. Gordon,von der Jewish Agency, die Siedlung Nahariah. Er wurde von den Leitern der Siedlung, Dr. S o s k i n und Peter Meyer, empfangen. Der Oberkommissär besichtigte die Kooperative und zeigte das größte Interesse für die durchgeführten Arbeiten, insbesondere aber für die 300 Arbeiter und Landwirte, die erst in den letzten zwei Jahren nach Palästina kamen und in Nahariah selbst erst umgeschichtet wurden. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) . 1 Frankreich: Schlafwagen Paris—Toulon. Amerika: Staatsanwalt unter Mordanklage — Männer ohne Namen — Der Weg ins Ungewisse.— Rex, der König von Arizona — Schuldige Hände — Ihre letzte Nacht — Das Gericht der Totengräber — Rätsel um eine Frau — Desperados — Liebe vor dem Frühstück — Rosemarie — Metropolitan — Sie heiratet ihren Chef — Singlng Kid — Luna-Park (Strike the Pink) — Chicago Gangster — Der Schürzenjäger — Der Amateur- Gentleman — Die Botschaft an Garcia — Der Liebling der Frauen — Luxuskabine 50 B — Ein Schrei in der Nacht — Mr. Deeds. Filme unter Arierparagraph Raub der Sabinerinnen — Die letzte Fahrt der „Santa Margareta" — Mädchenmarkt — Die Fahrt ins Blaue — Boccaccio — Der Holzschnitzer vom Erzgebirge — Befehl ist Befehl — Mister X. — Der Dämon voni Himalaya — Puppenfee — Die Drei um Christine —• Arzt aus Leidenschaft'— Der Hundefänger — Weiberregiment — Opernring — Der Schlaumeier Mädchenpensionat — Confctti — E,ng«"l mit kleinen Fehlern -— Wer ist wer? — Prater — Der Wildfang — Waldwinter. KINO'PROGRAMME iin KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Telephon K-24-2-16 ,, ,„ Vorstellungen: «, ««. v*w Uonel Barrymoore, Maureon O'SMlHvan 57 flif A.' »V»n Mi*te* Deeds Marl ahllf erstraße 120 - , J# fi _ Telephon B-33.0-68 gCllt III die Ma<H Wochentags: s, 7, 9 Uhr Carry Cooper VOTIVPARK Mister Deeds IX, Währingerstraße 12 .a* « ■ j* £2+ ±+ Telephon A-18-3-96 96111 Kit QS€ dfacEt )*ei%ni,K^ytf, *w <ony Cooper