Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-09-08 · Heft 592 (8.9.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 592 (8.9.1936)
Date
1936-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712217--6010-2719706
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Preis 10 Groschen Dienstag/ den 8« September 14>* lahrgang Nr. 592 ¥♦ b* b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp6dl6 par l'6diteur" R E VU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN i Oesterreich monatlich S 1.40, «ertelJährJg S 4.—, ganzjährig 3 16.—J Polen monatlich Zloty 1.5p, vierteljährig Zloty 4.80r Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Kc 16.—; Jugoslawien monatlich; Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—! Bnmänien monaülch Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-£.: Bnlrwien monatlich Lewa 80.-, vierteljährig Lewa».-» t »aUe« t monatlich Lfre 6.-. vierteljährig Lire 14.-a Schwell und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnet© Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion u. Verwaltung : IX, Universitätsstr.8,Tel.A-20-2-78 — Erscheint Dienstag a. Freitag POLEN Bekannt billige Helsen nach Abfahrt e n: 13. und 27. September 1036 Reserviert Plätze lAm.TAiiiIiM für die Reisen zu JOmaTOWIIffl Auskünfte: Dr. S.Tockar, Reisebüro „IM DIE WELT" (W. M. Renner). Wien IX, Liechtensteins^. 2, Nähe Schottenring. Tel. A-14-504 Englisches Blut über uns ... Die Palästina-Regierung teilt mit, daß bisher Z wi i u n d z w a n z i g' e n g 1 i s c h e Soldaten, Offiziere und Polizisten öi den Kämpfen gegen die aufständischen. Araber gefallen sind. Mehr als hundert wurden schwer und leicht verletzt. „Gemeine Juden! (dirty jews). Englische Offiziere und Soldaten müssen, in . Palästina für euch Blut:lassen. Warum verteidigt ihr 'e ucih n i c h t s e 1 b s t, F e i g 1 i n g a:!" Flugzettel dieseS| Inhaltes wurden vor einigen Tragen' in London im Anschluß an eine Kundgebung der britischen Faschisten (Mösley's Partei) in den-Straßen Londons, ausgestreut. .• Erklärung der Judenstaatspärtei auf der Sitzung des'... Zionistischen AktiblrtlliQiliitees in:' Züribh: „Die1 Juden. Palästinas, wollen und, dürfen nicht auf die Verteidigung : durch fremde Kräftje - angewiesen sein. Da^ jüdische Volk erkenn£.dankbardie.Opfjerderbrfüächeh: Schiitzkräfte;. a,n, welche y;^nt^F:^ett'-->^wer^tei Bei ding^gen:;.|hfe Pflicht . 40ßi' haben;:''&W?r]>0%[ Würd e:d e>s, j üdisc hen y olk es;.er f o r d e'rt, daß es selbst diese Opfer auf sich e s nimmt. f Wer die Juden Pälästihas der Feigheit und dahin beschuldigt, daß sie sich: hinter englischen Bajonetten verstecken wollen", -macht sich niederträchtiger Verleumdungschuldig. Wenn heute** zwischen arabischen Mordbrennern und Juden engV. lische Soldaten stehen, so Jiaben: sich die Juden nicht freiwillig hinter sie gestellt. Man hat sie dazu gezwungen. Die. von Englandeingesetzte Palästina- Regierung hat die Wehrlosmachung der palästinensischen Juden systematischbetrieben/ Begonnen hat sie mit der Auflösung der jüdischen Legion im Jahre 192Ö und hat dann, bis auf den' heutigen Tag, alh? Juden in den Kerker geworfen,-die den Versuch unternahmen,, den Angreifern bewaffnet., entgegenzutreten. Von.- Trumpeldor anj der n\it einem Häuflein Getreuer Tel-Chaj bis zum letzten Blutstropfen gegen eine hundertfache '. Uebermächt",hielt,: bis" zum heutigen T,ag£ wurde in ungezählten. Fällen. bewiesen, daß die Juden Palästinas für Abwehr bereit sind: und »kein Opfer scheuen. Und immer und" immer wieder war es die englische Palästina-Regierung,' die1 ihnen in den Armfiel. Jüdische Feigheit? Unvergessen wird es bleiben» daß-im Jahre 1929 sich die von der Regierung entwaffneten: Juden Tel-Ayiys mit dünnen Rebstöcken in den Händen einer bis an'. die' Zähne bewaffneten Araberhorde entgegenwarfen. Und heute? jÄ-uf Straßen, die unter Feuer stehen, fahren und wandern jüdische Jünglinge und Männer, um bedrängten jüdische» Siedlungen Lebensmittel und• Hilfe zu bringen und;-; das wirtschaftliche Leben nicht ersticken. \zu 14sseh, wie.es die Meuterer Wollen. Sie sind unbewelirt' u»d;'jtrotzen - dem Tode.J Ist es nicht Widersinn,;ahzunehmen, daß diese Menschen'sich „hinter englische Bajqnette'*. .flüchten und nicht bereit wären,; mit der Waffe in dex Hand für ihr Volk,.für ihre Frauen und Kinder.zu fcänipfen? — . , * .: Ii Die :Palästina;Regierung hat nicht nurdiß\ Jüd$i wph'rlös gemacht. Sie hat noch ein größeres Ver^eöhen an dem ihr ahvertra.uten Lande verübt. Sie hat geduldet, daß die Araber von fremden Mächten mieden modernsten Kampfmittelh, mit Maschinen-? gewähren, Minen, Handgranaten und mit Geld' für, „Kriögsfühning"^ beliefert' werden. Sind die Juden, die feigen Juden, dafür verantwortlich, daß junge englische; Soldaten den Boden Palästinas mit ihrem Blute . tofääiym müssen? Sind das* Opfer, jüdischer. Schuld.? Vorläufig keine Sperre der Einwanderung Ein Brief des englisdien Koloirfenmfaisters Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Professor Chaim Weizmann hat folgenden Brief des englischen Kolonienministers Ormsby-Gore erhalten: „Ich bestätige Ihren Brief vom 1. September, in dem Sie mir die angeblichen Bedingungen mitteilen, unter denen die Araber und Ihr oberstes Komitee den Streik einzustellen beschlossen haben sollen (Einstellung der Einwanderung usw.). Ich möchte Ihnen mitteilen, daß solche ,^Bedingungen" nicht akzeptiert worden sind, weder durch den Hochkommissär noch durch die Regierung. Noch mehr: Ich will versichern, daß keinerlei Grund für die Annahme besteht, als ob der Hochkommissär dem Minister Nurl-Pasoha die Vollmacht erteilt hätte, dem Obersten Bat der Araber irgend welche Versprechungen zu machen, insbesondere nicht ein Versprechen Uber die Einstellung der jüdischen Einwanderung, um dadurch die Einstellung des Streiks, und des Terrors herbeizuführen. Minister Nuri - Pascha war nicht nur •n 1 cht a u t o r i s 1 e r t - zu solchen Zusagen vielmehr erklärt der Hochkommissär, daß niemand sich auch nur an •ihn gewendet habe, um die Autorisation zu einer solchen Zulage zu erlangen. Der Hochkommissär glaubt auch, daß Minister Nuri-Pasctia dies auch den arabischen Führern klar gesagt haben müßte. Minister Nuri-Pascha hat auch selbst keinerlei Versprechungen über die Einstellung der jüdischen Einwanderung erhalten, weder vom Hochkommissär noch von der Regierung, und er erhielt auch keinerlei Bestätigung als Vermittler zwischen den Arabern und der englischen Rcgterung bezüglich der Verhältnisse in Palästina. Gegen die Ver« öffentlichungdieses Briefes ist, wie er hinzufügt, nichts einzuwenden." Mit diesem Brief ist'die ungeheureSpannung^ wäche die Judenschaft erfaßt hatte,'gelöst. Nachdem der Hochkommissär Sir, Wauchope Mpnate hindurch den arabischen Terroristen freies: .Spiel.gewährte,' ihre Rädelsführer nicht nur frei umherlaufen ließ, sondern auch als' Verhandlungs-.:. ' partner anerkannte; die Einmischung ausländischer arabischer Führer int' die .,yejchai(laaisse. Palästinas nicht nur duldete, sondern ihnen, auch .Konzessionen für die,Terro-.. sristeiri, vor allem die „zeitweise",Sperre der jüdischen Ein- 1 Wanderung und ihre spätere: Drosselung in Aussicht stellte^,! erklärt nun dieieriglische ' Regierung, daß' sie' weder zur *EiüiWa^deru^ £?wüit. is^' 'denl -Exponjenten der ausländischen Araber,' /den'.;: Minister Nüri- Pascha, als Vermittler -anzuerkennen.. ■ Damit ist wohl die Befürchtung, daß in der 'allerl nächsten Zeit eine Einwanderungssperre'- erfolgen wird, /zerstreut. Aber e s w är e v o r'e i 1 ig un d im: hö chsten Grade schädlich, wenn von Seiten der Zionisten die Gefahr als beseitigt angesehenwürde! Man muß festhalten: Die Entschließung der Londoner Regierung ist gegen den Willen des Hochkommissärs Wauchope erfolgt, der, allen Ab-;leugnungen zum Trotz, mit den Aufrührern verhandelt und ihnen Konzessionen auf Kosten der Juden in Aussicht gesteift, hat. Nun bleibt1 Herr Wauchope in Amt und Würden und mit ihm die .englische und arabische Beamtenschaft* welche fast durchwegs antijüdisch und antizionistisch orientiert'ist, Diesen Männern bleibt auch weiterhin großer -Einfluß auf das Schicksal deg jüdischen. Randes gewahrt«; Sie:Werden aües versuchen/ihren schlechten. Willen auch weiterhin durchzusetzen; Es wäre verfehlt, sich darüber hinwegtäuschen-zu wollen. Die ärgste Gefahr ist vorläufig abgewendet, aber nicht beseitigt. Das muß deutlich festgehalten werden, Zu den hohen Feiertagen billige Sonderfahrten mit „Francopol" na«, Polen und Czernowitz StSfÄÄUi.« Tel. U-16-4-90' : 38-2-68 Weltpolitik der Woche , . Der Besorgnis, Polen könnte durch seine außenpolitische Haltung die aggressiven Tendenzen ein.« zelrier Staaten verstärken, hat der Besuch des Ge- : nerals R y d z - S m i g 1 y in Paris vorläufig ein; En^e gemacht. Die Bedeutung dieser Visite kann nicht-hoch genug' eingeschätzt werden. Man erfährt jetzt, d^ß;d'er polnische General vor seiner Abreise ein MilitärprotQkoll unterschrieben hat,. wonach im Fall eines deutschen Angriffs auf Frankreich oder Polen, die Sie sind Opferder Pflichtvergessenheit ihrer eng* lischen Volksgenossen, die in der Palästina-Regierung sitzen und ihren Antisemitismus höher stellen als ihren Amtseid.. Es gibt keinen Unterschied in der jüdischen Bereitschaft, für Palästina mit der Waffe in der Hand zu kämpfen. Es gibt keine Partei im Zionismus,, deren Jünglinge und Männer sich nicht danach sehnen, das jüdische Palästina mit dem eigenen Leibe zu decken und es nicht als Schmach empfinden, andere für sich kämpfen zu sehen. Wenn - ein Vorwurf' zu. erheben ist* so, gilt er jenen Führern, .welche für die Forderung nach Wehrhaftmachung der palästinensischen Juden b,i$ heute kein vollesfVerständnis aufgebraclit 'und in dieser^Sache kurzsichtig und zaghaft gehandelt haben. Es darf nicht mehr sein, daß einzig und allein die Minderheit der Judenstaatszionisten Ruferin nach einer jüdischen Wehrmacht in Palästina bleibt. Der Ruf einer Partei muß Ruf des ganzen Volkes werden. .- <: - # ' ■!Ja. Englisches Blut: ist über ' die; Juden ge< kommen! Aber, nicht durch jüdische Schuld! . Robert Stricker* beiden Armeen sich automatisch unterstützen werben. Auch ^die Teilnahme des Generals an einer f i n a n z i e 11 e n Konferenz bezeugt, daß es hier um größere Dinge geht als um einen gegenseitigen Hilfspakt. . Vom sowjetrussisch-französischen Pakt , war in allen Unterredungen zwischen Rydz-Smigly und der französischen Regierung keine Rede im Sinne eines — Hindernisses/ Der vom Deutschen1 Reich forcierte Versuch, das Schreckbild einer bolschewistischen Weltrevolutiön als der einzigen Gefahr für die zivilisierte Menschheit an die Wand zu malen, wirkt nicht sehr überzeugend. Man weiß in den unterrichteten und willigen Staatskanzleien, was für Pläne der Nationalsozialismus hat und mit welchen Mitteln und unter welchen Auspizien er sie durchführen will.. Der Nürnberger Parteitag — allerdings werden so wie bisher die diplomatischen Vertreter der demokratischen Großstaaten Amerika, England, Frankreich fehlen — wird als Tribüne für eine gigantische antibolschewistische Propaganda verwendet werden. Die weltanschauliche Auseinandersetzung zwischen den Extremen rechts und links wird zum Vorwand einer Glorifizierung des deutschen Hakenkreuzes dienen, das heute „das Symbol des Kampfes gegen den Untergang der europäischen Kultur" darstelle, zur Selbstverherrlichung und zum Appell, den Machthabern des nationalsozialistischen Deutschlands für ihren Heldenmut dankbar zu sein. Vom Kampf Wotans gegen das Christentum wird wohlweislich geschwiegen werden. Aber es gibt Menschen, die naiv oder heuchlerisch genug sind, die Nürnberger Emulationen ernst zu nehmen, ja, sie sogar als Material für eine pronationalsozialistische Werbung zu verwenden. Herr Lloyd.George bereist zurzeit Deutschland. Er will sich das Dritte Reich ansehen und dann in Eng- Regelmäßiger Reisedienst der „Czern. Allg. Ztg." nach POLEN und CZERNOWITZ Nächste Abfahrt: II. S«ptcmb«r 1936 Anmeldungen a u t e h I i 8 l i c h Im Reisebüro „M a r I« n b r U c k I, Rotenturmstr. 20, R-24-2-86/87 Reservieret jetzt schon Plätze für die Reisen zu den hohen Feiertagen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.