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Die neue Welt · 1936-09-04 · Heft 591 (4.9.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 591 (4.9.1936)
Date
1936-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 591 vom 4. September 1936 DIE NEUE WELT Seite 5 Audi Redif braudif Propaganda Seit dem Erscheinen der „Protokolle der Weisen von Zion" sind mehr als dreißig Jahre vergangen. Nach dem Weitkrieg setzte ihre Verbreitung mit [Vehemenz ein. Und obwohl in zahlreichen Prozessen, xuletzt in Grahamstown (Südafrika) und in Bern, die Schrift als plumpe, dreiste und lächerliche Fälschung «ntlarvt worden war, geht die Protokolle-Propaganda weiter und hat zweifellos Erfolge. Lügen, die jahrzehntelang verbreitet werden, lassen den Eindruck eines Körnchens Wahrheit zurück. Die Propaganda des Antisemitismus, kurzum die seit Jahrhunderten betriebene antijüdische Kampagne hat Erfolg. Man fragt nicht mehr nach Recht und Wahrheit. Die Herzen sind abgestumpft, die Hirne vernebelt. Was das Berliner Reichspropaganda-Ministerium in der Welt angerichtet hat — abgesehen von der rein nationalsozialistischen, also im engeren Sinne hakenkreuzlerlsohen Stimmungsmache —, läßt sich moralisch gar nicht abschätzen. Man hat kaum eine Uebersicht Uber die ethischen und gesellschaftlichen Schäden. Prinzipien, die bisher die Grundlagen menschlichen und staatlichen Lebens waren, sind zu Fetzen Papier herabgesunken. Als die Revolte in Spanien losbrach, hießen die gegen die legale Regierung revoltierenden Generäle zuerst Rebellen, dann Aufständische, später Generalarmeen> schließlich Nationalisten. Die reichsdeutsche Presse nannte sie (und nennt sie) sogar Nationalsozialisten. Die Propaganda hat aus einer Militärevolte einen „Volksaufstand gegen die marxistischen Usurpatoren" gemacht. Man spricht heute schon von zwei Regierungen, mit denen man verhandeln müsse. Die Grenzen von Legitimität und Umsturz sind verwischt. In seiner Rede von Avellino (am 31. August 1936) erklärte Mussolini: „Wir lehnen' den Unsinn vom ewigen Frieden ab ...", obwohl die Sehnsucht des Menschen, die unerfüllbare, nach eben diesem ewigen Frieden strebt und schon von Kindheit an in Schule und Gotteshaus das Ideal des ewigen Friedens gepredigt wird. Und „Havas" meldet hiezu aus Paris: „Die Blätter kommentieren die Rede Mussolinis und glauben in ihr eine Bekräftigung der italienischen Friedenspolitik sehen zu dürfen." In Palästina haben die arabischen Extremisten unter der Führung offizieller arabischer Persönlichkeiten und Hand in Hand mit arabischen Banditen das Land in blutigen Terror versetzt. Das friedliche Jüdische Aufbauwerk, zu dessen Sicherung' der Völkerbund die britische Mändatarmacht verpflichtete, ist in Gefahr. Nach schweren Monaten soll nun Ruhe werden. Diese soll durch Preisgabe jüdischer Rechte und Zusicherungen an die Mordbanditen und ihre Hintermänner erkauft wer- <ien. Der irakische Außenminister Nuri Pascha, also ein Außenstehender, spielt den Vermittler, gibt Arabern und Engländern Ratschläge, wie man am besten aus der Lage Profit ziehen kann. Der schwergetroffene Teil, der jüdische Jischuw, soll das Opfer dieser „Befriedungsaktion" werden. Die Wiener katholische „Reichspost" schreibt am 31. August zur Lage: „Aber selbst die Annahme des Vermittlungsvorschlages Nuri Paschas durch die Engländer bliebe illusorisch, solange es dem Außenminister des Irak nicht gelingt, dem Radikalismus der sogenannten Jungaraber beizukommen, die die optimistischen Erwartungen der letzten Tage durch Wiederaufnahme der Terroraktionen enttäuscht haben. Dafür trägt ^freilich auch die jüdische Presse, die London davor „warnt", vor den Arabern zu „kapitulieren", und die 'selbst eine vorübergehende Sperre der jüdischen Ein-; Wanderung unbedingt ablehnt, ein gutes Maß der Verantwortung, da ihre Haltung wenig geeignet ist, die 'Friedensaktion Nuri Paschas zu fördern." Die Dinge sind auf den Kopf gestellt. Es wird hier von den Juden verlangt, zugunsten der arabischen ungeheuerlichen Forderungen auf ihre primitivsten Rechte zu verzichten, auf daß Ruhe im Lande werde, und sie werden als die Schuldigen am weiteren Terror hingestellt, weil sie sich gegen die von den arabischen Beschützern der Mordbanden gestellten Bedingungen wehren. Die arabische Propaganda in London und überall dort, wo Animosität gegen die Juden herrscht, hat bewirkt, daß man heute nicht mehr fragt, wer im Recht ist, sondern dem Schreier mit Geschenken den Mund stopfen will. Die mordenden und sengenden Araber sollen um jeden Preis (den die Juden zu zahlen haben) besänftigt werden. Es ist die Mentalität der Gewalt, des Terrors, der die Hirne vernebelnden Propaganda. Das englische Kolonienministerium und die Palästina-Regierung gehen gar nicht daran, die arabische Revolte mit dem jüdischen Recht zu konfrontieren. Sie sind der arabischen Propaganda erlegen, der die Juden ihr stummes Recht in Form ihrer „Hawlaga", ihrer Zurückhaltung und Beherrschheit, entgegengestellt haben. Wi müssen heute, nach 130 Tagen arabischen Terrors, die Propaganda für unsere Sache aufnehmen; dort anfangen, wo wir seit eh und je hätten anfangen sollen. Reoht muß, wie Unrecht, propagiert werden, daß man daran glaube. Propagiertes Unrecht hat mehr Ueberzeugungskraft als stummes Recht. o. r. Die Juden in DeulsduSdilesi'en Einer Katastrophe entgegen In Hitler-Deutschland leben 10.000 Juden, welche den Nürnberger und allen anderen gegen die Juden gelichteten Gesetzen nicht unterworfen sind. Sie leiden wohl unter Antisemitismus und Boykott, sind aber vor dem Gesetz gleichberechtigte Staatsbürger. Es sind dies die Juden in Deutsch-Obersohlesien, in jenem Gebiet, das nach der Volksabstimmung im Jahre 1929 Deutschland zugesprochen wurde. Für dieses, und nur fUr dieses Gebiet gelten die Minderheitsrechte, die in dem polnisch-deutschen Vertrag niedergelegt wurden. Als Hitler im Jahre 1933 die Macht ergriffen hatte, wollte er auch die Juden Oberschlesiens entrechten. Aber es kam damals zur bekannten „Bernheim-Petition" an den Völkerbund. Das „Comlt« des Delegation juives" (jetzt Exekutive des Jüdischen Weltkongresses) nahm sich der schlesischen Juden an und setzte durch, daß Deutschland gezwungen wurde, die Gleichberechtigung der jüdischen Minorität in Oberschlesien unangetastet zu lassen. Jetzt aber droht diesen Juden eine* fürchterliche Gefahr. Am 15. Juli 1937 läuft der polnischdeutsche Vertrag a und — diese Anschauung vertritt jetzt schon die Hitler-Regierung — damit auch die Schutzfrist für die Juden. 10.000 jüdische Menschen werden einem grausamen Schicksal preisgegeben sein, wenn ihnen nicht Hilfe kommt. Wir bringen nachstehend eine Betrachtung, welche uns von beteiligter oberschlesischer Seite zugekommen ist: Als der polnische Minister Beck vor zwei Jahren in Genf die Erklärung abgab, daß Polen sich hinsichtlich seiner im Vertrag vom 28. Juni 1919 übernommenen Minderheiten-Schutzverpflichtungen der Kontrolle des Völkerbundes nicht mehr unterwerfe, hat er hiebei das Genfer Abkommen bezüglich Oberschlesiens ausdrücklich ausgenommen. In der Tat muß diejenigen der beiden großen Kirchen einen Anspruch auf staatliche Zuschüsse, um den gerade hier besonders dringenden Bedürfnisse in sozialer und erzieherischer Hinsicht zu genügen. Das im übrigen Reich erlassene Schächtverbot wird in Oberschlesien nicht durchgeführt, auf Grund einer Vereinbarung, welche die jüdische Minderheit unter. Vermittlung des Präsidenten Calonder mit der Regierung getroffen hat. Ueberhaupt hat auch auf diesem Gebiet der Präsident der Gemisch- Sf ern'sche Lehru. Erziehungsanstalt I, Werderforgasse 12 Tel. u-28-1-97 Volksschule für Knaben und Mädchen. 9 Uhr Schulbeginn, öffentlichkeitsrecht, Haupt- und Fortbildungsschule, Tagesheim, Internat, Fremdsprachen, Sport, Musik. Einschreibungen täglich von 10-12 u. 4-6 Uhr an ten Kommission außerordentlich segensreich gewirkt und wesentlich dazu beigetragen, daß die Schutzbestimmungen des Genfer Abkommens im Prinzip durchgeführt worden sind. Das Genfer Abkommen läuft am 15. Juli 1937 ab. Es ist zu hoffen, daß die. beteiligten Regierungen bei den zwischen ihnen bestehenden freundschaftlichen Beziehungen einen Weg finden werden, um die // Nicht einfach „eine Tube Zahnpaste nein, ausdrücklich Chlorodont verlangen Chlorodont die Qualitäts-Zahnpaste für groß und klein Tube S. -.90 Oesterr. Erzeugnis man feststellen, daß dieses deutsch-polnische Abkommen, welches der nationalen und wirtschaftlichen Befriedung dienen sollte, im wohlverstandenen Interesse beider Teile gelegen ist und beiden wesentliche Vorteile gebracht hat. Die polnische Minderheit in Deutsch-Oberjschlesien hat unter seinem Schutz ihr Schulwesen, ihre Jugend- und Sportorganisationen ausbauen und so ihre Volkstuminteressen wesentlich fördern können. Das Gleiche gilt hinsichtlich der zahlenmäßig weit größeren deutschen Minderheit in Polnisch-Oberschlesien, Anspruchsvoll« Starkbärtige, Empfindliche, Eilige nehmen nur die sanft-scharfe deren Wirtschaft überdies aus dem Genfer Abkommen ganz wesentliche Vorteile ■ gezogen hat. Besonders die stille Arbeit. des Präsidenten Calonder hat sowohl der deutschen wie der polnischen Minderheit große Dienste geleistet, wenn sie auch von den Beteiligten nicht immer gewürdigt worden ist, und sie hat zur Bereinigung der Atmosphäre wesentlich beigetragen. Wenn trotzdem das mit dem Genfer Abkommen verfolgte Ziel der Befriedung bisher nicht erreicht worden ist, so ist das vor allen Dingen in der Unsicherheit der allgemeinen politischen Lage begründet. Dazu kommt, daß die deutsche Judengesetzgebung ganz neue Probleme geschaffen hat. Da nach dem Genfer Ab- Heilanstalt Dr. Mauser für Rheumatismus, Gicht, Gelenks- und Nervenkrankheiten Ischias-Schnellkur l,Schottenring17,Tei.A-17-0-66 kommen. eine unterschiedliche Behandlung von Minderheitsangehörigen nicht stattfinden darf, sind die seitens des Reiches erlassenen Ausnahmsbestimmungen gegen die Juden in Oberschlesien nicht in Kraft getreten. Das gilt besonders auch von den NürnbergerGesetzen, also dem Reichsbürgergesetz und dem sogenannten Blutschutzgesetz. Infolgedessen haben die Juden in Oberschlesien alle Rechte, die einem Staatsbürger zustehen (Wahlrecht usw.). So gibt es hier noch jüdische Richter und Notare und es können z. B. von den Juden auch diejenigen Berufe noch ausgeübt werden, die durch die Mitgliedschaft in der Reichskult urkamm e r, Musikkammer usw. bedingt sind. Die Studierenden werden zu den Prüfungen zugelassen und i haben Anspruch auf Erteilung der Approbation | usw. Die jüdischen Gemeinden haben ebenso wie Vorteile, die ihnen und den beteiligten Minderheiten das Genfer Abkommen gebracht hat, auch für die Zukunft sicherzustellen und .um zu verhindern, daß der in mühseliger Arbeit aufgebaute Minderheitenschutz mit einem Schlage zusammenbricht. Es ist aber zu befürchten, daß die deutsche Regierung alles aufbieten wird, um bei der Verlängerung des Vortrages den zu gun»ten der Juden bestehenden Minderheitenschutz zur Aufhebung zu bringen. Es ist deshalb notwendig, daß die Garanten des Vertrages schon heute über die Sachlage informiert werden, um die Rechtlosmachung der Juden zu verhindern. Gelingt es nicht, den oberschlesischen Judenden Minderheitenschutz auch weiter zu erhalten, so werden von neuem viele Existenzen brotlos werden und die Welle der Auswanderung in Oberschlesien, die bisher hier relativ geringer war als im übrigen Reich, wird mit besonderer Wucht einsetzen, ganz wie bei der Einverleibung des S a a r g e b i e t e 's. Damals hat man für die Auswanderung der Juden gesorgt, und es wäre Sache der Garantiemächte, für den äußersten Fall auch für die oberschlesischen Juden ähnliche Vorkehrungen zü treffen, wie für die Juden des Saargebietes. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Frankreich: Schlafwagen Paris—Touloh. Amerika: Staatsanwalt unter Mordanklage — Männer ohne. Namen — Der Weg ins Ungewisse — Rex, der König von Arizona — Schuldige Hände — Ihre letzte Nacht — Das Gericht der Totengräber — Rätsel um eine Frau — Desperados — Liebe vor dem Frühstück — Rosemarie — Metropolitan — Sie heiratet ihren Chef —- Singing Kid — Luna-Park (Strike the Pink) — Chicago Gangster — Der Schürzenjäger — Der Amateur- Gentleman — Die Botschaft an Garcia — Der Liebling der Frauen. Filme unter Arierparagraph Raub der Sabinerinneil — Die letzte Fahrt der „Santa Margareta" — Mädchenmarkt — Die Fahrt ins Blaue — Boccaccio — Der Holzschnitzer vom Erzgebirge — Befehl ist Befehl — Mister X. — Der Dämon vom Himalaya — Fuppenfee — Die Drei um Christine — Arzt aus Leidenschaft — Der Hundefänger — Weiberregiment — Opernring — Der Schlaumeier — Mädchenpensionat — Confetti — Engel mit kleinen Fehlern. Inu* ausländische Hausbesitzer verwalten ihre durch behördlich konz. 'Realitätenkanzlei Wien I, Fron» Josefs »Kai 1# Tel. 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