Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 592 (8.9.1936)
- Date
- 1936-09-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712217--6011-2719707- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Radom 1× ep/2781485
- Vilnius 1× ep/2773296
OCR text
Seit« | DIE NEÜE WELT Nfv802 vom i. September 193S Kaufet Schulbücher neu und antiquarisch In der Bücherstube Rath a Co. Wien tl, TabONtraif f Oi/fll. R 4M*I Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Preisen l Mftderit« Uttlbibntlfct* / Alt« NM« «ftCft«fflllflf«fl Monatsgebühr S 3.10» kein« BeitdgebUhr, täglicher Umtausch, oder Monitigebühr 81Ä und 10 Qroschen Bandgebühr Moderne* Sertlment und Antlquarlet sastas Judalca und Hebralca nc land von den hakenkreuzlerischen Wundern erzählen. Es ist derselbe Lloyd George, der für den Versailler Vertrag verantwortlich zeichnete, also an dem Zustand mitschuldig ist, de* das Werden und Wachsen des* Nationalsozialismus verursachte. Wir kennen Lloyd George als einen führenden Liberalen, als einen Mann, der oft genug än das Gewissen seines Volkes appellierte, wenn es um Recht und Ehre ging. Mit dem großen, unvergeßlichen Lord Balfour hat er mehreremal das Mandat verteidigt, d. h. England an seine Pflicht in Palästina gemahnt. Er hat auch das nationalsozialistische Deutschland im englischen Parlament der Barbarei und Kulturvexleugnung ge* ziehen, um es allerdings später wieder als Hort der Gesittung zu bezeichnen, als ein Land, das mit Recht alle Fesseln des Versalller Vertrages abschüttle. Wer den alten Lloyd George heute ernstnehmen will, möge es tun; genau so wie den alten Bernard: Shaw, der für jede seiner Inkonsequenzen eine Motivierung zur Hand hat. . . Aus Spanien melden beide kriegführenden Gruppen (die Madrider Regierung und die aufständischen Generäle) entscheidende Erfolge. Der Bürgerkrieg mit all seinen Schrecken geht aber weiter. Die Nichteinmischungsabkommen haben keinen Einfluß gehabt. Denn hinter den Kulissen, d» L hinter den Fronten, rollt Kriegsmaterial aus den: Arsenalen der „Neutralen.". Während sich spanische Bürger gegenseitig die Messer in den Bauch : rennen, tagt in Brüssel eine Weltfriedenskonferenz. (Ohne Deutschland und ohne Italien.) Während in Palästina arabische Terroristen unter der Leitung des Großmufti und der anderen Führer morden und: brennen, gibt der Kolonienminister Ormbsby-Gore in London dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation die Versicherung, daß „bisher Keine Maßnahmen zur Einstellung der jüdischen Einwanderung getroffen" seien und daß die britische Regierung sich in ihren Entschließungen nicht von den Arabern, mögen sie der Großmufti oder der Außenminister Nuri Pascha sein, beeinflussen lassen werde. Gleichzeitig aber er-., klärt Prof. Weizmann bei der Tagung des Administrativ-Komitees der Jewish Agency,'" daß die politische Läge in Jerusalem sehr ernst sei und daß seine Unterredung mit Ormsby- Gore leider keinerlei entscheidenden' Resultate gebracht habe. Es heißt also abwarten und die Hoffnung nicht verlieren. o. r. Terror in Polen Aus Warschau: Wie aus Przytik, wo der große Pogrom stattfand, teiephoniert wird, wurden dort der jüdische Gärtner . Jukel Bornstein' und sein Sohn Rafael von einer Bande Huligans überfallen und mit Messern so bearbeitet, daß sie mit lebensgefährlichen Wunden ins - Hospital nach Radom gebracht werden mußten. Jukel Bornstein wurden auch die Füße gebrochen. Es war dies ein Racheakt dafür, daß Bornatein im Radomer Prozeß wegen des Przytik-Pogroms Ungünstiges über die Huligans ausgesagt hat, Die Huligan-Bande wurde von Franzkewicz und ZieIin8ki angeführt; die im Przytik-Prozeß auf der Anklagebank saßen, aber freigesprochen wurden. Während des Ueberf alls rief Franzkiewicz: „Schlägt zu, für Tötung eines Hundes erhält man sieben Tage Gefängnis, für Tötung eines Juden ga^r nichts!" Das Martyrium der Juden, in Pultusk dauert an. Der Boykott-Terror durch Blockierung der Jüdischen Geschäfte wird offen geführt. Weitere jüdische Geschäfte wurden demoüert. Zehn Juden, darunter zwei 70jährige, wurden erheblich verletzt. In den von Juden bewohnten Straßen, so in der Kosciusko-Straße, die- 274 Häuser zählt, wurden, sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen, zum Teil wurden die Fenstereinfassungen aus den Wänden gerissen. An den Abenden wagt kein jüdischer Einwohner die Straße zu, betreten. Der Polizei- Starosta läßt sich über die Vorfälle informieren, greift aber nicht.durch. In Lodz wurde der jüdische Seifenfabrikant Ferszt von einer fünfköpfigen Huliganbande überfallen und durch Messerstiche schwer, yerletzt. Sein ihm zu Hilfe gekommener Bruder und seine Kompagnons Hernien Goszewski und Abraham Kaszepickl wurden von der Huliganbande ebenfalls angegriffen und verletzt. Vor einigen Monaten geriet der in der Wiüa bei Wilna badende Jude Chaim Seidel in Ertr'inkungsg ef ah r und rief um Hilfe. Die Mannschaft eines vorbeifahrenden Dampfers wollte ihn retten, allein der Kapitän Kostzki hinderte sie mit den Worten, es Bei,eine Sünde, einen Juden zu retten. Kostzki wurde deswegen vom Erstgericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er appellierte gegen das Urteil, woraufhin das Appellationsgericht die Strafe auf ein Jahr Gefängnis erhöhte. Vermählung. Rita Weidler, Wien, V., bat »ich mit Fred Bogard, London, vermählt, Vor.einer Wendung der britischen Politik Die letaten Nachrichten aus London lassen erkennen, daß die britische Regierung zu schärferen Maßnahmen gegen die arablfoheit Terroristen t«wie gegien die Führt* der arabischen Extremisten «ttfschlosaen J*t. Zu dieser Haltung sieht rieh die britische Retiemnf durch dl« neue« bärtigen Angriffe äst «Anden und durch den Versuch gewisser ArftMteher Kretas veranlaßt, aaWfpartaihcntstfltcIle Faktoren im gegenwärtigen Konflikt heranzuziehen. Auch die Stellungnahme der ziofttoten aller Minder sowie det Jüdischen Jischuws in Palästina hat auf die Leiter der britischen KetonialpöUtik tweifeltoa Bfodraek gemacht, Sohlienuch dürfte der Appell der amerikanischen christlichen Senatoren an die englische Refietung nicht ohne Wirkung; geblieben sein. Die Wendung der britischen Politik läßt lieh aul folgenden J. t. A.-fteidttngen erkennen: Die großen engllsehen Herbstmanöver in der Grafschaft Sussex, die bis zum 18. September dauern sollten, wurden plötzlich abgebrochen. Die Truppen erhielten Befehl, unverzüglich nach dem Truppen- Übungsplatz Alvershot zurückzukehren; die erste Division ist bereits in ihre Garnison zurückgekehrt. Das Kflegsmlniaterlum begründet diese Maßnahme mit der Notwendigkeit der Entsendung von Truppenverstärkungen nach Palästina. Die Londoner Korrespondenten der großen amerikanischen Zeitungen melden, daß das britische Kabinett in der Mittwochsitzung die Entschlossenheit kundgetan habe, dem arabischen Aufruhr durch drastische Maßnahmen beizukommen und daß mit der Verhängung des Belagerungszustandes schon In den nächsten Tagen gerechnet wird. In den nächsten Tagen schon Werden starke Truppenkontingente nach Haifa abgehen. Die neuen Truppen „Daily Telegraph" meldet, daß fünf große Dampfer ip Söuthampton zur Abfahrt bereit stehen, um die Truppen aus England nach Palästina zu bringen. Mehr als 12.000 Mann, die gesamte erste Division, steht in der Garnison Alvershot bereit, um auf Befehl des britischen Kriegsministeriums nach Palästina abzugehen. Man vermutet, daß zuerst die zweite und dritte Infahteriemöglich war. Weiteres* Unbehagen sei durch die Gerüchte hervorgerufen worden» daß die englische Regierung die Vermittlungsversuche NuriPaschas wohlwollend verfolge und im voraus angedeutet habe, daß sie eine Amnestie für die Mörder und die Einstellung der Jüdl* sehen Einwanderung während der Arbeit der Untersuehühgskommtssiott erwägen wolle. Diese Gerüchte haben sich auf Grund der Entscheidung der Minister, daran festzuhalten, daß die Kommission nicht zusammentreten und der jüdischen Einwanderung keine Einschränkung auferlegt werden soll, solange (!) die gegenwärtige Herausforderung an Frieden und zivilisiertes Verfahren andauert, glücklicherweise als unrichtig erwiesen. Verhängung de* Krfegisuafandes möglich Palcor meldet au« Jerusalem: In einem Bericht Uber die gestrige Kabioettssitzung, in deren Verlauf auch das Palästina-Problem zur Sprache kam, schreibt der politische Korrespondent der. „Mörning Post": „Die jüdische Einwanderung nach Palästina wird nicht suspendiert werden, trotz des Wunsches der dortigen Regierung, mit den Arabern. Kompromisse zu schließen, um ein Ende des Streiks und des Terrors herbeizuführen. Die englische Regierung Ist vielmehr weiterhin fest entschlossen, dem arabischen Terror nicht zu welchen. Es ist eher wahrscheinlich, daß bei Anhalten des Terrors die Verhängung des Kriegszustandes in Betracht gezogen wird." Der gestrigen Kabinettssitzung lag ein Bericht Sir Möbel kauft man für Jahrzehntel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Edelmann Tel Izah lungenl Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 brlgade der ersten Division verschifft wird. Das war der größte Truppentransport in England seit dem Weltkieg. j,Daily Telegraph" fügt hinzu, daß das entschlossene Auftreten der englischen Regierung in Palästina auf das Eingreifen des irakischen. Außenministers Itur'f Pascha, zurückzuführen ist, welches als eine Einmischung in die Mandatsangelegenh-e i t. betrachtet wird; man halte es nun in London für notwendig, die . Araber in drastischer Weise von der JiachtfUlle Englands zu Uberzeugen. In anderen englischen Zeitungen kommt zum Aufdruck, daß für Englands entschlossenere Haltung, in Palästina durchzugreifen, folgende drei Erwägungen maßgebend sind: 1. Die Ueberlegung, daß die:gesamte Araberpolitik durch Welte Anerkennung der Renitenz gefährdet sei; 2. die Nach- Ihre I^eiliMbliotliek! Jüdische Volkshochschule / Jüdische Kulturstelle I, Kai 3, Tel. R-Ö8-2-36 S l.ÄO monatlich! rieht, daß anderen Staaten nahegelegt worden Sei, die Mandatsfrage in Genf anzuschneiden, und S. die Anzeichen dafür, daß die jüdische Bevölkerung .Palästinas ihre bisherige Reserve aufgibt und zu Gegenaktionen Übergeht. Hiedurch würde . sich - tu den Gefahren des Auf»tandes noch die größere •" des Bürgerkrieges gesellen. -Wie die Blätter weiter melden, begeben sich demnächst, zwölf Infanteriebataillone nach Palästina; das bedeutet mehr als eine Verdoppelung der jetzigen. B es atzung d e s Landes, die elf Bataillone beträgt. Man betont, daß beträchtliche Truppenverstärküngen' bei Erklärung des kriegsrechtes unerläßlich seien, Wird der Kriegszustand verhängt, dann werden damit weit umfangreichere Anforderungen an die Militärbehörden, gestellt, als dies bisher der Fall war;'i die Truppen würden dann auch die Pflichten der Zivilbehörden, übernehmen. ■'■'■*, Entscheidung durch Ceftamtkafcnieft Aus amtlicher Quelle wird mitgeteilt, daß eine Entscheidung in der Frage der jüdischen Einwanderung einzig und.allein dem Gesamtkabinett vorbehalten bleibt. Weder der High Commlssioner Sir Arthur' Wauchope noch' der Kolonienminister Ormsby-Gore sind ermächtigt, die Einstellung der Einwanderung nach Palästina anzuordnen. Schärferes Vorgehen erwünscht Im Leitartikel des „Daily Herald" vom Donnerptag wird die Palästina-Regierung scharf angegriffen, well es ihr bisher nicht gelungen Ist, die Gewalttaten in Palästina zu unterdrücken. Unter der Ueberschrlft „Kein Pakt "mit arjablachejr Unordnung" widmet „Daily Telegraph? der politischen Lage in Palästina eine Betrachtung im Lichte der Kabinettsbesohlüsse vom Mittwoch. Ausgehend von der Feststellung, daß seit der Bekanntgabe der Zusammensetzung der Kgl. Kommission für Palästina durch den Kolonienminister schon fast fünf Wochen vergangen, sind und der arabische Terror in dieser Zeit unvermindert andauert, erklärt das Blatt, daß viele Engländer ein schärferes Vorgehen In Palästina wünschen, als es bisher infolge des Zögems der Palästina-Verwaltung, das Standrecht zu verkünden* Arthur Wäuchopes vor, der auch die Vorschläge Nuri¬ Paschas, versehen mit den Bemerkungen der palästinensischen Regierung, enthielt. Das Kabinett vertritt den Standpunkt, daß kein Grund vorliege, von der schon oft zum Auadruck gebrachten Politik, daß dem Terror keine Konzessionen gemacht, werden können, abzuweichen und daß daher eine Einw a nderungssperre nicht in Frage käme. . -' Vermischte Nachrichten aus Palästina Panzerautos f ür den Personen- und Güterverkehr Mit Rücksicht auf die zahlreichen Bombenanschläge, die in letzter Zeit auf die zwischen Tel-Aviv und Bajit Wegan verkehrenden Autobusse verübt wurden, hat die Xutobuskooperative für den Personen- und Güterverkehr auf dieser Linie gepanzerte Autobusse in Dienst gestellt. Munition in Welntraubenkteten Der Kommandant des transjordanischen Grenzwachkorps, Pik Pascha, hat die Versendung von Weintrauben aus Transjordanien nach Palästina verboten, weil •in den Kisten Munition nach Palästina geschmuggelt wird. - Große Öffentliche Arbelten in Palästina Auf Grund der Verhandlungen, die von der politischen Abteilung der Jewish Agency mit dem Regierungadepartement für öffentliche Arbeiten geführt worden sind, wurde ein Arbeitsko n t x a k t für die Herstellung von 49 Kilometer neuer Straßen im Em e k und In der Scharon-Ebene geschlossen. Die Arbelten werden von der kooperativen Baugenossenschaft „Solei Bönen" durchgeführt. Die Genossenschaft hat auch von dem Haifaer Oepart e m e n t für öffentliche Arbeiten, den Auftrag zum Bau von Straßen zwischen Haifa und Tire und zwischen Benjamina und Ohedera und zur Lieferung des hlezu erforderlichen Steinmaterials erhalten. Die Arbeit, ftir die ein Betrag von etwa 100.000 Pf, erforderlich^ ist, wurde bereits aufgenommen. Zur Zeit sind dreihundert jüdische Arbeiter bei dem Straßenbau beschäftigt. Mit dem Fortschritt der Arbeiten soll ihre Zahl äuf tausend er« höht werden. Die neue ZitrusexportsaiSon Als erster Transport In der neuen Exportsaison sind In Haifa drei Waggon Zitrusfrüchte aus Petach Tlkwa, Beohowot und Chedera eingetroffen. Im Zusammenhang, damit hat sich das Gerücht verbreitet, daß die arabischen Schiffer unmittelbar vor dem Abbruch des Streiks stehen, well sie fürchten, die Arbelt der neuen Ausfuhr« salson zu verlieren. Rund dreitausend jüdische Einwanderer im August Im Verlauf des Monats August sind in Palästina 28ÖÖ jüdische Einwanderer neu eingetroffen. 1800 von ihnen reisten mit Zertifikaten ein. Zusammen mit den im August als Einwanderer legalisierten Touristen dürfte die Zahl der jüdischen Einwanderer im August die . Ziffer drek tausend übertreffen. Ein Appell der Arbeiterschaft Palästinas an die englische Arbeiterschaft „Daily Herald" teilt mit, daß die British Labour Party von der Jüdischen Arbeiterpartei Palästinas und dem Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverband ein Tele» gramm erhalten habe, In dem die englische Arbeiterschaft aufgefordert wird, mitzuhelfen, daß die Gefahr, von den die Judenbelt Palästinas bedroht ist« abgewendet werde*